E-Book, Deutsch, Band 2356, 144 Seiten
Reihe: Julia
Connelly Die sinnliche Braut des Italieners
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7337-1045-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2356, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-1045-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Emmeline schloss die Augen. Eine einzige Frage ging ihr durch den Kopf. Worauf habe ich mich da nur eingelassen? Ein schwerer Weg liegt vor ihr, aber tapfer will Emmeline ihn gehen: Sie wird Pietro Morelli heiraten! Nicht etwa, weil sie den unfassbar arroganten Italiener liebt. Sondern weil sie dann endlich ihrem überbesorgten Vater entkommt! Dafür nimmt sie selbst eine Scheinehe in Kauf. Bis Pietro sie nach der Trauung im Blitzlichtgewitter der Presse sinnlich küsst - und heißes Begehren Emmeline erfasst. Schockiert wird ihr klar: Sie hat sich in ihren Playboy-Ehemann verliebt! Dabei ahnt sie nichts von dem Plan, den er mit ihrem Vater geschmiedet hat ...
Clare Connelly liebt Liebesromane - von Jane Austen bis E L James. Nachdem sie lange erfolgreich Selfpublisherin war, ging 2017 ihr Traum in Erfüllung, als ihr erstes Buch bei einem Verlag erschien. Seitdem ist sie nicht mehr zu stoppen. Clare liest und schreibt leidenschaftlich gerne, und lebt in einem kleinen Bungalow am Meer mit ihrem Traum-Ehemann, zwei kleinen Kindern und einem fleißigen Team von MacBooks.
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1. KAPITEL
„Du kannst mich nicht leiden, oder?“
Emmeline betrachtete den gutaussehenden Italiener nachdenklich – den teuren Anzug, den straffen, durchtrainierten Körper, das volle dunkle Haar, die dunkelbraunen Augen und die Lippen, die wie zum Küssen und Fluchen gemacht waren.
Bei dem Gedanken, dass sie ihn heiraten sollte, wurde ihr ganz anders.
Pietro antwortete nicht. Hat er mich überhaupt gehört? Sie holte tief Luft und setzte erneut an: „Ich habe gesagt …“
„Ich weiß, was du gesagt hast“, unterbrach er sie.
Er trommelte mit den Fingern auf der Stuhllehne.
„Es ist spät. Möchtest du einen Kaffee? Oder etwas Stärkeres?“, erkundigte er sich.
Emmeline schüttelte den Kopf, und ihr langes, glattes Haar bewegte sich dabei wie ein glänzender Vorhang. „Ich möchte nichts.“
Er presste die Lippen aufeinander, stand auf und durchquerte mit raubtierhafter Anmut das Zimmer. Sie beobachtete, wie er den Glasverschluss einer Karaffe abnahm, sich bernsteinfarbene Flüssigkeit in ein Longdrinkglas füllte und gut die Hälfte davon in einem Zug austrank.
„Ich weiß, das Ganze ist verrückt …“, murmelte Emmeline. Ihre Augen weiteten sich, als sie seinem Blick begegnete, und sie schaute schnell wieder weg.
„Un po“, gab er zu. „Ein bisschen.“
„Die Sache ist, ich will nicht, dass Daddy sich aufregt. Ich ertrage den Gedanken nicht, ihm wehzutun.“
Erneut suchte sie seinen Blick, und diesmal zwang sie sich, ihm standzuhalten. Wenn sie diesen Mann zu ihrem Komplizen machen wollte, musste sie ihm beweisen, dass sie keine Angst vor ihm hatte.
„Seit dem Tod meiner Mutter hat er mich in Watte gepackt. Und ich habe es geschehen lassen.“
Emmeline seufzte leise. „Ich denke schon seit Jahren, dass ich mich mehr durchsetzen müsste. Dass ich die Freiheiten und Privilegien genießen sollte, die jedem in meinem Alter zustehen.“
„Und? Warum tust du es nicht?“
Allein der Gedanke an Emmelines behütete Existenz war Pietro zuwider. Buchstäblich von Kindesbeinen an hatte er gegen jede Form von Zwang aufbegehrt. Er hatte schon immer nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung gestrebt.
„Schwer zu erklären.“ Sie verstand es ja selbst kaum. „Nach Moms Selbstmord war Daddy am Boden. Mich zu beschützen, wurde zu seiner Obsession. Ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht, mich dagegen zu wehren.“
Der Ausdruck auf Emmelines Gesicht berührte etwas in Pietros tiefstem Innern.
„Ja“, beantwortete sie seine unausgesprochene Frage. „Ich weiß, wie sie starb.“ Alle Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen, und sie schlug die schlanken Beine übereinander, die Hände im Schoß gefaltet.
„Dein Vater hat alles versucht, um dich vor der Wahrheit zu beschützen.“
„Ja.“ Sie lächelte schief. „Wie gesagt, er ist geradezu besessen davon, mich zu beschützen.“
„Wie hast du es herausgefunden?“
Die Frage rief Erinnerungen an eine dunkle Zeit in ihrem Leben wach.
„Ich war fünfzehn, nicht fünf“, erwiderte sie schulterzuckend und bemühte sich um einen gleichgültigen Gesichtsausdruck. „Daddy hat versucht, mich von allem fernzuhalten, aber in die Schule musste ich trotzdem, und Kinder können ziemlich grausam sein. Sie ist gegen einen Baum gefahren, klar – aber es war kein Unfall.“
In ihren Augen sah er den Schmerz, den sie zu überspielen versuchte. Unter normalen Umständen hätte er sie vielleicht getröstet. Doch dies waren keine normalen Umstände, und sie war keine normale Frau. Wenn er mitspielte, war sie seine zukünftige Braut.
Als hätte ich eine Wahl! Col hatte ihn vor vollendete Tatsachen gestellt.
„Ich glaube, er ist nie über ihren Tod hinweggekommen, und darum hat er solche Angst, dass mir etwas zustoßen könnte. Das kann ich sogar nachvollziehen.“ Sie räusperte sich. Jetzt kam der schwierige Teil. „Also, ja. Ich denke, wir sollten heiraten.“
Er lachte pikiert. „Glaubst du nicht, dass ich ein Mann bin, der dieses Anliegen gern selbst anspricht?“
„Oh …“
Ihr selbstbewusster Blick irritierte ihn etwas.
„Ich denke, dass du ein Mann bist, der nicht vorhat, diese Frage überhaupt jemals irgendeiner Frau zu stellen.“ Sie räusperte sich noch einmal. „Wenn man den Klatschblättern glauben darf, würdest du in deinem Schlafzimmer lieber eine Drehtür einbauen, als dich festzulegen.“
Sein Lächeln war kalt. „Ist das so?“
„Was du so treibst, ist kaum ein Geheimnis.“
Emmeline senkte den Blick. Das Licht war schummrig, doch ihm entging nicht, dass sich ihre Wangen röteten.
„Nein“, bestätigte er sanft.
Das hätte ihr eine Warnung sein sollen, doch sie hatte keine Erfahrung mit Männern. Und schon gar nicht mit Männern wie Pietro Morelli.
„Ich verlange nicht, dass du … damit … aufhörst.“ Sie machte eine unbestimmte Geste, sodass die zarten Armreifen an ihrem Handgelenk klimperten.
„Ach, nein? Wie entgegenkommend.“
„Ich meine, die Ehe wäre ja nur Mittel zum Zweck“, erklärte sie hastig. „Wir können ganz getrennte Leben führen.“
Sie versuchte, sich an die Bilder von seiner Villa vor den Toren Roms zu erinnern. „Dein Haus ist riesig. Wahrscheinlich begegnen wir uns kaum.“
Er fuhr sich mit der Hand übers Kinn, beruhigt, dass sie mit der Situation so nüchtern umging. Wenigstens ließ sie sich nicht zu irgendwelchen Disneymärchenfantasien hinreißen.
„Und das würde dir nichts ausmachen?“, fragte er, während er sie musterte.
Sie war das Abbild der langweiligen, amerikanischen High Society. Kein Sinn für Stil oder Mode – ein beigefarbener Hosenanzug mit cremefarbener Bluse und eine Perlenkette um den schlanken, blassen Hals. Welche Zweiundzwanzigjährige zog sich freiwillig so an?
„Natürlich nicht“, erwiderte sie überrascht. „Ich sagte doch, es wäre keine echte Ehe. Sie dient nur dazu, meinen Vater zu beruhigen. Er ist so altmodisch. Es ist eine Zweckehe.“
„Eine Zweckehe?“, wiederholte Pietro.
„Ja. Für Leute wie uns ist es schwer, jemanden zu finden, der es nicht nur auf unser Vermögen abgesehen hat.“
Langsam gewann Pietro den Eindruck, dass Col seine Tochter falsch einschätzte. Auf Pietro wirkte Emmeline überhaupt nicht wehrlos. Zu seiner Überraschung schien sie die Situation klar zu erfassen.
„Ich will dein Geld jedenfalls nicht. Ich will eigentlich gar nichts von dir. Nur die Freiheit, die mir unsere Ehe gestattet“, fuhr sie fort.
„Meine Mutter hätte gern Enkelkinder“, hörte er sich zu seiner Verblüffung sagen.
Der Klang ihres Lachens traf ihn völlig unvorbereitet. Es war ein melodisches Lachen, das überhaupt nicht zu ihrer farblosen Erscheinung passte.
„Wahrscheinlich hat sie schon ein paar, wenn man deinen Ruf bedenkt.“
Zornesröte stieg ihm ins Gesicht. „Willst du damit sagen, dass ich Kinder habe, von denen ich nichts weiß?“
Sie hob die Schultern. „Diese Möglichkeit solltest du wohl in Betracht ziehen.“
Nachdenklich kniff Pietro die Augen zusammen. Sie hatte mehr Mut als erwartet. Hinter der Fassade der kultivierten, höflichen Millionenerbin offenbarten sich im Gespräch Intelligenz und bissiger Humor.
„Es gibt keine“, erklärte er mit Nachdruck. „Vor der Verantwortung als Vater würde ich mich niemals drücken.“
„Dann wird deine Mutter mit der Enttäuschung leben müssen. Aber wenigstens wird sie dein Gesicht nicht mehr jede Woche in den Klatschspalten sehen.“
Sie stand auf und ging auf und ab, was ihn an sein Gespräch mit Col am selben Abend erinnerte.
„Du müsstest in Zukunft allerdings etwas diskreter sein. Ich heirate dich nicht, um mich öffentlich demütigen zu lassen. Die Außenwelt soll glauben, dass es sich um eine ganz normale Ehe handelt. Ich schätze, wir müssen uns gelegentlich gemeinsam auf Veranstaltungen blicken lassen. Doch hinter verschlossenen Türen kannst du treiben, was du willst – mit wem du willst.“
„Es würde dir also nichts ausmachen, wenn du in dieses Zimmer kommst und mich beim Sex erwischst?“
Emmelines Herz setzte einen Schlag aus, doch sie verzog keine Miene. „Nur in hygienischer Hinsicht.“
Er verkniff sich ein Lächeln. „Verstehe.“
„Daddy möchte, dass wir so schnell wie möglich heiraten. Wenn wir es noch diesen Monat schaffen, kann ich mich schon fürs nächste Semester einschreiben.“
„Einschreiben?“, fragte Pietro verwundert. Dann fiel ihm wieder ein, dass sie in Rom studieren wollte. Von Cols Krebserkrankung zu erfahren, hatte alles andere aus seinem Kopf verdrängt.
„Ja. An der Universität. Hat Daddy dir nichts davon erzählt?“
„Doch“, bestätigte Pietro.
„Tja, du siehst, ich werde dir nicht auf die Nerven gehen. Ich mache mein eigenes Ding.“
„Was das angeht, haben wir vielleicht ein Problem“, wandte er ein. „Ich weiß deine Großzügigkeit zwar zu schätzen, bin aber andersherum nicht so tolerant.“
„Was meinst du damit?“
„Ich werde keine Frau heiraten, die mit anderen Männern ausgehen will. Die mit anderen Männern schlafen will.“
Diese Möglichkeit war ihr zwar gar nicht in den Sinn gekommen, aber seine Kompromisslosigkeit überraschte sie. „Warum nicht?“
„Weil es den...




