E-Book, Deutsch, Band 2608, 144 Seiten
Reihe: Julia
Connelly Höchstgebot für die Leidenschaft
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7515-1870-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2608, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-1870-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Fünfhunderttausend Pfund!' Alicia ist fassungslos: Für diese astronomische Summe ersteigert Milliardär Graciano Cortéz sie bei einer Benefiz-Auktion. Fünf Tage gehört sie nun ihm - ihrer unvergessenen Jugendliebe! Aber was hat er vor? Das macht der feurige Spanier ihr schnell klar, als er sie auf seine Privatinsel einlädt. Er will Antworten, warum sie ihm damals das Herz gebrochen hat! Und er setzt alles daran, sie am nächtlichen Strand zu verführen! Seine Küsse machen Alicia wehrlos vor Verlangen. Aber niemals darf er ihr größtes Geheimnis erfahren ...
Clare Connelly liebt Liebesromane - von Jane Austen bis E L James. Nachdem sie lange erfolgreich Selfpublisherin war, ging 2017 ihr Traum in Erfüllung, als ihr erstes Buch bei einem Verlag erschien. Seitdem ist sie nicht mehr zu stoppen. Clare liest und schreibt leidenschaftlich gerne, und lebt in einem kleinen Bungalow am Meer mit ihrem Traum-Ehemann, zwei kleinen Kindern und einem fleißigen Team von MacBooks.
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1. KAPITEL
„Es tut mir so leid, ich …“ Die Entschuldigung auf den Lippen von Alicia Griffiths erstarb, als sie hochschaute, noch höher, über einen stattlichen Brustkorb, breite Schultern und einen sonnengebräunten Hals in ein nur allzu vertrautes Gesicht.
Obwohl zehn Jahre vergangen waren, gab es keinen Zweifel, wer vor ihr stand.
Graciano Cortéz.
Der Boden unter ihren Füßen schien nachzugeben. Sie hob eine Hand, hakte den Zeigefinger um ihre zarte Halskette und zog sie hin und her. Ihre Kehle war wie zugeschnürt.
„Alicia.“ Er war offenkundig überrascht, erholte sich aber deutlich schneller als sie. Langsam ließ er den Blick aus den beinahe schwarzen Augen über sie wandern. Erst zu den hellen Haaren, den weit auseinanderstehenden grünen Augen und den geschwungenen pinkfarbenen Lippen. Anschließend zum Dekolleté, das ihr seidenes Abendkleid entblößte.
Sie war ohnehin schon ein Nervenbündel gewesen. Eine so große Benefizgala hatte sie noch nie organisiert, und sie wollte unbedingt ein kleines Vermögen an Spenden zusammentrommeln. Die Begegnung mit Graciano warf sie völlig aus der Bahn.
„Was machst du denn hier?“, platzte sie heraus. Zugegeben, sie hatte die Gästeliste vorgestern das letzte Mal durchgesehen. Nachdem sämtliche Tickets verkauft worden waren und die üblichen großzügigen Spender zugesagt hatten, spielten die Namen keine große Rolle mehr. Allerdings wäre ihr Gracianos Name definitiv aufgefallen. Er musste ein Nachzügler sein.
„Soweit ich informiert bin, ist dies ein freies Land“, antwortete er ebenso gebieterisch wie spöttisch.
Als sie seine Stimme mit dem spanischen Akzent hörte, krümmte sie instinktiv die Zehen. Alles in ihr krampfte sich zusammen. Dieser Mann glich einem Strudel, der sie in sich hineinzog. Aber noch viel schlimmer: Er war auch der Vater ihrer Tochter. Einem Kind, von dem er nichts wusste, weil er jeden ihrer Versuche, ihn nach jenem grässlichen Morgen in Sevilla zu kontaktieren, abgeblockt hatte.
„Bist du meinetwegen hergekommen?“, fragte sie verdattert. Gütiger Himmel, wusste er etwa doch von Annie? Suchte er die Konfrontation? Wollte er ihr ihre Tochter wegnehmen? Bei der Vorstellung spürte sie, wie ihr sämtliches Blut aus dem Gesicht wich.
„Aus welchem Grund sollte ich dich treffen wollen, Alicia?“
Ihre Augen weiteten sich angesichts seiner unverhohlenen Verachtung. Sie hätte sich freuen sollen, weil er die Wahrheit nicht kannte. Stattdessen wurde sie noch nervöser.
Achtzehn war er bei ihrer letzten Begegnung gewesen – noch ein Teenager, aber mit mehr Entschlossenheit in seinem kleinen Finger, als die meisten Menschen im ganzen Körper besaßen. Er nahm nicht nur einfach so an der Gala teil.
„Sag du es mir“, meinte sie und warf rasch einen Blick über seine Schulter. Sie musste auf die Bühne, aber ihre Füße fühlten sich an wie festgenagelt.
„Es gibt keinen Grund“, sagte er nachdrücklich. „Vor zehn Jahren habe ich geschworen, dass du der letzte Mensch bist, dem ich noch einmal begegnen will. Ich habe meine Meinung nicht geändert.“
Er sagte es dermaßen kalt, dass sie kaum merklich zusammenzuckte. Jener Morgen in Sevilla, die Worte ihres Vaters, seine Vorwürfe an Graciano – die Erinnerungen waren in sie eingebrannt. Wie oft hatte sie davon geträumt? Gewünscht, sie hätte etwas getan oder gesagt, statt sich auf die Seite ihres Vaters zu stellen. Zuzuschauen, wie Graciano beschimpft und fortgejagt wurde. Es spielte keine Rolle, dass sie später versucht hatte, sich zu entschuldigen. Alles zu erklären. Ihm von dem Kind zu erzählen, das sie erwartete. Er hatte Alicia aus seinem Leben verbannt, und sie konnte es ihm nicht verübeln.
„Das ist lange her“, sagte sie leise, obwohl es nicht wirklich stimmte. Annie verlieh der gemeinsamen Vergangenheit nämlich eine höchst aktuelle Bedeutung.
„Ja“, pflichtete er mit einem Schulterzucken bei. „Entschuldige mich, mein Date wartet.“
Bevor Alicia sich bremsen konnte, schaute sie sich um. Eine langbeinige Frau kam aus dem Waschraum. Sie warf sich die roten Locken über eine Schulter und stolzierte auf Graciano zu, als wäre dies nicht der Korridor eines Hotels, sondern ein Laufsteg.
„Graciano …“, begann Alicia mit gerunzelter Stirn.
Was sollte sie sagen? Irgendwann hatte sie ihre Versuche, ihn zu kontaktieren, eingestellt. Sich damit abgefunden, dass er ohnehin nichts mit einem Kind von ihr zu tun haben wollte. Aber jetzt? Er stand direkt vor ihr. Gewiss war es ihre Pflicht, die Chance zu nutzen und ihn aufzuklären.
Und was dann? Einen Prozess um das Sorgerecht riskieren, falls sie sich geirrt hatte? Mit einem derart reichen und mächtigen Mann?
„Ich …“
Vernichtend sah er sie an. Er hatte beide Hände in die Hosentaschen geschoben, doch Alicia spürte eine Anspannung in seinem muskulösen Körper, die seine lässige Haltung Lügen strafte.
„Könntest du mich später auf einen Drink treffen?“, flüsterte sie. Auch wenn sie eine Heidenangst vor der Unterhaltung hatte: Es war richtig, ihm die Wahrheit zu sagen. Sie musste den Graciano von heute wenigstens kennenlernen, damit sie ihren nächsten Schritt planen konnte. Annie war ihre oberste Priorität. Und was schuldete sie diesem Mann? Immerhin hatte er sich geweigert, ihre Anrufe entgegenzunehmen, und schließlich sogar seine Handynummer geändert.
„Nein.“
Mit dieser unverblümten Ablehnung hatte sie nicht gerechnet. Ihr Magen vollführte einen Sturzflug. „Gib mir zehn Minuten.“
„Es ist lange her, dass ich zuletzt glaubte, ich müsse dir irgendetwas geben.“
In den zehn Jahren sind seine Gefühle nicht milder geworden, erkannte sie. Er war noch genauso zornig wie damals.
Kein Wunder. Ihr Vater hatte ihm fast eine halbe Stunde jede nur erdenkliche Beleidigung an den Kopf geworfen. Alicia hatte stumm danebengestanden und sich durch ihr Schweigen mitschuldig gemacht. Sie erinnerte sich an den Ausdruck auf Gracianos Gesicht. Seine Erwartung, dass sie klarstellte, es gehe nicht um einen sexuellen Übergriff, sondern um eine Beziehung.
Sie hatte es nicht fertiggebracht, den Zorn ihres Vaters auf sich zu laden. Ihr Selbsterhaltungstrieb war ihr sogar wichtiger als Graciano gewesen.
Für diesen stolzen Mann, den die Menschen fast sein ganzes Leben lang schlecht behandelt und verlassen hatten, war ihr Verhalten unverzeihlich.
„Bitte“, fügte sie leise hinzu.
Seine Augen verengten sich. Alicias Wirbelsäule kribbelte. Das Zeitfenster schloss sich, denn die rothaarige Frau war inzwischen fast bei ihnen angekommen. Andererseits … Graciano war zu Gast hier, also musste Alicias Assistentin seine Kontaktdetails haben. Es bestand keine Notwendigkeit, etwas zu überstürzen. „Egal“, sagte sie also und schüttelte den Kopf, wobei ihr eine glatte blonde Strähne in die Stirn fiel. Sie hob eine Hand, strich sich die Haare aus dem Gesicht – und bekam eine Gänsehaut, weil Graciano ihrer Geste mit dem Blick folgte. „Es spielt keine Rolle.“
Zustimmend neigte er den Kopf. Bevor sie noch etwas sagen konnte, drehte er sich um, legte einen Arm um die Taille der rothaarigen Frau und führte sie in den Ballsaal. Der Anblick der feiernden Menschen stand in direktem Widerspruch zu Alicias innerem Aufruhr.
Gerade hatte sich die Tür zu ihrer Vergangenheit einen Spalt geöffnet, und sie hatte keine andere Wahl, als hindurchzugehen.
Es gab nicht viel, das Graciano Cortéz überraschen konnte. Nachdem er vor zehn Jahren aus dem Elternhaus von Alicia Griffiths geworfen worden war, hatte er geglaubt, ihr nie wieder zu begegnen. Hatte geglaubt, dass sie keine Macht mehr über ihn besaß und ihn nicht erreichen konnte. Dass sie für ihn gestorben war.
Ein Irrtum, erkannte er, als sie jetzt auf der Bühne stand. Ein Blitz schien durch seinen Körper zu zucken. Derselbe Blitz, der ihn vor zwanzig Minuten auf dem Korridor fast umgeworfen hatte.
Vor einem Jahrzehnt, während dieser kurzen Zeit des Glücks, hatte er es für möglich gehalten, dass sein Leben schön sein konnte. Dass ihn jemand akzeptierte, wie er war – ja, sogar liebte. Jemand hatte ihn dazu gebracht zu lächeln, zu lachen und zu vertrauen. All das in ihm zum Leben erweckt, was er für abgestorben gehalten hatte. Zunächst war er hinter die Schutzmauer geflohen, die er Stein um Stein aufgebaut hatte. Aber Alicia hatte ihn hervorgelockt, jedes Mal ein Stückchen weiter.
Aus dem Grund war jener Morgen ja auch derart furchtbar gewesen.
Voller Bitterkeit dachte er an seinen dummen Fehler.
Du bist wertlos, Bursche, Abschaum von der Straße, und das wirst du auch immer bleiben. Scher dich von meinem Grundstück, bevor ich die Polizei rufe.
Sogar heute noch spannten sich bei der Erinnerung alle Nerven in seinem Körper an. Adrenalin strömte durch seine Adern, während sich auf seiner Zunge ein metallischer Geschmack ausbreitete.
Gleich beim ersten Problem hatte Edward Griffiths, ein Pfarrer, ihn hinausgeworfen. Und Alicia hatte schweigend zugeschaut, statt zuzugeben, dass es sich um einvernehmlichen Sex handelte und sie einander – nein, nicht liebten. Um Liebe war es nicht gegangen. Damals hatte er das zwar geglaubt, aber er war ja auch ein törichter Teenager gewesen, auf der Suche nach etwas, das nicht existierte.
An Hormonen hatte es gelegen, an Lust, Verlangen und dem Reiz der verbotenen Frucht, einer der ältesten Verlockungen der Welt. Er hatte...




