Conrad | Das Strandfliederglück | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 304 Seiten

Reihe: Strandflieder-Saga

Conrad Das Strandfliederglück

Roman. Ein wundervoller Neubeginn auf Spiekeroog
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7517-2833-1
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman. Ein wundervoller Neubeginn auf Spiekeroog

E-Book, Deutsch, Band 2, 304 Seiten

Reihe: Strandflieder-Saga

ISBN: 978-3-7517-2833-1
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit der Entscheidung, nach Spiekeroog zu ziehen, ändert sich Maikes Leben gewaltig. Doch sie bereut es keine Sekunde. Sie und Jarik bauen das Strandfliederhaus zu einem gemeinsamen Heim um. Maike erlebt erstmals die gemütliche und zugleich raue Herbstzeit sowie das Weihnachtsfest auf der Insel. Ihre Tochter Tessa, die bis zum nächsten Sommer noch die Schule in Frankfurt beenden wird, kommt mit Beginn der Weihnachtsferien zu Besuch. Alle sind froh darüber, zusammen die Festtage und Silvester zu verbringen. Doch das neue Jahr hält einige ungeahnte Überraschungen bereit ...

Nach dem sommerlichen ersten Band folgt nun Inselflair von Spätherbst bis Frühsommer

Wundervoller Abschluss der Strandflieder-Saga



Elena Conrad, geboren 1972 in Frankfurt am Main, lebt mit ihrer Familie im malerischen Nahetal. All ihre Urlaubsfahrten führen sie immer ans Meer. So reist sie seit vielen Jahren auch regelmäßig an die Nordseeküste, um auf Spiekeroog die einzigartige Kombination aus Sonne, Strand und frischer Brise zu genießen. Dort findet sie Energie und Ideen für ihre nächsten Romane.
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Erstes Kapitel


Der Wind hatte aufgefrischt, doch zwischen den Häusern war man geschützt vor der durchdringenden Kälte. Maike hielt die Hände tief in den Taschen ihres wetterfesten petrolfarbenen Anoraks vergraben. An den Füßen trug sie robuste Wanderschuhe. Sie dachte an das weihnachtlich dekorierte Strandfliederhaus und freute sich schon auf das Frühstück mit ihrer Mutter und ihrer Tochter Tessa, die am Tag zuvor mit der letzten Fähre gekommen waren. Sicher hatte Tessa viel zu erzählen.

Heute, an Heiligabend, öffneten sie den Laden ausnahmsweise vormittags zwischen neun und zwölf Uhr, bevor sie in eine zweiwöchige Weihnachtspause gehen wollten. Sie würden die Zeit zur Erholung brauchen – so gut das eben ging. Gewiss, es kam gerade weniger Kundschaft, aber es gab immer Papierkram zu erledigen, Einkaufs- und Bestelllisten zu überprüfen, neue Kunden zu akquirieren und nicht zuletzt die Steuer vorzubereiten. Meist erledigten sie das nebenher im Laden – Jarik und sie wechselten sich mit dem Verkauf ab, wenn Famke keine Zeit hatte, weil sie in ihrer Keramikwerkstatt war, wo sie dafür sorgen musste, dass der Nachschub an Geschirr nicht versiegte.

Es war schön, mit Jarik zusammenzuarbeiten und zusammenzuleben, so schön, wie sie es sich nie hätte vorstellen können. Er war ständig in ihren Gedanken, und abends verbrachten sie gemeinsame Zeit auf dem Sofa, erzählten einander vom Tag und besprachen Wichtiges. Seit dem Herbst waren sie glückliche Besitzer eines Kachelofens. Maike genoss es, nach einem Spaziergang am Meer gemütlich mit einer Tasse Tee davorzusitzen und mit Jarik zu kuscheln. Famke hatte eines Tages die Idee gehabt, Ofenkacheln anzufertigen – eine lukrative Einnahmequelle für das Geschäft. Jarik hatte sie bei dem Vorhaben unterstützt, einen Ofensetzer gefunden und einen Großteil des Einbaus in Eigenarbeit erledigt. Er unterstützte all ihre Projekte.

Wie sehr hatten Florian, ihr Ex-Mann, und sie dagegen zum Schluss aneinander vorbeigelebt. Sie hatte kaum noch gewusst, was er tat, und er hatte sich nicht dafür interessiert, was sie beschäftigte. Keinem von ihnen war das wichtig erschienen, weil sie einander eigentlich nichts mehr zu sagen gehabt hatten. Es hatte sie nicht mehr interessiert, und das war seltsam gewesen, weil sie ihr Leben doch einmal mit diesem Mann hatte teilen wollen, weil sie eine Familie gewesen waren und eine Tochter hatten.

Jarik ist anders.

Sie sah ihn vor sich: sein braunes Haar, durch das der Wind fuhr und das wie ihres über den Sommer etwas heller geworden war, seine funkelnden dunklen Augen, die Lachfalten …

Jetzt war sie also angekommen, hier auf ihrer kleinen Insel, die sie seit einem halben Jahr ihre Heimat nannte. Sie war nur gut achtzehn Quadratkilometer groß und knapp sechs Kilometer vom Festland entfernt, autofrei bis auf die Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge und über eine Fährverbindung mit Neuharlingersiel verbunden. Das hier war ihr neuer Lebensmittelpunkt: Spiekeroog, das Eiland, das sich mehr als fünftausend Jahre zuvor aus vom Wind angewehten Sandbänken gebildet hatte. Auf einem der Spaziergänge, auf denen sich Famke und sie endlich nähergekommen waren, hatte die junge Frau, die hier aufgewachsen war und damit seit ihrer Kindheit mit der Insel verbunden war, ihr erzählt, dass die Ostfriesischen Inseln aufgrund der Gezeitenströmungen sowie der vorherrschenden Westwinde permanent von Nordwest nach Südost wanderten. Irgendwie fand Maike es faszinierend, sich vorzustellen, dass sich so etwas wie eine Insel bewegte, langsam zwar, aber dennoch … Bei einigen Inseln hatte das dazu geführt, dass die einst in der Inselmitte gelegenen Dörfer heute am Westrand zu finden waren.

Das Inseldorf Spiekeroog hatte es anders getroffen: Es befand sich auf der dem Festland zugewandten Südseite der Insel. Der alte Ort hatte in den letzten Jahrhunderten weder verlegt werden müssen, noch war er vergrößert oder modernisiert worden. Hier standen keine Hochhäuser oder Hotelkomplexe. Jahrhundertealte Friesenhäuser gaben dem historischen Ortskern mit seinen schmalen Wegen und seinem alten Baumbestand ein besonders idyllisches Bild. Das älteste Haus der Insel war das Alte Inselhaus in der Süderloog 4, das 1705 erbaut worden war. Es war wie etliche der anderen alten Häuser der Insel mit einem sogenannten Schwimmdach ausgestattet, das bei Sturmfluten die Funktion einer Rettungsinsel für die Hausbewohner übernahm. Maike fiel es schwer, sich das vorzustellen. Mittlerweile war in dem Alten Inselhaus ein Café und Restaurant untergebracht. Auch die älteste Kirche der Ostfriesischen Inseln befand sich auf Spiekeroog. Sie war 1696 erbaut worden und stand zwischen dem Noorderloog und dem Süderloog, den beiden ältesten Straßen Spiekeroogs. Es gab eine Kanzel im Stil der Renaissance, Apostelbilder sowie eine Pietà, die von einem 1588 vor Spiekeroog gestrandeten Schiff der spanischen Armada stammen sollte, aber sie fand, dass man an beeindruckenden Orten eigene Ankerpunkte setzen musste, die einem etwas bedeuteten.

Zwischen dem im Norden und Westen der Insel gelegenen Strand und dem Dorf lagen ausgedehnte Dünenlandschaften, die sie gerne auf den erlaubten Wegen durchstreifte. Auf der Insel wurde der Schutz der Tier- und Pflanzenwelt großgeschrieben, aber es gab genügend Möglichkeiten, spazieren zu gehen, ohne irgendein Tier zu stören oder Gräser zu zertrampeln.

Sie liebte die Natur, konnte nicht genug bekommen vom Wind, der einem den Kopf freimachte, dem Getöse der Wellen, die an den Strand schlugen, und dann wieder von der Ruhe, die man fand, wenn man die Dünenwege entlanglief. Meist nahm sie die Kamera mit und fotografierte, was sie besonders in Erinnerung behalten wollte. Ein erstes Fotobuch hatte sie schon angelegt, sicherlich würden noch weitere folgen. Es gab einfach so viele Motive, außerdem konnte sie auf ihren Spaziergängen die Veränderungen im Laufe der Jahreszeiten verfolgen und dokumentieren.

An diesem Morgen war das Meer im Dunst kaum zu erkennen. Seltsamerweise hatte sie sich das früher nicht vorstellen können, aber es war faszinierend, wie unterschiedlich es aussehen konnte. Sie hatte beispielsweise nicht gewusst, dass das Meer so viele unterschiedliche Farben haben konnte. Es changierte zwischen einem dunklen Blau und einem hellen Grau, erschien manchmal grün oder sogar gelblich und zeigte stets eine Kraft, die einen nur beeindrucken konnte. Auch deshalb hatte sie sich vorgenommen, fast jeden Tag ein Foto von einer bestimmten Stelle am Strand zu schießen. Es war ein gutes Projekt. Famke hatte sie für die Idee gelobt, was sich wirklich gut angefühlt hatte. Maike hatte sich nie als kreativ empfunden. Vielleicht stimmte das ja gar nicht.

Inzwischen hatte sie den ersten Herbst hinter sich gebracht. Anfangs hatte Famke sie manchmal prüfend angesehen.

»Und? Hast du schon einen Inselkoller? Im Herbst und Winter ist das Leben hier härter als im Sommer …«

Maike hatte lachen müssen. »Nein, alles in Ordnung. Ich genieße die Veränderungen der Natur.«

Und das stimmte. Auch wenn diese Jahreszeit auf der Insel definitiv rauer als auf dem Festland war. Häufig hatte es Stürme gegeben, so manches Mal Sturmwarnungen. Sie genoss ihre Spaziergänge dennoch. Sie konnte sich nicht erinnern, dass das in ihrem Leben jemals so gewesen war. Nur während der Examensphase war sie eine Zeit lang viel rausgegangen, und als Tessa klein gewesen war, aber irgendwann hatte sich das verloren. Sie liebte es, ihren Jackenkragen hochzuschlagen, sich einen Schal um Mund und Nase zu wickeln, feste Schuhe anzuziehen und dann loszumarschieren! Manchmal konnte man sich in den Wind lehnen, manchmal musste man alle Kraft zusammennehmen, um auch nur ein Stück voranzukommen. Hin und wieder traf sie andere Spaziergänger, manche waren ihr richtig vertraut geworden. Es gefiel ihr, die Kräfte der Natur zu spüren, denen man auf Spiekeroog kaum entkommen konnte. Es gefiel ihr genauso, sich in die Wohnung zurückzuziehen und den Wind ums Haus pfeifen zu hören oder mitzubekommen, wie er unablässig an den Läden rüttelte.

Mit Jarik ging sie gerne zu ihrem Lieblingsstrand auf der Ostseite der Insel, um zu sehen, wie sich das Wasser gegen den Strand warf und Stück um Stück das Land eroberte. Im Herbst und Winter kamen teils andere, aber auch weniger Gäste. Die Wanderwege durch die Dünen oder auch den endlosen feinen Sandstrand hatte man häufig für sich allein. Ja, es war wirklich sehr ruhig auf Spiekeroog in der kälteren Jahreszeit und doch auf seine Art und Weise ganz herrlich.

Die anderen hatten noch geschlafen, als sie am Morgen leise das Haus verlassen hatte. Es war noch so dunkel gewesen, dass sie sich für das erste Stück Weg eine Taschenlampe mitgenommen hatte. Auf den Dünen hatte Raureif gelegen, auf dem Sand hatten sich hier und da Eismuster gebildet. Sie mochte die Geräusche, die sie mit jedem Schritt machte. Sie mochte es, wie sie sich vor dem kalten Wind in ihre Kapuze zurückziehen konnte und wie die Kälte in ihre Wangen biss und sie rosig färbte. Auf ihrem Weg in Richtung Ostplate war es heller und heller geworden.

Kurz vor Sonnenaufgang huschte eine Sternschnuppe über den Himmel. Sie hielt für einen Moment inne. Das Nachtgrau des Himmels färbte sich rosa, dann rosagolden. Ein joggendes Pärchen kam ihr entgegen. Kurz darauf eine Fahrradfahrerin, die wohl von der Mutter-Kind-Klinik kam. Maike bog in den schmalen Weg, der sie zu ihrem Lieblingsstrand führte, beobachtete einige Zeit die tanzenden Wellen mit ihren Schaumkronen, das hellgraue Wasser, die Möwen. Sie kam oft hierher, und doch fand sie immer wieder etwas Neues. Der Wellengang war an diesem Morgen etwas...


Elena Conrad, geboren 1972 in Frankfurt am Main, lebt mit ihrer Familie im malerischen Nahetal. All ihre Urlaubsfahrten führen sie immer ans Meer. So reist sie seit vielen Jahren auch regelmäßig an die Nordseeküste, um auf Spiekeroog die einzigartige Kombination aus Sonne, Strand und frischer Brise zu genießen. Dort findet sie Energie und Ideen für ihre nächsten Romane.



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