Conrad / Sandrino / Hagen | Pink Christmas 4 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 218 Seiten

Conrad / Sandrino / Hagen Pink Christmas 4

Andere Weihnachtsgeschichten
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-86361-423-2
Verlag: Himmelstürmer Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Andere Weihnachtsgeschichten

E-Book, Deutsch, 218 Seiten

ISBN: 978-3-86361-423-2
Verlag: Himmelstürmer Verlag
Format: PDF
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Pink Christmas erscheint nun schon im 4. Jahr! Den Erfolg der letzten Jahre setzen wir fort, und auch in diesem Jahr haben wieder Autoren des Himmelstürmer Verlags ihre ganz persönlichen Weihnachtsgeschichten geschrieben. Herausgekommen ist eine bunte Mischung, voller Romantik, Erotik, und auch mit durchaus kritischen Betrachtungen. Spannend, mitfühlend oder auch hoch erotisch! Das ideale Weihnachtsgeschenk für Leser des Besonderen.

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Weitere Infos & Material


KAI STEINER
 
WEIHNACHTLICHE ÜBERRASCHUNGEN … Das Spiel der Spiele. Die Heimmannschaft gegen den Ersten der Liga. Am 23. 12. um einundzwanzig Uhr. Palermo gegen Roma im schönsten Stadion von Sizilien, direkt am Mittelmeer. Einmalig. Roma – Fans feiern bereits den Sieg über die kommenden Absteiger. „Unser Weihnachtsgeschenk für die Weicheier“, skandieren Tausende von Anhängern, die mit der römischen Mannschaft angereist waren. Eine einzige Provokation für die Einheimischen. Fünfundzwanzigtausend werden ihr Stadion zu verteidigen wissen …   AS Roma gilt als eine der bedeutendsten Mannschaften Europas. Siebzehn Ballakrobaten, drei, nämlich Vincenzo Fini, Paulo Fernando, Marco Macini ihre Helden, Nationalspieler und Weltmeister, Fini ihr unangefochtener Champion. Der sizilianische Club, das Aschenputtel der Tabelle. In seinen Reihen Luigi Salce, der einzige Stern im Rund seiner Spieler. Idol aller heimischen Soccerfans, mehr noch, Stolz der Inselbewohner. Zweiundzwanzig Jahre, von den Eltern im achtzehnten Lebensjahr gegen seinen Willen verheiratet mit seiner frommen Cousine Anna. Er lächelte zwar über ihr ständiges Beten und über die unendlichen Kirchengänge, aber, wenn er ehrlich wäre, waren ihm diese zuwider. Er hatte wenig mit der Religion im Sinn. Die Hochzeit hatte Wirkungen hinterlassen. Nicht nur, dass er reifer geworden war, nein, er hatte sich zu einem fanatischen Stürmer mit unstillbarem Hunger gemausert, dem Fußball über alles ging, der trotz seiner Schnelligkeit oder gerade deshalb die hohe Kunst der Ballbehandlung erlernte. Niemand wusste eine Erklärung hierfür. Nur Luigi selbst, und diese gab er nicht preis. Sein Rechtsschuss war inzwischen gefürchtet, sein linker Fuß blieb unberechenbar. Man bewunderte ein ums andere Mal die Leichtigkeit seiner Schlenzer von rechts und links und seinen Instinkt für Lupfer, wenn sich der Torwart zu weit aus seinem Kasten wagte. Er war vom Nationaltrainer zum nächsten Länderspiel berufen, was ihm noch mehr Bewunderung eingebracht hatte. „Dein Antritt, dein Tempo, die Ballführung. Und was hast du für eine Körpersprache, mein Gott, deine Entschlossenheit und schließlich deine unbändige Lust am Fußball, du bist im nächsten Länderspiel meine Hoffnung!“, ließ er den jungen Mann wissen. Sein Vereinstrainer sieht ihn auch als Dribbelkönig, der aus der Tiefe passende Flanken schlägt, nur leider wissen seine Mitspieler nicht viel mit ihnen anzufangen, ja, einige meiden ihn. Einige machen sogar aus ihrem Hass keinen Hehl. Luigi redet kaum, wird als in sich gekehrt beschrieben, manche nennen ihn sogar hochnäsig. Es ist schrecklich, keinen Partner zu haben, mit dem man über Fußball reden kann, denkt Luigi. Man muss doch gemeinsam ein Spiel analysieren, hören, was man gut oder schlecht oder falsch gemacht hat, wie man den Gegner narrte und narren kann. Und man muss doch mit einem Freund mal über die Stränge hauen, mit einem Fußballfreund, einem Besessenen, der so, wie man selbst, fühlt. Er gehört seit seinem fünften Lebensjahr dem Verein an, ist fest in ihm verankert und hat nie über einen Wechsel nachgedacht. Er teilt mit fast allen Sizilianern deren besondere Eigenschaft, die der Bodenständigkeit und Treue. Seine Eltern, seine Frau und er bewohnen eine Villa in Taormina in der Nähe des Volksgartens - Giardino publico - mit unverbaubarem Blick auf den Ätna, ein Platz, den Luigi liebt. Er wurde hier geboren. Der junge Mann ist viel unterwegs. Was ihm entgegenkommt. Die Hälfte der Spiele findet in Arenen auf dem Festland - bis hoch nach Florenz, Udine, Mailand und Turin – statt, nur Cagliari auf Sardinien bildet eine Ausnahme. Er trainiert mit seinen Sportfreunden im Stadion von Palermo, kehrt abends in seinem Alfa Romeo heim, wenn nicht ein Punktspiel spät angesetzt ist. Er hat den Leitsatz seines Vaters übernommen, den Ätna mindestens einmal am Tag zu sehen und zu bestaunen. Was durch seinen Beruf nicht immer klappt. Er erfüllt der Familie gegenüber seine Pflicht. Das große Glück, von dem seine Mutter träumt, blieb ihm bisher versagt, nur auf den Fußballplätzen – und wenn ihm Tore gelingen – übermannen ihn Gefühle, die er sonst nicht kennt, erschüttern seine Seele, bringen ihn in Hochstimmung. Dann überzieht sein sonst ernstes Gesicht ein Lächeln, das Berge versetzen könnte, nur fehlt ihm dazu der Partner, ein Pendant. Seine Frau schimpft manchmal, wenn er von einem Heimspiel spät zurückkommt oder erst nächsten Morgen auf der Matte steht. Das belastet die Ehe mächtig.   Seit zwei Monaten hat der Trainer die siebzehnjährigen Zwillinge Roberto und Franco Falaci aus dem vereinseigenen Internat in die Mannschaft berufen. Seit sechzig Tagen trainieren sie mit den Profis. Leitung und Vorstand hoffen, sich aus der Abstiegszone zu befreien, einen sicheren Tabellenplatz zu ergattern. Beide Jungen sind begnadete Fußballspieler, impulsiv, draufgängerisch, wie Jugendliche sind, und schnell. Robertos Vorbild ist Luigi. Seit Jahren himmelt der junge Mann den Besten der Mannschaft an. Nun trainiert er mit ihm, sein Glück ist fast vollkommen. Während des Trainings, bei freiwilliger Gymnastik, im Fitnesscenter und bei Mannschaftsbesprechungen versucht Roberto, in der Nähe seines Idols zu sein. Wenn sich die Spieler den Dreck nach dem Fight vom Körper schrubben, Roberto steht neben ihm, sein Bruder in dessen Nähe. So überdeckt er seine Zuneigung zu seinem großen Vorbild. Aber dieser ist sensibler, als es die Mitspieler ahnen. Er hat längst bemerkt, dass der junge Mann seine Augen kaum von ihm lässt. Zuerst dachte Luigi, dass es einfach nur Anhänglichkeit ist, Akzeptanz und Anerkennung, seit letztem Training, als die beiden für eine Minute allein unter der Dusche standen, ist ihm bewusst geworden, dass es mehr ist, viel mehr, und das hat ihn sehr berührt.   Heute oder morgen erwartet Luigis Frau ein Baby, wird behauptet. Ganz Sizilien nimmt daran teil. Wenn es heute das Licht der Welt erblickt, wird ein Hubschrauber über der Arena kreisen und den Namen des Kindes verkünden. Eine Buchstabenschleife im Schlepptau. Luigi ist überzeugt: es wird ein Junge und der kommende Kicker der sizilianischen Sportfreunde. Der Kardinal höchst persönlich hat Luigi angehalten, auf eine Untersuchung mit Ultraschall der Mutter zu verzichten. Man muss nicht vorher wissen, was Gott mit uns Menschen vorhat, meinte er. Es ist früh genug, das Geschlecht zu erfahren, wenn das Baby zum ersten Mal kräht, denn Gott liebe alle Kinder, ob Mädchen oder Jungen. Luigi ergab sich seinem christlichen Schicksal. Mit einem Mal hatte er doch ein bisschen mehr Achtung vor der christlichen Moral. Anna dagegen war beim Arzt. Sie verschweigt das Geschlecht. Ob das Kind heute zur Welt kommt oder während der abendlichen Messe nach dem Fight, vielleicht sogar erst am 25ten Dezember, ist gleichgültig, denkt Luigi, es ist auf alle Fälle ein Geschenk Gottes. Nicht umsonst hat auch Maria ihren Sohn Jesus zu diesem Zeitpunkt zur Welt gebracht. Sicher werden alle jetzt geborenen Kinder unter dem besonderen Schutz des Heilands stehen. Man wird sehen. Und deshalb müssen wir gewinnen!   Die Arena ist zum Bersten gefüllt. Der Favorit wird gewinnen; die sizilianische Elf muss gewinnen. Niemand gibt einen Pfifferling auf sie. Was daran liegt, dass man am Tabellenende steht und den drohenden Abstieg kaum noch entrinnen kann, trotz Luigi und trotz der beiden jungen Kicker. Den Gästen wird vorausgesagt, Meister zu werden, nur verlieren dürfen sie heute nicht.   Man läuft auf den Platz. Blau die Farbe von Finis. Luigi ist Spielführer. Seine rote Binde leuchtet bis in die hintersten Plätze. Jubel, als er in die Tribünen hineinwinkt. Jeder fühlt sich mit ihm, dem besten Nationalspieler, solidarisch, nur ein Tor wollen ihm die Fans des Abstiegskandidaten nicht gönnen. Das gehe zu weit. Aber feiern solle er sich lassen. Und er tut es mit seinen Leuten. Stolz ihre Häupter, arrogant in den Bewegungen, lässig schieben sie den Ball hin und her. Einspielen ist alles, denken sie, und man müsse zeigen, was eine Harke ist. Furcht einjagen ist die einzige Methode für Angsthasen, und das sind die Heimischen. Wird’s klappen? Diese bilden in ihren gelben Hemden und roten Hosen einen Kreis, legen die Arme auf die Schultern des Mitspielers zur Rechten und zur Linken und beugen sich tief nach unten. Eine Gelegenheit für Roberto, der sich neben Luigi gemogelt hat. Er drückt seinen Schädel sanft gegen Luigis Kopf. Ihm ist klar, dass sich der Star nicht wehren darf. Sähen das die Mitspieler, ließen sie ihn und Luigi auf dem Feld verhungern. Roberto löst den linken Arm vom Mitspieler, greift in seine Hosentasche, holt ein kleines Herz heraus, öffnet nur Sekunden seine Hand, so dass Luigi es sehen muss. Dieser schaltet sofort. Er blinzelt den Jungen unverhohlen von unten an und lächelt. Es ist...



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