E-Book, Deutsch, Band 1, 138 Seiten
Reihe: Cotton Reloaded: Nemesis
Conroy / Stahl Cotton Reloaded: Nemesis - 1
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7325-3894-2
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Verurteilt
E-Book, Deutsch, Band 1, 138 Seiten
Reihe: Cotton Reloaded: Nemesis
ISBN: 978-3-7325-3894-2
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
COTTON RELOADED - NEMESIS: Der Beginn einer neuen Ära!
Das G-Team droht zu zerbrechen: Mr. High wurde suspendiert, Philippa Decker sitzt in der Todeszelle, und im Verborgenen lauert ein mächtiger Feind. Um zu überleben und sein Team zu retten, muss Cotton jede Regel brechen. Aber welchen Preis wird er dafür zahlen?
Härter, schneller, explosiver: So haben Sie Cotton noch nie gelesen!
ÜBER DIESE FOLGE
Cotton läuft die Zeit davon. Philippa Decker wurde zum Tode verurteilt. Noch sieben Tage bis zur Giftspritze. Cotton ist der einzige, der noch versucht, die Unschuld seiner Ex-Partnerin zu beweisen. Das FBI hat Philippa längst fallen gelassen. Als alle Hoffnung umsonst scheint, stößt Cotton endlich auf eine Spur - die ihn bis nach Moskau führt. Wird er dort tatsächlich Beweise für Philippas Unschuld finden? Oder ist er in eine tödliche Falle getappt?
COTTON RELOADED - NEMESIS besteht aus sechs Folgen. Die Serie erscheint als eBook und Audio-Download (ungekürztes Hörbuch). COTTON RELOADED ist das Remake der erfolgreichsten deutschen Romanserie JERRY COTTON.
eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.
Gabriel Conroy ist das Pseudonym eines in Los Angeles lebenden Autors. Er studierte in Kalifornien Film und Journalismus und arbeitete lange in der Filmbranche. Unter seinem echten Namen schreibt er Romane und Artikel, übersetzt Bücher und unterrichtet Deutsch. Als Gabriel Conroy lebt er seine Vorliebe für Pulp, Thriller, Horror und Heftroman-Stories aus.
Timothy Stahl, in den USA geboren, wuchs in Deutschland auf, wo er beruflich als Redakteur für Tageszeitungen und als Chefredakteur eines Wochenmagazins tätig war. 1999 kehrte er in die USA zurück und arbeitet seitdem als Autor und Übersetzer. Timothy Stahl lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Las Vegas, Nevada.
Autoren/Hrsg.
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1
Chicago, South Side, 4:31 Uhr. Jetzt.
»Born to Run, ist doch klar«, sagte Joe Brandenburg. Er grinste mich schief an, nippte an seinem Kaffee und verbrannte sich prompt die Lippen. »Scheiße, ist die Brühe heiß!«
Ich saß am Steuer meines alten Dodge Challenger und verbiss mir ein Lachen. Der Wagen parkte am Straßenrand, nur wenige Meter von dem Mietshaus entfernt, das Brandenburg und ich seit Stunden beschatteten. Draußen waren es minus acht Grad, hier drinnen kaum mehr.
»Kannst ja den Donutshop verklagen«, schlug ich vor. »Gab’s doch mal. Da hat sich eine die Muschi verbrannt, als sie sich den Kaffee aus Versehen in den Schoß gekippt hat. Dann hat sie den Laden verklagt, und jetzt lebt sie in einer Millionenvilla.«
»Ich hab keine Muschi«, raunzte Brandenburg vom Beifahrersitz.
»Eier aber auch nicht.«
»Ach, halt’s Maul. Oder willst du deine Scheiße hier alleine machen?«
Nein, das wollte ich nicht. Trotz allem war ich froh, dass Joe Brandenburg bei mir war. Der Kerl konnte nerven, ja, aber ich durfte von Glück reden, ihn zum Freund zu haben.
»Sorry, Alter«, lenkte ich ein.
»Schon gut.« Brandenburg schaute auf die Uhr und fuhr sich mit einer Hand über das fahle, unrasierte Gesicht. »Halb fünf durch. Darf gar nicht dran denken, wo ich jetzt eigentlich liegen würde, an meinem freien Tag. Zu Hause nämlich, neben meiner Teuersten, im warmen Bettchen. Vorm Aufstehen dann vielleicht ’ne gepflegte Nummer schieben …«
»Hab dich nicht so«, unterbrach ich ihn. So genau wollte ich das gar nicht wissen. Ich saß bei den Brandenburgs oft genug am Esstisch und brauchte von der Dame des Hauses keine solchen Bilder im Kopf. »Hier ist es doch auch schön. Guck nur …«
Brandenburg knurrte irgendetwas.
Draußen, vor den Fenstern des Dodge, fiel leiser Schnee vom Nachthimmel und deckte alles mit feinem Weiß zu, den ganzen Dreck und Müll der Straße. Keine Straße in New York. Wir waren in der South Side von Chicago, an der Roosevelt Road. Gestern Abend angekommen nach elf Stunden Fahrt. Seitdem standen wir hier und hatten noch kein Auge zugetan.
Damit der Kerl uns nicht entging. Wenn er überhaupt kam.
»Born to Run ist überschätzt«, nahm ich den Faden wieder auf und pustete in meinen Styroporbecher. Joe war vorhin in einem Donutshop an der Ecke gewesen und hatte Kaffee besorgt. Ich für meinen Teil wäre lieber verdurstet, als von meinem Posten hier zu weichen. Und unter Strom stand ich ohnehin. Seit Tagen ernährte ich mich praktisch nur noch von Energydrinks.
»Überschätzt? Kein bisschen«, widersprach Brandenburg.
»Streets of Philadelphia«, behauptete ich, »ist eindeutig der bessere Song.«
Ich schaute über den dampfenden Becher hinweg zum Fenster hinaus, ins Schneetreiben und zu der sechsstöckigen Mietskaserne. Der Ruß und Schmutz etlicher Jahrzehnte hatten die Ziegelfront geschwärzt. Diese Gegend der South Side wurde zwar zunehmend trendiger, trotzdem zählte sie noch immer zu den gefährlichsten in Chicago.
Hinter dem Haus führte eine Trasse der Hochbahn vorbei. Hin und wieder geisterte das Licht der Züge zwischen den Wohnblöcken hervor. Der rumpelnde Lärm war in der stillen Nacht weithin zu hören und ließ meinen Dodge jedes Mal vibrieren.
»Born to Run rockt gleich viel härter …«, setzte Joe Brandenburg an.
Ich stieß ihm meinen Ellenbogen in die Seite.
»Hey!«, protestierte mein Freund und Helfer. »Ich hab hier ’n Kaffee in der Hand, du Arsch!«
»Zielperson«, flüsterte ich. »Da ist er.«
Brandenburg schaute in die Richtung, in die ich mit dem Kinn wies. Eine dunkle Gestalt kämpfte sich durch den Schnee auf die Insel aus orangefarbenem Licht vor dem Hauseingang zu. Männlich, weiß, schätzungsweise Mitte dreißig. Groß gewachsen, fast hager. Aber scheinbar ziemliche Muckis unter der schwarzen Lederjacke. Seine Augen saßen tief in dem entstellten Gesicht. Er biss beim Gehen in einen Hotdog.
»Bist du dir sicher?«, fragte Brandenburg.
»Die Visage vergess ich nie.«
Sie hatte sich mir ins Gedächtnis gebrannt, in einer Lagerhalle in Brooklyn. Da hatte ich ihn gesehen, vor knapp zwei Jahren. Hinter der Frontscheibe eines weißen Vans. Er hatte mich überfahren wollen. Der Versuch war in die Hose gegangen, zum Glück. Leider war mir der Typ danach entwischt.
Und nun sah ich ihn wieder.
Endlich, dachte ich und schloss die Fäuste so fest ums Lenkrad, dass die Knöchel knackten. Ich wusste nichts über den Mann, weder seinen Namen noch sonst etwas.
Nur eines wusste ich: Er war meine letzte Chance.
»Was für ’ne Fresse«, meinte Brandenburg und schaute auf den grobkörnigen Ausdruck einer Überwachungskamera, den er in der Hand hielt. »So was kann nur eine Mutter lieben.« Er faltete das Blatt zusammen und legte es ins Handschuhfach.
»Wenn ich mit dem fertig bin«, sagte ich rau, »erkennt ihn nicht mal seine Mutti wieder.«
»Vorsicht, Kumpel«, warnte Brandenburg. »Guck dir die rechte Jackentasche an.«
Ich sah es. »Ausgebeult. Könnte eine Knarre sein.«
»Könnte sein. Oder weiß Gott was.«
Ich warf meinem Freund einen Blick zu und grinste schief. »Oder weiß Gott was.«
Brandenburg seufzte, stellte seinen Kaffeebecher in den Getränkehalter zwischen den Sitzen, holte seine 9 mm Automatik hervor, zog am Schlitten und ließ ihn nach vorne schnappen. »Wie steht’s? Willst du noch ’ne Runde quasseln, oder schnappen wir uns die Hackfresse?«
Ohne zu antworten, öffnete ich die Fahrertür. Bevor ich ausstieg, sagte ich nur noch: »Streets of Philadelphia. So was von klar.«
Brandenburgs gezischtes »Scheiße, Mann!« hatte allerdings nichts mit unserer Diskussion über Bruce Springsteens besten Song zu tun.
Der Kerl hatte uns entdeckt!
Auch ich sah, wie er zu uns herüberschaute. Er kam mir vor wie ein Tier, das Gefahr witterte. Er ließ den Hotdog in den Schnee fallen und fuhr blitzschnell herum. Seine Bewegungen waren wendig und kontrolliert.
Ein Profi, dachte ich.
In der nächsten Sekunde war er bereits im Eingang des alten Apartmenthauses verschwunden.
»Hinterher!«, rief ich.
Ich knallte die Wagentür zu. Rannte los.
Der Schnee knirschte unter meinen Füßen. Ich zwang mich, meinen Atem zu beruhigen. Wie ich es auf der FBI-Academy in Quantico gelernt hatte. Mit der Rechten griff ich nach meiner Dienstwaffe, eine Kimber Custom II. Mit einer fließenden Bewegung zog ich sie aus dem Schulterholster. Lud sie durch. Hielt sie mit beiden Händen, die Arme ausgestreckt, den Lauf zu Boden gerichtet. Falls sich ein Schuss löste.
Hinter mir hörte ich, wie Brandenburg aus dem Auto kam und mir folgte. Vor mir im Schnee sah ich die Fußabdrücke des Mannes, die zum Eingang des Hauses führten.
Die Tür war nur angelehnt.
Könnte eine Falle sein.
Die Schritte meines Kumpels verlangsamten sich. Er ging von rechts auf die Eingangstür zu. Ich wich nach links. Beide pressten wir uns an die kalte Ziegelwand und achteten darauf, auf keinen Fall in die Schusslinie vor der Tür zu geraten.
Ich schaute hoch und fing Brandenburgs Blick auf.
Er nickte knapp. Seine Waffe hielt er in der Rechten. In der Linken hatte er eine Taschenlampe, die er jetzt einschaltete. Er strahlte den Eingang an.
Dann wirbelte ich auch schon herum, trat die Tür auf, duckte mich, die Waffe im Anschlag, und schaute im Lichtkegel der Taschenlampe ins Treppenhaus. Leer.
Ich schlüpfte ins Haus und richtete im selben Moment den Lauf auf den toten Winkel hinter der Tür.
Nichts. Ich atmete auf.
»Sauber«, meldete ich, und Brandenburg trat ein.
»Da«, sagte ich und deutete auf den schmutzigen Boden. Brandenburg nickte.
Die Taschenlampe erfasste Schneespuren, die nach oben führten.
*
»Scheiße.« Brandenburg stöhnte. »Der Kasten ist ein verdammtes Labyrinth!«
»Allerdings«, brummte ich.
Wir gingen vorsichtig die Treppe hoch, den frischen Schneespuren nach, die auf dem abgetretenen Teppich langsam zu Wasser wurden. Es stank nach Pisse und abgestandenen Essensdünsten. Die Wände waren mit Graffiti beschmiert.
Von oben kam ein Geräusch.
Ich schaute hoch und lauschte.
Hastige Schritte auf den Treppenstufen über uns.
Brandenburg deutete auf eine zweite Treppe am Ende des Korridors und flüsterte: »Vielleicht kann ich ihm den Weg abschneiden.«
Ich sagte nichts, rannte die erste Treppe hoch, immer zwei Stufen auf einmal. Ich gab mir jetzt keine Mühe mehr, leise zu sein. Hackfresse wusste sowieso, dass wir hinter ihm her waren.
Ob der Kerl mich erkannt hatte? Ich würde den Moment damals in der Lagerhalle in Brooklyn jedenfalls nie vergessen. Weil dieser Moment alles war, was ich noch hatte. Meine einzige Spur. Meine einzige Hoffnung, den Tod Sarah Hunters zu rächen.
Und die Hinrichtung Philippa Deckers zu verhindern.
Ihr blieben nur noch sieben Tage und neunzehn Stunden.
Daran durfte ich gar nicht denken. An beide Frauen durfte ich nicht denken. Nicht jetzt.
Lauf, lauf, lauf!
Irgendwo im Haus schrie Joe Brandenburg auf. Vor Wut, nicht vor Schreck oder Schmerz. Zum Glück.
Denk nicht … lauf!
Also lief ich. Den polternden Schritten über mir hinterher. Hackfresse blieb mir so weit voraus, dass ich ihn selbst nicht sehen konnte. Nur seinen Schatten, der wie ein schwarzes Gespenst über Wände huschte.
»Stehen bleiben!«, hörte ich Brandenburgs Stimme durchs...




