Conti | Die Liebe des Ouroboros | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 250 Seiten

Conti Die Liebe des Ouroboros


1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-6838-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 250 Seiten

ISBN: 978-3-6957-6838-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nach dem Zusammenbruch einer okkulten Sekte glaubt Lena, ihre Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben. Doch rätselhafte Zeichen und dunkle Visionen holen sie wieder ein. An der Seite ihrer Freundin Lina beginnt eine Reise, in der Erinnerung, Traum und Wirklichkeit ununterscheidbar werden. Zwischen Angst, Begehren und Schuld entsteht eine immer tiefere Verbindung zwischen den beiden Frauen - ein Band, das Identitäten auflöst und Grenzen überschreitet. Lena und Lina scheinen Spiegelbilder voneinander zu sein, zwei Seelen, die sich zu einer einzigen vereinen. In einem Kreis aus Liebe und Abgrund stell der Roman die Frage, wo das ich endet - und was bleibt, wenn es sich im Anderen verliert.

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2


Das Erwachen der Babalon – Der Kreis und die Bestie


Gedämpftes Licht sickerte durch die Überreste eines zerborstenen Kirchenfensters. Verblasste Glassplitter warfen matte Farbflecken auf den staubverhangenen Boden. An den Wänden lösten sich Mosaiksteine und gaben feierliche Gesichter frei, vom Zahn der Zeit und von Feuchtigkeit zerfressen. Wohin der Blick auch fiel, Verfall herrschte überall. Zurückgelassene Gegenstände wirkten wie Relikte eines einst heiligen Ortes, dessen Weihe längst verflogen war.

Ein dumpfer, gleichmäßiger Trommelschlag zog durch den Raum. Er führte in einen seitlichen Bereich, wo flackernde Flammen das Dunkel durchstachen. Schwarze Kerzen standen im Kreis und warfen ein niedriges, unruhiges Licht. Der scharfe Duft von verbranntem Weihrauch lag schwer in der Luft. Alles schien den Atem anzuhalten.

Niemand kannte seinen wirklichen Namen. Sie nannten ihn nur den Initiaten. In einen dunklen Mantel gehüllt bewegte er sich mit kontrollierter Präzision in der Mitte des Kreises. Vor ihm lag ein Tisch, übersät mit kunstvoll eingelassenen arkanen Zeichen. Symbole, die an die heiligen Schriften der Thelema erinnerten. Er hatte sie sich in endlosen Nächten eingeprägt, vertieft in die Texte Aleister Crowleys, jenes Mannes, der sich selbst die Große Bestie 666 genannt hatte.

Sein Gesicht blieb im Schatten, als er ein altes, ledergebundenes Buch aufschlug. Die Seiten waren vergilbt und von Flecken übersät, als trügen sie selbst das Gedächtnis vergangener Rituale in sich. Um ihn herum wechselten die Anwesenden nervöse Blicke. Man hatte ihnen Großes versprochen. Etwas, das die Grenze zwischen Heiligem und Profanem zerreißen würde, zwischen Fleisch und Geist.

Der Initiat begann zu sprechen. Seine Stimme war leise und kalt, die Worte flossen wie ein verbotener Gesang. Es klang nach Crowleys Versen, nach Texten, die nie für die Ohren der Welt bestimmt gewesen waren. Am Höhepunkt sprach er den berühmten Satz aus. . Ein Credo der absoluten Freiheit, der radikalen Befreiung von jeder Moral außer der eigenen.

Die Atmosphäre kippte. Flüsternde Stimmen und erstickte Laute füllten den Raum. Aus der mystischen Zeremonie wurde etwas Dunkleres, Körperlicheres. Mäntel glitten zu Boden, Körper fanden einander in einer entfesselten Umarmung, hemmungslos und gierig. Es war ein Abbild jener Exzesse, für die Crowleys Abtei von Thelema in Cefalù berüchtigt gewesen war, ein Ort ohne Grenzen.

Der Initiat blieb abseits. Regungslos beobachtete er das Chaos. Seine Augen waren kühl, beinahe emotionslos. Er war nicht Teil der Enthemmung, sondern ihr stummer Dirigent. Er wusste, dass Kontrollverlust notwendig war, ein Schritt auf dem Weg zur vermeintlichen Erleuchtung. Die Energie im Raum schwoll an, spannte sich bis kurz vor dem Zerreißen.

Das Ritual der Babalon, Göttin der Lust und der Grenzüberschreitung, entfaltete sich in seiner ganzen Pracht. Es war mehr als ein Kultakt. Es war ein Aufstand gegen jede gesellschaftliche Ordnung. Macht lag in der Luft, greifbar und gefährlich. Fleisch und Geist verschmolzen, so wie Crowley es gelehrt hatte. Ritualisierte Lust als Tor zur Transzendenz.

Der Initiat schloss die Augen und atmete tief ein. Um ihn tobte das Delirium. Nur er kannte die Wahrheit. Das hier war erst der Anfang. Jenseits dieser Grenzüberschreitung wartete etwas Größeres, etwas Dunkleres. Die wahre Erleuchtung lag noch verborgen.

Das Ritual erreichte seinen Höhepunkt. In der Mitte des Saals bewegten sich nackte Körper wie im Rausch. Grenzen existierten nicht mehr. Jede Berührung trug Bedeutung und zugleich rohe, archaische Begierde, als seien uralte Instinkte freigelassen worden.

Ein langer, geschnitzter Holztisch beherrschte den Raum. Er war mit esoterischen Symbolen bedeckt, die unmissverständlich an Crowleys Lehren erinnerten. Das Buch Thoth lag offen darauf, daneben goldene Kelche. Die Gestalten um den Tisch trugen Masken. Einige zeigten mythische Wesen mit Hörnern, Schnäbeln oder Schlangenköpfen. Andere waren schlichter, doch die Augen dahinter glühten fiebrig.

Männer und Frauen verschmolzen zu einer einzigen pulsierenden Masse, irgendwo zwischen Ekstase und Wahnsinn. Lust war hier Sakrament. Jeder Laut wirkte wie eine Anrufung dunkler Mächte. Goldene phallische Symbole blitzten auf, schwarze Seile wurden um Körper gelegt, Knoten mit langsamen, sinnlichen Bewegungen gezogen. Zeichen von Zugehörigkeit, vielleicht auch von Herrschaft.

Der Geruch von warmer Haut, Schweiß und Sex vermischte sich mit dem Weihrauch. Die Luft war schwer, beinahe erstickend, und zugleich elektrisch aufgeladen. Jeder Atemzug schien ein Versprechen zu tragen.

Dann trat der Initiat vor. Eine Totenschädelmaske verdeckte sein Gesicht. Die Aufmerksamkeit des Kreises gehörte nun ihm. Zwei Frauen warfen sich ihm zu Füßen, rieben sich an ihm, suchten seine Berührung. Er blieb unbeweglich. Überlegen. Seine Augen hinter der Maske wirkten wie bodenlose Schächte, als könne er die dunkelsten Wünsche jedes Einzelnen lesen.

Eine verborgene, zerstörerische Energie ging von ihm aus, verstärkt vom langsamen, rhythmischen Trommeln. Eine nackte Frau näherte sich. Ihr langes schwarzes Haar fiel wie ein Schleier über ihren Körper. Auf ihrem Kopf trug sie eine Dornenkrone, ein offener Affront gegen das Heilige.

Sie kniete vor ihm, den Kopf gesenkt. Die beiden Frauen an seiner Seite traten vor und banden sie mit ruhigen, routinierten Bewegungen. Jetzt war kein Zweifel mehr. Sie war das Opfer.

Das rauschhafte Treiben verstummte. Alle Augen richteten sich auf den Kreis. Der Initiat trat einen Schritt vor und verkündete mit tiefer Stimme, dass die Opfergabe angenommen sei. In seiner rechten Hand hielt er einen Dolch und hob ihn gen Himmel.

Die Klinge war schmal, schwarz wie die Nacht und verschluckte jedes Licht. Der Griff war kunstvoll verziert. Ein eingravierter Schlangenkörper wand sich um einen roten Edelstein, der im Kerzenschein zu pulsieren schien. Darunter Zeichen, das Auge des Horus und das unikursale Hexagramm.

Ein leises Raunen ging durch die Menge. Die Kerzenflammen zitterten. Der Körper der gefesselten Frau bebte kaum merklich. Die Zeit dehnte sich.

Langsam hob der Initiat den Dolch erneut. Das Licht der Kerzen ließ die Klinge bedrohlich aufglimmen. Die Frauen hielten das Opfer fest. Ihr Atem ging flach und schnell, doch sie schrie nicht.

Dann senkte er die Klinge. Präzise. Kontrolliert. Der Schnitt traf die weiche Haut unterhalb der Rippen. Nicht tief. Genug. Blut trat aus, dunkel und schwer, rann über ihre Seite und tropfte in einen silbernen Kelch, den eine der Frauen unter die Wunde hielt.

Der Atem der Frau stockte. Ein stummer Schmerz. Sie blieb reglos, während sich der Kelch langsam füllte.

Der Initiat hob ihn an und murmelte Crowleys Worte. Absolute Stille. Dann führte er den Kelch an die Lippen und trank. Das restliche Blut goss er in die Mitte des Kreises.

Die Kerzen flackerten.

Das Ritual war vollendet.

, sagte ich atemlos. Ich sah Madame Zephyra an, kaum dass sie ihre Schilderung beendet hatte. Etwas in mir war aufgewühlt, als sei etwas Erwachtes nicht mehr zur Ruhe zu bringen.

Sie erwiderte meinen Blick, rätselhaft wie immer.

, entgegnete ich und schüttelte den Kopf.

Ein ruhiges Lächeln.

Ich schwieg einen Moment.

Zephyra neigte den Kopf. Ihr Blick bohrte sich in mich.

Meine Gedanken überschlugen sich.

Ihr Lächeln wurde dunkler.

Ein Schauder lief mir über den Rücken....



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