E-Book, Deutsch, 288 Seiten
Cook In den Sternen steht die Liebe
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96655-573-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman
E-Book, Deutsch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-96655-573-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Eileen Cook ist Autorin und Schreibtrainerin an der Creative Academy und der Simon Fraser University. Ihre Bücher wurden bereits in neun Sprachen übersetzt. Sie lebt in Vancouver. Die Website der Autorin: eileencook.com/ Eileen Cook veröffentlichte bei dotbooks ihren Roman »In den Sternen steht die Liebe«.
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Eins
STEINBOCK
Der heutige Tag steckt voller neuer Abenteuer, seien Sie bereit, aus sich herauszugehen. Scheuen Sie nicht das Risiko, es ist an der Zeit, sich zu nehmen, was Sie wollen. Andere haben vielleicht Probleme mit Ihrem neuen Ich, bleiben Sie jedoch dabei, und sie werden Sie mehr schätzen lernen.
Ich möchte festhalten, dass ich einen perfekten Grund dafür habe, in das Apartmenthaus meines Freundes einzubrechen. Gut, genau genommen gilt er gemäß dem Gesetz wohl nicht als perfekter Grund. Es ist nicht so, dass das Haus brennt und sich Kinder oder Welpen darin befinden, aber mein Leben steht kurz vor der Katastrophe, was eindeutig eine Art von Notfall ist. Ich möchte daher klarstellen, dass:
- ich nicht in seine Wohnung einbreche, sondern nur in die Waschküche des Gebäudes, was, wie Ihnen jeder bestätigen kann, wohl kaum als Verbrechen gilt.
- wir sechs Jahre zusammengewohnt haben, bevor er ausgezogen ist, also ist jede seiner Wohnungen irgendwie auch meine.
- ich außerdem zum Einbrechen nichts zerbrechen musste, also war es mehr ein »Eindringen«.
Doug würde darauf hinweisen, dass er genau genommen gar nicht mehr mein Freund ist, da er mit mir Schluss gemacht hat, aber das ist eine Situation, die ich richtigzustellen gedenke. Er scheint zu glauben, dass ich eine sechsjährige Beziehung mit einem Lächeln, einem Kuss auf die Wange und dem Versprechen, Freunde zu bleiben, aufgebe. Ganz offensichtlich bin nicht ich hier die Verrückte. Sollte ich erwischt werden, kann ich mir nicht vorstellen, dass mich irgendein Gericht auf dieser Welt verurteilen würde.
Natürlich ist es ein Teil des Plans, nicht erwischt zu werden, weswegen ich im Augenblick, Dougs Socken in der Hand, unter der Spüle in der Waschküche hocke. Nicht mit allen seinen Socken, sondern mit jeweils einem von jedem Paar, das sich gerade im Trockner befand. Das ist mein Plan: Seine Socken zu klauen, um ihn langsam in den Wahnsinn oder, noch besser, nach Hause zu treiben. Er ist jemand, der alte Gewohnheiten mag. Wenn ihm bewusst wird, wie chaotisch sein Leben ohne mich geworden ist, was das traurige Fehlen passender Socken demonstriert, wird er meinen Wert erkennen. Darauf zähle ich. Ich hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass er in die Waschküche kommt. Wenn ich ihn zu Hause überhaupt mal dazu gebracht habe, eine Ladung Wäsche in die Maschine zu stecken – ein Ereignis, das in etwa so regelmäßig vorkam wie eine Sonnenfinsternis –, tat er alles in den Trockner und ließ es dort, denn er wusste ja, dass die Wäschefee schließlich jedes Stück falten und an den richtigen Platz legen würde. Nicht dass es mir etwas ausgemacht hätte, die Wäsche zu erledigen. Er hat einen stressigen Job, und mir machte es nichts aus, mich um solche Dinge zu kümmern. Aber es war einfach so, dass er während der sechs Jahre, die wir zusammengewohnt haben, niemals den Trockner geleert hat. Woher kommt es also, dass er hier, in seinem neuen Zuhause, so pünktlich geworden ist?
Doug hat im Wäschekeller mit mir Schluss gemacht, was, wenn man Doug kennt, sehr typisch war. Er mag es, Dinge auf seiner Liste abzuhaken. Da er nicht zu den Leuten gehört, die auf den richtigen Augenblick warten, sollte ich von Glück sprechen, dass ich nicht gerade im Badezimmer war, als er das Bedürfnis spürte, Schluss zu machen. Doug möchte, dass seine Unterwäsche auf diese präzise Origamiart gefaltet wird, so wie seine Mutter es für ihn getan hat. Bein, Bein, Schritt, zusammenfalten; Bein, Bein, Schritt, zusammenfalten. Ich habe es so lange gemacht, dass ich es im Schlaf konnte, und es kam so weit, dass ich sogar meine eigenen Slips auf diese Art faltete, ohne darüber nachzudenken. An dem Tag, an dem er mit mir Schluss gemacht hat, stand ich da, faltete mein millionstes Unterwäschenugget und überlegte, was ich noch kaufen musste, als er hereinkam und mir sagte, dass er mich verlässt. Ich dachte, er meinte, dass er die Wohnung verlässt, um in den Laden zu gehen, daher bat ich ihn, Milch und Waschmittel mitzubringen. Ich begriff es nicht.
Ich habe es nicht kommen sehen. Das klingt erbärmlich, nicht wahr? Ehrlich, ich weiß, dass wir unsere Probleme hatten, in welcher langjährigen Beziehung gibt es die nicht, aber ich dachte trotzdem, dass wir glücklich wären. Ich war glücklich. Nach sechs Jahren hatte ich mich in falscher Sicherheit gewiegt. Ich dachte, wir wären füreinander bestimmt. Ich fühlte mich wie jemand, der den Hauptpreis in der Beziehungslotterie gewonnen hat. Wir hatten ein langes Gespräch darüber geführt, dass es an der Zeit wäre, unsere Beziehung auf die »nächste Ebene« zu bringen. Ich hatte wirklich geglaubt, dass das bedeutet, dieses Jahr bekäme ich den Ring von ihm. Anscheinend meinte er mit »nächster Ebene« seine eigene Wohnung.
Es geht wohl um Erwartungen, vermute ich. Etwas, was ich ganz sicher erwartet hätte, wäre, dass wir ein- oder zweimal darüber geredet hätten, wenn unsere Beziehung den Bach runtergeht. Es war dann aber so, dass es keinen Streit gab, keine große Heulszene, bei der ich dramatisch auf dem Sofa lag, ihn bat, nicht zu gehen, und ihn schließlich als Schwein beschimpfte. Er hat niemals etwas erwähnt, bis zu diesem Morgen, als er in die Waschküche kam und sagte, dass er ginge, mir seine saubere Unterwäsche aus der Hand nahm und zur Tür hinausspazierte.
Wie konnte er beschließen zu gehen? Es ist derselbe Mann, der vor dem geöffneten Kühlschrank steht und brüllt, dass kein Senf da sei, bis ich aufstehe und ihn ihm zeige. Er sieht ihn dann an, als hätte er noch nie eine Plastikflasche zum Drücken gesehen, und wirft mir vor, sie nicht an den »richtigen« Platz gestellt zu haben. Es ist also derselbe Mann, der in einem anderthalb Kubikmeter großen Kühlschrank den Senf nicht findet. Wie kann so jemand allein leben? Und wichtiger, warum will er allein leben?
Jedes Mal, wenn ich ihn das frage, sagt er, dass er Platz brauche und dass er mich wirklich liebt, sich aber nicht mehr sicher ist, ob er noch in mich verliebt ist. Was, zum Teufel, soll das bedeuten? Das ist die Art von Satz, die normalerweise dazu führt, dass jemand an einem Steakmesser erstickt. Er war nie ein Typ, der über seine Gefühle spricht. Ich begann mich zu fragen, ob es vielleicht nur die Panik vor der Hochzeit war. Ich wollte nicht, dass er unsere gesamte Beziehung wegwarf, nur weil er nervös wurde.
Ich gebe gerne zu, dass ich mir zu Anfang nicht sicher war, es zu überstehen, als er ging. Es war zwei Tage vor dem Valentinstag. Februar ist der schlimmste Monat in Vancouver, nichts als ununterbrochener Regen, die Art von Regen, die einen dazu bringt, den Bau einer Arche als Hobby in Betracht zu ziehen, man weiß ja nie. Der einzige Lichtblick im Februar ist der Valentinstag, und dieses Jahr wurde mir sogar der genommen. Weiterhin ein- und auszuatmen schien schlicht zu anstrengend. Ich konnte nicht einfach weitermachen, ohne mehr zu wissen, deswegen begann ich, ihm nachzuspionieren. Streichen wir das. Spionieren klingt so negativ. Es klingt besser, wenn ich sage, dass ich nach ihm sah, wie bei einem sozialen Experiment. Er war vor drei Wochen ausgezogen, und nach ihm zu sehen war zu meinem neuesten Hobby geworden. Ich hatte sechs Jahre in diese Beziehung investiert und den Großteil meines Lebens, von einem Happy End zu träumen. Ich werde nicht ohne eine Erklärung aufgeben. Wenn wir erst wieder zusammen sind, wird er mir eines Tages für meinen Einsatz danken.
Das ist erst das zweite Mal, dass ich in diesem Haus bin. Meistens parke ich ein wenig abseits und beobachte das Gebäude. Bisher habe ich gesehen, dass er zwei Pizzas geliefert bekommen und ein FedEx-Paket angenommen hat. Er sieht gut aus, müsste aber mal zum Friseur. Was ihm wirklich bewusst werden muss, ist, wie sehr er mich braucht und dass er ohne mich nicht leben kann. Als er nicht von allein darauf zu kommen schien, wusste ich, dass ich ihm auf die Sprünge helfen musste, daher startete ich die Operation »Bring ihn nach Hause«, die mit dem Auto begann. Als er es beim Händler abholte, bekam er zwei Schlüssel. Als er auszog, ließ er einen in der Chaosschublade zurück, er hatte ihn komplett vergessen. Ich fing damit an, zu seinem Büro zu fahren und das Auto um ein paar Parkplätze zu verschieben. Ich hatte dies fünfmal getan, am Schluss habe ich es sogar eine ganze Etage tiefer geparkt. Wenn ich jetzt eine dieser Nächte erlebe, in denen ich in Selbstmitleid versinke, stelle ich ihn mir vor. Er steht mit seiner Aktentasche da und schaut auf den Platz, an dem er das Auto geparkt hat, bekommt Panik und sieht es dann drei oder vier Parkplätze entfernt. Ihm wird in diesem Augenblick klar, dass sein Leben ins Chaos abrutscht, dass er mich braucht. Es ist nur eine Kleinigkeit, aber ich fühle mich dann wirklich besser.
Meine beste Freundin, Jane, die in Zeiten emotionaler Krisen ganz sicher mit Eiscreme vorbeikommt, und zwar nicht mit der billigen Hausmarke, sondern der vollsahnigen und fetten Markencreme, findet mich brillant. Um genau zu sein sagte sie etwas wie »Du hast den Verstand verloren«, aber ich weiß, dass sie gemeint hat »Das ist total irre«, im Sinne von »irre clever«.
Doug hat eine Wohnung in einem modernen Chrom-und-Glas-Hochhaus gemietet. Das erste Mal, als ich zu dem Haus kam, ging jemand vor mir, und ich bin einfach mit ihm durch die Haustür spaziert. Ich sah mir den Eingang an: Ziemlich typisch, eine Wand voller grauer Metallbriefkästen, ein paar staubige Grünlilien (aus Plastik) und Kunst, die aussah, als wäre sie von einem Kindergartenkind gemalt worden, mit großen Flecken in Grundfarben, die wütend und irgendwie leicht pornographisch...




