Cookson | Die Coulsons - Schatten über Wearcill House | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 285 Seiten

Cookson Die Coulsons - Schatten über Wearcill House

Eine Familiensaga | »Die Kraft und Wirkung ihrer Geschichten sind erstaunlich.« (Elizabeth Buchan)
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98690-876-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Eine Familiensaga | »Die Kraft und Wirkung ihrer Geschichten sind erstaunlich.« (Elizabeth Buchan)

E-Book, Deutsch, 285 Seiten

ISBN: 978-3-98690-876-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Liebe und Intrigen: Die Schicksalssaga »Die Coulsons - Schatten über Wearcill House« der Bestsellerautorin Catherine Cookson als eBook bei dotbooks. Ein altehrwürdiges Anwesen in den 60er Jahren: Winifred und Daniel Coulson haben viele Opfer gebracht, um ein angesehenes Leben im englischen Tyneside führen zu können. Dass ihre Ehe über die Jahre immer mehr Risse bekommen hat, wissen sie gekonnt zu verbergen - und ebenso, dass Winifred von ihren drei Söhnen nur einen einzigen lieben kann. Doch welches Geheimnis verbirgt sich dahinter? Donald ist derjenige, der als perfekter Sohn das Erbe der Familie weiterführen muss - aber als er sich ausgerechnet in Annette, ein einfaches Mädchen aus dem nahen Dorf verliebt, braut sich ein Sturm über Wearcill House zusammen. Werden nun lang vergrabene Skandale ans Licht drängen? Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der mitreißende Englandroman »Die Coulsons - Schatten über Wearcill House« von Catherine Cookson wird Fans von Judith Lennox begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Dame Catherine Ann Cookson (1906-1998) war eine britische Schriftstellerin. Mit über 100 Millionen verkauften Büchern gehörte sie zu den meistgelesenen und beliebtesten Romanautorinnen ihrer Zeit; viele ihrer Werke wurden für Theater und Film inszeniert. In ihren kraftvollen, fesselnden Schicksalsgeschichten schrieb sie vor allem über die nordenglische Arbeiterklasse, inspiriert von ihrer eigenen Jugend. Als uneheliches Kind wurde sie von ihren Großeltern aufgezogen, in dem Glauben, ihre Mutter sei tatsächlich ihre Schwester. Mit 13 Jahren verließ sie die Schule ohne Abschluss und arbeitete als Hausmädchen für wohlhabende Bürger sowie als Angestellte in einer Wäscherei. 1940 heiratete sie den Gymnasiallehrer Tom Cookson, mit dem sie zeitlebens zurückgezogen und bescheiden lebte. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1950; 43 Jahre später wurde sie von der Königin zur Dame of the British Empire ernannt und die Grafschaft South Tyneside nennt sich bis heute »Catherine Cookson Country«. Wenige Tage vor ihrem 92. Geburtstag starb sie als eine der wohlhabendsten Frauen Großbritanniens. Bei dotbooks veröffentlichte Catherine Cookson ihre englischen Familiensagas »Die Thorntons - Sturm über Elmholm House«, »Die Lawsons - Anbruch einer neuen Zeit«, »Die Emmersons - Tage der Entscheidung«, »Die Coulsons - Schatten über Wearcill House« und »Die Masons - Schicksalsjahre einer Familie«. Bei dotbooks erscheinen außerdem ihre Schicksalsromane »Der Himmel über Tollet's Ridge«, »Das Erbe von Brampton Hill«, »Sturmwolken über dem River Tyne«, »Sturm über Savile House« und »Der Hutsalon am Willington Place«.
Cookson Die Coulsons - Schatten über Wearcill House jetzt bestellen!

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Kapitel 1


»Was soll ich? Das kann doch nicht dein Ernst sein!«

»Es wird von einem Vater wohl nicht zuviel verlangt sein, seinem Sohn eine so simple Frage zu stellen.«

»Wie bitte?«

Daniel Coulson beugte sich über die Frisierkommode; im Spiegel sah er das feiste Gesicht seiner Frau. Ihre Haut war noch so glatt wie vor einunddreißig Jahren, als sie ihm vor dem Traualtar das Ja-Wort gegeben hatte. Das war aber auch schon alles, was von dem Mädchen übriggeblieben war, das ihn sich als Neunzehnjährigen geangelt hatte. Das blonde Haar hatte seinen Glanz verloren, und die einstmals leicht mollige, aber durchaus attraktive Frau war auseinandergegangen wie ein Pfannkuchen. Ihr hochgeschlossenes Taftkleid unterstrich noch die unförmige Figur. So etwas wie ein Dekolletee gab es bei ihr nicht. Sie hielt es wohl für obszön, die Brüste auch nur ansatzweise zu entblößen. Freilich war jede Leidenschaft, die ihr Busen in Daniel hätte wecken können – oder sollen –, längst erloschen. Er richtete den Blick auf ihre Augen. Normalerweise waren sie blaßgrau, ja fast farblos, doch nicht in Momenten wie diesem, wenn sie vor Wut kochte.

»Und du erwartest von mir, daß ich so einfach zu ihm gehe und ihn so etwas frage?« stieß er hervor.

»Jeder normale Vater würde das tun. Andererseits warst du natürlich nie ein normaler Vater.«

»Das war ich gottlob wirklich nie. Ich war immer auf seiner Seite und habe alles getan, um ihm zu helfen, von dir loszukommen. Wenn es nach dir ginge, würde er ja noch heute in Windeln rumlaufen. Was war das damals für eine Blamage! Du hast ihm solange die Brust gegeben, bis die Leute mit dem Finger auf dich zeigten. Sonst hättest du nie damit aufgehört.«

Ihr Ellbogen schoß jäh nach hinten und traf ihn mit solcher Wut in den Nabel, daß er sich vor Schmerzen krümmte. Geistesgegenwärtig riß er die Arme hoch, denn sie hatte den schweren Glasdeckel ihrer Puderdose gepackt und zielte damit auf seinen Kopf. »Wirf nur«, knurrte er, »aber dann zerschlage ich dir das Gesicht, und zwar so gründlich, daß seine Hochzeit ohne dich stattfindet!«

Ganz langsam lockerte sich ihr Griff, und der Deckel fiel auf den Tisch. Ihren Mann ließ sie dabei nicht eine Sekunde lang aus den Augen. »Du kannst den Gedanken wohl nicht ertragen, ihn an eine andere Frau zu verlieren, selbst wenn es die Tochter deiner besten Freundin ist. Du wolltest sie doch mit Joe verkuppeln. Na schön, als Schulmädchen mag sie ja vielleicht mal mit ihm geflirtet haben, aber jetzt ist sie erwachsen und will Don. Und ich habe dafür gesorgt, daß sie sich kriegen. Allerdings muß ich zugeben: Nach Don hätte ich unbedingt Joe für sie ausgewählt.«

»O ja! Dann hättest du Joe für sie ausgewählt. Das entscheidest immer allein du. Erst hast du mir einen zurückgebliebenen Sohn angehängt, und dann hast du mir ein fremdes Kind aufgezwungen. Freiwillig hätte ich ihn nie adoptiert …«

»Gott im Himmel!« Er wandte sich kopfschüttelnd ab und ging zur Tür. Vor ihrem Himmelbett blieb Daniel stehen. Seit mehr als fünfzehn Jahren hatte er nicht mehr darin geschlafen. Resigniert lehnte er den Kopf an einen der vier kunstvoll gedrechselten Pfosten. Dann drehte er sich erneut zu ihr um und fixierte sie lange mit einem kalten Blick. Kein Laut war zu hören, bis er doch noch einmal nachsetzte: »Ich soll dir ein fremdes Kind aufgezwungen haben? Du hast wohl vergessen, daß es nicht mein Vater war, der in der Irrenanstalt gestorben ist.«

Ihre Gesichtsmuskeln zuckten. Schlagartig wurde ihm klar, daß er zu weit gegangen war. Diese Bemerkung war grausam. Doch wie verhielt es sich mit ihrer Grausamkeit ihm gegenüber? Wenn sie eine normale Ehefrau gewesen wäre und nicht eine von ihrer Religion besessene Fanatikerin und eine fast schon krankhafte Glucke, dann hätte er bestimmte Bedürfnisse nicht anderswo befriedigen müssen. Natürlich schämte er sich deswegen, aber wer hätte es ihm verdenken können? Wie erniedrigend allein schon die ständige Heimlichtuerei für ihn war! Freilich durften die Gemeindemitglieder, Priester und Nonnen nichts davon erfahren. Der Schein mußte immer gewahrt bleiben…

Daniel hielt es in ihrem Schlafzimmer nicht länger aus. Er mußte raus, etwas trinken. Aber nein, er wartete wohl besser auf die Gäste. Wenn er jetzt schon anfing, konnte er später die Zunge bestimmt nicht mehr im Zaum halten.

Daniel hatte die Tür erreicht und wollte gerade auf den Flur treten, als sie ihm eine letzte Verwünschung nachsandte. »Du bist der letzte Abschaum und gleichst deinem Vater und der ganzen übrigen Verwandtschaft!«

Ohne sich umzudrehen, zog er stumm die Tür hinter sich zu und blieb erst wieder unten auf dem Treppenabsatz stehen. Er schloß die Augen. War das nicht absurd? Ausgerechnet sie bezeichnete ihn als Abschaum. Dabei war sie doch im ärmsten Viertel der Stadt aufgewachsen. Nur zu gut erinnerte er sich noch an den Tag, an dem sie ins Büro der Firma seines Vaters gekommen war und sich um die Stelle einer Sekretärin beworben hatte. Sie war damals fünfzehn gewesen, und Jane Broderick hatte sie eingestellt. Dieselbe Jane Broderick, die drei Monate später erklärt hatte: »Es ist schrecklich mit ihr. Sie wird nie tippen lernen. Als Empfangsdame würde sie sich bestimmt ganz gut machen, aber wir brauchen keine.« Sein Vater hatte sie jedoch nicht rauswerfen wollen. »Geben wir dem Mädchen noch eine Chance. Sie haben gesagt, sie könne ganz schön schreiben. Soll sie sich doch um die Ablage und die Registratur kümmern.«

Später hatte sein Vater sich fast totgelacht, als er von ihren Rhetorikstunden bei einem pensionierten Lehrer erfuhr. Von da an hatte Daniel sie mit ganz anderen Augen gesehen. Er hatte wirklich geglaubt, sie sei etwas Besonderes. Nun, im Laufe der Zeit hatte er ihre Besonderheiten zur Genüge kennengelernt. Aber eins mußte er ihr lassen: Die Rhetorikstunden waren keine Zeitverschwendung gewesen, denn seitdem konnte sie sich in jeder Umgebung ins rechte Licht rücken. Gleichwohl wählte sie sich ihre Gesellschaft seit dem Tag ihrer Hochzeit stets selber aus. Mit so etwas wie Arbeitern gab sie sich nicht ab. Um so erstaunlicher war es, daß sie sich mit Janet Allison angefreundet hatte, obwohl die Allisons nicht in einem so prächtigen Herrenhaus lebten wie sie und nicht zu den alteingesessenen Familien zählten. Dafür waren sie vom Scheitel bis zur Sohle Katholiken. Protestanten hätte Winnie nie in ihrer Nähe geduldet, und wenn sie mit zehn Adelstiteln auf die Welt gekommen wären. Sie ließ keinerlei Zweifel an ihrer Treue zur katholischen Kirche.

Daniel stieg mit nachdenklicher Miene weiter die Treppe hinunter. Er hatte gerade den Korridor erreicht, da öffnete sich am anderen Ende eine Tür, und sein Adoptivsohn Joe kam ihm entgegen.

Joe war genauso groß wie er und glich ihm auch ansonsten in vielerlei Hinsicht. Wer es nicht gewußt hätte, wäre versucht gewesen, die beiden für Vater und Sohn zu halten. Nur war sein Haar schwarz und nicht braun wie das seines Adoptivvaters, und im Gegensatz zu Daniel hatte er keine blauen, sondern warm leuchtende braune Augen. Daniel war stolz darauf, daß Joe ihm so ähnelte. Auch behandelte er ihn genauso wie seine leiblichen Söhne, ja fast war er ihm noch lieber als Stephen und sogar Don.

Während er sich näherte, bemerkte er zwei Bücher in Joes Hand. »Nanu? Legst du heute eine Nachtschicht ein?«

»Eigentlich nicht. Ich wollte nur etwas nachschlagen.« Sie blickten einander in die Augen. Unvermittelt fragte Joe: »Ärger gehabt?«

»Was meinst du damit?«

»Na ja, ihr Schlafzimmer liegt direkt über der Bibliothek. Die Decke ist zwar recht hoch, aber schalldicht ist sie nicht gerade.«

Daniel ging weiter zur Bibliothek. »Hast du mal eine Minute Zeit?« fragte er seinen Adoptivsohn mit einem Blick über die Schulter.

»Klar, für dich nehme ich mir einfach Zeit.«

Joe zog die Tür hinter sich zu und folgte Daniel zum Fenster, das den Blick auf einen herrlichen Garten freigab. An der Wand gegenüber stand ein bequemes Ledersofa, aber der Mann der für Joe wie ein Vater war setzte sich nicht, sondern stellte sich ans Fenster. Seufzend drückte er die Stirn gegen den Holzrahmen.

»Was war denn los?« fragte Joe besorgt.

»Es ist nicht zu fassen«, stöhnte Daniel. »Du wirst nicht glauben, was sie jetzt von mir verlangt.«

»Sag’s mir einfach.«

Daniel ließ sich nun doch auf das Sofa sinken. Er verbarg den Kopf in den Handflächen. »Ich soll Don fragen, ob er noch jungfräulich ist«, murmelte er.

Da Joe nicht reagierte, sah er schließlich auf. »Was sagst du dazu?«

»Was kann man da noch sagen?« brummte Joe kopfschüttelnd. »Kann man in solchen Dingen überhaupt einen Rat geben? Aber wie, glaubst du, würde sie reagieren, wenn du ihr sagtest, er sei es nicht mehr?«

»Wie sie reagieren würde? Keine Ahnung; ich bin schon ganz durcheinander. Sie würde garantiert durchdrehen. Vielleicht würde sie sogar versuchen, die Hochzeit im letzten Moment zu verhindern, und in der Kirche schreien, er dürfe ein unbeflecktes Mädchen wie Annie – oder Annette, weil ihre Mutter ja keine Kosenamen duldet – nicht heiraten. Vielleicht würde deine Mutter ihn auch zu Father Cody schleifen. Um Father Ramshaw würde sie ja einen großen Bogen machen, weil sie genau weiß, daß er ihr nur ins Gesicht lachen würde. Aber mit Cody wäre das etwas anderes. Er liegt ganz auf ihrer Linie, würde Don in eine Reihe mit den Frevlem von Babel bis Sodom stellen und zum Schluß Johannes den Täufer anrufen, weil sonst keiner mehr ihren Sohn von seinen Sünden reinwaschen könnte.«

Joe verkniff sich mühsam das Lachen. »O Dad, du hättest wirklich das Zeug...



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