E-Book, Deutsch, 511 Seiten
Cooper Der Spion - Eine Geschichte des neutralen Bodens
1. Auflage 2014
ISBN: 978-80-268-2587-6
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Historischer Roman: Amerikanische Revolution
E-Book, Deutsch, 511 Seiten
ISBN: 978-80-268-2587-6
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dieses eBook: 'Der Spion - Eine Geschichte des neutralen Bodens' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Der Spion gilt heute als der erste bedeutende historische Roman der amerikanischen Literatur, zumal als der erste, dessen Handlung auch auf amerikanischem Boden angesiedelt ist - er bewies gegen alle anderslautenden Behauptungen, dass sich auch amerikanische Sujets zur Dramatisierung in Romanen eigneten. Coopers Verdienst und sein Erfolg bei seinen Zeitgenossen stehen im Zusammenhang mit dem politischen und kulturellen Legitimationsbedürfnis der amerikanischen Nation, das sich gerade im Jahr 1821 besonders dringlich darstellte. James Fenimore Cooper (1789-1851) war ein amerikanischer Schriftsteller der Romantik. Cooper ist in vielerlei Hinsicht eine Schlüsselfigur der amerikanischen Literatur. Neben Washington Irving war er der erste amerikanische Schriftsteller, der von seinen Büchern leben konnte. Er blieb bis weit in das 20. Jahrhundert hinein auch in Europa der wohl meistgelesene.
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Erstes Kapitel.
Und mitten durch die Ruhe seiner Seele
Ein kühner Zug die inn're Glut verrieth;
– 's war irdisch Feuer, weichend dem Befehle
Des höhern Geists, wie Aetnas Glanz verglüht,
Wenn Phöbus Strahl den Horizont umzieht.
Gertrude von Wyoming.
Es war gegen den Schluß des Jahres 1780, als man einen einsamen Reisenden seinen Weg durch eines der zahlreichen kleinen Thäler von West-Chester Da jeder Staat der Amerikanischen Union seine eigenen Bezirke hat, so findet sich's öfters, daß mehrere denselben Namen tragen. Der Schauplatz dieser Erzählung ist der Staat Neu-York, dessen Bezirk West-Chester sich zunächst an die Stadt anschließt verfolgen sah. Der Ostwind mit seiner feuchten Kälte und zunehmenden Heftigkeit war der untrügliche Bote eines herannahenden Sturmes, der seiner Gewohnheit nach voraussichtlich mehrere Tage andauern mochte. Das kundige Auge des Wanderers blickte vergeblich durch das abendliche Dunkel, um ein geeignetes Obdach zu erspähen, wo er, so lange es der Regen, welcher bereits die Atmosphäre zu einem dicken Nebel umwandelte, nöthig machte, die für seine Absichten erforderlichen Bequemlichkeiten finden konnte. Aber es zeigte sich nichts, als die kleinen unbequemen Hütten der geringeren Classe von Ansiedlern, welche in dieser Gegend in einem Rufe standen, daß er es weder für sicher noch für klug hielt, sich ihnen anzuvertrauen.
Der Bezirk West-Chester war, nachdem die Britten von der Insel Neu-York Besitz Die Stadt Neu-York liegt auf einer Insel, welche Manhattan heißt; sie ist an einem Punkte von dem Bezirk West-Chester nur durch eine Wasserstraße von der Breite einiger Fuße getrennt, über welche die sogenannte Königsbrücke führt. Während des Krieges war dort der Schauplatz vieler Gefechte, worauf auch in dieser Erzählung angespielt wird. genommen hatten, ein gemeinschaftlicher Boden, und beide sich bekämpfende Parthieen bedienten sich desselben zu Fortsetzung ihrer Operationen für den Rest des Revolutionskrieges. Ein großer Theil der Bewohner trug entweder aus alter Anhänglichkeit oder aus Furcht eine Parteilosigkeit zur Schau, welche sie in Wirklichkeit nicht fühlten. Die weiter unten liegenden Städte waren natürlich vorzugsweise unter der Herrschaft der Krone, während die mehr im Innern befindlichen, da sie durch die Nachbarschaft der Amerikanischen Truppen gesichert waren, kühn ihre revolutionären Ansichten und ihr Recht, sich selbst zu regieren, behaupteten. Eine große Anzahl trug jedoch Masken, welche sogar heut zu Tage noch nicht abgelegt worden sind, und mancher wurde zu Grabe getragen, mit dem Brandmale eines Feindes der Rechte seiner Landsleute, während er im Geheim ein nützlicher Agent der Leiter der Revolution war; indeß auf der andern Seite, wenn man die verborgenen Fächer manches glühenden Patrioten an's Licht hätte fördern können, die Beschützung der königlichen Sache unter Massen von brittischem Golde zu Tage gekommen wäre.
Die schallenden Huftritte des edlen Rosses, welches der Reisende ritt, mochten wohl hin und wieder die Gebieterin einer ländlichen Wohnung, an welcher er vorbei kam, veranlassen, die Thüre des Hauses vorsichtig zu öffnen und sich den Fremden zu betrachten, während sie vielleicht mit rückwärts gewandtem Gesichte das Ergebniß ihrer Untersuchungen ihrem Gatten mittheilte, welcher im Innern des Gebäudes sich vorbereiten mochte, im Nothfalle seinen gewohnten Versteck in dem anliegenden Walde aufzusuchen. Das Thal lag ungefähr in der Mitte des Bezirks und beiden Armeen hinreichend nahe, um die Rückerstattung gestohlenen Guts zu keinem ungewöhnlichen Begebniß in dieser Gegend zu machen. Allerdings erhielt man nicht immer dieselben Gegenstände zurück, sondern man nahm in Ermangelung gesetzlicher Rechtspflege seine Zuflucht zu einem Ersatz im Allgemeinen, welcher dem beiläufigen Schaden des Benachtheiligten gleichkam, wobei dieser es häufig mit einer nicht unbeträchtlichen Zugabe für die jeweilige Nutznießung seines Eigenhums nicht allzu genau nehmen mochte. Kurz, es herrschte Gesetzlosigkeit in diesem Bezirke, und die Gerechtigkeit, welche hier galt, stand unter dem Gewalteinflusse persönlicher Interessen und der Leidenschaften des Stärkeren.
Der Durchzug eines Reisenden, über dessen Charakter Niemand in's Klare kommen konnte, und der Anblick seines Pferdes, welches, obschon es nicht die Abzeichen des militärischen Dienstes trug, doch an der freien und kühnen Haltung seines Reiters Theil nahm, gab den nachstarrenden Bewohnern der verschiedenen Hütten Anlaß zu vielen Vermuthungen, welche bei Manchem, der sein Gewisses nicht frei fühlte, keine geringe Beunruhigung erweckten.
Durch die Anstrengung des Tages ungewöhnlich ermüdet und besorgt, schnell ein Obdach gegen die stets sich mehrende Gewalt des Sturmes zu gewinnen, durch welchen der Regen in großen Tropfen, niederzustürzen anfing, entschloß sich der Wanderer, aus der Noth eine Tugend zu machen, und bei der nächsten Wohnung, welche sich ihm darbot, um Einlaß zu bitten. Er fand hierzu bald Gelegenheit, ritt durch ein Paar vernachlässigte Schranken und klopfte, ohne aus dem Sattel zu steigen, laut an die Thüre eines sehr unscheinbaren Gebäudes. Auf diesen Anruf erschien ein Weib von mittlerem Alter, deren Aeußeres wenig einladender war, als das ihrer Wohnung. Die erschreckte Frau drückte furchtsam die Thüre halb wieder zu, da sie bei dem Strahle des großen Küchenfeuers einen berittenen Mann in so unerwarteter Nähe ihrer Schwelle sah, und ein Ausdruck des Schreckens mischte sich mit ihrer natürlichen Neugierde, als sie nach seinem Begehren fragte.
Obgleich die Thüre zu dicht schloß, um eine Untersuchung der im Innern befindlichen Bequemlichkeiten zu gestatten, so hatte doch der Reiter genug gesehen, um veranlaßt zu werden, mit verlangenden Blicken noch einmal durch das Dunkel zu spähen, ob er nicht ein wirthlicheres Dach entdecken könne, ehe er mit übelverhehltem Widerwillen seine Lage und seine Wünsche kund gab. Seine Bitte wurde mit augenscheinlichem Mißmuth angehört, und ehe er sie noch geendigt hatte, schnell durch eine Erwiederung unterbrochen.
»Ich kann nicht sagen, daß ich es liebe, einem Fremden in so kitzlichen Zeiten Quartier zu geben,« sagte das Weib in einem frechen und schneidenden Tone; »ich bin nichts, als ein einsames verlassenes Geschöpf, oder, was ebenso viel heißt, es ist Niemand als der alte Herr zu Haus; aber eine halbe Meile weiter unten liegt ein Haus an der Straße, wo Ihr ein Unterkommen finden könnt, ohne etwas dafür ausgeben zu müssen. Ich weiß, daß es für jene passender seyn wird, und mir ist es lieber, weil Harvey, wie ich vorhin sagte, fort ist. Ich wollte, er ließe sich rathen, und gäbe das Wanderleben auf; er weiß sich in dieser Zeit gut in die Welt zu schicken und sollte sein unsicheres Umherstreichen aufgeben, – ja, und sich einen ordentlichen Hausstand gründen, wie es andere Leute von seinen Jahren und seinem Vermögen auch machen. Aber Harvey Birch will seinen eigenen Weg gehen und wird zuletzt als Landstreicher sterben.«
Der Reiter achtete nach dem Rathe, seinen Weg auf der Straße fortzusetzen, der keifenden Rede nicht weiter, sondern wendete langsam sein Pferd gegen die Schranken und schlug, zur Vorsorge gegen den Sturm, die Falten des weiten Mantels um seine Männliche Gestalt, als etwas in den Worten des Weibes plötzlich seine Bewegung anhielt.
»Das ist also die Wohnung des Harvey Birch?« fragte er unwillkührlich, brach aber schnell ab, augenscheinlich seine weiteren Worte unterdrückend.
»Ei, man kann kaum sagen, daß es seine Wohnung sey,« erwiederte die Andere, indem ihr in der Hast der Antwort beinahe der Athem versagte; »er ist nie, oder doch so selten darin, daß ich mich kaum seines Gesichts erinnere, wenn er's einmal der Mühe werth hält, es seinem armen Vater und mir zu zeigen. Doch mir liegt wahrlich wenig daran, ob er je wieder zurückkömmt oder nicht; – kehrt nur bei dem ersten Gitter zur Linken an; – nein, was mich anbelangt, ich kümmere mich nichts darum, ob Harvey je sein Gesicht wieder sehen läßt, oder nicht – ich gewiß nicht. Mit diesen Worten schlug sie ohne Umstände die Thüre vor dem Wanderer zu, der in der frohen Hoffnung, ein Unterkommen zu finden, welches ihm mehr Bequemlichkeit und Sicherheit verhieß, eine halbe Meile weiter ritt.
Es war noch hell genug, um den Reisenden in den Stand zu setzen, die Verbesserungen Verbesserungen ( ) nennen die Amerikaner jede durch menschliche Bemühung hervorgebrachte Veränderung in dem Urzustande des Landes; sie bedeuten in dem gegenwärtigen Falle das Fällen von Bäumen, wodurch der Boden in seinem Preise steigt. zu unterscheiden, welche sich in der Kulturbeschaffenheit und dem Gesammtanblick des Bodens um das Gebäude, dem er sich jetzt näherte, aussprachen. Es war ein langes, niedriges, steinernes, an jedem Ende mit einem Flügel versehenes Haus. Eine aus zierlichen hölzernen Säulen bestehende Halle lief an der Front des Gebäudes hin und gab, im Einklang mit den geordneten und in gutem Stand erhaltenen Einzäunungen und Außenbauten, dem Platze ein weit geselligeres Aussehen, als dieses bei den gewöhnlichen Wohnungen der Gegend der Fall war. Unser Wanderer leitete sein Pferd hinter einen Vorsprung der Mauer, wo es einigermaßen gegen Wind und Regen geschützt war, warf dann seinen Mantelsack über die Schulter und gab durch lautes Pochen an die Thüre seinen Wunsch, eingelassen zu werden, zu erkennen. Bald darauf erschien ein alter Schwarzer, welcher, ohne es für nöthig zu halten, unter solchen...




