E-Book, Deutsch, 166 Seiten
Copper MORDVERSUCH IN STUDIO B - EIN FALL FÜR MIKE FARADAY
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7554-2328-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Krimi-Klassiker!
E-Book, Deutsch, 166 Seiten
ISBN: 978-3-7554-2328-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Candy Barr, ein attraktiver Hollywood-Star, hat durch puren Zufall drei Mordanschläge überlebt. Sie hält ihren eigenen Ehemann für den Täter. Und Mike Faraday, der Privatdetektiv aus Los Angeles, kann ihren Verdacht nicht zerstreuen. Vor allem, da Miss Barr eine gigantische Lebensversicherung zugunsten ihres Mannes abgeschlossen hat... Der Roman Mordversuch in Studio B des britischen Schriftstellers Basil Copper (*5. Februar 1924; ? 3. April 2013) erschien erstmals im Jahr 1974; die deutsche Erstveröffentlichung folgte im gleichen Jahr. Der Signum-Verlag veröffentlicht eine durchgesehene Neuausgabe dieses Klassikers der Kriminal-Literatur.
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Zweites Kapitel
»Du hast manchmal wirklich phantastische Ideen, Mike«, bemerkte Stella spöttisch. Sie saß mir gegenüber auf ihrer Schreibtischkante, ließ eines ihrer langen, eleganten Beine herunterbaumeln und schaute mich aus ihren leuchtend blauen Augen an. Es war kühler geworden, aber die Sonne schien und verwandelte Stellas blonden Haarschopf in einen goldschimmernden Heiligenschein. »Was ist daran so phantastisch, Schatz?«, fragte ich. Ich hatte den Examiner auf meinem Schreibtisch ausgebreitet. Unten auf der ersten Seite war ein kurzer Artikel, der über den Mord im Lift berichtete. Das Opfer war ein gewisser Charles Blomberg. Ein harmloser Geschäftsmann, wie es schien, der ein Stockwerk unter mir ein paar Büroräume gemietet hatte. Die Polizei war den ganzen Vormittag mit Schuhgröße vierundvierzig in unserem Haus herumgetrampelt. Sie hatte dabei auch nicht übersehen, mir einen Besuch abzustatten. Und ich hatte erklärt, gar nichts zur Lösung ihres Falles beitragen zu können. Die Mordkommission hatte Lieutenant Anderson mit der Untersuchung beauftragt, einen Beamten, den ich noch nicht kannte. Ein luchsäugiger Typ mit eisgrauem Haar und viereckigen Kiefern, aber einigermaßen höflich, wenn man einmal davon absah, dass er, wie man es von ihm erwartete, etwas ruppig um sich bellte. Als er Stella erblickt hatte, war er augenblicklich aufgetaut. Er trank zwei Tassen Kaffee in unserem Büro, und ich dachte schon, er bleibt auch noch auf eine dritte Tasse hier, daher machte ich ihm deutlich, dass die Polizei der Stadt Los Angeles vermutlich Wichtigeres zu tun hatte, als mit hübschen Sekretärinnen Kaffee zu trinken. Erst jetzt, um die Mittagszeit, hatte sich der Aufruhr im Haus einigermaßen gelegt, und wir fanden Zeit, uns darüber zu unterhalten. Ich wiederholte meine Frage. Stella betrachtete aufmerksam ihre Kniescheibe und starrte sie an, als sei irgendetwas damit nicht in Ordnung. Mir dagegen kam sie ausgesprochen perfekt vor. »Die Schlüsse, die du daraus ziehst, Mike«, sagte sie. »Das ergibt meines Erachtens überhaupt keinen Sinn.« »Das sagst du bekanntlich immer!« Stella schaute mich wieder spöttisch an. »Gehen wir die Sache doch noch einmal Schritt für Schritt durch«, schlug ich vor. »Das mit dem Krüppel passt einfach nicht«, sagte sie unvermittelt. »Dann lassen wir den Krüppel erst mal weg.« »Aber warum bist du so sicher, dass derjenige, der Blomberg ermordete, es in Wirklichkeit auf dich abgesehen hatte?« »Könnte der Krüppel nicht ein Beobachter gewesen sein?«, fragte ich. »Man schickte ihn hierher in mein Büro, damit er feststellte, ob ich noch hier war. Er nahm an, das Büro sei leer, und ging weg.« »Du hast ihn aber gar nicht Weggehen gehört«, wandte Stella ein. »Das lassen wir vorläufig auch weg. Aber bedenke doch: Blomberg ist mir im großen Ganzen nicht unähnlich. Anfang Dreißig und etwa meine Größe und Gestalt. Er hatte das Pech, ausgerechnet zu der Zeit in den Lift zu steigen, als man damit rechnete, dass ich das Haus verlassen würde.« »Wer kann wissen, wann du das Haus verlässt?«, fragte Stella mit der ihr eigenen, unwiderlegbaren Logik. »Vielleicht sollte es der Krüppel herausfinden? Es ist doch möglich, dass er sich auf der Treppe versteckt hat und hörte, wie ich das Büro abschloss und zum Lift ging. Dann warnte er den Killer und teilte ihm mit, ich sei auf dem Weg nach unten.« »Natürlich«, sagte Stella mürrisch. »Er ist wie ein Wiesel auf Zehenspitzen hinuntergetänzelt ins Parterre, und du hast nichts davon bemerkt.« »Hör mal, Schatz, führen wir doch unsere Unterhaltung auf dem gewohnten hohen Niveau weiter«, schlug ich vor. »Es gibt schließlich so etwas Schönes wie tragbare Funkgeräte.« Stella zuckte mit den Schultern. »Und dann?« »Ich hatte mich anders entschieden und ging zu Fuß, anstatt den Lift zu benutzen«, erklärte ich. Blomberg stieg im nächsten Stockwerk ein, um nach unten zu fahren. Und derjenige, der unten in der Halle wartete, hatte keine Ahnung davon. Daher wurde Blomberg statt meiner erschossen.« Stella schloss die Augen, als würde sie vom Sonnenlicht geblendet. Einen Augenblick lang schaute sie sehr besorgt und nachdenklich drein. »Vielleicht hast du sogar recht, Mike«, gab sie zögernd zu. »Aber was hätte der Mörder für ein Motiv?« »Da bin ich freilich überfragt«, antwortete ich. »Ich kann nicht mehr tun als ein paar Gedanken aneinanderreihen. Und ich gebe keine Garantie dafür, dass ich den Fall von meinem Schreibtisch aus lösen kann.« »Bleibt zum Beispiel die Frage, wie der Krüppel verschwunden ist, als du hinuntergegangen bist«, bemerkte Stella. »Du bist ihm doch vermutlich nicht auf der Treppe begegnet.« »Vielleicht hat er sich ganz sachte von meiner Tür entfernt«, sagte ich. »Und vielleicht hat er sich auf dem ersten Treppenabsatz versteckt. Anschließend kann er dann irgendwo im unteren Stockwerk gestanden haben, als ich über die Treppe hinunterlief. Es gibt viele Möglichkeiten.« »Aber er wäre ein großes Risiko eingegangen«, meinte Stella. »Und ganz abgesehen davon, dass an deiner Geschichte nicht viel dran ist – warum würde jemand ausgerechnet einen Krüppel dazu benutzen, dir nachzuspionieren? Es ist doch klar, dass ein solcher Mann sofort die Aufmerksamkeit auf sich lenken würde, oder?« »Wenn ich darauf eine Antwort wüsste, brauchte ich dich nicht um Rat zu fragen«, antwortete ich verdrießlich. »Das Dumme ist nur, dass du dich um meinen Rat überhaupt nicht kümmerst«, erwiderte sie schnippisch. Sie hörte auf, ihr Bein hin und her pendeln zu lassen, und starrte mich an, als sei ich komplett übergeschnappt. Und ich muss zugeben, dass meine Gedanken ein wenig verrückt klingen mussten. Aber ich hatte eine Nacht lang Zeit gehabt, über alles nachzudenken. Und was ich dabei herausklamüsert hatte, gefiel mir ganz und gar nicht. Ich bin normalerweise nicht gerade überängstlich, aber ich hatte für alle Fälle meinen Smith & Wesson eingesteckt, den ich in dem kleinen Arsenal im Schlafzimmer meines gemieteten Häuschens am Park West auf bewahrte. Wenn ich mich jetzt bewegte, drückte er beruhigend gegen meine Brustmuskeln. Stella trug ein graues Minikleid, das jedes Mal, wenn ich sie anschaute, meine Moralbegriffe durchlöcherte, und obendrein hatte sie sich ein weißes Band um ihr Haar geschlungen, mit dem sie wie ein vierzehnjähriges Mädchen aussah. Andererseits hatte eine Vierzehnjährige kaum so perfekte, weibliche Rundungen. Ich musste ein paar Jährchen zulegen. Also schön, sie sah aus, wie eine Achtzehnjährige. Sie rutschte von der Schreibtischkante herunter und grinste über meine gierigen Blicke. Dann ging sie wortlos hinüber zur Kochnische. Während ich auf den Kaffee wartete, den sie gerade zubereitete, rauchte ich eine Zigarette und versuchte, mein Gehirn zu einer Sonderleistung anzuspornen. Und ich wartete immer noch auf das köstliche Gebräu, als das Telefon sich bemerkbar machte. Mit einer einzigen Bewegung stellte Stella die Kaffeetasse auf meine Schreibunterlage und nahm mit der freien Hand den Telefonhörer ab. »Faraday-Ermittlungen.« Sie setzte sich zur Abwechslung auf die Kante meines Schreibtisches und hielt sich den Hörer ans Ohr, während ich meinen Kaffee umrührte. Ich hörte, wie die dunkle, gutturale Stimme eines Mannes blechern im Hörer dröhnte. Stella leckte sich die Lippen und starrte mich bedeutungsvoll an. »Wir müssen erst etwas mehr über den Fall hören, ehe wir uns entschließen, den Auftrag zu übernehmen«, sagte sie kühl und vorsichtig. »Wollen Sie nicht einen Termin vereinbaren, damit wir die Sache hier in unserem Büro besprechen?« Die Stimme redete weiter, und Stella schaute durch das Fenster hinunter auf den Verkehrsstau vor unserem Haus, sagte kein Wort und setzte eine undurchsichtige Miene auf. »Was ist denn?«, fragte ich sie und trank einen Schluck Kaffee. Sie legte eine Hand über die Sprechmuschel und beugte sich zu mir herüber. »Ein sehr sonderbarer Kunde, Mike«, sagte sie. »Der gefällt mir gar nicht. Soll ich ihn abwimmeln?« Ich schüttelte den Kopf. »Du machst es genau richtig«, sagte ich. »Worum geht es denn?« Jetzt schüttelte Stella den Kopf. »Das will er nicht verraten. Er sagt, er muss mit dir selbst sprechen!« »Dann schlage ich vor, du gibst mir mal kurz den Hörer.« »Er behauptet, er weiß etwas über den Mord an Blomberg«, fügte Stella hinzu. »Verdammt und zugenäht«, zischte ich. »Geh an den Zweitapparat und mach dir Notizen.« Ich wartete, bis Stella den Hörer ihres Apparates abgehoben hatte, dann nahm ich den Hörer, den sie auf den Schreibtisch gelegt hatte. »Sie haben sich aber Zeit gelassen, Faraday«, blökte eine Männerstimme. »Es ist schließlich meine Zeit, oder?«, entgegnete ich. »Und heute ist ein schöner Tag.« Stella grinste zu mir herüber. »Lassen Sie gefälligst die Witze«, sagte die Stimme. »Dann schlage ich vor, Sie kommen zur Sache, mein Freund.« »Die Sache? Es geht um den Tod eines gewissen Blomberg«, schepperte es mir ins Ohr. »Wollen Sie wissen, wer es getan hat?« »Nicht unbedingt«, erwiderte ich. »Hören Sie, warum rufen Sie eigentlich nicht bei der Polizei an?« Jetzt drang eine Art ersticktes Knurren durch die Leitung zu mir. »Sie wissen genau, warum ich das nicht tue«, antwortete die Stimme. »Die Kugel hat nämlich Ihnen gegolten.« Stella warf mir einen raschen Blick...




