E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Copper SCHWARZES GIFT - BLOND SERVIERT
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7487-7510-2
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Krimi-Klassiker!
E-Book, Deutsch, 208 Seiten
ISBN: 978-3-7487-7510-2
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Privatdetektiv Mike Faraday erhält endlich wieder einmal einen lukrativen Auftrag. Er soll für den Juwelenhändler Burke Della Thomas, eine Schmuckdesignerin, aufspüren. Sehr bald schon wird Mike schmerzhaft bewusst, dass Burke nicht der einzige ist, der an Della interessiert ist und dass er sich ganz besonders vor dem Mann im Zweireiher in Acht nehmen muss... Der Roman Schwarzes Gift - Blond serviert des britischen Schriftstellers Basil Copper (*5. Februar 1924; ? 3. April 2013) erschien erstmals im Jahr 1980; die deutsche Erstveröffentlichung folgte 1982. Der Apex-Verlag veröffentlicht eine durchgesehene Neuausgabe dieses Klassikers der Kriminal-Literatur in seiner Reihe APEX CRIME.
Autoren/Hrsg.
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Erstes Kapitel
Es begann wie immer ganz harmlos, an einem jener heißen drückenden Abende, wo kein Lüftchen weht, wo die Wärme aus den Straßen von Los Angeles aufsteigt und die Hitze des Pflasters die Schuhsohlen durchdringt wie etwas Lebendiges, das versucht, einem den Rest von Energie aus dem Körper zu saugen. Du wirst ein Spinner, Mike, sagte ich mir. Du hast zu viele alte Filme im Fernsehen gesehen. Ich war hinübergefahren nach La Brea in einem Beschattungsauftrag, der mich nicht weiterbrachte, und schaute danach noch in meinem Büro vorbei, nur auf ein Viertelstündchen, um das Hemd zu wechseln und den Kopf unter den laufenden Kaltwasserhahn zu stecken. Während ich letzteres tat, klingelte das Telefon. Ich schaute auf die Uhr. Viertel nach neun, und bei mir klingelte keiner außerhalb der Bürostunden, abgesehen von Stella. Aber sie konnte nicht wissen, dass ich hier war. Ich seufzte, doch das hielt das Telefon nicht vom Klingeln ab. Ich war irgendwie erledigt und hatte vor, in mein Lieblingsrestaurant zu einem leichten Abendessen zu fahren, bevor ich in meine Mietwohnung im Park West zurückkehrte. Aber ich weiß nicht, was mich dazu bewegte - ich ging doch hinüber zu meinem Schreibtisch. Immerhin hatte ich ein paar magere Monate hinter mir und konnte es mir kaum leisten, einen Auftrag abzulehnen, nur weil er mir außerhalb der Geschäftszeit erteilt wurde. Vorausgesetzt, dass es sich um eine geschäftliche Angelegenheit handelte. »Faraday-Ermittlungen?« Die Stimme eines Mannes; sie klang tief und kultiviert. »Richtig«, antwortete ich. »Ich möchte mit Mr. Faraday persönlich sprechen.« »Sie sprechen mit ihm«, sagte ich. »Und Sie haben Glück, mich um diese Zeit noch hier zu erreichen.« Ein trockenes Lachen ertönte am anderen Ende der Telefonleitung. »Wir werden ja sehen, wer von uns beiden der Glücklichere ist, Mr. Faraday.« »Da komme ich nicht ganz mit«, sagte ich. »Wer spricht eigentlich?« »Mein Name ist Ladislav Burke«, fuhr die Stimme ungeduldig fort. »Sie haben zweifellos schon von mir gehört.« Ich schwieg einen Augenblick und überlegte. Der Name kam mir irgendwie bekannt vor. »Antiquitäten, Juwelen und Kunstgegenstände«, sagte ich, als es mir wieder eingefallen war. »Drüben an der Glitzerschlucht.« Die Stimme klang jetzt eisig. »Seien Sie nicht kindisch, Mr. Faraday. Sie sind zwar gut informiert, aber wir nennen die Straße lieber Rodeo Drive.« »Nennen Sie sie, wie Sie wollen«, sagte ich. »Ich handle mit weniger kunstvollen Realitäten, und kleine Leute wie wir nennen den Rodeo Drive eben die Glitzerschlucht.« Jetzt war deutlich ein Ton von Amüsement in Burkes Stimme zu verspüren. »Verkaufen Sie sich nicht zu billig, Mr. Faraday. Und um Ihren Fragen zuvorzukommen - man hat Sie mir empfohlen. Und ich benötige Ihre Dienste.« »Schon möglich«, sagte ich. »Aber zuvor möchte ich etwas mehr darüber wissen. Passt es Ihnen morgen? Ich habe einen harten Tag hinter mir.« Burke erwiderte in einer gemäßigten Eruption von Ungeduld: »Nein, es passt mir nicht, Mr. Faraday. Die Sache ist von äußerster Dringlichkeit. Geld spielt keine Rolle, in diesem Punkt kann ich Sie beruhigen. Ich biete Ihnen einen, Vorschuss von fünftausend Dollar.« »Aha - meine Lebensgeister kehren schon wieder zurück«, erklärte ich. Burke grinste. Das konnte ich natürlich nicht sehen, aber ich fühlte es durch den Draht. »Ich dachte, dass Sie das ermuntern wird, Mr. Faraday. Kann ich Sie in einer Stunde erwarten?« »Nicht so schnell«, sagte ich. »Was ist denn so dringlich an dieser Angelegenheit?« Jetzt klang die Stimme wieder eisig. »Es ist etwas, was ich nicht am Telefon besprechen kann. Darf ich davon ausgehen, dass Sie sobald wie möglich hier bei mir erscheinen?« »Sind Sie zu Hause oder im Geschäft?« »Ich habe ein Apartment hier«, fuhr die Stimme ungeduldig fort. »Das heißt, Sie wohnen über dem Geschäft«, sagte ich. Jetzt klang Burkes Stimme ausgesprochen schmerzerfüllt, aber es gelang ihm noch immer, sich zu beherrschen. »Das könnte man sagen, Mr. Faraday, wenn man taktlos, gefühllos und frech wäre.« »Ich bin alles drei«, erwiderte ich. »Aber daran dürfen Sie sich nicht stören.« Burke schniefte nicht gerade, aber es klang so, als ob ihm ein Knoblauchesser ins Gesicht gerülpst hätte. »Ich fürchte, Ihre Art von Humor wird unsere Beziehung ziemlich ungünstig beeinträchtigen, Mr. Faraday.« »Wir werden ja sehen, Mr. Burke.« »Ich warte also«, sagte er. Einen Augenblick lang ließ ich ihn noch schmoren, betrachtete die Decke und lauschte auf das Geknister, das über die Leitung kam. »Ich bin schon unterwegs«, sagte ich dann. Glitzerschlucht, oder Rodeo Drive, wie sie korrekt heißt, war und ist eine Straße in Beverly Hills, welche die teuerste Einkaufsstraße von Kalifornien zu sein vorgibt. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber weit davon entfernt kann sie nicht sein, und auf ein paar Dollar hin oder her kommt es bei diesen Größenordnungen ohnehin nicht an. Als ich dort ankam, hatte ich noch zehn Minuten übrig. Zehn Minuten, die ich zum Nachdenken brauchte. Aber ich dachte nicht so sehr an das Geld, das man hier verschwendete. Mich plagten andere Erwägungen. Die Leute, die hier ihre Geschäfte machten, waren wohlorganisiert und überaus diskret, und wenn sich hier ein Diebstahl oder etwas dieser Art ereignete, war die Polizei schneller bei der Sache, als ein verlorener Dollar in einen Gully rollt. Die Tatsache, dass Mr. Burke nach mir rief, ließ mich nachdenklicher werden als gewöhnlich. Ja, ich witterte Ungewöhnliches. Na schön - alles, was mich aus meiner Flaute reißen konnte, sollte mir heute Abend willkommen sein. Meine Müdigkeit war völlig verflogen, als ich meinen alten, pulverblauen Buick hinüberrollte zu den zweieinhalb Blocks teurer Besitztümer im spanischen Kolonialstil. Die Fassaden, die üppig mit Glas und Marmor geziert waren, glitzerten im Licht, und man sah sie schon von weitem. Wie immer fand in einer der Dachwohnungen eine Party statt, und ich musste ein ganzes Stück die Straße entlangrollen, ehe ich einen Parkplatz fand. Endlich entdeckte ich eine Lücke vor einer riesigen, fensterlosen Backsteinwand, die so lange schwarz lackiert worden war, bis sie den Schimmer der roten Neonlichter wie ein Spiegel reflektierte. Solche Verbrechen begingen die Architekten in den dreißiger Jahren, aber die Leute, die sich seinerzeit so etwas bauen ließen, dachten vermutlich, sie seien ihrer Zeit um ein ganzes Jahrhundert voraus. Ihre Bankkonten waren es zweifellos. Ich musste grinsen. Keine großartige Reaktion, aber für mehr reichte meine Energie nicht aus. Ich stieg aus dem Buick und ging ein paar Blocks zurück, bis ich das betreffende Haus gefunden hatte. Dann warf ich einen Blick in die Schaufenster, die auf den Boulevard herausgingen. Ich entdeckte nichts, was weniger als dreihundert Dollar gekostet hätte. Und selbst dafür hätte man kaum mehr als einen goldplattierten Zahnstocher bekommen. So ungefähr war dieser Laden. Natürlich standen neben den ausgestellten Kostbarkeiten keine Preisschildchen - nein, das wäre sicher nicht vornehm gewesen. Was das Zeug kostete, sollten die Leute selbst schätzen. Mir lief es ein bisschen kalt über den Rücken, aber nicht wegen der leichten Brise, die aufgekommen war. Ich fand es nur irgendwie unheimlich, dass es Menschen mit so viel Geld gab. Schließlich beendete ich meine Betrachtungen ziemlich abrupt und ging bis zur nächsten Querstraße und von dort zur Rückseite des Gebäudes. Die Party, die in einem der Apartments stattfand, näherte sich ihrem Höhepunkt. Als ich ein paar Treppen nach oben gegangen war, konnte ich die breite Terrasse sehen und die Flutlichter, die importierten Blumen und die Grünpflanzen in den Kübeln. Eine Oben-ohne-Tänzerin brachte die Stimmung der Gäste gerade auf den Siedepunkt. Daraus erkannte ich, dass es sich nicht um eine gemietete Berufskünstlerin handeln konnte. Sie war sicher eine von den Gästen, daher das große Interesse der anderen. Ich blieb stehen und bewunderte sie ein paar Augenblicke lang, als sie am Ende der Terrasse durch eine Lücke in dem Grünzeug zu sehen war. Hübsch. Ich hätte die ganze Nacht dort stehen und ihr zuschauen können, aber schließlich war ich hergekommen, um mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Also ging ich weiter nach oben und kam an ein schweres, schmiedeeisernes Gitter, das in den Mauern der beiden Seiten der Treppe verankert war. Es gab keine Möglichkeit, sich daneben vorbeizudrücken. Aus einem unsichtbaren Lautsprecher, der irgendwo in dem Grünzeug montiert sein musste, welches auf der Hügelseite wuchs, kam eine Stimme. »Ja?« »Faraday«, sagte ich. Es war dieselbe Stimme wie am Telefon. »Kommen Sie weiter, aber halten Sie sich im Licht.« Ich hatte schon zuvor gewusst, dass es eine Fernsehanlage geben musste, die den Eingang überwachte. Also folgte ich der Anweisung der Stimme, behielt allerdings die Hände in den Hosentaschen und setzte meine Schuhnummer 43 so sachte wie möglich auf die gewienerten Steinplatten. Das große Gitter glitt geräuschlos zur Seite, als ich mich ihm weiter genähert hatte, und verschwand auf gutgeölten Rädern in der einen Seitenwand. Ich hörte es hinter mir wieder ins Schloss schnappen, während ich die Treppe hinaufging, die sich auf der Rückseite des Blocks zwischen Blütensträuchern nach oben wand. Gleich danach war ich auf einer zweiten, in den Hang gegrabenen Terrasse und...




