E-Book, Deutsch, Band 1, 200 Seiten
Reihe: Schattenchronik - Gegen Tod und Teufel (Mystery Thriller)
Cornelius Schattenchronik - Gegen Tod und Teufel 01: Die andere Ebene
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-561-6
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 1, 200 Seiten
Reihe: Schattenchronik - Gegen Tod und Teufel (Mystery Thriller)
ISBN: 978-3-95719-561-6
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Mithilfe der steinreichen Lady Marbely und ihrem treuen Butler, dem Topagenten Richard Wallburg, beginnt der Neuaufbau einer schlagkräftigen Agententruppe, um die negativen Mächte auf beiden Ebenen - im Diesseits und im Jenseits - weiter bekämpfen zu können. Im Team sind bereits tatkräftige Helfer. Mick Bondye und Cassy Benedikt, ein Voodoo-Vampir und eine Ebenenwechslerin, die zuvor für New Scotland Yard gearbeitet haben. Neu rekrutiert werden drei schwedische Agenten.
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Gegenwart
Sandra tastete verschlafen nach der Fernbedienung ihres CD-Players und grunzte missmutig, als sie immer wieder ins Leere griff. Das Ding musste unter die Couch oder in eine Sesselritze gerutscht sein. Sie hatte das Gerät nach einer feuchtfröhlichen Nacht auch schon mal im Kühlschrank gefunden. Und im Augenblick signalisierte ihre brüchige Erinnerung, dass sie sich irgendwann nach Mitternacht sturzbetrunken von einem Taxi hatte nach Hause bringen lassen, um dort noch etwas Musik zu hören und kurz darauf in einen komaähnlichen Schlaf zu fallen.
Von Technik hatte Sandra wenig Ahnung. Das Entfernen der Wiederholungsschleife war für sie seit jeher eine unüberwindbare Hürde gewesen, daher liefen die alten Ballermann-Hits immer noch. Es half nichts, sie musste sich von ihrer winzigen Couch erheben, um den Netzstecker zu ziehen. Die Ruhe tat gut, und so sackte sie erst einmal entkräftet wieder in sich zusammen. Wie lang hatte sie geschlafen? Zwei Stunden? Sie fühlte sich, als wären es nur zwei Minuten gewesen.
Zurück auf die Couch? Oder ins Bett? Schließlich schlurfte sie ins Klo. Im Sitzen fuhr sie sich durch das kurz geschnittene, dunkle Haar und begann ihre Stirn zu massieren. „Himmel, ist mir schlecht!“
Seit sie wieder solo war, nahm das frühere Lotterleben sie wieder in Beschlag. Jobben, schlafen, feiern. Alles in beliebiger Reihenfolge, wobei Feiern auf jeden Fall Vorrang hatte. Der Samstag in der Siegener Bauerndisco war gut gewesen, den Nachschlag gestern am Sonntag hätte sie sich vielleicht besser erspart.
Mit beiden Händen griff Sandra seitlich an ihr Waschbecken und zog sich mühsam von der Toilettenbrille in die Höhe. Ihr Gesicht tauchte im Spiegel auf, doch was sie darin sah, war so entsetzlich, dass sie sich wieder zurückfallen ließ. Durch die abrupte Bewegung verstärkten sich ihre Kopfschmerzen.
„Herrgott, ich sterbe!“, stöhnte sie wütend.
„Dann ruf doch den Notarzt!“, tönte eine männliche, müde Stimme dumpf aus der Dusche.
Sandra erstarrte, sie musste laut schlucken. „Wer … wer ist da?“, fragte sie zaghaft.
Keine Antwort.
„Wer ist da?“, fragte sie wieder, diesmal ein wenig energischer.
„Jan.“
Sandra ließ sich nach vorne kippen, landete schlaff auf ihren Knien. Der Schwung reichte aus, um den Duschvorhang zu greifen. Mit einem Ruck riss sie den speckigen Plastikfetzen zur Seite und schrie auf. In der Dusche saß ein halbnackter junger Mann, nur mit einer Unterhose bekleidet und notdürftig in Stoff eingehüllt. Sie erkannte die Decken, die eigentlich eingerollt im Wäscheschrank stecken sollten, als ihre eigenen.
„Wer zum Teufel bist du?“
„Jan.“
„Was für ’n Jan, verdammt noch mal?“
Der Typ starrte sie nur stumm aus glasigen Augen an. Sein Atem kroch ihr in Form einer Gaswolke aus schalem Bier und unverdauten Currywürsten entgegen. Der Alkoholpegel in seinem Blut war vermutlich deckungsgleich mit ihrem.
Mühsam brachte sich Sandra in eine Art Hockstellung. „Was machst du hier?“
„Du hast mich eingeladen.“
„Was? Ich?“
Er nickte. „Ja, du.“
„Das kann nicht sein.“
„Ist aber so.“
Sandra lehnte sich gegen die Kloschüssel. „Bin ich gestern nicht alleine nach Hause?“
„Nein, bist du nicht.“
„Sicher?“
Der junge Mann rieb sich umständlich die Augen. „Natürlich bin ich mir sicher. Wäre ich sonst hier?“
„Wie bist du reingekommen?“
Er stöhnte und sah sie genervt an. „Bist du blöd, oder was?“
„Wer bist du denn?“
„Du hast mich mit ins Taxi gezerrt. Sagtest, du wolltest mir unbedingt eine neue CD vorspielen.“ Jan lachte verächtlich.
Sandra schloss die Augen und versuchte krampfhaft nachzudenken. „Und dann?“
„Dann hast du sie nicht gefunden, und ich sollte wieder gehen.“
„Echt?“
„Ja, echt!“ Er versuchte sich in eine bequemere Liegeposition zu bringen. Vergeblich.
„Und warum bist du dann noch hier?“
„Wo sollte ich denn hin? Wir hatten fünf Uhr in der Früh … Montagmorgen.“
Montagmorgen? „Ach du Scheiße! Ich muss zur Arbeit!“
„Nein, musst du nicht. Du hast bei denen auf den AB gesprochen und gesagt, dass du krank bist und nicht kommen kannst.“
Sandra schlug sich beide Hände vors Gesicht. „Mein Gott, ich muss echt bescheuert sein! Hab ich das wirklich gemacht?“
„Die haben sicher nur die Hälfte verstanden, so wie du gelallt hast.“
Sie starrte trübsinnig auf den alten Kachelboden in ihrer kleinen Zwei-Zimmer-Mietwohnung.
„Betrunkene Frauen, die betont sachlich etwas sagen wollen, sind immer furchtbar unverständlich“, versuchte Jan sie zu trösten.
„Vielleicht hab ich Glück, und sie können den Anruf nicht zuordnen.“
„Dann hättest du deinen Namen nicht so laut brüllen sollen.“ Jan drehte sich wieder. Er fand offenbar keine bequeme Stellung in der engen Dusche. „Außer deinem Namen werden die nichts registriert haben.“
„Da brauch ich mich nicht mehr sehen zu lassen“, resignierte Sandra.
„Vermutlich.“
„Und ich hab dich mitgenommen, weil ich dir eine CD vorspielen wollte?“
„Genau. Und dann hast du eine uralte Ballermann-Scheibe aufgelegt und mich mit den muffigen Decken ins Klo geschoben.“
„Ich muss stinkbesoffen gewesen sein.“
„Allerdings, das warst du.“ Jan fuhr sich durch das strubblige Haar. „Ich aber auch, sonst wäre ich gar nicht erst mitgekommen.“
„Warum nicht?“, rutschte es ihr raus.
Jan winkte ab. „Vergiss es.“
„Wie viel Uhr haben wir eigentlich?“ Sandra schob sich langsam wieder in die Höhe. Mit Ende dreißig spürte man nach Alkoholexzessen jeden Knochen im Leib.
Jan starrte auf seine schwarze Plastikarmbanduhr, das einzige Kleidungsstück außer seiner Unterhose. „Halb acht.“
Sie musterte ihn nachdenklich. „Wie alt bist du eigentlich?“
„Das hast du mich gestern tausendmal gefragt.“
Sandra blickte beschämt zu Boden. Dann stakste sie steif wie ein Zombie in ihre Wohnküche zurück.
Jan in seiner lächerlichen Unterhose hinterher. „Meine Sachen liegen noch hier.“ Er schaute sich suchend um.
Sie ließ sich wieder auf die Couch fallen. „Warum hast du dich eigentlich ausgezogen?“
„Vergiss es!“ Er angelte nach seinen Strümpfen, die unter dem Couchtisch lagen, nicht weit davon Shirt und Hose. „Gleich hab ich alles.“
„Soll ich uns einen Kaffee machen?“
„Gute Idee.“ Jan starrte einige Sekunden lang nachdenklich auf die Aufschrift seines T-Shirts und zog das Kleidungsstück noch einmal über den Kopf, um es zu wenden. „Willst du heute doch arbeiten gehen?“
„Ganz bestimmt nicht. Ich leg mich wieder hin.“
„Ich muss was Kaltes trinken.“ Jan überprüfte seine Kleiderordnung erneut. „Ich hab ’n Geschmack im Mund, als hätte mir ’n Uhu in den Hals gepisst.“
Sandra zeigte Richtung Veranda. „Draußen steht ein Kasten Wasser.“
Die Wohnung war so klein, dass Jan bereits nach zwei Schritten an der Tür war. Langsam schob er den langen Griff nach unten. Die alte Holztür ploppte nach oben. Es knarrte fürchterlich, als er sie öffnete. „Ich seh’ keinen Kasten.“
„Steht aber da.“
„Da ist nix.“
„Ach, komm schon. So groß ist der Balkon wirklich nicht. Der Wasserkasten ist nicht zu übersehen.“
„Hier liegt nur ein alter, zusammengerollter Teppichboden oder so was.“
Teppichboden?, dachte Sandra und schielte zwischen den halb geschlossenen Augenlidern Richtung Balkontür. Sie fühlte sich viel zu schlapp, um noch einmal aufzustehen. Der Junge scheint übel angeschlagen zu sein. Wie bin ich nur darauf gekommen, so ein Würstchen mit nach Hause zu schleppen?, dachte sie.
Der kleine Balkon lag in diffusem Zwielicht. Sie beobachtete, wie sich Jan bückte, um ein schwarzes Ding hochzuheben. Er tastete und griff vorne in die Öffnung der angeblichen Teppichbodenrolle, wohl um besser zupacken zu können.
Von draußen drang kalte Luft unangenehm in die Wohnung.
„Nimm dir eine Flasche und mach die Tür …“
Im selben Augenblick fuhr Jans Körper wie bei einem Stromschlag zusammen. Der Rest ihrer Worte ging in seinem furchtbaren Gebrüll unter. Sandra fuhr hoch und stürzte mit einem Satz zum Balkon. Der junge Mann wackelte hin und her und brüllte wie am Spieß.
„Was zum Teufel machst du da?“, rief Sandra und steckte ihren Kopf ins Freie. Sie zuckte wieder zurück, als ihr etwas Nasses, Klebriges ins Gesicht klatschte.
Blut!
Überall Blut!
Wie in Trance wischte sie sich durchs Gesicht. Jan taumelte ihr entgegen und riss sie um. Zusammen stolperten sie halb in die Wohnung zurück. Noch im Fallen sah Sandra einen gigantischen Wurm, und sofort wurde ihr bewusst, was Jan im Zwielicht für eine Teppichbodenrolle gehalten hatte. Ein Tausendfüßler – um ein Vielfaches vergrößert, pechschwarz und mit kleinen, funkelnden Augen.
Jan lag mit dem Rücken auf ihr, sein Körper zitterte fürchterlich. Seine Schreie wurden leiser.
Sein rechter Unterarm!, durchfuhr es Sandra. Er ist … weg!
Wie von Krämpfen geschüttelt hielt sich Jan den Armstumpf vor sein Gesicht. „Der …...




