Cornelius | Schattenchronik - Gegen Tod und Teufel 05: Killerkäfer im Westerwald | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 5, 200 Seiten

Reihe: Schattenchronik - Gegen Tod und Teufel (Mystery Thriller)

Cornelius Schattenchronik - Gegen Tod und Teufel 05: Killerkäfer im Westerwald


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-565-4
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 5, 200 Seiten

Reihe: Schattenchronik - Gegen Tod und Teufel (Mystery Thriller)

ISBN: 978-3-95719-565-4
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Drei Topagenten der Schattenchronik im Einsatz. Ryan Reese kämpft in den Sümpfen von Louisiana gegen Dämonen und Hexenwesen um sein Leben. Zur gleichen Zeit stellen sich Martin Anderson und Leila Dahlström im Westerwald den Urgewalten der anderen Ebene. Die Lage scheint aussichtslos. * Die am Ende des Jahres erscheinende Paperback Ausgabe wird 160 Seiten umfassen! *

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New Orleans, Louisiana

Wolf Winter wusste nicht mehr, wie lange er bereits unterwegs war. Zwei, drei Stunden? Oder länger? Das Zeitgefühl war dem groß gewachsenen, schlanken Fünfzigjährigen abhandengekommen, seit er seinen Land Rover kurz vor Slidell abgestellt hatte und von der befestigten Straße aus in das Sumpfgebiet am südlichen Mississippi spaziert war. Durch das Blattwerk der dicht belaubten Bäume sah er pechschwarze Wolkenberge aufziehen. Einmal glaubte er sogar, aus der Ferne Donnergrollen zu vernehmen.

Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, ausgerechnet heute Daryl Lamarr aufzusuchen. Jedes Kind in der Gegend wusste, dass Unwetter und Hochwasser die Sümpfe noch gefährlicher machten, als sie ohnehin waren. Es ärgerte ihn, dass er sich dennoch dafür entschieden hatte. Andererseits war der Weg direkt durch die Sumpfwälder, die sich um seine Heimatstadt New Orleans erstreckten, der schnellste, der zu Daryl führte. Von der Straße aus war es nicht sehr weit, allerdings musste man sich auskennen, um die wenigen sicheren Pfade zu finden.

Wolf Winter schwitzte und wehrte halbherzig die Mücken ab, die, angelockt von Feuchtigkeit und Wärme, in dichten Schwärmen herumschwirrten. Mühsam schritt er über einen verwachsenen Pfad, der linker Hand am Flusslauf des Mississippi vorbeiführte. Mit einem dünnen Tuch wischte er sich in Abständen den Schweiß von seiner Glatze.

In den Tümpeln, die gegenüber dem sumpfigen Dschungel dutzendweise zu finden waren, stank es nach Fäulnis. Frösche quakten, überall blubberte und gluckste es. Das Moor lebte. Der nasse Boden schmatzte unter jedem seiner Schritte. Ein Fehltritt konnte lebensgefährlich sein. Niemand würde ihn hier draußen so schnell finden. Schon gar nicht, wenn ihn der Sumpf mit Haut und Haaren für alle Ewigkeit verschlang.

Hoffentlich ist Daryl nichts zugestoßen, schoss es ihm durch den Kopf. Die Frau wohnte seit Jahren in ihrer kargen Hütte mitten in den Sumpfwäldern und widmete ihr Leben den Nachkommen ehemaliger Sklaven, die sich fernab von der Hektik der Großstadt New Orleans niedergelassen hatten. Daryl war ein Medium, das den Sumpfbewohnern half, über die Grenze zu blicken, vom Diesseits ins Jenseits. Anwohner der umliegenden Städte besuchten sie, um von ihr Rat zu bekommen, oder baten sie, einen Wink des Schicksals zu interpretieren.

Wolf Winter drehte sich um, als in seiner unmittelbaren Nähe ein knorriger Ast von einer der verkrüppelten Kiefern abbrach und in den Schlamm klatschte. Auch er war ein Medium, ein Mittler zwischen den Ebenen. Dies war der Grund, warum er zu Daryl wollte. Sie waren nicht nur Freunde, sie waren auch Kollegen. Mindestens zweimal im Monat ging Winter zu der Blockhütte in den Sümpfen, nicht nur zum Gedankenaustausch, sondern um Daryl bei ihren Sitzungen als Medium mit den Sumpfbewohnern zu unterstützen.

Vor drei Tagen wollte sie bei ihm zu Hause in New Orleans vorbeischauen, wie sie es immer tat, wenn sie zum Einkaufen in die Stadt kam, doch sie war nicht aufgetaucht. Sie besaß kein Mobiltelefon. Also war Winter schließlich aufgebrochen, um nach dem Rechten zu sehen. Daryl war schließlich nicht mehr die Jüngste. Ihr konnte alles Mögliche passiert sein.

Eine halbe Stunde später sah Winter auf einem Hügel mitten im Morast endlich die Behausung von Daryl Lamarr. Vorsichtig näherte er sich der Blockhütte mit dem vorspringenden Dach und spähte durch die stark verschmutzten Fenster. Im Innern konnte er kaum etwas erkennen. „Daryl!“, rief er laut. Normalerweise hätte die Frau schon längst auf den Besucher aufmerksam geworden sein müssen. „Daryl?“

Da keinerlei Antwort kam, stieß er die angelehnte morsche Holztür auf. Dumpfe, modrige Luft schlug ihm entgegen. Das schwache Tageslicht erhellte das Innere. Bis auf die Küchenmöbel, einen klobigen Holztisch, um den sich drei klapprige Stühle gruppierten, und ein abgenutztes Bettsofa war der Raum leer. Von Daryl keine Spur.

Wolf Winter ging wieder hinaus. Seine Sorge wuchs. War ihr etwas zugestoßen oder hatte ihre Abwesenheit einen völlig harmlosen Grund? Schließlich konnte sie nicht wissen, dass er heute vorbeikam. Andererseits war klar, dass sie wissen musste, dass er sich um sie sorgte. Er kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen und ließ seinen Blick durch die unwirklich erscheinende Sumpflandschaft schweifen. Dann hielt er inne. In einiger Entfernung, bei einer dicht stehenden Gruppe halb verdorrter Sträucher am Rand des Moores, entdeckte er eine Frau. Die Arme weit ausgestreckt, die Hände zu Klauen verkrampft und die Beine leicht angewinkelt, lehnte sie mit dem Rücken an einem schwarzen Baumstumpf. Die Schuhsohlen berührten beinahe den Sumpf.

Winters Herz blieb für einen Moment stehen. Sie hat keinen Kopf mehr! Das Fleisch um den Halsstumpf wies gezackte Ränder auf, als ob das Haupt gewaltsam vom Rumpf gerissen worden wäre. Myriaden von Maden, Fliegen, Ameisen und anderen Insekten saßen auf ihm und verwandelten ihn in einen seltsamen lebenden Mikroorganismus.

Voller Entsetzen starrte Winter auf den Torso seiner toten Freundin, doch es sollte noch schlimmer kommen. Nur wenige Meter davon entfernt schwebte ihr abgerissener Schädel über dem Moor, als tanze er über der braunen Brühe. Die kurzen schwarzen Haare waren zerzaust, die dunklen Augen aufgerissen, die Lippen, über die nun Worte kamen, die dieses grausige Schauspiel Lügen straften, zu einem höhnischen Grinsen verzerrt.

„Du kommst mich besuchen? Wie nett von dir, Wolfi.“

Winter stöhnte vor Entsetzen auf, als er sah, dass Daryls Kopf plötzlich wie von einem Katapult abgeschossen über den Sumpf direkt auf ihn zu sauste. Ihr Mund war weit geöffnet und offenbarte gewaltige spitze Zähne, wie bei einem Vampir. Blitzartig duckte sich Winter und wich dem Schädel aus, dessen Fänge sich in seine Halsschlagader bohren wollten.

Während die Fratze kehrtmachte und zum nächsten Angriff überging, bemerkte Winter, dass sich Daryls Torso von dem Baumstumpf erhob und wie ein Zombie in seine Richtung stakste. Die Leichenteile, die offensichtlich von einem Dämon gelenkt wurden, wollten ihn in die Zange nehmen. Obwohl Daryls Behausung schnell zur Falle werden konnte, entschied Winter, seinem ersten Impuls zu folgen und in der Hütte Schutz zu suchen. Er warf sich herum, stolperte die wenigen Meter bis zur Bretterbude zurück und schlug atemlos die Holztür hinter sich zu. Der Vampirkopf prallte von draußen gegen das morsche Türblatt. Winter wusste, dass er hier drin nur bedingt sicher war. Die Tür hatte nicht einmal ein Schloss. Während sich der kopflose Frauenkörper unablässig der wackeligen Behausung näherte, hämmerte Daryls Kopf gleichzeitig wie wild gegen die verschmutzten Fensterscheiben.

Denk nach! Verdammt, denk nach! Winter schob den klobigen Holztisch vor die Tür und verkantete ihn mit den Stühlen. Keine Sekunde zu früh. Es rüttelte an der Klinke. Ein Blick zum Fenster verriet ihm, dass das Glas den Attacken des Vampirkopfes nicht mehr lange standhalten konnte, die Scheibe wies bereits erste Risse auf.

Dann geschahen zwei Dinge gleichzeitig. Die Fensterscheibe zerbarst und die Barrikade vor der Tür gab nach. Glassplitter regneten auf Winter herab, der Tisch flog wie ein Geschoss knapp an ihm vorbei. Einer der herumwirbelnden Stühle streifte ihn an der Schulter und drückte ihn nach hinten gegen die Wand. Brennender Schmerz fuhr durch seine linke Körperhälfte.

Der kopflose Frauenkörper erschien in der aufgebrochenen Tür, und der Vampirschädel verharrte direkt vor ihm in der Luft. In der bleichen Fratze brannten die dunklen Augenhöhlen wie glühende Kohlen. Die Lippen waren weit über die mächtigen Fangzähne gezogen. Neben ihm wackelte der Torso. Die zu Klauen deformierten Hände streckten sich Winter entgegen. Sie haben mich! Dann brach die Hölle über ihn herein.

*

Ryan Reese genoss die restlichen Stunden seines Geburtstags. Zufrieden rauchend stand er neben seinem Leihwagen, einem silbernen Buick Regal, an einer Tankstelle am Highway 90 Richtung New Orleans. Plötzlich mochte er seinen neuen Job wieder sehr. Wann und wie wäre er sonst mal nach Amerika gekommen. Vermutlich nie.

Die Selbstgedrehte steckte schief, fast aufsässig, in seinem rechten Mundwinkel. Der alte Tankwart, der den Wagen gerade mit Benzin befüllte, sah Ryan vorwurfsvoll an. „Hier darf nicht geraucht werden!“ Als er daraufhin unvermittelt eine Wolke des Tabakqualms einatmen musste, wurde sein Gesicht plötzlich aschfahl. „Herzguter Jesus, was ist das denn für ein Kraut?“

„Das ist Tabak, und zwar von der hervorragendsten Sorte“, antwortete Ryan leichthin. „Er stammt aus einem kleinen afrikanischen Dorf, die Geburtsstätte meiner Familie. Eine wahre Rarität sozusagen.“

„Gott im Himmel, mir wird schlecht!“ Der Alte zog den Benzinschlauch aus der Tanköffnung des Wagens und hängte ihn an die Zapfsäule. Dann holte er mit zittrigen Fingern einen Lederbeutel mit Schnupftabak aus der Hosentasche hervor und steckte seine knorrige Nase so tief wie möglich hinein. Wohl in der Hoffnung, damit den pestilenzialischen Gestank von Ryans Giftgas zu kaschieren. „Muss das denn sein?“

„Ja, mein Freund, das muss sein.“ Ryan lachte, bezahlte großzügig, klemmte sich wieder hinter das Steuer des Buick und setzte seine Fahrt fort. Den Jetlag spürte er kaum noch, obwohl er erst vor wenigen Stunden aus Deutschland eingetroffen war. In aller Ruhe ging er noch mal seinen aktuellen Auftrag in Gedanken durch. Das weltweite Massensterben von...



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