Cornwell | Verderben | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 8, 432 Seiten

Reihe: Ein Fall für Kay Scarpetta

Cornwell Verderben

Der achte Fall für Kay Scarpetta
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-311-70638-0
Verlag: Kampa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der achte Fall für Kay Scarpetta

E-Book, Deutsch, Band 8, 432 Seiten

Reihe: Ein Fall für Kay Scarpetta

ISBN: 978-3-311-70638-0
Verlag: Kampa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dr. Kay Scarpetta reist nach Dublin, um Vorlesungen über Forensik zu halten – und um der Frage aus dem Weg zu gehen, ob sie den Mann, den sie liebt, auch heiraten will. In Irland trifft sie Margaret Foley wieder, eine alte Bekannte und Kollegin. Als Scarpetta ihr von einer Mordserie erzählt, die ihr Team in Atem hält, stoßen die beiden auf einen möglichen Zusammenhang mit Verbrechen in Irland einige Jahre zuvor: In beiden Fällen wurden zerstückelte Leichen auf Müllhalden gefunden. Als an Halloween auf einer Deponie in Virginia der Torso eines zehnten Opfers auftaucht, scheint es zunächst, als hätte derselbe Täter wieder zugeschlagen. Aber bei der Obduktion zeigen sich eindeutige Unterschiede zu den bisherigen Fällen. Haben sie es mit einem Trittbrettfahrer zu tun? Was Scarpetta außerdem Kopfzerbrechen bereitet: Die Haut des Opfers ist mit roten Pusteln übersät. Der Gerichtsmedizinerin kommt ein fürchterlicher Verdacht: Setzt der Mörder einen Virus als biologische Waffe ein? Scarpetta und ihr Team müssen dem Täter schnell das Handwerk legen – sonst droht eine vernichtende Seuche …

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1


Die Nacht brach klar und kalt herein in Dublin,und der Sturm heulte draußen vor meinem Zimmer wie tausend Orgelpfeifen. Windstöße ließen alte Fensterscheiben mit einem Klang erzittern, als huschten Geister vorbei, während ich zum wiederholten Mal die Kissen zurechtrückte und mich schließlich in einem Gewirr irischen Leinens auf den Rücken legte. Doch ich fand keinen Schlaf, und die Bilder des Tages kehrten zurück. Ich sah Körper ohne Kopf und Gliedmaßen vor mir und setzte mich schwitzend auf.

Ich machte Licht, und plötzlich umgab mich das Shelbourne Hotel mit der warmen Ausstrahlung kostbarer alter Hölzer und dunkelroter Plaids. Während ich einen Morgenmantel anzog, verweilte mein Blick auf dem Telefon neben dem Bett. Es war fast zwei Uhr morgens. In Richmond, Virginia, war es jetzt fünf Stunden früher, und Pete Marino, Chef der Mordkommission des städtischen Police Departments, war bestimmt noch wach. Vermutlich sah er gerade fern, rauchte und aß irgendwas Ungesundes, falls er nicht auf den Straßen unterwegs war.

Ich wählte seine Nummer, und er nahm ab, als habe er direkt neben dem Telefon gesessen.

»Süßes oder Saures?« Er sprach laut und war ziemlich angetrunken.

»Du bist ein bisschen früh dran«, sagte ich und bereute meinen Anruf bereits. »Halloween ist erst in ein paar Wochen.«

»Doc?« Er hielt verwirrt inne. »Bist du das? Wieder in Richmond?«

»Immer noch in Dublin. Was ist das für ein Lärm?«

»Bloß ein paar von den Jungs. Wir sind so hässlich, wir brauchen keine Masken. Bei uns ist jeden Tag Halloween. He! Bubba blufft«, brüllte er.

»Immer glaubst du, dass alle bluffen«, gab eine Stimme zurück. »Das kommt, weil du schon zu lange Kriminalbeamter bist.«

»Quatsch! Marinos kriminalistischer Spürsinn reicht doch noch nicht mal, um seinen eigenen Schweißgeruch zu bemerken.«

Im Hintergrund brach lautes Gelächter aus, und das betrunkene Sprücheklopfen ging weiter.

»Wir spielen Poker«, sagte Marino zu mir. »Verdammt, wie spät ist es eigentlich bei dir?«

»Das sag ich dir lieber nicht«, antwortete ich. »Ich muss dir etwas Beunruhigendes mitteilen, aber es hört sich nicht so an, als wäre das jetzt der richtige Zeitpunkt dafür.«

»Nein. Nein, warte. Ich nehm nur eben das Telefon mit raus. Mist. Immer muss diese Scheißschnur sich verheddern, kennst du das? Verdammter Mist.« Ich hörte seine schweren Schritte und das Verrücken eines Stuhls. »Okay, Doc. Was zum Teufel ist denn los?«

»Ich habe den Großteil des Tages damit zugebracht, mit meiner hiesigen Kollegin über die Deponiemorde zu sprechen. Marino, ich habe immer mehr den Verdacht, dass die Serie von Zerstückelungen in Irland und die Morde in Virginia das Werk ein und derselben Person sind.«

Er brüllte: »Ruhe da drinnen, Leute!«

Während ich die Bettdecke um mich herum zurechtzog, hörte ich, wie er sich noch weiter von seinen Kumpeln entfernte. Ich griff nach dem letzten Rest Black-Bush-Whiskey, den ich mit ans Bett genommen hatte.

»Dr. Foley hat die fünf Fälle in Dublin bearbeitet«, fuhr ich fort. »Ich habe mir alle Akten angesehen. Rümpfe ohne Gliedmaßen. Die Wirbelsäule am unteren Ende des fünften Nackenwirbelkörpers horizontal durchtrennt. Arme und Beine an den Gelenken abgetrennt, was, wie gesagt, ungewöhnlich ist. Die Opfer sind unterschiedlicher Hautfarbe, Alter schätzungsweise zwischen achtzehn und fünfunddreißig. Keines der Opfer konnte identifiziert werden, und der Totenschein lautet bei allen auf Mord, Todesursache unbekannt. In keinem der Fälle hat man je Kopf oder Gliedmaßen gefunden. Die Rümpfe wurden allesamt auf privaten Mülldeponien entdeckt.«

»Verdammt, das kommt mir bekannt vor«, sagte er.

»Da sind noch andere Einzelheiten. Aber die Parallelen sind in der Tat unübersehbar.«

»Also ist dieser Wahnsinnige jetzt vielleicht in den Staaten«, sagte er. »Dann war es wohl doch verdammt gut, dass du rübergeflogen bist.«

Anfangs war er keineswegs dieser Ansicht gewesen. Ebenso wie alle anderen. Ich war Chief Medical Examiner von Virgina, und als das Royal College of Surgeons mich eingeladen hatte, an der Medizinischen Hochschule von Trinity eine Reihe von Vorlesungen zu halten, konnte ich mir die Gelegenheit, nebenher die Dubliner Mordfälle zu untersuchen, einfach nicht entgehen lassen. Marino hielt das für Zeitverschwendung, und das FBI war der Meinung, die Recherchen hätten kaum mehr als statistischen Wert.

Dass sie ihre Zweifel hatten, war verständlich. Die Mordfälle in Irland waren über zehn Jahre alt, und ebenso wie bei den Fällen in Virginia gab es nur sehr wenige Anhaltspunkte. Wir hatten keine Fingerabdrücke, keine Gebisse, keine Schädel und keine Zeugen, die die Leichen identifizieren konnten. Wir hatten keine körpereigenen Proben von vermissten Personen, deren genetischen Fingerabdruck wir mit dem der Opfer vergleichen konnten. Wir wussten nicht, womit diese Menschen umgebracht worden waren. Daher war es sehr schwer, Genaueres über den Täter zu sagen. Ich glaubte lediglich, dass er Erfahrung im Umgang mit der Knochensäge hatte und sie möglicherweise im Beruf benutzte oder benutzt hatte.

»Der letzte uns bekannte Fall in Irland ist zehn Jahre her«, sagte ich ins Telefon. »In Virginia hatten wir in den letzten beiden Jahren vier.«

»Du glaubst also, dass er acht Jahre lang nicht in Aktion getreten ist?«, sagte er. »Warum? Vielleicht weil er wegen irgendeiner anderen Straftat im Gefängnis saß?«

»Ich weiß es nicht. Vielleicht hat er woanders sein Unwesen getrieben und zwischen den Fällen ist nie ein Zusammenhang hergestellt worden«, antwortete ich, während der Wind schaurige Geräusche machte.

»Da sind diese Serienmorde in Südafrika«, sinnierte er dumpf. »In Florenz, Deutschland, Russland, Australien. Scheiße, wenn man sich’s recht überlegt, gibt’s so was einfach überall. He!« Er hielt die Sprechmuschel zu. »Raucht verdammt noch mal eure eigenen Zigaretten! Was glaubt ihr eigentlich, wo ihr hier seid? Bei der Wohlfahrt vielleicht?«

Männerstimmen dröhnten im Hintergrund, und irgendjemand hatte Randy Travis aufgelegt.

»Hört sich an, als würdest du dich prima amüsieren«, sagte ich trocken. »Danke, dass du mich nicht eingeladen hast.«

»Tiere sind das«, grummelte er. »Frag mich nicht, warum ich das tue. Die saufen mir jedes Mal die Haare vom Kopf. Und sie mogeln beim Kartenspielen.«

»Der Modus Operandi bei diesen Fällen ist sehr charakteristisch.« Ich schlug wieder einen nüchternen Tonfall an.

»Okay«, sagte er, »wenn dieser Kerl also in Dublin mit dem Morden angefangen hat, suchen wir vielleicht einen Iren. Ich finde, du solltest dich schnellstens auf den Heimweg machen.« Er rülpste. »Klingt, als müssten wir nach Quantico fahren und uns an die Arbeit machen. Hast du’s Benton schon erzählt?«

Benton Wesley war der Chef der Child Abduction Serial Killer Unit, kurz CASKU, der Abteilung für Kindesentführung und Serienmorde des FBI, für die sowohl Marino als auch ich als Berater tätig waren.

»Ich bin noch nicht dazu gekommen«, erwiderte ich zögernd. »Vielleicht kannst du ihn schon mal vorwarnen. Ich komme nach Hause, so schnell ich kann.«

»Morgen wäre gut.«

»Ich bin mit meiner Vorlesungsreihe hier noch nicht fertig«, erwiderte ich.

»Deine Vorlesungen sind auf der ganzen Welt gefragt. Wahrscheinlich machst du bald nichts anderes mehr«, sagte er, und ich wusste, dass er gleich nachbohren würde.

»Wir exportieren unsere Kriminalität in andere Länder«, sagte ich. »Da ist es doch das Mindeste, dass wir denen beibringen, was wir wissen, was wir in all den Jahren, die wir uns mit solchen Verbrechen befassen, gelernt haben …«

»Du bist doch nicht wegen der Vorlesungen im Land der Kobolde, Doc«, unterbrach er mich, und ein Kronkorken zischte. »Die sind nicht der Grund, und das weißt du auch.«

»Marino«, warnte ich. »Lass das.«

Doch er ließ sich nicht beirren. »Seit Wesleys Scheidung findest du immer wieder irgendwelche Gründe, mit fliegenden Fahnen die Stadt zu verlassen. Und jetzt willst du nicht wieder nach Hause, das merk ich doch. Und zwar, weil du nicht bereit bist, dich auf ein Spiel einzulassen, bei dem du vorher nicht weißt, wie’s ausgeht. Ich sag dir was. Irgendwann kommt der Tag, an dem du Farbe bekennen musst …«

»Werd’s mir merken«, unterbrach ich sanft seine bierselige Anteilnahme. »Marino, bleib nicht die ganze Nacht auf.«

Die Gerichtsmedizin befand sich in der Store Street Nr. 3, gegenüber dem Zollamt und dem Busbahnhof, in der Nähe der Docks und des Flusses Liffey. Das Backsteingebäude war klein und alt, die Durchfahrt, die hinters Haus führte, von einem schweren schwarzen Tor versperrt, auf dem in weißen Versalien stand. Ich stieg die Stufen zu dem georgianischen Portal hinauf, läutete und wartete im Nebel.

Es war kühl an diesem Dienstagmorgen, die Bäume begannen herbstlich auszusehen. Mein Schlafmangel machte sich bemerkbar. Meine Augen brannten, ich hatte ein dumpfes Gefühl im Kopf und war noch aufgewühlt von dem, was Marino gesagt hatte.

»Hallo.« Gut gelaunt machte mir der Verwalter die Tür auf. »Wie geht’s uns denn heute Morgen, Dr. Scarpetta?«

Sein Name war Jimmy Shaw. Er war sehr jung, ein Bilderbuch-Ire mit feuerrotem Haar und himmelblauen Augen.

»Nicht besonders«, gestand ich.

»Nun, ich war gerade beim Teekochen«, bemerkte er, während er die Tür hinter uns schloss. Wir gingen einen engen, schwach beleuchteten Flur entlang zu seinem...


Cornwell, Patricia
Patricia Cornwell, 1956 in Miami, Florida, geboren, arbeitete als Polizeireporterin in der Rechtsmedizin, bevor ihr mit Post Mortem der internationale Durchbruch als Autorin gelang. Post Mortem war der erste Krimi überhaupt, der in nur einem Jahr mit fünf bedeutenden internationalen Preisen ausgezeichnet wurde. Cornwell, die eine Zeit lang Leiterin der Abteilung für Angewandte Forensik der University of Tennessee war, recherchiert die wissenschaftlichen Details in jedem ihrer Kay-Scarpetta-Romane mit großer Akribie. Autorin und Figur könnten einander kaum ähnlicher sein: Beide stammen aus Miami, sind blond, geschieden und bei ihrer Arbeit perfektionistisch – sogar das Rauchen haben sie gemeinsam aufgegeben. Mittlerweile sind 25 Scarpetta-Romane erschienen, und alle haben die internationalen Bestsellerlisten erobert.



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