E-Book, Deutsch, 480 Seiten
Cortright Ganzheitliche Hilfe bei Ängsten, Depressionen, Demenz
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-95803-422-8
Verlag: Scorpio Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, 480 Seiten
ISBN: 978-3-95803-422-8
Verlag: Scorpio Verlag
Format: EPUB
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Brant Cortright, Ph.D., ist emeritierter Professor am California Institute of Integral Studies, klinischer Psychologe und Autor des Amazon-Bestsellers The Neurogenesis Diet and Lifestyle. Er verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der universitären Lehre, Wissenschaft und klinischen Praxis, und präsentiert ein revolutionäres Verständnis der aktuellen Epidemie der psychischen Gesundheit und einen neuen Weg zu einer radikalen geistigen Gesundheit. Ulla Rahn-Huber ist Übersetzerin und erfolgreiche Autorin. Sie lebt und arbeitet auf Mallorca und in der Nähe von Frankfurt am Main.
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KAPITEL 2
DIE LÖSUNG: Das Gehirn und das Selbst heilen und stärken
Echte Heilung erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der das ganze Gehirn umfasst. Ziel ist, das geschwächte Gehirn und Selbst zu stärken und in einen optimalen Zustand zu bringen. Gewinnt das Gehirn an Stärke und Stabilität, wird auch das Selbst stärker und stabiler. Und wenn das Selbst seine Balance findet, profitiert davon wiederum das Gehirn. Der Mensch fängt an, sich gut zu fühlen; dann besser … und besser.
Das Wachstum findet auf zwei Ebenen statt: der physischen und der psychischen.
Unabhängig vom Alter braucht das Gehirn eines jeden Menschen sowohl als auch Nahrung, um sich optimal entwickeln zu können. Eine optimale Ernährung und weitere physische Faktoren machen es vital und lebendig. Doch auch Nahrung brauchen wir für den Aufbau von starken, kohärenten Selbststrukturen und neuronalen Bahnen, die es uns erlauben, unsere Emotionen zu regulieren, zu lieben, Freude, sinnvolle Arbeit und Intimität zu finden und die Herausforderungen des Lebens zu meistern.
Ein Defizit an physischer oder psychischer Nahrung schwächt das Gehirn und schafft fragile Selbststrukturen, die den Boden für Ängste, Depressionen, den Verlust kognitiver Fähigkeiten und andere Probleme bereiten.
Mit der richtigen Ernährung kann sich das Gehirn gut entwickeln und mit der geeigneten psychischen Nahrung ein starkes, kohärentes Selbst entstehen. Das in Entwicklung befindliche kindliche Selbst braucht keine perfekten Eltern (sonst wären wir alle verloren). Es reicht, wenn Mutter, Vater bzw. eine andere Bezugsperson »gut genug« sind.
In ähnlicher Weise kann eine mangelnde physische Ernährung selbst bei bester psychischer Versorgung zu einer Schwäche und Anfälligkeit der Selbststrukturen und der dazugehörigen neuralen Bahnen führen. Wir brauchen also beides: Nahrung für Körper und Psyche.
Eine ganzheitliche Versorgung auf allen Ebenen sicherzustellen, um dem Gehirn Vitalität zu schenken und damit auch das Selbst zu stärken, ist das Grundanliegen dieses Buchs. Gleichzeitig kümmern wir uns um die Kehrseite der Medaille, denn es gilt außerdem, Gifte auszuleiten und die Belastung mit weiteren Neurotoxinen zu vermeiden.
In späteren Kapiteln gehen wir noch im Einzelnen auf die Besonderheiten von Ängsten, Depressionen und dem Abbau kognitiver Fähigkeiten ein. Hier schauen wir erst einmal, welche Probleme im Bereich des Gehirns allen drei Problemkreisen gemeinsam sind. Dabei befassen wir uns unter anderem mit der zentralen Rolle des Hippocampus und den Auswirkungen einer Hippocampus-Atrophie, reduzierten Spiegeln des Wachstumsfaktors BDNF (von Engl. ) sowie einer neurogenen Verlangsamung, die die Neurogenese- und Neuroplastizitätsrate bremst.
Die psychischen Ursachen der drei Beschwerdebilder unterscheiden sich jedoch so stark, dass sie nicht hier, sondern jeweils in einem separaten Kapitel behandelt werden. An dieser Stelle konzentrieren wir uns zunächst auf die physische Seite des Aktionsplans zur Heilung, Stärkung und Stabilisierung des Gehirns. In den späteren Kapiteln wenden wir uns den psychischen Aspekten zu, um diesen Plan exakt auf die jeweilige Störung abzustimmen.
DER GANZHEITLICHE ANSATZ
Der ganzheitliche Ansatz stellt ein wichtiges Korrektiv zur reduktionistischen, atomistischen Perspektive der Schulmedizin dar. In der klassischen Medizin werden Körper und Gehirn wie Maschinen betrachtet. Geht ein Teil kaputt, repariert man es oder ersetzt es, entweder mit einer Pille (zum Beispiel einem Antibiotikum) oder einem Ersatzteil (zum Beispiel einer Hüftprothese). Mit dieser modernen Form der Medizin können etwa bei Knochenbrüchen oder bakteriellen Infektionen spektakuläre Erfolge erzielt werden.
Geht es jedoch um die aktuelle Epidemie von chronischen psychischen Erkrankungen, erscheint eine solch fragmentarische Sicht äußerst eingeschränkt, ignoriert sie doch das Zusammenspiel von Körper, Gehirn und Selbst. Wir existieren auf verschiedenen Ebenen: im Inneren auf der Ebene von Seele oder Geist und im Äußeren auf der von Körper, Herz und Verstand. Alle vier Ebenen oder Subsysteme sind miteinander verbunden, und sie alle laufen im Gehirn zusammen. Nichts im Gehirn existiert unabhängig von allem anderen. Das Gehirn ist eingebunden in ein komplexes Netzwerk von interaktiven, voneinander abhängigen Beziehungen.
Ein zentraler Gedanke des ganzheitlichen Ansatzes ist, dass es in der Natur des menschlichen Organismus liegt, nach Gesundheit und Wachstum zu streben. Er verfügt über eine unermessliche Intelligenz, die weit über die des Kopfs hinausreicht, und reagiert als organisiertes Ganzes auf alles, was uns begegnet. Man kann nicht an einer Stelle eingreifen, ohne das Ganze zu beeinflussen.
Verliert ein Mensch einen Arm oder ein Bein, wirkt sich das nicht nur auf das Gleichgewicht seines gesamten Körpers aus, sondern beeinflusst ihn auch als Person insgesamt. Büßt jemand sein Augenlicht ein, verstärken sich nicht nur die anderen Sinne, um den Verlust zu kompensieren, es kommt auch zu emotionalen, mentalen und spirituellen Folgen. Obwohl wir als vielschichtiges Wesen auf den Ebenen von Körper, Herz, Verstand und Geist existieren, bilden diese ein einziges Ganzes. Das Gehirn integriert diese multiplen Kanäle, um so eine einheitliche Erfahrung des »Selbst« und des Bewusstseins zu erzeugen. Es ist dieses größere Ganze, das der ganzheitliche Ansatz in den Fokus stellt.
Der systemischen Natur der aktuellen physischen und psychischen Krise in den Industrienationen werden wir nur mit ganzheitlichem, keinesfalls jedoch mit fragmentarischem Denken gerecht. Wie wir im vorigen Kapitel gesehen haben, befassen sich viele ganzheitlich oder integrativ arbeitende Vertreter von Heilberufen zwar mit dem Körper in seiner Gesamtheit, zeigen aber oftmals leider für unser übriges Sein – Herz, Geist und Verstand – lediglich am Rande Interesse. Umgekehrt konzentrieren sich zwar viele Tiefenpsychologen auf Herz, Geist und Verstand, schenken dafür aber Körper und Gehirn kaum die notwendige Aufmerksamkeit. Ein wirklich ganzheitlicher Ansatz muss jedoch unbedingt alle vier Ebenen berücksichtigen, denn Neurotoxine und Mangelernährung greifen auf allen Fronten an.
Intervenieren wir auf allen Ebenen, entsteht ein Synergieeffekt. Der Körper-Herz-Verstand-Geist-Organismus reagiert als organisches Ganzes, ob er nun genährt oder vergiftet wird. Umgekehrt lässt eine Heilung des Körpers die Seele genesen und die Heilung der Seele den Körper.
EIN STRAHLEND GESUNDES GEHIRN
Das menschliche Gehirn verfügt über eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. Man mag es noch so schlecht behandeln, es vergiften oder aushungern, mit der richtigen Ernährung und Pflege findet es zu voller Gesundheit zurück.
Lange Zeit wussten wir nicht, wie sich das Gehirn revitalisieren lässt.
Erst in den letzten ein bis zwei Jahrzehnten hat die Forschung einige revolutionäre Entdeckungen gemacht:
•Das Gehirn ist an mehreren Fronten dem Angriff von Giften und Mangelernährung ausgesetzt.
•Wir kennen inzwischen viele der physischen und psychischen Neurotoxine.
•Wir wissen, dass Neurotoxine den Hippocampus schrumpfen lassen, was zu Ängsten, Stress, Depressionen und dem Verlust kognitiver Fähigkeiten führt.
•Das Gehirn ist nicht nur in der Lage, sich neu zu verschalten (Neuroplastizität oder Synaptogenese), sondern auch, sich selbst zu regenerieren (Neurogenese).
•Die Neuro- und Synaptogeneserate sind die wichtigsten Biomarker für den Zustand des Gehirns und das allgemeine Wohlbefinden.
•Es ist möglich, die Geschwindigkeit, mit der neue Gehirnzellen gebildet werden (Neurogenese) und neue synaptische Verbindungen entstehen (Synaptogenese), wahrscheinlich um das Fünffache oder mehr zu steigern und damit das Gehirn, das Selbst und die Lebensqualität nachhaltig zu beeinflussen.
•Wir wissen, welche Ernährung das Wachstum und die Reparatur des Gehirns optimal stimuliert.
•Wir wissen, wie wir Gehirn und Selbst auf der psychischen Ebene optimal versorgen können.
Viele dieser Forschungsergebnisse sind derart neu, dass sie zu den allermeisten Ärzten, Ernährungsberatern sowie den Vertretern zahlreicher anderer Heilberufe, in deren Ausbildung leider noch mit den veralteten Vorstellungen vom Gehirn gearbeitet wurde, bis dato nicht durchgedrungen sind.
Die neurogene Revolution
Als vor über 50 Jahren das Phänomen der...




