E-Book, Deutsch, Band 1, 448 Seiten
Reihe: Gezeiten der Macht
Corvus Berg der Macht
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-492-99231-2
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, Band 1, 448 Seiten
Reihe: Gezeiten der Macht
ISBN: 978-3-492-99231-2
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Robert Corvus, 1972 geboren, lebt in Köln. Der Diplom-Wirtschaftsinformatiker war in verschiedenen internationalen Konzernen als Strategieberater und Projektleiter tätig. Corvus ist Metalhead, Kinofan und Tänzer. Er veröffentlichte zahlreiche Romane in den Reihen 'Das schwarze Auge' und 'Battletech' sowie einen apokalyptischen Vampirthriller. Mit der Trilogie 'Die Schattenherren' und dem Einzelroman 'Schattenkult' etablierte er sich auf der dunklen Seite der Fantasy. Zuletzt erschienen sein Science-Fiction-Roman 'Das Imago-Projekt' sowie sein High-Fantasy-Epos 'Berg der Macht'.
Autoren/Hrsg.
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Prolog: Neue Erfahrungen
Derrek Eichfrost überlegte, ob sie es so mögen würde, wie er es vorbereitet hatte.
Turon meinte, es wäre besser, wenn sich das Weib wohlfühlte. Es wäre dann glitschiger. Bei dieser Erklärung hatte er sich zwischen den Beinen gerieben und genießerisch die Augen verengt. Derrek hatte nicht genau verstanden, was sein Freund gemeint hatte, aber dennoch wissend genickt. Jetzt wünschte er sich, er hätte nachgefragt.
Er sah zur Tür des Weinkellers und lauschte. Noch waren keine Schritte zu hören. Er hatte also noch Zeit.
Die Kissen, die er aus der Wäscherei heruntergeholt hatte, lagen auf einem Haufen in der Ecke vor dem größten Fass. Selbst auf den Fußballen und mit in die Höhe gestreckten Armen hätte Derrek seinen Durchmesser nicht erreicht. Es enthielt den billigsten Wein, den die Eichfrosts bei Feiern als Letztes ausschenkten, wenn die Gäste nicht mehr so genau schmeckten. Eigentlich waren es mehrere Weine, man kippte immer wieder etwas hinein, auch Reste. Sogar die Dienerschaft durfte davon trinken.
Tinya würde er jedoch einen anderen Tropfen kredenzen. Einen süßen Roten, auf eine Glasflasche gezogen, die auf dem runden Tisch vor dem Kissenhaufen stand. Derrek war stolz auf den kristallenen Leuchter, den er aus dem Empfangszimmer für gehobene Gäste geholt hatte, und auch auf die Wachskerze, die der Imker mit einem Duftwasser getränkt hatte. Beim Abbrennen füllte sie den Weinkeller mit Wohlgeruch, sie schien hell, und er hatte sie so aufgestellt, dass sich ihr Licht in der Weinflasche brach. Es sah aus, als funkelte ein Rubin in der Flüssigkeit.
Derrek zog das schwarze Kissen aus dem Haufen und legte es ganz nach oben. Es war einfacher gewebt als das rote, ohne Silberfäden. Es gehörte wohl nicht ins Schlafzimmer seiner Eltern. Deswegen sah es weniger prächtig aus als das andere, wo die Verzierungen Faune und Weinreben formten. Aber es war weicher, man lag bestimmt angenehmer darauf. So war das mit dem Adel, bei den Kissen wie bei den Schuhen: Alles war vornehm, aber auch etwas unbequem. Derreks Vater meinte, das sei gut so. Es hielte die Herrschenden davon ab, sich auszuruhen und faul zu werden. Wobei Derreks Vater weniger Zeit auf dem Fechtboden zubrachte als sein dreizehnjähriger Sohn. Derrek war stolz, dass er nun schon Lektionen mit Eisenwaffen erhielt, nicht bloß mit den harmlosen aus Holz, bei denen man sich allenfalls einen blauen Fleck holte. Die Eisendegen konnten eine Rippe brechen, auch wenn die Klingen natürlich nicht geschliffen waren. Noch nicht einmal die Erwachsenen übten mit scharfen Waffen.
Derrek schüttelte das schwarze Kissen auf, legte es auf den Haufen und trat ein paar Schritte zurück. Er stellte sich vor, wie Tinya daraufliegen würde. Der Gedanke gefiel ihm.
Wobei Turon damit prahlte, dass es im Stehen am besten war. Turon hatte es schon oft gemacht, sagte er. Mit Mägden und einer Bauerstochter und sogar mit einer Bettlerin, die er angeblich fürstlich entlohnt hatte. Das konnte Derrek sich kaum vorstellen. Turon war der größte Geizhals, den er kannte. Bei jedem Jahrmarkt hatte er seine Börse vergessen, musste sich Münzen leihen und stritt später darüber, wie hoch die Schuld war, die er zu begleichen hatte. Aber die Mädchen warfen dem bulligen Jungen Blicke zu, die auch Derrek nicht entgingen und bei denen ihn eine peinliche Mischung aus Sehnsucht und Unwohlsein überkam, obwohl die weibliche Aufmerksamkeit gar nicht ihm galt.
Nochmals strich er über die Tischdecke, die bereits völlig glatt lag. Durch seine dünnen, schneeweißen Handschuhe spürte er den Samt. Er war zufrieden damit, dass er sie angezogen hatte. So hinterließen seine Finger keine Spuren auf den beiden Kelchen. Das Kristall war klar wie Quellwasser.
Der Korken, den er aus der Weinflasche gezogen hatte, ohne ihn zu beschädigen, lag auf einer silbernen Untertasse. Das Getränk atmete schon, seit Derrek hierhergekommen war. Sicher würde der süße Rote seinen Geschmack voll entfalten. Er war bei Weitem nicht der teuerste Wein im Kontor, aber die teuren waren zu trocken. Mädchen mochten es nicht, wenn sich ihr Gaumen zusammenzog, meinte Turon und hatte Derrek deswegen zu einem süßen geraten. Diesen Rat hatte er gern angenommen, er musste immer sehr schauspielern, um den Eindruck zu erwecken, trockene Weine würden ihm munden.
Er stellte sich an die Tür und betrachtete die Szenerie so, wie Tinya sie zuerst wahrnähme. Die Kerze war genau richtig. Ihr Licht war hell genug, um das große Fass und die beiden Reihen übereinandergestapelter Fässer an der rechten Wand anzuleuchten und das rotbraune Holz gut zur Geltung zu bringen. Noch immer gefiel ihm besonders der Lichtreflex in der Weinflasche. Zur linken Seite hin verlor sich die Helligkeit in der Tiefe des Raums, in dem weitere Weine lagerten. Manche reiften hier schon länger als dreizehn Jahre. Ihre Trauben hatten bereits an den Reben gehangen, bevor Derrek geboren worden war.
Jedenfalls gab die Dunkelheit, in der sich die linke Kellerseite verlor, dem Ort etwas Geheimnisvolles. Auch das mochten die Mädchen.
Derrek runzelte die Stirn. Vielleicht war das gar nicht so gut. Er hatte gehört, dass Frauen es schätzten, wenn ihr Liebhaber ihnen eine klare Richtung vorgab. Wenn Männer Befehle erteilten, wie ein Krieger es gegenüber einem Bauern tat, dessen Hof er plünderte. Ob Derrek sich zu sehr um Tinya bemühte? Am Ende lachte die Magd ihn aus und tratschte unter dem Gesinde herum, was er von ihr gewollt hatte …
Derrek krampfte die Hände zu Fäusten zusammen. Dies war sein erstes Mal, es musste gelingen! Turon hatte es schon vor zwei Jahren getan. Darüber, dass Derrek keinen Steifen kriegen könnte, brauchte er sich wenigstens nicht zu sorgen. Er war jetzt schon hart wie ein Stuhlbein. Derrek musste nur daran denken, wie sich Tinyas runde Hüften wiegten.
Er zuckte zusammen, als er Schritte auf der Treppe hörte. Tinya war größer als er, aber sie klang so leicht. Sie musste weiche Schuhe tragen.
Derrek floh fort von der Tür und stellte sich neben den Tisch. Sollte er sich darauflehnen? Vielleicht mit der Faust, das wirkte entschlossen … und die linke Hand in die Seite stützen, dazu ein gewinnendes Lächeln, ein bisschen schelmisch …
Zu spät! Die Tür öffnete sich.
Tinyas Gesicht war heller, als Derrek es in Erinnerung hatte. Sicher hatte sie sich gewaschen. Auch das blaugraue Kleid war sauber. Vor allem aber lag es enger an als das, was sie im Weinberg trug. Die Brüste schienen es sprengen zu wollen.
Ohne hinzusehen, schloss sie die Tür und lehnte sich dagegen. Ihr Blick glitt an Derrek hinab und wieder herauf zu seinem Gesicht, das sich anfühlte, als würde es glühen.
»Ihr habt Euch vornehm gekleidet, junger Herr.« Tinya mochte die Lippen, die sich jetzt zu einem herausfordernden Lächeln formten, mit Kirschsaft gerötet haben. Derrek bezweifelte, dass sie solche Farben besaß wie seine Mutter.
Ihre Zähne waren natürlich weiß, oder ein bisschen gelblich. Nicht blau wie bei Adligen. Seit er mit den Schwertübungen begonnen hatte, spülte auch Derrek wöchentlich den Mund mit einer etwas bitteren Tinktur, um sie zu färben.
Tinya legte die Hände an ihre Brüste und strich an ihrer schlanken Gestalt hinab, über die enge Taille, die gerundeten Hüften, als müsste sie das Kleid glätten. »Bei Eurem feinen Aufzug kann ich kaum mithalten.«
Derrek stützte sich nun doch auf den Tisch. Mit der Linken versuchte er eine lässige Geste. Der weiße Handschuh saß perfekt.
Seine Brüder trugen gerade jetzt Handschuhe aus festem Leder, die sie vor den Klingen der Adlerhochs schützen sollten. Statt einem samtenen Wams und einem Hemd mit feiner Spitze hatten sie Harnische angelegt. Sie würden heute für die Ehre von Haus Eichfrost streiten, in den Reihen des gräflichen Hauses Schneegrund.
Aber auch Derreks Kleidung sollte ihm helfen, heute etwas Bedeutendes zu vollbringen, und auch er bewies Mut. Das gesamte Haus war leer. Wie so oft hatte seine Familie es geräumt, weil es ungünstig am Berg lag. Schlecht zu verteidigen. Deswegen würde auch niemand Derrek und Tinya stören. Sie konnten sich viel Zeit lassen.
Bloß, dass es Derreks Steifem gar nicht schnell genug gehen konnte. In der Hose schwoll er noch weiter an. Ob Tinya das bemerkte? Eigentlich sollte sie es nicht sehen können, die Kerze stand hinter Derrek, sein Schritt lag im Schatten.
Dafür waren Tinyas Brüste gut zu sehen. Die oberen Knöpfe ihres Kleids standen offen, die Kerbe zwischen den Halbkugeln war überdeutlich. Derrek vermochte den Blick nicht davon zu wenden, und seine Kehle war so trocken, dass er fürchtete, er würde krächzen, wenn er zu sprechen versuchte.
Tinya hatte noch immer dieses Lächeln auf den Lippen und ihre Augen funkelten. Sie schien überhaupt nicht unsicher. Wie oft sie es wohl bereits mit jemandem getrieben hatte? Immerhin war sie schon siebzehn oder achtzehn, so genau wusste Derrek das nicht.
»Auf dem Weinberg war es heute so heiß …« Tinya strich wieder an ihrem Körper hoch. Besonders interessant fand Derrek, wie sich die Brüste zusammendrückten. Sie sahen weich und dennoch fest aus. Tinya verharrte aber nicht bei ihnen, sondern legte die Hände an ihren Hals, wobei sie ihr brünettes Haar zurückschob. »Ich trage gar nichts drunter«, sagte sie. »Hier unten werdet Ihr mich gut warm halten müssen, damit ich mich nicht erkälte.«
Er wollte ihr sagen, dass damit nicht zu rechnen sei. Er habe nach dem mittäglichen Mahl ausgiebig geruht, sodass er nun über all seine Kräfte verfüge. Er habe die Absicht, sich intensiv mit ihr zu beschäftigen. Ihr die Sinne zu rauben. Sie würde in den nächsten Stunden keinen Moment der Ruhe finden. Er sei zu allem entschlossen.
Nur ein...




