Corvus | Perry Rhodan 3137: Die Jül-Partikuliere | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 3137, 64 Seiten

Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage

Corvus Perry Rhodan 3137: Die Jül-Partikuliere

Chaotarchen-Zyklus
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-8453-6137-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Chaotarchen-Zyklus

E-Book, Deutsch, Band 3137, 64 Seiten

Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage

ISBN: 978-3-8453-6137-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In der Milchstraße schreibt man das Jahr 2071 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Dies entspricht dem 6. Jahrtausend nach Christus, genauer dem Jahr 5658. Über dreitausend Jahre sind vergangen, seit Perry Rhodan seiner Menschheit den Weg zu den Sternen geöffnet hat. Noch vor Kurzem wirkte es, als würde sich der alte Traum von Partnerschaft und Frieden aller Völker der Milchstraße und der umliegenden Galaxien endlich erfüllen. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen gemeinsam für Freiheit und Selbstbestimmtheit ein, man arbeitet intensiv zusammen. Als die Liga Freier Galaktiker durch drei Deserteure erfährt, dass in der Nachbarschaft der Milchstraße ein sogenannter Chaoporter gestrandet sei, entsendet sie unverzüglich ihr größtes Fernraumschiff, die RAS TSCHUBAI, unter dem Kommando von Perry Rhodan. Denn von FENERIK geht wahrscheinlich eine ungeheure Gefahr für die Galaxis aus. Rhodan begegnet in der kleinen Galaxis Cassiopeia den unterschiedlichsten Völkern und findet Spuren, die darauf hindeuten, dass dort der Chaoporter havariert ist - weil der Kosmokratenraumer LEUCHTKRAFT ihn gerammt hat. In der Milchstraße haben die Galaktischen Kastellane Reginald Bull als denkbaren Kollaborateur mit den Mächten des Chaos aus seinem Amt entfernt. Sichu Dorksteiger als neue Kommissarische Residentin der Liga forscht nun gemeinsam mit ihnen nach einem Geheimprojekt der Kosmokraten. Ihnen stellen sich DIE JÜL-PARTIKULIERE ...

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2.

Rettung

»PROPA!«, befahl Amamu Empu, »schaff den Yodoren ins Singular-Physiotron!«

Das Schiff erfasste den Verletzten augenblicklich mit einem Antigravstrahl, transportierte ihn behutsam zur nächsten Öffnung und bewegte ihn nach oben.

Im nächsten Moment fragte sich Empu, was er überhaupt mit dem Yodoren zu schaffen hatte.

Nichts.

Aber ein ungeschriebenes Gesetz verlangte, dass man in Raumnot geratenen Fremdwesen Hilfe gewährte, und Empu hielt sich daran. Vielleicht geriete er selbst einmal in eine Lage, die genauso misslich war wie die des Yodoren, und dann würde er froh über jede Unterstützung sein, die man ihm zukommen ließe.

Außerdem ...

Empu gestand sich ein, dass ihn in Wirklichkeit ein ganz anderer Grund umtrieb: schiere Neugier.

Er war genauso fassungslos wie fasziniert.

Auf welche Weise war der Yodore an Bord seiner Kapsel gelangt? Einfach so, wie aus dem Nichts? Und was war ihm zugestoßen?

Falls er wirklich aus der dem abgeriegelten Raumbereich kam ... drohte von dort eine Gefahr, die auch Empu betraf?

Die Antwort konnte nur einer geben: der Yodore.

Doch wenn Empu ihn verhören, zumindest aber mit ihm sprechen wollte, musste das Fremdwesen nicht nur überleben, sondern sich so weit erholen, dass es Fragen beantworten konnte.

Amamu Empu setzte auf die medizinischen Möglichkeiten des Singular-Physiotrons. Diese erwiesen sich immer wieder als sehr potent, obwohl sie nur die Sekundärfunktion darstellten. Hauptsächlich diente es Amamus Lebensverlängerung – es war speziell auf ihn geeicht. Wenn er es benutzte, wurde sein Alterungsprozess für 226 Tage gestoppt. Danach musste er es wieder für 36 Stunden aufsuchen.

Ein dumpfes Geräusch ließ den Kastellan zusammenfahren.

Der Yodore war auf den Boden geprallt. Unvermittelt war der Antigravstrahl ausgefallen.

»Die Schäden an Bord vergrößern sich stetig«, gab PROPA bekannt. »Ich habe die Kontrolle über das Antigravsystem verloren.«

»Und wie kriegen wir ihn ins Physiotron?« Empus Frage war eher rhetorisch. Er ahnte, was das Gegenüber ihm vorschlagen würde.

»Du wirst ihn tragen müssen.«

Das ungute Gefühl in Empus Magengrube verstärkte sich. Was, wenn durch die Kollision auch der Bordrechner selbst ausfallen würde?

Dann wäre er rettungslos verloren. Sobald die Lebenserhaltung ausfiele, müsste er auf die Notsysteme zurückgreifen. Und wenn irgendwann selbst sie versagten, würde er jämmerlich ersticken.

Keine erfreulichen Aussichten.

Ächzend ging Amamu Empu in die Knie, legte einen Arm um Brust und Schulter des Yodoren und zog ihn zum Singular-Physiotron.

*

Amamu Empus Befürchtungen traten ein.

Er legte den Yodoren leise fluchend vor dem wuchtigen, horizontal liegenden Tubus mit den beiden offenen Enden ab. Muskeln schmerzten, von denen er nicht einmal gewusst hatte, dass sie sich in seinem Körper befanden.

»Das Physiotron funktioniert gegenwärtig nicht einwandfrei«, informierte ihn das Gegenüber. »Es ist ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden.«

Empu stöhnte auf. »Hättest du das nicht vorher sagen können?«

»Die Fehlfunktion wurde mir gerade erst angezeigt. Rechne besser damit, dass du noch weitere Schadensmeldungen bekommen wirst.«

»Steht es so schlecht um die PROPA?«

»Ich arbeite an der Behebung der Schäden.«

Amamu Empu hatte den Eindruck, es auf jeden Fall mit dem Physiotron versuchen zu müssen. Wagte er es nicht, war der Yodore dem Tod geweiht. Vielleicht war er das ohnehin; aber Empu hatte diese Mühe nicht auf sich genommen, um letztlich kampflos aufzugeben.

Mit großer Kraftanstrengung hob er das spinnenartige Wesen in die Röhre und aktivierte das Singular-Physiotron. Ein leises Summen war das einzige Indiz dafür, dass es seine Arbeit aufnahm.

»Lagebericht!«

»Die Sextadim-Kapsel hängt schwer beschädigt im Dakkarraum. Es ist derzeit nicht möglich, sie in irgendeiner Weise zu manövrieren.«

Empu wunderte sich kurz, wie salopp der Bordrechner ihre Lage umschrieb. »Hast du auch gute Nachrichten?«

PROPA zögerte. »Die Lebenserhaltung funktioniert, allerdings eingeschränkt.«

»Das weiß ich. Sonst würden wir dieses Gespräch nicht führen. Kann ich etwas tun, um die Lage zu verbessern?«

»Im Augenblick nicht.«

Erschüttert erkannte Empu, dass er gewissermaßen Gefangener seiner Kapsel war. Er hatte nie erwartet, jemals in eine solch missliche Lage zu geraten.

Empu schaute auf den Yodoren. Immerhin lebte dieser noch. Das Singular-Physiotron schien zumindest etwas zu bewirken.

Ihm blieb nichts übrig, als darauf zu warten, dass der Rechner die PROPA zumindest rudimentär wiederherstellte.

*

»Die Nahortung hat Alarm ausgelöst. Ein fremdes Schiff nähert sich.«

Amamu Empu konnte nicht sagen, wie viele Zeiteinheiten vergangen waren. Er hatte jedes Gefühl für solche Abläufe verloren. Dass die PROPA vom Dakkar- in den Normalraum zurückgefallen war, hatte er nur am Rande seiner Aufmerksamkeit registriert. Immerhin regte sich der Yodore mittlerweile wieder, manchmal lief ein Kräuseln durch die Haare oder er bewegte die Extremitäten. Das Singular-Physiotron erfüllte seine Aufgabe also, wenn auch quälend langsam.

Empus erster Impuls bestand darin, dem Gegenüber zu befehlen, das Schiff anzufunken. Vielleicht konnte es ihn aus der Raumnot befreien, in die er geraten war. Aber das wäre ebenso verantwortungslos wie gefährlich gewesen. Er wusste nicht, um was für eine Einheit es sich handelte, und musste erst mehr darüber in Erfahrung bringen.

»Was für ein Schiff?«

»Unbekannt. Diskusförmig, Durchmesser zweitausendvierhundert Meter, maximale Höhe sechshundert Meter. Möglicherweise Jülziish, aber meine Sensoren sind zu schwer beschädigt, um Gewissheit zu erlangen. Auf der Unterseite kragen sechs Tubendocks aus. Wahrscheinlich schwer bewaffnet. In diesen Regionen sagt man wohl ›Ultraschlachtschiff‹ dazu.«

»Nimm Funkkontakt auf!«

»Nicht zu machen. Wir können zurzeit nur empfangen, aber nicht senden.«

Diese Vorgehensweise hatte sich damit erledigt.

Empus ungutes Gefühl verfestigte sich. Wie er es drehte und wendete, die schwer beschädigte PROPA war dem fremden Schiff auf Gedeih und Verderb ausgeliefert und dazu verdammt, abzuwarten, was geschehen würde.

»Ich empfange einen Funkspruch«, meldete der Bordrechner nach einiger Zeit.

»Kannst du ihn übersetzen?«

»Problemlos.« Die PROPA schien nicht all ihre Fertigkeiten verloren zu haben. »Ein Idiom der Jülziish.«

»Dann spiel ihn ein.«

Eine fremde Stimme erklang, hoch und etwas piepsig.

»Es spricht Kommandant Üllyym von der YIÜRT. Unbekanntes Schiff, seid ihr in Raumnot geraten?«

Empu verspürte leise aufkeimende Hoffnung. Genau das war der Fall, und der Kommandant der YIÜRT schien den Ernst der Lage erkannt zu haben und hilfsbereit zu reagieren. Etwas, das man bei der kriegerischen Historie der Jülziish nicht unbedingt erwarten durfte.

Nur konnte Empu den Funkspruch nicht beantworten!

Was würde dieser Üllyym unternehmen? Würde er die PROPA wegen ihrer verhältnismäßig geringen Größe für eine leichte Beute halten und versuchen, sie auszuschlachten? Oder sie geradeheraus vernichten? Oder ihm in irgendeiner Form Hilfe anbieten? Er wusste nicht, wie zivilisiert die Eastside der Milchstraße in dieser neuen Zeit war und ob man in diesem Gebiet angesichts eines mitleidlosen Universums voller Gefahren ungeschriebene Regeln der gegenseitigen Hilfe befolgte.

Ein Ruck ging durch sein Schiff. Der Raumriese hatte es mit einem Traktorstrahl erfasst und zog es, wie die Bilder der Nahortung zeigten, zu einem Hangar.

Amamu Empu fragte sich gespannt, was als Nächstes passieren würde. Er war dem Geschehen ausgeliefert.

*

Hinter der PROPA schlossen sich geräuschlos die Hangarschotten.

Empus Blick fand einen riesigen Zeitmesser an einer Hangarwand.

Erleichterung überkam ihn, weil die PROPA das Bezugssystem erkannte und die Zeitangabe in den ihm bekannten galaktischen Standard umrechnen konnte.

Dann schlug die Erleichterung in Verwunderung um. Erschüttert starrte er auf das Chronometer. Wie war das möglich?

Der Anzeige zufolge schrieb man an Bord den ersten August galaktischer Standardzeit.

Den ersten August!

Das bedeutete ... er hatte Zeit verloren! Sogar verhältnismäßig viel Zeit.

Mehr als anderthalb Monate!

Einen Augenblick setzten seine Gedanken trotz all seiner Bemühungen aus, dann gerieten sie wieder in Bewegung. Zu dem Zeitverlust musste es aufgrund der Dakkarkollision oder sogar während ihrer gekommen sein!

Hatten die Ereignisse im Dakkarraum eine Zeitanomalie ausgelöst?

So musste es sein, auch wenn er keine Erklärung dafür hatte, wie es zu einer solchen Anomalie hatte kommen können.

Aber das war nicht sein größtes Problem, wie ihm schlagartig bewusst wurde.

Er kniff die Lider zusammen, konnte nicht glauben, was er da sah.

Ein paar Meter vor ihm wurde das Material der Kapsel plötzlich durchsichtig. Kunststoff, der gerade noch fester als Stahl gewesen war, und hartes Metall, das man auf konventionelle Weise kaum beschädigen konnte, löste sich auf.

Was geschah dort?

Erlebte er eine optische Täuschung oder dematerialisierte die Kapsel tatsächlich?

Ein lächerlicher Gedanke!

Er schloss die Augen und öffnete sie...



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