E-Book, Deutsch, Band 3187, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Corvus Perry Rhodan 3187: Lockruf der schwarzen Lohe
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-8453-6187-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Chaotarchen"
E-Book, Deutsch, Band 3187, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6187-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
In der Milchstraße schreibt man das Jahr 2072 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Dies entspricht dem Jahr 5659 nach Christus. Über dreitausend Jahre sind vergangen, seit Perry Rhodan seiner Menschheit den Weg zu den Sternen geöffnet hat. Noch vor Kurzem wirkte es, als würde sich der alte Traum von Partnerschaft und Frieden aller Völker der Milchstraße und der umliegenden Galaxien endlich erfüllen. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmtheit ein, man arbeitet intensiv zusammen. Doch entwickelt sich in der kleinen Galaxis Cassiopeia offensichtlich eine neue Gefahr. Dort ist FENERIK gestrandet, ein sogenannter Chaoporter. Nachdem Perry Rhodan und seine Gefährten versucht haben, gegen die Machtmittel dieses Raumgefährts vorzugehen, bahnt sich eine unerwartete Entwicklung an: FENERIK stürzt auf die Milchstraße zu. Mit an Bord: mehrere Terraner, darunter Alaska Saedelaere und Gry O'Shannon. Die Flucht von FENERIK gelingt, aber die beiden Menschen werden getrennt. Alaska erlebt, wie die Quintarchin Schomek, die Lohe, versucht einen neuen Quintarchen zu rekrutieren - und damit spektakulär scheitert. Umsonst erscholl der LOCKRUF DER SCHWARZEN LOHE ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
3.
Dass kein Energieschirm ihren Anflug blockierte, nicht einmal ein leichter Prallschirm, der kosmischen Staub abgehalten hätte, sprach für die Hypothese, dass es sich um ein Wrack handelte. Die schwarze Hülle, auf der Alaska Saedelaere und seine Begleiter aufsetzten, wies jedoch keine erkennbaren Beschädigungen auf. Sie war vollkommen glatt – und so fremdartig, dass die Stiefelsohlensensoren des SERUNS bei der Materialanalyse versagten. Saedelaere fragte sich, ob Gry O'Shannons Expertise ihnen weitergeholfen hätte.
»Keine Hüllenbrüche.« Die weit ausladende Geste, mit der Winkelsteins Tentakel über die Umgebung strichen, drückte Bedauern aus.
Ein Aufriss wäre der leichteste Weg gewesen, unbemerkt an Bord zu kommen.
»Unseren Sensoren ist nur bedingt zu trauen«, gab Saedelaere zu bedenken. »Wir sollten eine umfassende Sichtprüfung vornehmen. Vielleicht finden wir auf der planetenabgewandten Seite eine Öffnung.«
»Wenn nicht, müssen wir sprengen«, sagte Gladmann. »Kann da meine Expertise einbringen. Habe auf Hedennos VII so manchen Bunker geknackt.«
Saedelaere sparte sich den Hinweis, dass sie keinen Sprengstoff dabeihatten. In den Algorithmen des Kampfroboters schien die häufige Referenz auf seine Erlebnisse rund um Hedennos VII – einen Planeten, dessen Namen Saedelaere zuvor nie gehört hatte – mit hoher Priorität versehen zu sein. Eine Erwartung, auf seine Vorschläge einzugehen, verband Gladmann damit offenbar nicht.
Sie behielten die Verbindung aus Kommunikationskabeln bei, während sie über die Hülle gingen. Dadurch ähnelten sie Fischern, die mit einem aufgespannten Netz durch flaches Wasser wateten. Eine Analogie, die den Maschinenwesen in Saedelaeres Begleitung wohl entging, und er sah auch keinen Sinn darin, sie ihnen zu erläutern.
Stattdessen konzentrierte er sich auf das Schiff. Die Sensoren des SERUNS erfassten Masse, jedoch keine Materie. Zum Glück kannte er die Abmessungen dieses Raumfahrzeug bereits. Stabförmig, 3280 Meter lang bei einem Durchmesser von 160 Metern, schwarz, Bug und Heck kuppelförmig abgerundet, hatte ihm der Posbi gesagt.
Saedelaere misstraute diesem Objekt. Weiterhin erfüllte ihn die Überzeugung, dass es nicht an diesem Ort hätte sein sollen. Dürfen. Können.
Jeden Schritt setzte er mit Vorsicht, als könnte sich der wie aus einem Guss wirkende Boden als durchlässige Projektion erweisen, die seinem Fuß den Halt verwehrte. Saedelaere bedauerte, keine Messgeräte dabeizuhaben, die einen Strangeness-Wert hätten ermitteln können.
Etwas schimmerte unter der Hülle, aber es wirkte nicht so, als wäre die schwarze Panzerung durchsichtig geworden. Eher, als existierte sie nicht wirklich oder nicht vollständig und teilte sich die Realität mit milchigen Aggregaten, Verbindungsröhren, Kabeln und Spulen, die heraufdämmerten und wieder verschwanden, ohne dass die Sensoren sie erfasst hätten.
»Seht ihr diese Objekte ebenfalls?«
»Welche Objekte?«, fragte Gladmann. »Mit so unspezifischen Angaben ist eine Zielerfassung unmöglich!«
Der Gladiator-R4-Kampfroboter, der einem Ritter mit Wespentaille und Storchenbeinen ähnelte, ließ mit angewinkelten Armen seinen Oberkörper rotieren. Er spreizte die gestreckten Finger. Dass die ursprünglich darin montierten Strahler entfernt waren, schien auf seine Gefechtsroutine keinen Einfluss zu haben. Die Handstrahler, mit denen er sich ebenso wie Saedelaere in der Station Wasserball ausgerüstet hatte, ließ er unbeachtet in den Magnethalterungen an den Oberschenkeln.
Saedelaere zeigte auf den Boden. »Diese Aggregate. Könnt ihr sie sehen?«
»Selbstverständlich«, beschied Winkelstein. »An meinen Optiksensoren ist nichts auszusetzen.«
»Erfassen deine anderen Sensoren sie ebenfalls?«
»Nein, aber wir hatten uns ja auch darauf geeinigt, vorerst keine aktive Tastung durchzuführen, weil wir eine Entdeckung vermeiden wollen.«
Saedelaere überlegte, ob diese Beschränkung noch sinnvoll war. Immerhin spazierten sie auf dem Schiff herum, womit sie zwar Energieemissionen der Flugaggregate vermieden, aber Drucksensoren in der Hülle aktivieren mochten.
Im Grunde war es sogar erstaunlich, dass sie überhaupt auf der Hülle gehen konnten, ohne sich bei jedem Schritt so weit abzustoßen, dass sie Gefahr liefen, ins offene All hinauszutreiben. Das sprach dafür, dass das schwarze Material magnetisch war und der SERUN diese Haftmöglichkeit nutzte, was der Anzug jedoch nicht bestätigte. Auch ein Gravitationsfeld zeigte er nicht an. Dennoch liefen sie so sicher wie auf einem kleinen Mond.
»Ich korrigiere meine Einschätzung, dass es sich um ein Wrack handelt«, kündigte Pasima an. »Soeben hat sich ein sechsdimensionaler Schirm aktiviert, der das gesamte Schiff einhüllt.«
Unwillkürlich blickte Saedelaere nach oben, erkannte jedoch keine Veränderung.
»Hierfür ist die optische Wahrnehmung unzureichend«, ergänzte Winkelstein väterlich.
In der Tat ermittelte der SERUN ein starkes Energiefeld über ihren Köpfen.
»Solange dieses Feld Bestand hat, können wir das Schiff nicht wieder verlassen«, analysierte Pasima.
»Wir haben ohnehin nicht die Absicht, zu gehen, bevor wir dieses Objekt erforscht haben.« Saedelaere setzte die Wanderung fort, und die über die Kabel verbundenen Maschinenwesen begleiteten ihn.
Die milchigen Aggregate unterhalb der Hülle erschienen und verdämmerten, blieben eine Weile verschwunden, dann tauchten weitere auf und vergingen wieder. Es war nicht zu sagen, ob es sich um physische Gegenstände, Schatten einer alternativen Realität oder Holoprojektionen handelte.
Ihre Wanderung fühlte sich immer stärker wie ein Treiben zwischen Traum und Wachen an.
Im selben Moment, als Saedelaeres SERUN Alarm schlug, ruckte Gladmann herum und richtete alle zehn Finger auf einen Punkt an der Wölbung der Schiffshülle, den die Bewegungssensoren erfassten. »Feindortung!«, schnarrte der Kampfroboter.
Die Bewegung erstarb, doch Saedelaere erkannte ein Funkeln auf der ansonsten einheitlich schwarzen Hülle. »Wir nähern uns vorsichtig«, bestimmte er.
Eine drei Meter dicke, ovale Schicht vollzog die Wölbung des Schiffsrumpfs nach. Offenbar war sie stärker im Standarduniversum verankert als der Raumer, denn der SERUN ermittelte die Zusammensetzung: Wassereis mit Einschlüssen von Hyperkristallen.
Angesichts dieser Analyse überraschte es Saedelaere nicht, einen Audh über den Horizont des Schiffs kommen zu sehen. Das zapfenförmige Wesen hielt seine drei schwertartigen Arme auf das Eis gerichtet, ohne es zu berühren, und glitt scheinbar widerstandslos dahin. Es drehte eine Pirouette und verschwand wieder hinter der Wölbung.
Obwohl er den Audh erwartet hatte, verstörte sein Anblick Alaska Saedelaere. Von diesen Wesen ging keine bloße Fremdheit aus, sie stellten das Vertraute grundsätzlich infrage. Dem Logiker war bewusst, dass es sich bei jeder Wahrnehmung von Wahrheit um eine mentale Konstruktion handelte. Der Verstand filterte und sortierte, beides geschah bis zu einem gewissen Grad willkürlich. Der Tanz eines Audh verhöhnte diese Willkür von Wesen, deren Biologie sie auf ein enges Band klimatischer Bedingungen begrenzte, die in Teilen ihres Heimatplaneten während eines kurzen Zeitraums von dessen Existenz vorzufinden waren. Dass sich solche Kreaturen ins All hinauswagten, bedingte eine geradezu unverschämte Mischung aus Ignoranz und Selbstüberschätzung.
»Wieso bleiben wir stehen?«, erkundigte sich Winkelstein.
»Wir sollten woanders nach einem Einstieg suchen«, wich Saedelaere der Frage aus.
Sie gingen einen weiten Bogen um die 30 Meter durchmessende Eisfläche. Der Audh tanzte im Sternenlicht des luftleeren Raums, augenscheinlich ohne die vier Wanderer zur Kenntnis zu nehmen.
Unbemerkt blieben sie jedoch nicht. Vor ihnen schob sich ein Zylinder aus dem Schiff, wobei der SERUN selbst bei maximaler Sensorgenauigkeit keine Fuge zwischen dem entstehenden Objekt und der Hülle ausmachte. Die Form erhob sich wie unter einer elastischen, aber passgenauen Haut bis in eine Höhe von drei Metern. Dann tat sich eine Öffnung in der Rundung auf. Gelbweißes Licht leuchtete einen Innenraum mit sechseckiger Grundfläche aus.
Gladmann zielte mit seinen entwaffneten Fingern.
Winkelstein rollte einen halben Meter zurück, bis das Kabel spannte, das ihn mit Pasima verband.
Das Zain-Konstrukt wirkte wie eine Statue, die jemand im Orbit positioniert hatte, um eventuellen Ankömmlingen einen schönen Anblick zu bieten. Der bernsteinfarbene Körper hätte einem Renaissancemaler als Modell dienen können. Die im Innern erkennbaren, quecksilberfarbenen Module hätten einen da Vinci sicher inspiriert. Anders als die Erscheinungen in der Schiffshülle wirkten sie überaus greifbar, wie Manifestationen nutzbar gemachter Naturgesetze, die es zu erforschen galt.
»Gehen wir hinein«, schlug Saedelaere vor.
»Kannst du garantieren, dass es da drin sicher für Maschinenintelligenzen ist?«, fragte Winkelstein.
»Nein. Aber wir wurden offensichtlich bemerkt, und eine offene Tür ist eine Einladung. Wenn man uns angreifen wollte, wäre das zweifellos möglich, ohne uns einzulassen.«
»Vielleicht wollen sie uns gefangen nehmen«, zweifelte Winkelstein.
»Gefangen«, Saedelaere zeigte aufwärts, wo er den unsichtbaren Sextadimschirm wusste, »sind wir bereits.«
Im Feuer
Wieso hast du den Audh gemieden?
Auf D-Muner hat mich das Cappin-Fragment durch eine Chaos-Synapse ins Anti-Universum genau zu einem Audh gezogen. Ich hatte keine Kontrolle über diese...




