Corvus | Perry Rhodan 3298: Täuscher und Helfer | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 3298, 64 Seiten

Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage

Corvus Perry Rhodan 3298: Täuscher und Helfer

Perry Rhodan-Zyklus "Fragmente"
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-8453-6298-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Perry Rhodan-Zyklus "Fragmente"

E-Book, Deutsch, Band 3298, 64 Seiten

Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage

ISBN: 978-3-8453-6298-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Das Ende des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist angebrochen. Mehr als dreieinhalbtausend Jahre von unserer Zeit entfernt lebt die Menschheit in Frieden. Zwischen den Sternen der Milchstraße herrschen keine großen Konflikte mehr. Vielleicht kann Perry Rhodan, der als erster Mensch auf Außerirdische gestoßen ist, endlich sein großes Ziel erreichen: Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern der Milchstraße und der umliegenden Galaxien. Bei ihrem Weg zu den Sternen hat ein geheimnisvolles Wesen die Menschen begleitet und unterstützt: Es trägt den Namen ES, man bezeichnet es als eine Superintelligenz, und es lebt seit vielen Millionen Jahren zwischen Zeit und Raum. Rhodan sieht ES als einen Mentor der Menschheit. Doch ES weilt nicht mehr in der Milchstraße - das Geisteswesen ist in Fragmente zersplittert worden, die sich an verschiedenen Stellen im Kosmos befinden. Mehrere dieser Fragmente konnten gefunden und geborgen werden, aber nicht immer verlief alles nach Plan. In der Milchstraße sammeln sich nun alle geborgenen Fragmente - und bilden damit ein Angriffsziel für den großen Hintertreiber des Plans, ES neu entstehen zu lassen: Die Galaktiker versuchen, die Fragmente an einen besonders geschützten Ort zu bringen, die Yodor-Sphäre im Bereich der galaktischen Eastside. Aktiv werden allerdings auch TÄUSCHER UND HELFER ...

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1.

Rauch

»Was machst du denn schon bei uns?« Atlan grinste breit. »Ich finde, du solltest Perry auf dem Boden eurer Kabine zu einem Akt unbeschreiblicher Leidenschaft zwingen!«

Sichu Dorksteiger trug das silberne Haar offen. Sie begleitete ihr schiefes Lächeln mit einem lässigen Achselzucken, dem, obwohl sie in eine Bordkombination gekleidet war, mehr Erotik innewohnte als den Verrenkungen so mancher Tänzerin auf Lepso. »Die Besprechung kommt ihm gerade recht. Er braucht eine Erholungspause.«

Atlan verkniff sich eine weitere Stichelei, weil Soynte Abil den Raum betrat. Sie setzte sich neben Sichu, als wäre sie eine Monarchin, die sich auf ihrem Thron niederließ. In offener Körperhaltung legte sie die Unterarme auf den Lehnen ab und sah Atlan mit leicht erhobenem Kinn an.

Diesen Raum hatte die SCHÖNHEITGNADE speziell für ihre humanoiden Passagiere geschaffen. Er bot genug Platz für sportliche Betätigungen, Sichu und Atlan hatten sich Hunderte Male mit Degen gegenübergestanden. Derzeit dominierte ein zu einem Dreiviertelkreis gebogener Tisch aus goldfarbenem Metall. Bedienelemente für Holoprojektoren und weitere Konferenzausstattung waren unnötig; drei Anqha-Hirne, die – in blaugoldene Folien eingeschlagen – in Rahmen an der Decke hingen, würden Projektoren, Rekorder, Getränkespender und sonstige Ausstattung auf Anfrage aktivieren.

Perry Rhodan und Damar Feyerlant kamen gemeinsam, wobei der starke Kontrast ihrer Hautfarben auffiel. Der im prästellaren Connecticut geborene Aktivatorträger wirkte eher bleich neben dem von Poltumno stammenden Damar, der aus irgendeinem Grund eine sehr dunkle Pigmentierung hatte.

»Kommen wir zum Wesentlichen.«

Rhodan hatte selbstverständlich bemerkt, dass Abil den Platz in der Mitte gewählt hatte, setzte sich aber ganz an den Rand, ohne darauf einzugehen. Atlan ließ sich ihm gegenüber nieder.

»Ihr werdet meiner Ansprache entnommen haben, dass ich ein weiteres ES-Fragment geborgen habe.« Rhodan klopfte unter sein linkes Schlüsselbein, wo er, wie Atlan wusste, Mu Sargais Obsidian-Datei trug. »Es stammt gewissermaßen aus Terranias Zukunft. In den Blaugoldraumern befindet sich das Fragment aus Morschaztas ...«

Atlan, Sichu und Damar nickten bestätigend.

Illustration: Swen Papenbrock

»... und auf der LEUCHTKRAFT jenes, das Kmossen im kontrachronen Universum unserem Zugriff entziehen wollte.«

»Was ihm nicht gelungen ist«, stellte Abil fest.

»Macht drei«, fuhr Rhodan fort. »Ein viertes trägt laut Bouner Haads Bericht Shinae Bull-Zindher in ihrem Körper.«

Der Extrasinn teilte Atlan seine Einschätzung mit, dass Rhodan den vollen Namen von Bullys Tochter benutzte, um emotionale Distanz zu schaffen. Er vermisste den Freund, fühlte sich vielleicht sogar schuldig, weil er ihn nicht davon abgehalten hatte, mit FENERIK auf die Reise zu gehen.

»Ich denke«, meldete sich Atlan zu Wort, »wir sollten nicht auf dieses vierte Fragment warten, sondern nehmen, was wir haben, und es in der Yodor-Sphäre in Sicherheit bringen.«

»Ins Haus von ES ...«, sinnierte Rhodan.

»Können wir den Yodoren trauen?«, fragte Abil.

»So viel oder so wenig, wie wir Mu Sargai trauen können«, meinte Sichu.

»Soll heißen?«, hakte Abil nach.

»Dass wir alle Alternativen prüfen werden«, sagte Rhodan. »Deswegen dieses Treffen. Kennst du einen Ort, an dem die Fragmente sicherer wären?«

Es war wohl sein stechender Blick, der Abil davon abhielt, einen Flug nach Andromeda vorzuschlagen und zu behaupten, sie könnte in ihrem künftigen Herrschaftsbereich für Sicherheit garantieren.

»Wir haben auf Terra gesehen, dass die Blaugoldraumer das Fragment nicht für unbegrenzte Zeit halten können«, erinnerte Damar. »Wir haben Partikel verloren, und das könnte sich in größerem Ausmaß wiederholen. Dieses Haus von ES klingt nach einem Ort, der zumindest weiteren Verlusten vorbeugt.«

Atlan drückte die Fingerkuppen der rechten Hand auf den Goldtisch. »Mit der Re-Genese könnten wir warten, bis Shinae mit ihrem Fragment eintrifft.«

Mit dem Daumen strich er über seinen Handteller. Es gab eine fünfte, spezielle Komponente: den Mentalarchitektur-Prozessor, den Xenia Biefang aufgenommen hatte.

Rhodan lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. »Wir sollten Soyntes Frage nicht ungeprüft vom Tisch wischen. Wenn wir in die Yodor-Sphäre einfliegen, liefern wir uns dem Wohlwollen der Yodoren aus.«

Das spinnenhafte Volk errichtete nach eigenen Angaben eine Zuflucht für die Milchstraßenvölker, die Kosmozitadelle Simuel. Dafür hatten die Bauherren eine fünfhundert Lichtjahre durchmessende Sphäre mit einem undurchdringlichen Vektorinverter-Feld abgekapselt, um ungestört ihrem Vorhaben nachzugehen. Ein Vorgehen, das das Dritte Galaktikum hinnehmen musste, weil es schon vor dessen Gründung geschehen war, aber die Folgen wurden nach wie vor als bedeutsam betrachtet. Daher hatte das Galaktikum einen Allianz-Inspektor ernannt, der das Gebilde mit einer multinationalen Flotte überwachte. Von außen, selbstverständlich ...

»Wenn wir die Fragmente in die Yodor-Sphäre bringen, überschreiten wir möglicherweise eine Schwelle ohne Wiederkehr«, mahnte Rhodan.

»Dann stelle ich dir dieselbe Frage, die du gerade gestellt hast«, sagte Atlan. »Siehst du eine bessere Alternative?«

Rhodan schwieg einige Sekunden.

»Nein«, sagte er dann. »Nach den Ereignissen um FENERIK können wir davon ausgehen, dass die Yodoren wirklich in Mu Sargais Auftrag handeln. Mu Sargai hat uns auch auf die Spur der ES-Fragmente gesetzt. Wir stehen auf derselben Seite, und in der Yodor-Sphäre dürfen wir kosmokratische Technologie erwarten, die bei der Re-Genese hilfreich sein dürfte.«

»Wir sollten alle verfügbaren Kräfte bündeln«, stimmte Sichu zu.

Zu diesen verfügbaren Kräften zählte auch die Kosmokarawane SHARIKAL, über zwanzigtausend goldene, stachelüberzogene Raumer, ausgestattet von der Superintelligenz NADALEE. Sie hatte sich zwar Antanas Lato unterstellt, aber Atlan fand die Begründung dafür – dass Antanas wegen der Insigne, die er an der Schläfe trug, als Galaktischer Kastellan von ES autorisiert sei – gelinde gesagt windig. Die tassparische Kultur war ihm fremd, doch niemand hätte sich wundern dürfen, wenn diese Karawane mit einer ähnlich seltsamen Begründung erneut die Seiten wechseln würde. Ein Gedanke, den er lieber nicht weiterverfolgte.

Dass er sie überhaupt im ES-Konvoi duldete – dessen mit Abstand größtes Kontingent sie stellte –, lag vor allem daran, dass er der ehemaligen Wegbereiterin Parpandum Sinntala keinen Vorwand liefern wollte, ihnen von der Fahne zu gehen. Sie war noch immer hoch respektiert; die meisten würden ihr folgen, falls sie Antanas die Gefolgschaft aufkündigte.

»Die Menschheit vertraut uns«, sagte Damar.

»Das gesamte Galaktikum«, erweiterte Sichu.

»Die von ES geprägte Mächtigkeitsballung«, bezog Abil ihre Heimatgalaxis ein.

»Bevor ihr vor Pathos erzittert«, sagte Atlan, »erinnert euch daran, dass uns keineswegs alle blind vertrauen. Die Jülziish sind unzufrieden, dass wir ihre Raumsektoren durchfliegen, weil sie ihrem Dafürhalten nach von ES stets stiefmütterlich behandelt wurden.«

»Das mag sein«, bestätigte Rhodan. »Aber sie sind stets treue Bündnispartner gewesen, und wenn ich die Berichte über die jüngste Vergangenheit betrachte, sind sie das insgesamt noch heute. Trotz einer handfesten innenpolitischen Krise hat uns der nun wieder amtierende Prim-Regulator die Passage gestattet. Mir scheint es weise, jetzt nicht unsererseits zu zögern. Es könnte sein, dass sich die politischen Kräfte in der Herrlichkeit von Gatas derart verschieben, dass diese Genehmigung widerrufen wird.«

»Also stehen wir unter Zeitdruck«, fasste Abil zusammen, »und haben obendrein nur eine einzige sinnvolle Option.«

»Im Groben stimmt das«, sagte Rhodan, »aber im Detail sollten wir überlegen, wie wir den Konvoi ...«

Die Stimme der Bordgehirne, die Atlan wie ein perfekt synchronisierter Chor erschien, unterbrach ihn. »Alarmruf von der LEUCHTKRAFT: In ihrer Nähe öffnet sich die Kluft!«

*

Geruchloser Rauch umwaberte Achill Maccao und machte jeden Versuch einer räumlichen Orientierung zunichte. Einzig der schwarzmetallische Boden bot Halt inmitten von Schatten, die aufgrund von Eigenbewegung, aber auch von wechselnden Lichtquellen unterschiedliche Grautöne annahmen oder tiefe Finsternis schufen. Wie groß der Raum war, vermochte Maccao nicht zu sagen. Das Metall schluckte die Schrittgeräusche.

Es war kalt, aber nicht frostig. Die feuchte Luft legte einen Film auf seine Haut. Dennoch trocknete die Kehle des Körpers, den er angenommen hatte, aus. Des Körpers von Antanas Lato, dem genialen Wissenschaftler und weit gereisten Abenteurer.

Eine riskante Maske, obwohl das physische Angleichen bis auf Molekularebene gelungen war und auch die nicht zu duplizierende Kastellans-Insigne an der linken Schläfe haftete. Mittlerweile die echte. Aber die psychischen Eigenheiten waren nur begrenzt zu imitieren. Hypnoschulungen versagten, wenn sie den Verstand eines Genies nachbilden sollten. Lato war dafür bekannt, selbst Koryphäen in der Dimensiologie oder Hyperphysik mit wenigen Sätzen wie brabbelnde Kleinkinder wirken zu lassen. Und dann waren da noch seine Ticks, die Maccao konzentriert nachahmen musste, um glaubwürdig zu erscheinen. Die Wortfindungsstörungen oder die Angewohnheit, Mahlzeiten in ihre Bestandteile zu sortieren ...

An Bord von Kmossens...



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