Corvus | Perry Rhodan Neo 58: Das Gift des Rings | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 58, 160 Seiten

Reihe: Perry Rhodan Neo

Corvus Perry Rhodan Neo 58: Das Gift des Rings

Staffel: Arkon 10 von 12
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8453-3837-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Staffel: Arkon 10 von 12

E-Book, Deutsch, Band 58, 160 Seiten

Reihe: Perry Rhodan Neo

ISBN: 978-3-8453-3837-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Mai 2037: Perry Rhodan und seine Gefährten haben mittlerweile das Zentrum des großen Arkon-Imperiums erreicht. Dieses Sternenreich umfasst Tausende von Planeten. Beherrscht wird es von einem mysteriösen Regenten, der die Menschen hasst. Sergh da Teffron, die Hand des Regenten, ist der zweitmächtigste Mann des Imperiums - und er plant den Umsturz. Dafür braucht er Gefolgsleute, die ihm treu ergeben sind. Er fliegt nach Naat. Der Planet liegt im Arkon-System und ist die Heimat der monströs wirkenden Naats, die den Arkoniden als Söldner dienen. Um das Vertrauen der dreiäugigen Riesen zu gewinnen, muss er bei ihren barbarischen Ritualkämpfen mitwirken. Sergh da Teffron setzt sein Leben aufs Spiel ...

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2.


Anflug auf Naat

Lautlos fiel die Fähre durch das Nichts des Weltraums. Sergh da Teffron hatte Zeit. Er hatte beschlossen, seinem Schicksal entgegenzugehen. Es war immer dort gewesen. Auf Naat. Hatte geduldig auf ihn gewartet. Die Entscheidung, sich ihm zu stellen, hatte allein bei Sergh gelegen. Nun, da er sie getroffen hatte, würde sich keine Macht zwischen ihn und seine Bestimmung stellen. Sein Schicksal und er würden sich verbinden wie zwei Atome, die im Innern eines Schwarzen Lochs zusammengedrückt wurden, bis ihre Hüllen kollabierten und ihre Kerne untrennbar wurden.

Außerdem gab es unangenehmere Situationen, als mit einer schönen Frau allein in einer Raumfähre unterwegs zu sein, während die Positronik sanfte Instrumentalklänge einspielte. Sergh lächelte, als er Thetas leichte Schritte hörte. Er verzichtete darauf, den Pilotensessel herumzuschwenken, und wartete ab, bis sie neben ihn trat und ihm die Tasse reichte. Sein Ring klickte gegen die Keramik. Dampf befeuchtete seine Brauen. Vielfältige Aromen weiteten seine Nase. Einen Moment lang ließ er den K'amana seinen Mund verbrennen, erst dann schluckte er ihn hinunter.

Theta lehnte sich an die Konsole. Zärtlich strich sie über sein kahles Haupt. Eine Berührung, die ihn schaudern ließ. Sicher kein Zufall. Sie war eine hervorragende Kurtisane, die genau wusste, wie sie ihren Körper einsetzen konnte. Die Fingerspitzen waren noch die harmloseste Waffe in ihrem Arsenal.

Sergh griff ihre Hand und küsste sie.

Theta pustete über den K'amana, nahm einen Schluck und lächelte. »Melancholisch?« Ihre Augen waren von einem hellen Rosa, bei diesem Licht beinahe farblos. Als böten sie dem forschenden Blick keinerlei Widerstand.

Sergh zog sie heran. Er betrachtete die kleinen dunklen Punkte, die in dem Rosa schwebten. Man konnte sie nur aus der Nähe sehen – wie Geheimnisse, die sich erst bei genauer Beobachtung offenbarten. Sie küssten sich. Hier waren sie allein. Die nächsten Begleiter saßen einige Kilometer entfernt in den Raumjägern des Geleitgeschwaders.

Theta sah durch das Glassit der Frontscheibe, wo man Naat als Kugel erkennen konnte. »Ich hätte mir eine Wüstenwelt nicht so blau vorgestellt.«

»Das täuscht.« Er zog sie auf seinen Schoß. »Es liegt am Sauerstoff. Naat ist eigentlich ein Gasriese. Ein anderer Planet ist auf ihn gestürzt, wurde zerrissen und bildet jetzt eine Hohlkugel. Das ist die feste Oberfläche, aber der weitaus größte Teil des Volumens ist nach wie vor ein Gasball mit hohem Sauerstoffanteil.«

»Man sieht gar nicht, wie groß Naat ist.«

Sergh legte einen Arm um ihre Hüften. Mit der Hand, in der er die Tasse hielt, zeigte er auf einen grau schimmernden Fleck neben der blauen Kugel. »Das ist Naator, der Größte der sechsundzwanzig Monde. Er hat in etwa die Dimensionen von Arkon I.«

»Wirklich?« Vielleicht spielte sie die Überraschte. Theta neigte dazu, ihm das Gefühl zu geben, ihr etwas beibringen zu können.

Sergh schob sein Misstrauen beiseite. Warum hätte er den Augenblick nicht genießen sollen? Immerhin war es nicht ungewöhnlich, wenn jemand mit der achtfachen Lebenserfahrung seiner Gefährtin etwas beibringen konnte. Und ein Planet, der das Zehnfache der arkonidischen Heimatwelt durchmaß, musste jeden beeindrucken, der mehr Intelligenz als ein Büffel vor dem Pflug eines degenerierten Randweltarkoniden besaß. Theta gehörte zu den intelligentesten Arkoniden, denen Sergh jemals begegnet war.

»Wie fühlt es sich an, nach Hause zu kommen?« Sie lehnte sich gegen seine Brust, griff hinter sich und kraulte seinen Nacken. »War das Leben einfacher, als du noch ein Gouverneur warst?«

»Naat lehrt die Wahrheit. Die Wahrheit ist immer einfach.«

»Dass der Sinn des Lebens darin liegt, eine schöne Frau glücklich zu machen?«, neckte sie.

»Dass das Leben erbärmlich ist.«

Kurz hielt sie inne. Eine kaum merkliche Unterbrechung ihrer streichelnden Bewegungen.

»Wenn du in einer großen Wüste auf Naat stehst, begreifst du, dass du ein Nichts bist. Vollkommen bedeutungslos. Und dass das auch für alle anderen Lebewesen gilt, die sich dort durch den Sand quälen.« Er nahm noch einen Schluck von seinem K'amana. »Sie halten sich für bedeutsam. Das ist lächerlich. In diesem Universum hat gar nichts Bedeutung. Vor allem nichts Lebendes.« Er zeigte wieder auf den Gasriesen. »Planeten, Sonnen, Galaxien. Sie interessieren sich nicht für uns. Sie sind vor Hunderten von Jahrmillionen entstanden, explodieren, backen in ihrem Innern Elemente zusammen. Wir sind weniger als Ungeziefer, Zufallsprodukte, keiner Beachtung wert. Irgendwann wird das Universum erkalten, und dann will niemand wissen, was wir gefühlt oder gedacht haben. Denn es wird niemanden geben.«

Er sah in die Schwärze des sie umgebenden Weltalls. Das metallische Funkeln eines Raumjägers war davor auszumachen. Sein Pilot war ein hochempfindlicher Winzling, der mit aufwendiger Technologie vor dem Vakuumtod geschützt werden musste. Man brauchte keinen Angriff mit Energiewaffen oder Sprengstoffen, um ihn zu töten. Man musste ihn nur seiner Hilfsmittel berauben und ihn nackt in der unbarmherzigen Umgebung des Weltraums aussetzen. »Das Leben ist eine eigentümliche Ausnahme. Der Witz eines gnadenlosen Universums.«

»Du bist doch trübsinnig!«

»Du hast mich nach Naat gefragt. Das ist es, was ich dort gelernt habe.«

»Aber Naat ist doch keine tote Welt! Ein paar Milliarden Naats leben dort.«

»Das ist ja das Problem.« Er schmunzelte.

Sie wand sich auf seinem Schoß, bis sie ihn küssen konnte. »Wenn wir den Regenten loswerden wollen, sind sie eher die Lösung. Deswegen kommst du doch hierher.«

»Wo du vom Regenten sprichst ... Der Tross hat seine Parkposition um Bhedan eingenommen. Der Regent selbst ist zum Kristallpalast nach Arkon I aufgebrochen.«

Theta rief ein Holo des Systems auf. Auf die Berührung von ein paar Sensorfeldern hin verließ die virtuelle Kamera Naat, überquerte fünf Umlaufbahnen und verharrte beim elften Planeten. Der Tross war natürlich nicht zu sehen. Dies war eine schematische Darstellung, keine Übertragung aktueller Sensordaten.

»Hast du Sehnsucht nach deiner alten Herrin?«, fragte Sergh.

Sie kicherte abwehrend.

»Sie wird uns nämlich beehren.«

»Sie ist nicht unbedingt deine liebste Freundin«, sagte Theta vorsichtig.

»Intimfeindin« träfe es besser. »Sie wollte dich sprechen. Ich war so frei, den Funkruf entgegenzunehmen. Bei der Gelegenheit habe ich sie eingeladen.«

»Aber warum?«

»Sie wollte, dass du zu ihr kommst. Ich habe ihr erklärt, dass ich dich nicht missen will.« Beiläufig tätschelte er ihren Hintern. »Also muss sie sich schon herbemühen.«

Thetas Schweigen verriet ihr Misstrauen. Vermutlich dachte sie darüber nach, ob Sergh in der direkten Begegnung überprüfen wollte, dass sie ihre alten Loyalitäten wirklich gelöst hatte.

»Sie ist einflussreich«, fuhr er fort. »Die Rudergängerin des Trosses ...«

»Du suchst Verbündete an ungewöhnlichen Orten.«

Er lachte. »Eigentlich gefällt mir der Gedanke, dem verzärtelten Püppchen zu zeigen, wie hart die Welt sein kann.«

»Eine Welt wie Naat.«

»Der Sand wird ihr die Farbe vom Gesicht schmirgeln.« Er leerte seine Tasse. »Und wenn wir Glück haben, die Haut gleich mit.«

»Dann wird sie uns in der Hauptstadt treffen? Wie heißt die noch einmal?«

Er bezweifelte, dass Theta das wirklich vergessen hatte. Ihr Gedächtnis war ausgezeichnet. Sie konnte es nur nicht lassen, ab und zu das Dummchen zu spielen. »Naatral. Aber wir fliegen nicht direkt dorthin. Ich warte noch auf meine Gastgeschenke.«

Sie hob eine Augenbraue.

»Wir machen auf Peshteer Station. Einem kleinen Mond. Eine Gefängniskolonie. Genau das Richtige für Ihin da Achran. Außerdem will ich dort noch jemanden treffen.«

»Einen Freund?«

Sergh drückte seinen Daumennagel in seinen Ring. Momentan hatte das Schmuckstück eine gekerbte Oberfläche. »Ich habe keine Freunde.«

Peshteer war der innerste Mond Naats. In etwa 40.000 Jahren würde er auf den Planeten stürzen. Bis dahin zog er Gas aus den obersten Atmosphärenschichten Naats ab. Peshteers Gravitation war jedoch zu gering, um das Gemisch zu halten. Es diffundierte in der gleichen Geschwindigkeit ins All, mit der Peshteer seinem Planeten weitere Atmosphäre entriss. Auf diese Weise borgte sich der Mond eine sauerstoffhaltige Atmosphäre, die für Arkoniden gerade noch atembar war, wenn sie auch körperliche Anstrengungen mit rasenden Kopfschmerzen bestrafte. An der Naat zugewandten Seite zerrte die Gravitation des Riesenplaneten, was in maßvollem Vulkanismus resultierte. Bei größeren Ausbrüchen entkam glutflüssiges Gestein der Anziehungskraft Peshteers und stürzte auf Naat. Die meisten Brocken verglühten in der Atmosphäre, arkonidische Satelliten zertrümmerten die restlichen. Eine der Segnungen, die die überlegene Zivilisation jener Welt angedeihen ließ, auf der ein Großteil ihrer Soldaten rekrutiert wurde.

Die Station TARRAS'GOLL befand sich auf der planetenabgewandten Mondseite. Ihr herausragendes Merkmal war der zentrale Turm, der sich in Form einer geballten Faust den Sternen entgegenreckte. Auf dem Holo, das die Außenkameras übertrugen, war er gut zu erkennen. Während die Begleitjäger in Wachformation kreisten, zog Sergh da Teffrons Fähre davor herunter und folgte dem Leitstrahl in den geöffneten Hangar.

Gouverneur Ghorn ter Marisol löste den Blick vom Holo. Er erkannte die Fähre jetzt auch durch das Glassitfenster. Nach dem ersten Eindruck hatte sich Sergh da...



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