Costa | Oma, hast du Strapse? | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 216 Seiten

Reihe: Best Ager

Costa Oma, hast du Strapse?

18 Kurzgeschichten für Frauen im besten Alter
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-946280-37-8
Verlag: by arp
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

18 Kurzgeschichten für Frauen im besten Alter

E-Book, Deutsch, Band 1, 216 Seiten

Reihe: Best Ager

ISBN: 978-3-946280-37-8
Verlag: by arp
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Heldinnen dieser Geschichten sind ‚Best Ager‘ - Frauen, im ‚besten Alter‘. Sie sind Oma und Geliebte, haben sich im Leben eingerichtet oder wollen noch einmal einen Neustart wagen. Sie haben Wünsche, Hoffnungen, Träume und gehören noch lange nicht zum ‚alten Eisen‘! Und mit den jungen Dingern von nebenan nehmen sie es allemal noch auf …!

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Don Juan mit grauen Schläfen

Ein neues Glück

Oma hast du Strapse?

Mildreds Eskapaden

Nur gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen

Der Nebenbuhler

Vierhändig

Der Glückstreffer

Dann schon lieber einen Hund

Das schönste Geschenk

Besuch am Muttertag

Liebe ist mehr als nur ein Wort

Eine Nacht in deinen Armen

Der schöne Schwarzhaarige

Der Schlüssel zu deinem Herzen

Verrückt nach Hannes

Weiße Weihnacht

Kleine Lügen, große Liebe


Ein neues Glück
Seltsam, gerade hatte sie gedacht: „Wenn doch endlich etwas geschehen würde! Wenn jemand anrufen würde und mich aus diesem ewigen Gleichtrott reißen!“ Und im selben Moment hatte das Telefon geklingelt. Jetzt beugte sich Ilona über den Stapel Bücher, die sie noch kennzeichnen musste, und griff zum Hörer. „Hallo und wunderschönen guten Tag!“ gurrte eine männliche Stimme in den Apparat. Dann folgte ein Schweigen und Ilona spürte, dass der Mann hoffte sie würde erraten, zu wem die Stimmte gehörte. Tatsächlich kam sie ihr bekannt vor. Etwas regte sich in ihr. All ihre Sinne gingen auf Habachtstellung, doch sie kam nicht drauf ... Mensch, wer war das nur? „Sie sind mit Ilona Lenz verbunden, was kann ich für Sie tun?“, sagte sie betont förmlich, um dem Schweigen ein Ende zu bereiten. „Was kann ich für Sie tun! Jetzt bin ich aber enttäuscht! Ich dachte, bestimmt weiß sie sofort ...“ „Mein Gott, Viktor!“ Er lachte. „Na, endlich!“ „Viktor, Himmel, was treibt dich denn dazu, mich anzurufen?“ „Ich bin in der Stadt. Und da dachte ich, vielleicht könnten wir uns ja sehen. Ein bisschen nachquatschen.“ „Nachquatschen!“ Sie lachte. „Einfach so, nach mehr als zwanzig Jahren?“ „Warum nicht? Wir sind schließlich nicht nur zwanzig Jahre älter sondern auch so viele Jahre reifer geworden. Da sieht man manches anders. Es wäre doch schön, wenn wir ...“ er suchte nach Worten. „Wenn wir Frieden schließen könnten.“ Sie lachte. Es klang hell wie das Klingen einer Glocke. Und etwas zu glücklich dafür, dass er sie einmal so enttäuscht hatte. „Mein Gott - Frieden schließen! Wie sich das anhört. Wir hatten doch keinen Krieg.“ „Nein, sicher nicht, da hast du recht.“ Eine Weile schwiegen sie. Dann fragte Ilona: „Was heißt, du bist in der Stadt. Wo in der Stadt und warum?“ „Abgestiegen im Hotel Bärmütz. Ich war unterwegs von Hamburg nach Bozen und dachte, ich schau mir mal die alte Heimat an.“ „So, so, die alte Heimat.“ Ilona grinste. Na hoffentlich meinte er nicht sie damit ... „Und weißt du, hier im Hotel gibt es heute einen brasilianischen Abend. Büffet mit Fisch und Meeresfrüchten, bunte Drinks, Rumbamusik ... könntest du kommen?“ „Um mit dir einen brasilianischen Abend zu erleben?“ „Ich kann mir schlechtere Möglichkeiten vorstellen, ein Wiedersehen zu feiern.“ „Da hast du allerdings Recht!“ Sie horchte in sich hinein, dann entschied sie: „Na gut, ich komme.“ „So gegen acht? Hast du ein Auto, oder soll ich dich abholen?“ „Unsinn, ich nehme mir ein Taxi.“ * Brasilianischer Abend! Was sollte sie nur anziehen? Sie hielt sich das Blaue vor, aber nein, das wirkte zu streng. Das mit dem Spitzenoberteil? Zu romantisch! „Aber das hier, das würde gehen!“ Sie griff nach einem Kleid aus roter Seide. Es war elegant und schlicht, auf Figur geschnitten, hatte schmale Träger und drei Biesen am Saum. „Genau richtig“, sagte sie laut, als sie sich später im Spiegel betrachtete. Ihr braunes Haar fiel ihr locker auf die Schultern, die rote Seide ließ ihre helle Haut glänzen, die Fingernägel hatte sie passend zum Kleid lackiert - ja, das war die Ilona, die Viktor einmal so geliebt hatte! Im Aufzug ertappte sie sich dabei zu pfeifen. Das alte Lied von damals. Mein Gott, wann hatte sie zum letzten Mal gepfiffen? Was war nur los mit ihr? Da rief einer an, nach zwanzig Jahren, und sie tat, als hätte sie das große Los gezogen. Das Taxi wartete bereits. Sie stieg hinten ein, wollte alleine sein mit ihren Gedanken, nicht mit einem Fremden reden müssen. Bevor sie das Haus verlassen hatte, hatte sie noch das Fotoalbum herausgesucht, um im Gedanken die alten Zeiten aufzufrischen. Viktor und sie auf dem Uni-Ball. Viktor und sie beim Skifahren, in Italien, auf dem Rummelplatz. Und dann Viktor in Badehose auf der Segeljacht seines Schwagers. Seine braungebrannte Haut, sein schlanker muskulöser Körper, sein wunderbares Lachen! Und dann die schwarzen Augen, von der Mama geerbt, die aus Südtirol stammte. Viktor war ein Traummann gewesen, um den sie viele beneidet hatten. Bis diese Ina aufkreuzte, die nicht so naiv wie Ilona sondern ziemlich gerissen war. Die nichts dem Zufall überließ, die genau wusste was sie wollte. Einen Mann wie Viktor, mit Stil, gutem Aussehen und guten Aussichten auf eine gute Karriere! Er hielt ihren Verführungskünsten lange stand. Drei Monate hatte sie ihn umgarnt mit ihrer Traumfigur, ihrem Loreley-Sexappeal. Lockender Blick, langes blondes, seidenweiches Haar und eine Stimme wie das Gurgeln in einem Glas auf dem Grude eines Flusses - mein Gott! Tja, und dann war Ina schwanger, und er musste sie heiraten, darauf bestand schon die Mama aus Südtirol. Und jetzt pfiff sie, Ilona, ein Lied von früher, bloß weil dieser Viktor, der sie verraten hatte, nach Ewigkeiten wieder anrief? Himmel, sie war doch wirklich ein ziemlich dummes Fleckvieh! Aufgeschreckt sah sie nach draußen. Grünauer Straße. Sie war schon fast da. Das Hotel Bärmütz lag zwei Straßen weiter hinter dem Park. Vier Sterne, die erste Adresse in der Stadt. Ilona überlegte, ob sie den Fahrer umkehren lassen sollte. In ihrer Vorstellung tauchte plötzlich ein Viktor auf, der gar nichts mehr mit dem Viktor auf den Fotos in ihren Alben gemein hatte. Viktor mit Bauchansatz, die Haare schüttern, vielleicht schon eine Glatze, die Haut fahl und unter den schönen schwarzen Augen dicke Tränensäcke. Wenn man über die Jahre miteinander aus der Form gerät, dann war das in Ordnung - „aber Erinnerungen sollte man nicht zerstören!“ Den letzten Satz ihrer Gedanken hatte sie laut ausgesprochen. „Wie bitte?“ Der Taxichauffeur sah sie über den Spiegel an. „Ach nichts. Bitte halten Sie an.“ „Ja natürlich - gleich.“ Er nahm den Fuß vom Gas und setzte den Blinker. Erst da bemerkte Ilona, dass es zu spät war - sie waren bereits am Hotel angekommen. Ein Mann in roter Livree riss den Wagenschlag auf. „Nein, bitte, ich möchte wieder zurück in die Stadt.“ Der Chauffeur sah sie entgeistert an. Der Türsteher ebenfalls. Dann war da plötzlich Viktor. Er streckte seine Hand in den Wagen, um ihr herauszuhelfen. Er lachte. „Ich dachte, ich warte mal lieber hier draußen auf dich. Ich kenne dich doch! Am Ende kneifst du noch.“ „Das hast du wirklich gedacht?“ Er nickte. „Und, hatte ich recht?“ Sie schüttelte schnell den Kopf, starrte in seine schönen schwarzen Augen. Er hatte sich überhaupt nicht verändert! Er sah aus wie früher, nur die Haare waren mit Silberfäden durchzogen und die Lachfältchen um die Augen tiefer geworden. Er war einfach Viktor, so, als ob sie sich erst gestern zum letzten Mal gesehen hätten. Die Zeit zerrann zwischen Meeresfrüchten und Ananas, als würde sie gar nicht existieren. Sie aßen, redeten und lachten, und zwei- oder dreimal tanzten sie auch. „Ich bin seit zwei Jahren geschieden. Und du?“ „Ich auch. Nein. Seit drei Jahren.“ „Mein Sohn lebt bei seiner Mutter, ich sehe ihn leider nur selten. Hast du auch Kinder?“ Ilona schüttelte den Kopf. „Ich habe dir geschrieben. Fünfundzwanzig mal.“ „Du lügst, ich habe nie einen Brief von dir bekommen!“ Viktor griff in seine Innentasche und zog einen Packen Briefe hervor. „Natürlich nicht, ich habe die Briefe ja auch nicht abgeschickt. Ich war doch verheiratet. Ich hatte Angst und wollte mich nicht unglücklich machen - noch unglücklicher machen als ich schon war. Und nach der Scheidung ... ich war einfach zu feige.“ Er schob die Briefe über den Tisch. „Sie gehören dir.“ Ilona legte ihre Hand auf das verschnürte Päckchen und schloss die Augen, um dem Klopfen ihres Herzens nachzufühlen. Einen Moment war sie versucht, die Schleife zu öffnen, aber dann dachte sie plötzlich: Das hältst du nicht aus! So viel alte Liebe muss verschnürt bleiben, sonst hat die neue keinen Platz! Sie schob ihm die Briefe wieder hin. „Du musst sie behalten. Es ist dein Geheimnis. Ich habe meines.“ Sie lächelte. Plötzlich war es viel zu laut um sie hin. Die Musik, das Lachen - zu laut und zu brasilianisch. Ein stiller Garten mit Grillengezirp und fernab das Rauschen des Meeres würden nun passender sein. Sie verließen das Hotel, spazierten zum Fluss. Dabei hielten sie sich an den Händen wie damals, als sie zwanzig waren. Aus Ilonas Erinnerungen tauchten Bilder auf, die sie all die Jahre weggesperrt hatte, weil es viel zu schmerzlich gewesen wäre, sie immer wieder anzusehen. Orangefarbene Kissen auf hellgelben Laken, dazwischen atemlos sie beide. Seine zärtlichen, bohrenden, fordernden Küsse. Seine Finger, die sie überall streichelten. Seine Zunge, die sie verwöhnte, bis sie ihn stöhnend anflehte, dass er mit seiner Folter aufhören sollte. Diese Lust damals, dieses wahn-sinnige Begehren! Er liebte sie mit seinem Körper, und mit seinem Herzen brachte er ihre Seele zum Schmelzen. Nichts war ihnen fremd gewesen, und nichts schien ihnen unmöglich. Und nie wieder gab es einen Mann, dem sie so nahe kommen konnte. Plötzlich blieb er stehen, legte seine Hand in ihren Nacken und zog sie fest an sich. „Ich habe nie den Glauben daran verloren, dass du mir eines Tages verzeihen wirst und wir wieder zusammen sein können“, sagte er ernst. Ilona schloss die Augen um zu spüren, wie seine Liebe warm durch sie hindurchfloss. „Fühlst du es?“ fragte er. „Ja“, sagte sie. „Ich liebe...



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