Costello / Richards | Cherringham - Der verschwundene Tourist | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 120 Seiten

Reihe: beTHRILLED

Costello / Richards Cherringham - Der verschwundene Tourist

Landluft kann tödlich sein
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-0883-9
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Landluft kann tödlich sein

E-Book, Deutsch, 120 Seiten

Reihe: beTHRILLED

ISBN: 978-3-7325-0883-9
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Digitale Romanserie. Folge 18: Als ein amerikanischer Tourist in Cherringham als vermisst gemeldet wird, sieht die örtliche Polizei zunächst keinen Grund zur Sorge, da sich bei geführten Touren häufiger Leute absetzen. Dann aber reist die Schwester des Touristen aus New York an, verzweifelt auf der Suche nach ihrem Bruder. Auch Jack und Sarah sind schließlich überzeugt, dass an dem Verschwinden des Mannes mehr dran ist, als es zunächst schien. Bald stecken sie knietief in einem Fall, bei dem es um heimlichen Betrug, Opfer, Schmach - und Tod geht.

»Cherringham - Landluft kann tödlich sein« ist eine Cosy Crime Serie für Fans von Miss Marple und Sherlock Holmes!

Jeden Monat erscheint ein neuer, in sich abgeschlossener Fall mit Jack und Sarah.

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3. Angeln


Jack begann die Angelschnur einzuholen.

»Ich sag’s dir, Riley, allmählich bekomme ich meine Zweifel, dass es in diesem Fluss überhaupt Fische gibt.«

Riley lag zu Jacks Füßen. Als er seinen Namen hörte, hob der Springer Spaniel den Kopf und sah zu Jack auf – fast so, als wollte er eine weitere Erklärung hören.

»Die gleichen Köder wie sonst, dieselben Haken – und nichts. Ist doch seltsam, was, mein Junge?«

Doch in Wahrheit störte es Jack nicht, dass kein Fisch anbiss.

Wenn er mal etwas fing und nicht unbedingt Fisch zum Abendessen wollte, warf er den Fang, bei dem es sich gewöhnlich um Plötze handelte, sowieso gleich wieder in den Fluss zurück.

Einmal hatte er allerdings eine Forelle geangelt. Und die würde er niemals, auch heute nicht, zurückwerfen.

Im Grunde ging es ihm beim Angeln mehr darum, irgendwo in Ruhe zu sitzen und sich auf etwas Einfaches zu konzentrieren.

Meine Form der Meditation.

Und die war ziemlich perfekt, ob mit oder ohne Fisch.

Er sah sich den Haken an und stellte fest, dass der Wurm, den er als Köder benutzt hatte, verschwunden war.

»Hmm, da hätten wir ein Indiz«, sagte er. »Jemand ist vorbeigekommen und hat sich ein kostenloses Mittagessen geschnappt.«

Oder, was auch passiert sein könnte, der Köder war in der Strömung vom Haken gerutscht.

»Versuchen wir es noch mal, was?«

Riley hatte inzwischen das Interesse an dieser Unterhaltung verloren und seinen Kopf wieder auf die Pfoten gesenkt. In dieser Haltung dachte er an die Dinge, über die Springer im Allgemeinen nachsannen. Eine altehrwürdige Paar-Meditation von Angler und Hund.

Jack wollte einen neuen Wurm aus der Dose holen, als er sah, wie ein Wagen von der Straße oben zum Uferweg abbog.

Es war ein kleiner silberner Ford – »Fiesta« nannten sie das Modell hier.

Dann stieg jemand aus.

Es handelte sich um eine Frau, die wie für den Kirchgang gekleidet war: schlichtes braunes Kleid, leichte Frühlingsjacke, Hut und Schuhe, die sich so gar nicht für den matschigen Pfad eigneten, der an den Flussbooten vorbeiführte.

Aber genau diesen Weg begann sie entlangzugehen.

Sie kommt wirklich hierher, fuhr es Jack durch den Kopf.

Jack legte den Wurm zurück in die Köderdose, denn sein Gefühl sagte ihm, dass irgendetwas los war.

Auch Riley hob den Kopf wieder; der Hund bemerkte, dass es mit der Stille bald vorbei sein würde.

Jack wartete ruhig ab, während die Frau weiter in seine Richtung ging.

Vor dem Bug der Grey Goose, wo Jack auf seinem Stuhl saß, blieb die Frau stehen.

»Jack Brennan?«, fragte sie.

Ihre Stimme klang dünn, doch der Akzent war unverkennbar amerikanisch. Sie hörte sich müde an, als hätte sie bereits zahlreiche Stationen abgeklappert.

»Ja, kann ich Ihnen helfen?«

Die Frau blickte den Weg entlang und dann zu der Laufplanke, die auf die Goose führte.

Sie wirkt verwirrt, dachte Jack. Erst im nächsten Augenblick ging ihm auf: Sie hat nach mir gesucht. Warum?

»Ähm, ich …« Sie sah wieder zu ihm. »Ich weiß nicht …«

Was auch immer los sein mochte, diese Frau war unglücklich, verwirrt und fern der Heimat.

»Möchten Sie vielleicht an Bord kommen?«

Nun zeigte sich ein zaghaftes Lächeln. »Ja, sehr gerne.«

Jack stand auf und ging zur Planke, während die Frau durch den Matsch stakste und anschließend das breite Brett hinaufschritt. Jack streckte ihr eine Hand entgegen, um ihr zu helfen.

Eine beinahe schon symbolische Geste, wie er fand.

Was für Hilfe braucht sie wohl?

Da konnte er im Moment bestenfalls raten.

Unten im Wohnbereich seines Boots stellte Jack den Wasserkocher an. Die Frau, die sich als Mary O’Connor vorgestellt hatte, saß auf einem Stuhl. Sie trug immer noch ihre Jacke, und die Handtasche hielt sie auf ihrem Schoß fest.

»Darf ich Ihnen die Jacke abnehmen?«, fragte Jack. »Ich kann den kleinen Ofen anstellen, falls Ihnen kalt ist.«

Lächelnd verneinte sie. »Nein, danke, ist schon gut. Danke, dass Sie bereit sind, mit mir zu reden«

Jack goss das Wasser in die Teekanne, in die er bereits zwei Beutel Earl Grey gegeben hatte.

Dann brachte er die Kanne, zwei Tassen, Süßstoff und Milch zu dem kleinen Tisch, neben dem die Frau Platz genommen hatte.

»Die Fische sind heute sowieso nicht kooperativ«, sagte er. »Übrigens glaube ich, dass es keine bessere Zeitverschwendung gibt als das Angeln.«

Sie lächelte, auch wenn ihr Blick nachdenklich, ja beinahe ängstlich blieb.

Und Jack nahm an, dass er wohl gleich erfahren würde, was sie so beunruhigte.

Er schenkte ihnen beiden Tee ein.

Wenn er eines hier in England verinnerlicht hatte, dann war es die Einstellung, dass eine Tasse Tee eine geradezu magische Wirkung hatte, wenn es galt, eine Unterhaltung in Gang zu bringen.

»Sind Sie aus den Staaten?«

Sie nickte. »Brooklyn, so wie Sie, Mr -«

»Nennen Sie mich einfach Jack«, unterbrach er sie.

Sie nickte wieder. Offensichtlich hatte sie sich über ihn informiert.

Nur warum?

»Da haben Sie aber einen weiten Weg auf sich genommen, um mich zu besuchen.«

Er trank einen Schluck und versuchte, Mary die Zeit zu lassen, die sie anscheinend brauchte, um die richtigen Worte zu finden.

»I-ich bin schon vor Tagen hergekommen, aber immer noch so müde. Es ist das erste Mal, dass ich den Atlantik überquert habe, und der Jetlag hat mich schlimm erwischt, schätze ich. Aber … ich musste.«

Jack schwieg und behielt seine Fragen vorerst für sich.

Schließlich beugte Mary sich vor.

»Ich fürchte, dass meinem Bruder Patrick etwas zugestoßen ist. Er ist vor über einer Woche nach England gekommen, um Urlaub zu machen – und jetzt ist er verschwunden.«

Jack nickte. Und warum kommt sie hierher? Nach Cherringham?

»Sie waren sicherlich schon bei der Polizei, oder?«, fragte Jack in ruhigem Ton. Er wusste, dass die Zahl der jährlich Vermissten riesig war; sie ging in die Zehntausende. Doch die meisten von ihnen tauchten wieder auf.

Wir alle haben so unsere Gründe, für eine Weile aus dem Lebensalltag verschwinden zu wollen.

Das konnte Jack gut nachvollziehen. Letztendlich war dies hier – das Leben auf einem Flussboot in einem Cotswolds-Dorf – auch nichts anderes als eine Flucht vor seinem alten Leben.

Und vor all den Erinnerungen.

»Ja, natürlich. Sie waren … Nun, sie waren keine allzu große Hilfe. Sie nahmen ihn in ein Register auf, sagten aber gleich, er könnte alles Mögliche gemacht haben und überall sein. Aber ich habe denen gesagt …«

Jack bemerkte, dass sie die Serviette, die er ihr hingelegt hatte, fest um ihre Finger wickelte.

»Ich habe ihnen gesagt, dass Patrick so etwas nie tun würde, ohne mir Bescheid zu geben. Wir stehen uns sehr nahe. Er …« – sie schüttelte den Kopf, als wäre schon der Gedanke absurd – »… er würde nie einfach verschwinden.«

Jack nickte.

Mary O’Connor mochte es nicht glauben, doch Jack wusste, dass Menschen bisweilen Dinge taten, die nicht einmal ihr nächstes Umfeld für denkbar gehalten hätte.

»Und warum sind Sie hierhergekommen, Mary? Nach Cherringham?«

»Da die Polizei eigentlich nichts tun will, habe ich mich bemüht, herauszufinden, wo sich Patrick hier in England aufhielt. Ich machte sein Hotel in London ausfindig, und dort sagte man mir, dass er eine Bustour in die Cotswolds gebucht hatte. Cherringham war eine der Stationen auf der Tour.«

Jack kannte die Touristenbusse, die wöchentlich auf dem Dorfplatz anhielten und vage an Alien-Invasionen erinnerten.

Für die hiesige Wirtschaft waren die Touristen natürlich ein Segen.

»Und weiter?«

»Die Leute im Hotel sagten, dass er von der Bustour nie zurückgekehrt ist. Sein Zimmer war genauso, wie er es verlassen hatte. Sein Gepäck und alle Sachen waren noch da. Ich meine, wenn er irgendwohin wollte, hätte er doch seine Reisetasche mitgenommen, oder?«

»Das würde einleuchten«, bestätigte Jack.

Für einen Moment sagte Mary O’Connor nichts und blickte hinunter auf den Bootsboden.

»Ich glaube, dass ihm etwas passiert sein muss, Mr … ähm, Jack. Ich denke, dass etwas Schlimmes geschehen ist.«

Jack nickte. Sicher könnte mit ihrem Bruder alles Mögliche passiert sein – oder gar nichts. Jack freilich hatte Mitleid mit der Frau.

Und die Tatsache, dass sie die weite Reise von Brooklyn hierher auf sich genommen hatte, sprach selbstverständlich auch für sie.

»Nur aus reiner Neugier – wie sind Sie darauf gekommen, mich aufzusuchen?«

»Zuerst war ich bei der Polizei hier. Die erzählten mir so ziemlich das Gleiche wie in London, nämlich dass sie Patricks Namen auf eine Liste setzen wollen. Das Busunternehmen hatte behauptet, dass alle wieder mit zurückgekommen seien, deshalb kann die Polizei nicht viel tun. Aber dann bin ich zusammengebrochen, muss ich gestehen. Ich bin so müde und in Sorge.«

»Verständlich.«

Sie sah zu Jack auf.

»Einer der Polizisten hier, ein Officer Rivers, erwähnte Ihren Namen und dass Sie Amerikaner sind. Und …« – sie holte tief Luft – »… dass Sie bei der New Yorker Polizei waren und hier schon Leuten geholfen haben.«

»Hin und wieder.«

Die Frau nickte. »Können Sie … Ich meine, würden Sie mir helfen, Jack?«

»Okay, Mary. Was halten Sie...



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