E-Book, Deutsch, Band 1, 275 Seiten
Reihe: Cracks Duet
Cosway Dreams of Yesterday
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7363-1149-7
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 275 Seiten
Reihe: Cracks Duet
ISBN: 978-3-7363-1149-7
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Am klarsten sehe ich meine Träume, wenn ich in deine Augen blicke
Als Evelyn den geheimnisvollen Dylan kennenlernt, scheint sie ihren Seelenverwandten gefunden zu haben. Der attraktivste Junge der Schule und sie möchten nicht nur beide weg aus Dublin, sie haben auch einen gemeinsamen Traum: Eines Tages wollen sie ihr eigenes Unternehmen in New York gründen! Doch während Dylan alles dafür tut, ihren Plan in die Tat umzusetzen, fehlt Evelyn der Mut, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. Aber als ein tragischer Unfall geschieht muss sie sich entscheiden: für ihre Familie oder ihre Zukunft mit Dylan in New York.
'Brillant und unglaublich poetisch erzählt!' THE GOOD THE BAD AND THE UNREAD
Band 1 der CRACKS-Reihe von Bestseller-Autorin L. H. Cosway
L. H. Cosway lebt in Dublin und hat fast jedes Fach studiert, das es unter den Geisteswissenschaften zu finden gab. Die beste Inspiration zum Schreiben zieht sie aber aus Musik und den vielen unperfekten Persönlichkeiten, die ihren Weg kreuzen - denn die erzählen einfach die besten Geschichten! Weitere Informationen unter: lhcoswayauthor.com
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1. KAPITEL
Innenstadt von Dublin, Irland 2006
Nichts tat ich lieber, als einer Blütenknospe dabei zuzusehen, wie sie sich öffnete. Ganz zu Anfang glich sie einer Pistazie. Am nächsten Tag regten sich die Blütenblätter. Am folgenden Tag spreizten sie sich. Am Tag darauf noch ein wenig mehr, und dann stand die Blume endlich in voller Pracht. Ich wartete darauf, dass sich die Blüten meines rosafarbenen Hibiskus öffneten, aber es würde noch ein paar Tage dauern. Aus einer Plastikflasche goss ich etwas Wasser in den Topf, dann schraubte ich den Deckel wieder zu. Gerade wollte ich sie wieder ins Regal zurückstellen, da hämmerte jemand an meine Tür. Es klang panisch, ein Klopfen, das nach Beachtung schrie. In dieser Gegend war es nicht immer eine gute Idee, bei einem solchen Klopfen die Tür aufzumachen. Ich lugte durch den Spion und sah draußen jemanden aus meiner Schule stehen. Dylan O’Dea hieß er – oder war es O’Toole? Wie auch immer, jedenfalls war ich ziemlich sicher, dass er ein oder zwei Stockwerke unter mir wohnte, ebenfalls hier in St. Mary’s Villas. Von wegen Villas: Darauf darf man nichts geben. Nichts hier hatte mit einer Villa auch nur die allergeringste Ähnlichkeit. St. Mary’s Kriegsbunker wäre ein passenderer Name gewesen. Alles war grau. Durch die Fenster fiel kaum Licht, und sämtliche Wohnungen rochen irgendwie schimmlig, ganz egal, wie gründlich man putzte und lüftete.
Dylan sah verschwitzt und verzweifelt aus, und irgendwas in seinem panischen Blick bewegte mich dazu, die Tür zu entriegeln. Ehe ich ein Wort sagen konnte, schoss er auch schon hindurch und knallte sie hinter sich zu.
»Mann, was soll denn das!«, rief ich und bereute meine Entscheidung schon jetzt. Ich wohnte bei meiner Tante Yvonne, aber sie war arbeiten und würde erst in einigen Stunden nach Hause kommen.
Dylan starrte mich eindringlich an, seine Brust hob und senkte sich unter schweren Atemzügen. Er hob einen Finger an den Mund, was überall dasselbe bedeutete: Sei still.
Ich gab keinen Mucks von mir, und im nächsten Augenblick ertönte draußen Lärm. Irgendwer hämmerte an die Türen, so wie Dylan eben an meine gehämmert hatte. Wieder sahen wir uns an. Er musste wohl gespürt haben, dass ich etwas sagen wollte, denn im nächsten Augenblick war er bei mir, drückte mich rücklings gegen die Wand und legte mir die Hand über den Mund. Er überragte mich ein ganzes Stück. Ich wehrte mich, aber da flüsterte er mir ins Ohr: »Bitte sei still. Da sind ein paar Typen hinter mir her. Ich muss mich nur kurz hier verstecken, dann hau ich wieder ab. Versprochen.«
Ich starrte ihn an. Dann hob ich einen Fuß und trat ihm gegen den Knöchel. Er stieß einen unterdrückten Fluch aus, ließ mich aber nicht los.
»Leck mich«, presste ich gedämpft unter seinen Fingern hervor. »Verzieh dich!« Es klang mehr wie: »Lep mif. Verfie dif.«
»Bitte, Evelyn. Ich brauche deine Hilfe.«
Mein Herz raste. Er kannte meinen Namen. Wobei das so seltsam auch wieder nicht war, hier wusste eigentlich jeder, wie die anderen Leute im Haus hießen. Es war nur irgendwie eigenartig, dass er mich so persönlich anredete, weil wir noch nie zuvor miteinander gesprochen hatten.
Unter dem ernsten Blick seiner dunkelblauen Augen hörte ich auf, gegen seinen Griff anzukämpfen. Für einen langen Augenblick starrten wir einander an, und ich bekam eine Gänsehaut. Seine Brust war breit und kräftig, und er roch nach Nelken.
»Versprichst du, nicht zu schreien, wenn ich meine Hand wegnehme?«, fragte er ganz leise.
Ich nickte langsam, und er nahm die Hand von meinem Mund. »Wer ist hinter dir her?«, flüsterte ich und hatte Angst, dass er mir Ärger an die Tür gebracht hatte.
»Ein paar Typen von der McCarthy-Bande. Sie wollten mich rekrutieren. Ich habe Tommy McCarthy gesagt, er soll sich verpissen, und jetzt wollen sie mir eine Abreibung verpassen.«
»Ach du Kacke«, hauchte ich.
Der Lärm draußen kam näher. Wer auch immer da war, donnerte jetzt mit den Fäusten an die Tür der Nachbarwohnung. Ich hielt ganz still, atmete kaum. Mein Blick wanderte über Dylans angespanntes Gesicht, seine umwerfenden Augen, das markante Kinn. Er trug eine graue Jeans, schwarze Stiefel und eine marineblaue Steppjacke. Sein Haar war irgendwas zwischen blond und braun und ganz leicht gelockt. Allerdings war es so kurz geschnitten, dass die Locken nicht viel Gelegenheit hatten, sich zu … locken. Er war sehr attraktiv, aber das änderte nichts daran, dass er praktisch bei mir eingebrochen war. Während mein Nachbar drüben die Tür öffnete und mit den Typen redete, die Dylan suchten, flüsterte ich: »Warum versteckst du dich ausgerechnet hier?«
Er runzelte die Stirn, es ließ ihn aussehen wie einen mürrischen Bären. »Was?«
»Du hättest genauso gut woanders klopfen können. Warum bei mir?«
Einen Herzschlag lang herrschte Schweigen, dann antwortete er endlich, ebenfalls flüsternd: »Weil du hier im Haus die Einzige bist, die mich nicht den Wölfen zum Fraß vorwerfen würde.«
Ich zog eine Braue hoch. »Woher willst du das wissen? Du kennst mich doch gar nicht.«
Ehe er antworten konnte, ging das Gehämmere wieder los, diesmal an meiner Tür. Vor Angst stockte mir der Atem, mein Brustkorb krampfte sich zusammen, denn ich kannte die Sorte Burschen, die dort draußen waren. Arm. Hartgesotten. Brutal.
Im gleichen Augenblick drängte Dylan mich wieder gegen die Wand und presste mir die Hand auf den Mund, ich konnte mich nicht rühren. Diesmal wehrte ich mich nicht, sondern hielt still und gab keinen Mucks von mir. Seine Nähe jagte mir ein Kribbeln durchs Rückgrat. So nah kamen mir praktisch Fremde nur selten.
»Mach die verdammte Tür auf«, brüllte draußen eine Männerstimme, »sonst trete ich sie ein.«
»Vielleicht sollte ich aufmachen und ihnen sagen, dass du nicht hier bist«, flüsterte ich unter Dylans Hand.
Er sah zu mir herunter, vermutlich spürte er die Bewegung meiner Lippen an seiner Haut. Legte den Kopf schief, als fände er das Gefühl irgendwie interessant, dann sagte er: »Nein, dann kommen sie rein und schlagen hier alles kurz und klein.«
Angespannt stieß ich die Luft aus. Er hatte recht. Und das konnte ich Yvonne nicht antun. Ich durfte nicht zulassen, dass sie nach ihrer Schicht in der Bar eine völlig demolierte Wohnung vorfand.
Wieder hämmerte jemand gegen die Tür. Als am Fenster ein Gesicht auftauchte, zuckte ich zusammen, aber zum Glück verbargen uns Yvonnes Gardinen. »Da drinnen ist er nicht«, sagte jemand. »Wahrscheinlich ist er zu den Willows rübergerannt.«
Die Willows waren ein abbruchreifer Wohnblock, ungefähr fünf Minuten entfernt. Wer sich besaufen oder Drogen einwerfen wollte, ging dorthin. Wer obdachlos war, fand dort einen Schlafplatz.
»Na los«, sagte die erste Stimme, und der Typ, der durchs Fenster hereinsah, verschwand.
Dylan ließ mich los, durchquerte mit drei Schritten das Zimmer und spähte zwischen den Vorhängen hindurch nach draußen. »Sie sind weg«, sagte er und atmete auf, vor Erleichterung sanken seine Schultern herab.
»Na, dann solltest du jetzt auch besser gehen«, sagte ich, plötzlich wieder auf der Hut. Es machte mich nervös, dass ein fremder Junge, mit dem ich noch nie zuvor ein Wort gewechselt hatte, mitten in unserer Wohnung stand. Wobei Junge nicht ganz das richtige Wort war. Dylan war vermutlich etwa ein Jahr älter als ich, ungefähr achtzehn, hatte aber die Statur eines erwachsenen Mannes. Schon bald würden seine Schultern sogar noch breiter werden, das Gesicht markanter. Er würde ein echter Hingucker werden, da war ich sicher.
Er drehte sich wieder zu mir um und starrte mich an, eine Braue hochgezogen. Eine ganze Weile rührte er sich nicht, dann ließ er den Blick durchs Wohnzimmer schweifen. Seine Anspannung wich so etwas wie Freundlichkeit oder vielleicht auch Belustigung. »Großer New-York-Fan, hm?«, fragte er trocken angesichts all der Poster und Souvenirs.
Ich räusperte mich. »Ich nicht, aber meine Tante Yvonne. Seit sie Harry und Sally gesehen hat, ist sie von der Stadt ganz besessen. Sie spart darauf, in ein paar Jahren nach New York umzuziehen.«
Dylans Mund verzog sich nachdenklich. Es stand ihm. »Und was ist mit dir?«
»Was soll mit mir sein?«
»Gehst du dann mit?«
Ich zuckte mit den Schultern. »Ich glaube nicht. Nein, wahrscheinlich nicht. Meine Grandma wohnt in diesem Seniorenwohnheim drüben in Broadstone. Wir sind alles, was sie noch hat. Ich könnte sie nicht einfach alleinlassen.«
Dylan dachte eine Weile darüber nach. Der Blick seiner dunklen Augen wurde sanfter. Dann ging er auf die Tür zu. »Danke, dass ich mich hier verstecken durfte.« Er warf einen raschen Blick hinaus, um zu sehen, ob die Luft rein war.
»Na klar«, sagte ich, weil mir nicht einfiel, was ich sonst sagen sollte.
Er warf mir einen letzten Blick zu. »Ich schulde dir was. Man sieht sich, Evelyn.« Und im nächsten Moment war er fort.
»Tut mir ja leid, aber für eine Nacht mit Jared würde ich meine eigene Mutter verkaufen, das steht mal fest«, sagte Sam am Montag auf dem Weg zur Englischstunde.
»Meinst du 30 Seconds to Mars-Jared-Leto oder Jordan-Catalano-Jared?«, fragte ich. »Das sind nämlich zwei total unterschiedliche Hausnummern.«
»30 Seconds natürlich. Du weißt doch, einem Mann mit Eyeliner kann ich nicht widerstehen.« Er...




