Cosway | Hearts of Fire - Für dich entflammt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 02, 450 Seiten

Reihe: Hearts-Reihe

Cosway Hearts of Fire - Für dich entflammt


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7363-0139-9
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 02, 450 Seiten

Reihe: Hearts-Reihe

ISBN: 978-3-7363-0139-9
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Seitdem Jack McCabe als kleiner Junge mit ansehen musste, wie das Haus seiner Eltern niederbrannte und seine Familie von einem Tag auf den anderen ausgelöscht wurde, bestimmt das Feuer sein Leben. Jeden Abend nimmt er im großen Spiegelzelt des legendären Zirkus Spektakulär erneut den Kampf gegen das Element auf, das ihm alles genommen hat, was ihm wichtig war - bis die junge Künstlerin Lille Baker zum Zirkus stößt. In ihren Armen erfährt Jack das erste Mal in seinem Leben, dass es ein loderndes Feuer gibt, das Wärme statt Schmerz für ihn bereithält - und dass es in der Welt jenseits des Zirkus' Menschen gibt, die Jack seit vielen Jahren verzweifelt vermissen ... (ca. 450 Seiten)



L. H. Cosway lebt in Dublin und hat fast jedes Fach studiert, das es unter den Geisteswissenschaften zu finden gab. Die beste Inspiration zum Schreiben zieht sie aber aus Musik und den vielen unperfekten Persönlichkeiten, die ihren Weg kreuzen - denn die erzählen einfach die besten Geschichten!

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1


Auf einem Hügel trafen sich Jack und Lille

Ich hatte eine Liste.

Ich versuchte, einen der Punkte abzuhaken, aber Shay zu überzeugen, mir dabei zu helfen, war gar nicht so einfach. In der kleinen Stadt in der Grafschaft Wexford, in der ich lebte, gab es nur ein Tattoo-Studio, und Shay Osgrove war der Besitzer und Betreiber. Er war einige Jahre älter als ich, und ich war ein klein wenig in ihn verknallt, aber das tut jetzt gerade nichts zur Sache.

Denn gerade versuchte ich ihn davon zu überzeugen, mich zu tätowieren, und er hielt gar nichts davon.

»Es tut mir leid, Lille«, sagte er, die über und über tätowierten, muskulösen Arme vor der Brust verschränkt, und betrachtete mich gelassen, »aber wenn ich dich mit Tinte in Berührung bringe, wird deine Mutter meine Eingeweide als Strumpfbänder verwenden, und mich mit Miranda Baker anzulegen ist eindeutig nichts, wovon ich schon mein Leben lang geträumt habe.«

»Aber von einem Tattoo träume ich schon mein ganzes Leben, und ich verehre deine Arbeit, und ich will nicht den ganzen weiten Weg in die Stadt fahren, um es dort machen zu lassen, und …«

Er schnitt mir das Wort ab, indem er mir zwei Finger auf die Lippen legte. Ich schluckte und blinzelte und vergaß kurz alles, was ich hatte sagen wollen, weil ich, wie ich bereits erwähnte, in ihn verknallt war und seine Finger meine Lippen berührten.

Schluck.

Meine Augen wurden groß und rund, mein Atem beschleunigte sich. Mit wissendem Schmunzeln nahm Shay die Hand von meinem Mund. Selbstgefälliger Scheißkerl. Leider war ihm meine Verknalltheit nur allzu bewusst, aber er fand mich ungefähr so anziehend wie ein flaches, lebloses Stück Pappe. Alle Mädchen des Städtchens fantasierten von Shay, aber er gab sich nur mit schlagfertigen heißen Schnitten ab, die ganz sicher allesamt Granaten im Bett waren.

Ich hingegen war weder schlagfertig noch heiß, und meine Klamotten waren so nullachtfünfzehn, wie man es sich nur vorstellen kann (danke, Mama) – ergo: nicht sexy.

Ich war ein Mädchen vom Typ Künstlerin mit dem Kopf in den Wolken, und es galt nicht als cool, sich mit mir sehen zu lassen. Tatsächlich galt es sogar als das genaue Gegenteil.

Aber ich hatte eine Künstlerseele, so wie er, also dachte ich, auf unserer gemeinsamen Liebe für Leinwand und Farben ließe sich vielleicht eine Art Beziehung aufbauen. Nur klappte es leider nicht. Bestenfalls tolerierte Shay mich. Schlimmstenfalls wünschte er sich, dass ich abhaute und damit aufhörte, ihn mit meinen Fragen über Tattoos zu belästigen.

Wie funktioniert die Tätowiermaschine?

Welche Tinte verwendest du?

Wie häufig kommen Hautentzündungen vor?

Kann ich die Tätowiermaschine mal ausprobieren?

Was ist das Schrägste, das du mal jemandem gestochen hast?

Ja, na gut, ich stelle gern Fragen. An den meisten Nachmittagen habe ich irgendeinen Vorwand gefunden, um beim Salon vorbeizuschauen und seine Zeichnungen zu bewundern, die überall an den Wänden hingen. Ich wollte ihm auch meine eigenen Sachen zeigen, aber er hatte kein Interesse.

Shay hatte eine Vorliebe für düstere Kunst, zum Beispiel Giger und Kalmakov.

Ich hatte eine Vorliebe für Pop Art, zum Beispiel Warhol und Lichtenstein. Ich mochte Farben.

Wie auch immer, zurück zu meiner Liste. Bisher gab es nur zehn Punkte, und einer davon war ein Tattoo. Ich hatte es selbst entworfen: Es war ein Heißluftballon voll bunter Farbkleckse. Ich wollte zuallererst das Tattoo, weil es bei den meisten anderen Punkten auf meiner Liste darum ging, ein Abenteuer zu erleben und mich zu befreien. Nichts symbolisierte in meinen Augen ein Abenteuer besser als ein Heißluftballon.

Wo trägt er dich hin?

Was tust du, wenn du dort ankommst?

Wen wirst du dort kennenlernen?

Dass Flüge mit einem Heißluftballon manchmal gewaltig schiefgingen, ließ mir das Symbol umso überzeugender erscheinen. Schließlich ergibt ein Abenteuer überhaupt keinen Sinn, wenn die Sicherheit jederzeit gewährleistet ist. Der entscheidende Faktor ist das Unbekannte, die Gefahr.

Ich sehnte mich mehr danach als nach irgendetwas anderem.

Shay war wieder an seinen Zeichentisch zurückgegangen, wandte mir den Rücken zu und sagte: »Ich steche dir das Tattoo nicht, Lille, also kannst du genauso gut gehen.«

Ich schluckte den Klumpen in meiner Kehle hinunter und machte mich auf den Weg zur Tür. Doch statt hinauszugehen, drehte ich mich auf der Schwelle um und sagte: »Wenn du Angst vor jemandem hast, der so lächerlich ist wie meine Mutter, dann tust du wohl deshalb so viel für all diese Muskeln: Du bist ein gewaltiges Weichei, Shay Cosgrove.«

Ich klang wie ein bockiges Kind. Außerdem war es ziemlich scheinheilig, denn wenn irgendwer Angst vor meiner Mutter hatte, dann ich. Trotzdem war es mir ein Bedürfnis, Shay zusammenzustauchen. Er hielt sich für so hip und cool, dabei war er nur ein aufgeblasenes Kleinstadt-Arschloch.

Wow, ich schätze, meine Verknalltheit hatte sich wohl erledigt. Feigheit ist ein überraschend wirksamer Abtörner.

»Lille«, sagte er gereizt, aber ich verzog mich, ehe er das letzte Wort für sich verbuchen konnte. Ich musste sowieso zur Arbeit. Verärgert vor mich hinmurmelnd, kämpfte ich mich die Steigung hinauf zum Restaurant auf dem Hügel. Überall in dieser Stadt geht man entweder bergauf oder bergab. Als hätte sich, wer immer die Stadt auch erbaut hatte, auf Kosten aller zukünftigen Einwohner einen hübschen kleinen Scherz erlaubt.

In diesem Sommer arbeitete ich während der Semesterferien – ich studierte auf mütterliches Geheiß Betriebswirtschaft – auf Teilzeitbasis in einem kleinen Restaurant in der Stadt. Heute hatte ich die Sonntagnachmittagschicht, und im Laden würden sich die Familien nur so stapeln. Es war meine Lieblingsschicht, weil mein Boss Nelly mich die Kinder schminken ließ, während sich die Eltern ihrem Essen widmeten.

An normalen Tagen war ich Kellnerin, aber an Sonntagen war ich als Künstlerin gefordert. Na ja, so weit es eben zählt, wenn man kleine Jungs in Spiderman verwandelt und kleine Mädchen in Feen. Besonders gut gefiel es mir, wenn die Mädchen Spiderman sein wollten und die Jungs Feen.

Ich war immer dafür zu haben, mit den Konventionen zu brechen.

Und ich liebte Kinder. Tatsächlich fühlte ich mich viel wohler im Gespräch mit Fünfjährigen als mit Erwachsenen. Erwachsene sagen das eine und meinen in Wirklichkeit etwas vollkommen anderes. Verwirrend.

Mit den meisten Leuten komme ich nicht gerade auf Anhieb gut klar. Meine Neugier und die endlose Fragerei schlagen andere oft in die Flucht. Mum sagte, ich wirke viel zu eifrig, und ich solle daran arbeiten, zurückhaltender und unnahbarer zu wirken, was immer das auch heißen soll. Darüber dachte ich nach, als ich das Restaurant betrat und meine Schminkfarben auf einem leeren Tisch in der Nähe der Tür aufbaute. Lächelnd hörte ich, wie einige Mädchen bei meinem Anblick entzückt aufquiekten. Hier in der Gegend war ich dafür bekannt, dass ich Kindergesichter bemalte, und die Kleinen waren schwer von mir begeistert.

Zur Begrüßung winkte ich Nelly zu, die am Tresen stand, dann ließ ich den Blick über die Restaurantgäste schweifen. Die, die regelmäßig kamen, kannte ich alle, aber zwei Tische weiter saßen eine alte Frau und ein junger Mann, die ich erst vor ein paar Tagen zum ersten Mal hier gesehen hatte. Seitdem kamen sie jeden Tag, und sie waren mir vor allem deshalb aufgefallen, weil das Haar der Frau, die sicher schon in ihren Sechzigern war, leuchtend rot war wie eine Dose Coca-Cola. Außerdem baumelten an ihrem Hals an die hundert Ketten.

Der Mann hatte langes, welliges braunes Haar und braune Augen. Seine Haut war gebräunt, und er trug ein ramponiertes altes T-Shirt. Sein ebenfalls ramponierter brauner Filzhut lag vor ihm auf dem Tisch. Ein bisschen erinnerte er mich an einen sexy Zigeuner, allerdings weniger wie aus der Show My Big Fat Gypsy Wedding, sondern eher wie Johnny Depp in Chocolat. Er war hochgewachsen und so muskulös, dass Shays Muskeln im Vergleich aussahen wie Babyspeck. Außerdem trug er seine Haare zu einem wirren Knoten zurückgebunden. Ich hätte für einen Haarknoten bei Männern sterben mögen. Schon immer.

Mit anderen Worten: Er war echt heiß, und ich starrte ihn an. Schon in der vergangenen Woche hatte ich ihn ständig angestarrt, aber nie hatte ich ihn dabei erwischt, wie er mich anstarrte (zu meiner großen Enttäuschung). Die Frau, mit der er am Tisch saß, fing meinen Blick auf und zwinkerte mir verschmitzt zu. In mich hineinlächelnd, schaute ich weg. Eine ganze Reihe Kinder hatte sich angestellt, um sich schminken zu lassen, also versuchte ich, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren statt auf das seltsame Paar zwei Tische weiter.

Als ich mir kurze Zeit später ein Glas Wasser holen wollte, nahm Nelly mich beiseite und fragte: »Siehst du die beiden da drüben?«

Ich nickte.

»Sie sind vom Zirkus, von dem, der gerade vor der Stadt die Zelte aufgeschlagen hat. Ich glaube, die Frau ist die Eigentümerin. Sieht wie ein ziemlich schräger Vogel aus.«

Ich nahm die Information mit einem weiteren Nicken zur Kenntnis. Dass ein Zirkus in der Stadt war, wusste ich nur zu genau. Heute war die letzte Vorstellung, bevor er weiterziehen würde, und ich hatte ein bisschen Geld gespart, um hinzugehen. All die Möglichkeiten überschwemmten meinen Verstand. Ich wollte Clowns sehen, Elefanten, Löwen und Akrobaten. Ich wollte alles sehen....


Cosway, L. H.
L. H. Cosway lebt in Dublin und hat fast jedes Fach studiert, das es unter den Geisteswissenschaften zu finden gab. Die beste Inspiration zum Schreiben zieht sie aber aus Musik und den vielen unperfekten Persönlichkeiten, die ihren Weg kreuzen - denn die erzählen einfach die besten Geschichten!

L. H. Cosway lebt in Dublin und hat fast jedes Fach studiert, das es unter den Geisteswissenschaften zu finden gab. Die beste Inspiration zum Schreiben zieht sie aber aus Musik und den vielen unperfekten Persönlichkeiten, die ihren Weg kreuzen - denn die erzählen einfach die besten Geschichten!



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