Cotton | Jerry Cotton 3327 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3327, 64 Seiten

Reihe: Jerry Cotton

Cotton Jerry Cotton 3327

Man stirbt nur einmal
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-1237-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Man stirbt nur einmal

E-Book, Deutsch, Band 3327, 64 Seiten

Reihe: Jerry Cotton

ISBN: 978-3-7517-1237-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wir kehrten gerade von einem Einsatz zurück, als wir über Polizeifunk von einer Auseinandersetzung mit Schusswaffengebrauch in unserer Nähe hörten. Spontan beschlossen wir einzugreifen. Am Ort des Geschehens fanden wir vier Verletzte vor, einer davon hatte eine Kugel in der Brust und kämpfte um sein Leben - und bemerkten, wie ein weiterer Mann bei unserem Auftauchen floh. Während Phil bei den Verletzten blieb und Ambulanz und Cops verständigte, verfolgte ich den Flüchtigen, der mich um ein Haar erwischte. Kurz darauf erfuhren wir, dass der Mann vom MI6 war und die CIA von dem Einsatz wusste. Doch das blieb nicht die einzige Überraschung in diesem undurchschaubaren Fall!

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Man stirbt nur einmal

Der Geruch nach Rauch und Schweiß in einem Casino um drei Uhr morgens kann außerordentlich unangenehm sein. Jedenfalls, wenn es sich um ein illegales Etablissement handelt, in dem Rauchen noch erlaubt ist. In Las Vegas oder Atlantic City hätte es angenehmer gerochen, dessen war sich Tony Rogers sicher.

Wie beiläufig blickte er sich in dem großzügig geschnittenen, luxuriösen Raum um, der sich in einem ansonsten unauffälligen Gebäude in Brooklyn befand. Roulettetische wechselten mit solchen ab, an denen Frauen und Männer in Abendgarderobe ihr ehrlich und unehrlich erarbeitetes Geld bei Poker und Baccara verspielten, denn eines war auch in diesem Casino gewiss: Die Bank gewann immer.

Und die Bank hier gehörte Alfredo »Chubby« Cavolfiore, der es gewohnt war, immer und überall zu gewinnen. Weshalb er seinen kräftig gebauten Sicherheitsleuten einen kleinen, nur Tony auffallenden Wink gab, sich den dunkelhaarigen, schlanken Mann im Smoking zu schnappen.

Tony stellte das Glas Gin Tonic, an dem er kaum genippt hatte, auf das Tablett einer Bedienung im kleinen Schwarzen, bevor er auf den Ausgang zuhielt. Als Cavolfiores Leute ihn wenig später in einer Gasse unweit des Casinos in die Enge trieben und einer der Sicherheitsleute seine Pistole hob, lächelte Tony schmal.

»Ah«, sagte er, »wie ich sehe, gehen wir All-in.«

Es war mitten in der Nacht. Phil und ich befanden uns unweit des Brooklyn Navy Yard, als uns die aus dem Funkgerät unseres Ford Interceptor Stealth kommende Stimme aus der FBI-Notrufleitstelle aufhorchen ließ.

»Das NYPD meldet eine Auseinandersetzung mit Schusswaffengebrauch. Offenbar ist eine größere Anzahl von Personen daran beteiligt. Alle verfügbaren Einheiten sofort in die Carlton Avenue zwischen Flushing und Park Avenue in Brooklyn.«

»Eine größere Anzahl ...«, sagte Phil gedehnt. »Klingt, als könnten die Jungs vom NYPD jede Hilfe brauchen, die sie kriegen können.«

Er warf einen Blick auf unser Navi.

»Lass mich raten«, meinte ich, »die Carlton Avenue ist direkt um die Ecke, oder?«

Da ich unseren Dienstwagen aus der Fahrbereitschaft gerade die eben genannte Park Avenue entlang steuerte, musste ich kein Raketenwissenschaftler sein, um mir seine Antwort ausrechnen zu können. Eigentlich hatte ich vorgehabt, die nächstbeste Auffahrt auf den Brooklyn Queens Expressway zu nehmen, damit wir über die Brooklyn Bridge nach Manhattan zurückkehren und endlich Feierabend machen konnten. Phils simples »Ja« machte mir jedoch einen Strich durch die Rechnung.

»Nimm die dritte Straße rechts«, sagte Phil.

»Wie Sie wünschen, Miss Daisy.«

Ich gab Gas, und der Wagen jagte die dank der späten Stunde nur spärlich befahrene Park Avenue hinunter. Mit quietschenden Reifen schoss ich um die Ecke auf die wie ausgestorben daliegende Carlton Avenue. Entlang der Straße lag eine Reihe kleiner Gewerbebetriebe. Am nördlichen Ende konnte ich das wesentlich größere Gebäude eines Mietlagers ausmachen.

»Sie haben Ihr Ziel erreicht«, verkündete die freundliche weibliche Stimme unseres Navis.

»Die muss sich irren«, knurrte Phil. »Ich kann mein Bett hier nirgendwo entdecken.«

Ich trat auf die Bremse, wir stießen unsere Türen auf und sprangen aus dem Wagen. Aufmerksam sahen wir uns um, während wir gleichzeitig in die Nacht lauschten.

Auf den ersten Blick bemerkten wir nichts Ungewöhnliches. Von der Park im Süden und der Flushing im Norden drang nur das Rauschen des nächtlichen Verkehrs an unsere Ohren. Einsatzfahrzeuge des NYPD konnten wir weder sehen noch hören. Vermutlich waren sie noch unterwegs. Für den Moment waren wir auf uns allein gestellt.

Phil und ich warfen uns einen fragenden Blick zu. Ich zuckte mit den Schultern.

»Wäre gut, wenn noch mal jemand schießen würde, damit wir ...«, begann Phil, als unvermittelt Geräusche aus der uns am nächsten gelegenen schmalen Gasse zwischen zwei Betrieben drangen.

Wir waren lange genug in unserem Job, um sofort zu erkennen, dass es sich um die Geräusche eines Kampfes handelte.

Eines ausgesprochen hitzigen Kampfes.

Ein gedämpfter Schrei ertönte.

Ohne ein weiteres Wort rannten wir mit gezogenen Waffen in die entsprechende Richtung. Kurz vor der Einmündung zur Gasse verlangsamten wir unsere Schritte. Phil drückte sich an die Hauswand, während ich zur gegenüberliegende Seite des schmalen Durchgangs weitereilte. Uns gegenseitig sichernd, sondierten wir die Lage.

Für den Moment zumindest bestand keine Gefahr. Wenigstens machten die vier Gestalten, die ein paar Yards die Gasse hinunter im Lichtkegel einer schwachen Lampe auf dem Boden lagen, nicht den Eindruck, als interessierte sie etwas anderes als die Schmerzen, die sie gerade litten.

Langsam drangen Phil und ich in die Gasse vor. Drei der Verletzten wanden sich am Boden, der vierte Mann gab kaum mehr als ein Stöhnen von sich und lag ansonsten reglos da. Blut sickerte aus einer Schusswunde in seinem Oberkörper. Ein anderer Mann blutete aus einer Wunde im Bein.

»Waffe!«, stieß ich warnend hervor und trat eine Glock, die neben dem Schwerverletzten auf dem Asphalt ruhte, aus dessen Reichweite.

Phil tat das Gleiche mit einer weiteren Pistole. Mit geübten Griffen filzten wir die vier Männer, die sich kaum um uns scherten, und förderten zwei weitere Schusswaffen zutage. Offensichtlich war es keinem ihrer Träger mehr gelungen, diese zu ziehen, bevor sie ausgeschaltet worden waren.

Vorsichtig sahen wir uns um. Nicht weit von uns entfernt ging hinter den Verletzten ein weiteres Gässchen nach links ab. Viel war nicht zu erkennen, denn dieser Durchgang zwischen den Gebäuden lag in tiefer Dunkelheit.

Phil nickte mir zu. Ich huschte an den Verletzten vorbei und schob den Kopf langsam aus der Deckung in die zweite Gasse hinaus. Meine Augen versuchten, in der vor mir liegenden Schwärze etwas zu entdecken, aber alles, was ich erkennen konnte, waren ein paar Müllcontainer und – noch mehr Schwärze.

Und eine Bewegung. Plötzlich und unvermutet. Fast wäre sie mir entgangen.

»Stehen bleiben, FBI!«, rief ich, doch wer immer dort im Dunkel vor mir steckte, reagierte auf beinahe klassische Weise.

Er rannte davon.

Warum taten sie das immer?

Ich stieß einen leisen Fluch aus und wandte mich zu Phil um.

»Kommst du alleine klar?«

»Kein Problem«, erwiderte mein Partner, »ich habe die Jungs im Griff. Außerdem kommen die Kollegen sicher bald.«

Wie aufs Stichwort erklang in der Ferne endlich das Heulen von Sirenen, das sich zügig näherte.

»Okay«, rief ich Phil zu.

Dann nahm ich die Verfolgung auf.

Während ich das Gässchen entlangstürzte, konnte ich zunächst kaum die Hand vor Augen sehen. Aber langsam gewöhnte ich mich an die mich umgebende Dunkelheit. So weit, dass ich schon bald den Umriss des Flüchtigen vor mir erkennen konnte. Aus der Art, wie er lief, schloss ich, dass es sich um einen Mann handelte. Blieb mir nur zu hoffen, dass er allein war und ich mich nicht wie ein blutiger Anfänger in eine Falle locken ließ. Allerdings hielt ich das für unwahrscheinlich, denn es stellte sich die berechtigte Frage, was ihm ein Hinterhalt für Vorteile eingebracht hätte. Davonzurennen war in seiner Situation eindeutig die bessere Option.

Das Gässchen machte einen Knick, dann einen weiteren. Licht, das sich von einem größeren, vor uns liegenden Hof ergoss, verscheuchte die Dunkelheit und warf lange Schatten in meinen Weg. Der Flüchtende, der einen ziemlichen Vorsprung hatte, hob sich als harte Silhouette gegen das helle Rechteck des Gassenendes ab.

Ich lief schneller, holte auf.

Der andere erreichte den Hof, schwenkte nach links und verschwand aus meinem Blickfeld. Obwohl ich keine Waffe in seiner Hand gesehen hatte, verlangsamte ich meine Schritte wieder und riskierte einen Blick um die Ecke, bevor ich ihm ins Freie folgte. Wenn man es vermeiden konnte, sollte man nie in eine mögliche Kugel hineinlaufen.

Die Luft war rein. Der Mann rannte noch immer.

Wie ich feststellte, befanden wir uns auf dem Parkplatz und Verladehof des großen Mietlagers. Eine Treppe und ein paar Rampen führten in das vor mir liegende Gebäude. Rechts erhob sich eine hohe Mauer, links begrenzte ein Maschendrahtzaun mit einem breiten Tor, das geschlossen war, das Gelände. Das sollte den Flüchtenden, der genau darauf zuhielt, ein wenig aufhalten.

Ich bog um die Ecke und rannte weiter.

Mit einem gewagten Sprung, der ihn fast zur Hälfte am Tor emportrug, warf sich der Mann in den Maschendraht. Der Zaun vibrierte sichtbar und ein lautes metallisches Klirren erfüllte die Luft.

Die Sirenen von mindestens zwei Streifenwagen kamen näher, durchschnitten die Nacht mit ihrem Heulen, doch sie erklangen vom anderen, weiter entfernten Ende der Carlton Avenue, dort, wo Phil und ich unseren Wagen verlassen hatten. Wenn nicht ein Wunder geschah, würde ich so bald keine Unterstützung erhalten.

In atemberaubender Geschwindigkeit überwand der Flüchtende das Hindernis, ließ sich fallen und landete wie eine...



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