E-Book, Deutsch, 448 Seiten
Coulthurst Eine Krone aus Feuer und Sternen
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-641-21253-7
Verlag: cbt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 448 Seiten
ISBN: 978-3-641-21253-7
Verlag: cbt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Freiheit? Für Prinzessin Denna ein Fremdwort. Von klein auf ist klar, dass sie den Prinzen von Mynaria heiraten wird, um den Frieden ihres Volks zu sichern, auch wenn sie in Mynaria ihre bei Todesstrafe verbotene Feuermagie verbergen muss. Die Schwester des Prinzen, Mara, kann über ihr Leben ebenso wenig verfügen wie Denna, doch Freiheit bedeutet ihr alles. Gegensätze ziehen sich an, und irgendwann geraten im Intrigennetz am Hof die Gefühle der zwei Prinzessinnen und Dennas Magie außer Kontrolle …
Audrey Coulthurst hat an der Portland State University Literarisches Schreiben studiert und schreibt Jugendromane, in denen es um Magie und Pferde geht und darum, manchmal die Falschen zu küssen. Eine Krone aus Feuer und Sternen ist ihr Debütroman, sie hat inzwischen zwei weitere Bücher geschrieben. Wenn sie sich nicht gerade neue Stoffe ausdenkt, malt sie, singt oder befindet sich auf dem Rücken eines Pferdes. Sie lebt in Santa Monica in Kalifornien.
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1
Dennaleia
An dem Tag, an dem ich nach Mynaria kam, um meinen zukünftigen Gemahl kennenzulernen, lastete die Hitze des Sommers schwer auf dem Königreich. Meine Kutsche holperte über Pflastersteine auf die im Westen der Stadt gelegene Burg zu, und ich hätte nicht sagen können, was mir das Atmen mehr erschwerte, meine Nervosität oder das enge Korsett meines Kleides. Die Straßen waren gesäumt von jubelnden Bürgern, die bunte Stoffstücke schwenkten. Ihr Geschrei dröhnte mir noch in den Ohren, lange nachdem meine Zofe und mein Gefolge sich am Tor von mir getrennt hatten und meine einsame Kutsche im innersten Burghof zum Stehen kam.
»Mögen die Sechs mir beistehen«, sprach ich mir im Flüsterton Mut zu, während ein Diener die mit Samt ausgekleidete Tür öffnete.
Ich trat auf die hellen Steinplatten und wurde von einem Reiterspalier in vollem Harnisch begrüßt. Die Rüstungen der Pferde glänzten in der Sonne und an den Zügeln flatterten kunstvoll bestickte Seidenbänder. Über ihnen wehten farbenfrohe Banner an den Zinnen, pflaumenblaue für meine Heimat im Wechsel mit dunkelblauen für Mynaria. Hinter dem Torhaus ragte die Burg empor, ein wuchtiges Gebäude mit quadratischen, dem Himmel zustrebenden Türmen. Ohne die gewundenen Turmspitzen, die den Palast, in dem ich aufgewachsen war, krönten, sahen sie so kahl und fremd aus, dass mir vor Heimweh ein dicker Kloß im Hals schwoll.
Ich wollte gerade einen Schritt vortreten, als eine rotbraune Stute ihren Kopf zur Seite warf und mit den Hinterbeinen nach dem Pferd neben ihr ausschlug. Eine Wellenbewegung von gespitzten Ohren und unruhig scharrenden Hufen ging durch die Reihe. Auf der Stute saß mit einem strahlenden Willkommenslächeln der Prinz. Mein Magen flatterte vor Aufregung.
»Ruhig!«, raunte die Person auf dem Fuchs neben ihm.
Ich unterdrückte den Reflex, vor den Pferden zurückzuweichen, und setzte stattdessen ein selbstbewusstes Lächeln auf. Dann straffte ich die Schultern, um trotz meiner bescheidenen Körpergröße möglichst imponierend zu wirken. Der erste Eindruck, den sie von mir gewannen, sollte selbstsicher und würdevoll sein, nicht ängstlich und unterwürfig. Alisendi hätte an meiner Stelle schon längst die Burg erobert und den halben Hofstaat für sich eingenommen. Im Vergleich zu ihr war ich eine eher bescheidene Partie.
»Ihre Königliche Hoheit, Prinzessin Dennaleia von Havemont!«, verkündete ein Herold. Die Reiter saßen gleichzeitig ab und verbeugten sich. Ich antwortete mit einem Knicks. Dann übergab der Prinz seine Zügel dem Reiter des Fuchses und trat vor. Die Porträts, die ich zu Hause von ihm gesehen hatte, wurden ihm nicht gerecht. Jede einzelne Naht seines Wamses war seiner stattlichen Figur perfekt angepasst. Das blonde Haar, das gerade so lang war, dass es sich hinter den Ohren lockte, glänzte in der Sonne, und seine Augen leuchteten im Blau des wolkenlosen Himmels.
Ich wartete darauf, etwas zu fühlen, auf einen Funken, der sich beim Anblick seiner breiten Schultern und markanten Gesichtszüge in meiner Brust entzündete. Unsere Vermählung stand schon seit Jahren unwiderruflich fest, aber im tiefsten Innern hoffte ich dennoch, wir könnten uns ineinander verlieben.
Nichts geschah und meine Zuversicht geriet ins Wanken.
»Willkommen in Lyrra, der Residenz von Mynaria, Eure Hoheit«, sagte der Prinz und verbeugte sich erneut. »Ich bin Prinz Thandilimon, im Dienste der Krone und der Sechs.«
Ich knickste förmlich. Ein Mann in der Robe eines Hofmeisters trat neben ihn. Die beiden hatten dieselbe gerade Nase und dieselbe helle Haut. Das Haar des Hofmeisters war allerdings mehr silbergrau als blond. Er musste der Bruder des Königs sein.
»Lord Casmiel, Hofmeister der Krone«, stellte er sich mit einem breiten Lächeln vor. Er nahm meine Hand und küsste sie auf die altmodische Weise, so wie mein Vater es manchmal tat. Die vertraute Geste tröstete mich. Ich hatte meinen Knicks noch nicht beendet, da schnappte die Stute des Prinzen plötzlich nach dem Ärmel des Mädchens, das sie an den Zügeln hielt.
»Ganz ruhig!«, rief das Mädchen und stieß die Nase des Pferdes mit dem Ellbogen zur Seite. Die Stute legte die Ohren an, schlug mit den Hinterbeinen aus und traf den Fuchs mit einem kräftigen Tritt.
Chaos brach aus. Der große Fuchs scheute, wich vor den anderen Pferden zurück und kam über die Steinplatten direkt auf mich zugaloppiert. Unter den eisenbeschlagenen Hufen sprühten die Funken. Die Panik weckte meine magischen Kräfte und ich fürchtete wie nie zuvor in meinem Leben um meine Selbstkontrolle. Trotz meines Versuchs, dem Pferd auszuweichen, rammte es mich an der Schulter. Ich schlug der Länge nach auf den Rücken und es presste mir sämtliche Luft aus den Lungen.
»Fangt ihn!«, rief eine Stimme.
Stiefel trampelten an mir vorüber, Zügel baumelten in der Luft, und während ich am Boden lag und nach Luft rang, waren alle damit beschäftigt, ihre Pferde zu beruhigen oder das Durcheinander wieder in den Griff zu bekommen.
Jemand kniete sich neben mich und schob mir sanft die Hand unter die Rippen. Ich hob den Kopf und sah in ein graues Augenpaar mit langen Wimpern. Zu meiner Überraschung gehörte es dem Mädchen, das das Pferd gehalten hatte, welches mich umgerannt hatte. Auf seiner Nase waren ein paar feine Sommersprossen zu erkennen und das kastanienbraune Haar bildete einen starken Kontrast zu seiner dunkelblauen Livree.
»Es ist alles in Ordnung«, sagte sie. »Versucht Euch zu entspannen. Benutzt diesen Muskel hier, um Luft zu holen.«
Der Klang ihrer Stimme beruhigte mich. Langsam lösten sich meine verkrampften Bauchmuskeln, und ich holte ein paarmal stockend Luft, wobei mir jeder Atemzug leichter fiel als der vorherige. Vorsichtig half sie mir auf die Beine und hielt meine Hand, bis ich wieder sicher stand. Als sie mich losließ und davonging, spürte ich die unterdrückte Magie wie feine Nadelstiche in meinen Fingern. Meine Gabe hatte sich schon früher manchmal bemerkbar gemacht, wenn ich aufgewühlt oder ängstlich war, aber noch nie so stark wie in diesem Moment. Andererseits war ich auch noch nie in einer Situation gewesen, in der sich ein so wichtiges Ereignis wie das heutige so schnell in eine Katastrophe verwandelt hatte. Ich musste Ruhe bewahren.
Das Mädchen nahm einem erschöpften Diener, der den Fuchs auf Armeslänge von sich hielt, die Zügel aus der Hand. Das Pferd gähnte, als wäre es zu Tode gelangweilt.
Plötzlich stürmte der Prinz an mir vorbei und blieb unmittelbar vor dem Mädchen stehen.
»Bring dieses dreckige Merzvieh sofort von hier weg«, fuhr er sie an. Hinter seinem Rücken warfen sich seine Gefolgsleute ängstliche Blicke zu. Casmiel eilte zu ihnen und scheuchte sie zurück in die Reihe.
»Hättest du dir die Mühe gemacht, dein Pferd in die Schranken zu weisen, als es ausschlug, wäre das sicher nicht passiert«, gab das Mädchen zurück. Ihr belustigter Tonfall und der Mangel an Hochachtung erstaunten mich.
»Es ist mir egal, wessen Pferd was getan hat. Der Auftritt der Pferde bei Prinzessin Dennaleias Ankunft lag in deiner Verantwortung. Bei allen Sechs Göttern, da bittet man dich einmal um einen Gefallen und dann …«
»Ja, ja. Immer geht es nur um dich«, schnaubte sie. Sie legte ein Gebaren an den Tag, das besser zu ihrem Pferd gepasst hätte.
Das Gesicht des Prinzen lief rot an. »Du gehst ja wohl nicht davon aus, dass dein Pferd einen Ehrengast – ein künftiges Mitglied der königlichen Familie – über den Haufen rennen kann, ohne dass das Ganze ein Nachspiel hat.«
Ich legte die Hand auf die Stelle, an der mich das Mädchen berührt hatte. Sie war so schnell da gewesen, um mir zu helfen. Meine Mutter hatte immer gesagt, im Umgang mit Bediensteten bewirken freundliche Worte oft mehr als barsche. Als der Prinz den Mund öffnete, um sie erneut zurechtzuweisen, ging ich dazwischen.
»Lasst uns die Sache nicht unnötig aufbauschen«, sagte ich. »Es war nur ein kleiner Unfall.« Meine Stimme klang fest, dennoch spürte ich meine Magie in mir aufwallen. Erklären konnte ich mir das nicht. Ich schluckte schwer und sah auf den Saum meines Kleides hinunter. Ich musste mich wieder unter Kontrolle bekommen.
»Geht es Euch gut, Mylady?«, wollte Prinz Thandilimon wissen.
Doch bevor ich antworten konnte, brach die Magie unkontrolliert aus mir hervor, und eine Flamme schlug aus meinem Rocksaum.
»Eure Hoheit!«, schrie ein Diener und fiel vor meinen Füßen auf die Knie, bemüht, mit seinen behandschuhten Händen das Feuer auszuschlagen.
Ich sah ihm entsetzt zu, unfähig zu sprechen oder mich zu bewegen.
»Ich glaube, es ist aus, Eure Hoheit«, keuchte er, während er sich wieder erhob. Seine weißen Handschuhe waren schmutzig und übersät mit Brandspuren.
»Ich weiß nicht, wie das passieren konnte«, log ich, obwohl ich natürlich die Gefühle, die seit meiner Ankunft in mir tobten, dafür verantwortlich machte. Aber das tat nichts zur Sache. Ich musste in jedem Fall dafür sorgen, dass niemand die Wahrheit auch nur erahnte.
»Es war ein trockener Sommer«, bemerkte Thandilimon. »Der Funkenschlag der Hufe muss das Kleid in Brand gesetzt haben.« Er kam näher und betrachtete besorgt den verkohlten Saum.
»Nun, dieser Empfang war durchaus bewegend«, sagte ich. »Gestattet Ihr, dass mir meine Zofe beim Umkleiden hilft?«
»Selbstverständlich«, sagte er; er schien sich plötzlich wieder an sein Benehmen zu erinnern....




