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Coville | Die Einhornchroniken 1 - Das Tor zwischen den Welten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 480 Seiten

Reihe: Die Einhornchroniken

Coville Die Einhornchroniken 1 - Das Tor zwischen den Welten


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7320-0769-1
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 480 Seiten

Reihe: Die Einhornchroniken

ISBN: 978-3-7320-0769-1
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Fantasy-Reihe von Bruce Coville entführt Leserinnen ab 10 Jahren in eine märchenhafte Welt voller Magie und zauberhafter Fabelwesen. Zehn ... elf ... Angestrengt zählt Cara die Schläge der Kirchturmglocke, während sie hastig die steilen Stufen des Turms hochstürmt. Noch eine Stufe, durch die Luke und endlich steht sie im Freien! Unter sich die Straßen der Stadt - und hinter sich die Schritte eines unheimlichen Verfolgers. Was will er von ihr und ihrer Großmutter? Warum verfolgt er sie? Und soll sie tatsächlich einfach vom Turm springen, wie ihre Großmutter es ihr eingeschärft hat? ZWÖLF! Cara hat keine Zeit mehr, weiter nachzudenken - sie stößt sich vom Boden ab und lässt sich fallen ... Sie findet sich zwischen wundersamen Wesen wieder: Das junge Einhorn Lightfoot, der riesenhafte, haarige Dumbeltum und der kleine Skijum begegnen ihr bald als Freunde. Doch schnell begreift Cara, dass diesem verzauberten Ort, dem Land der Einhörner, Gefahr droht - und dass nur sie die Macht hat, das Land vor Verderben und Zerstörung zu bewahren. 'Das Tor zwischen den Welten' ist der erste Band der Einhornchroniken.

Bruce Coville wurde 1950 in Syracuse, New York, geboren. Bevor er in den USA erfolgreicher Kinderbuchautor wurde, verdiente er seinen Lebensunterhalt als Grundschullehrer. Nebenbei arbeitete er immer wieder an Kinderbüchern, teilweise gemeinsam mit seiner Frau. Bruce Coville und seine Frau haben drei Kinder, vier Katzen und einen Hund - nur ein Einhorn fehlt den beiden noch.
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Kirin

Das Gefühl zu fallen und dem Boden entgegenzustürzen war schrecklich. Aber noch bevor sich aus Caras zugeschnürter Kehle ein Schrei lösen konnte, war schon das grüne Licht da und hüllte sie ein.

Dann fiel sie auf einmal langsamer, wie in Zeitlupe. Sie fühlte sich wie in einem Traum. Cara konnte danach nicht mehr genau sagen, wie lange ihr Sturz wirklich gedauert hatte.

Die Landung kam plötzlich, war aber weich. Einen Augenblick lag Cara ruhig da, starrte in den strahlend blauen Himmel und wunderte sich, wo dieser auf einmal herkam. Dann schloss sie die Augen, um besser nachdenken zu können. Wo war ihre Großmutter? Wo der seltsame Verfolger, die Kirche, die schneebedeckte Stadt?

Wo war sie?

Sie atmete siebenmal ein und aus und versuchte, sich zu beruhigen. Da erinnerte sie sich, dass sie auf etwas Weichem gelandet war. Das musste Moos sein, so wie es sich zwischen ihren Fingern anfühlte. Moos?

Sie drehte ihren Kopf zur Seite. Tatsächlich lag sie auf einem dicken Moosteppich oder zumindest etwas sehr Ähnlichem. Ein wenig entfernt standen riesige, hell silber glänzende Bäume. So etwas hatte sie in ihrem ganzen Leben noch nicht gesehen! Sie gab bei dem Anblick einen erschrockenen Laut von sich. Obwohl sie bereits wusste, dass sie nicht mehr in ihrer Welt war, war sie geschockt, als sie den Beweis in Form dieser seltsamen Bäume vor sich sah. Allein, dass ihre Großmutter den Fall in eine andere Welt vorausgesagt hatte, half ihr in diesem Moment, ruhig zu bleiben. Wie würde sie nur wieder nach Hause kommen?

Der Gedanke überraschte sie. Denn bisher war ihr ihr »Zuhause« gar nicht so wichtig gewesen – außer Großmutter Morris natürlich. Seit ihre Eltern – Ian und Martha Hunter – sie verlassen hatten, lebte Cara mit ihrer Oma zusammen. Damals war sie drei Jahre alt gewesen und in den Jahren, die folgten, schleppte sie sich von einer Demütigung zur nächsten. In der Schule wurde sie wegen allem Möglichen gehänselt, so auch wegen ihrer roten Haare und der Tatsache, dass sie keine Eltern mehr hatte – dabei konnte sie doch gar nichts dafür! In vielen Nächten weinte sie sich in den Schlaf. Dann träumte sie, wie sie ihre Welt hinter sich ließ und in einer anderen lebte. Einer Welt, wie die in den Märchenbüchern, die sie aus Großmutters Bücherecke hervorzog – das blaue Märchenbuch, das rote Sagenbuch und noch viele andere mehr.

Cara schaute sich um. Was dies wohl für eine Welt war?

Sie fragte sich, ob sie hier im Wald auch einer alten Frau begegnen würde – so wie es in den Märchen immer geschah. Wenn ja, würde es dann eine böse Hexe oder eine gute Zauberin sein? Die Frage erinnerte sie an die letzte Anweisung, die ihr ihre Großmutter noch gegeben hatte: »Suche nach der Ältesten! Sag ihr: ›Die Wanderin ist müde‹.«

Nun gut, wenn es das war, was ihre Großmutter wollte, dann konnte diese Älteste nicht allzu böse sein – wer immer sie auch war. Aber wie sollte sie sie nur finden?

Plötzlich merkte sie, wie warm ihr war. Sie stand auf und zog ihren Wintermantel aus. Dann schälte sie sich auch noch aus dem blauen Pulli, den ihr Oma Morris zum letzten Weihnachtsfest gestrickt hatte.

»So ist es besser«, sagte sie laut, nur um ihre eigene Stimme zu hören. Cara fühlte sich tatsächlich wohler. Nicht allein, weil sie nur noch ihre Lieblingsjeans und ihr T-Shirt anhatte, sondern auch, weil die Luft hier besser war – viel reiner und klarer als die, die sie sonst so einatmete. Nach ein paar tiefen Atemzügen fühlte sie sich beinahe berauscht von der Süße, die darin lag.

»Hier bin ich!«, rief Cara übermütig.

Sofort bereute sie es. Sie hoffte zwar, dass ihre Großmutter hier Freunde hatte, die nach ihr suchen würden. Aber ihr kam auch der Gedanke, dass vielleicht noch jemand anders, der nicht so freundlich war, nach ihr suchen könnte. Ein Schaudern durchlief sie, als sie sich fragte, ob es ihrem Verfolger wohl auch möglich war, diese Welt zu betreten? Suchte er immer noch nach ihr? Sie biss sich auf die Lippe und sah sich vorsichtig nach allen Seiten um. Aber außer einem sanften Windhauch, der durch die Blätter der Bäume fuhr, bewegte sich nichts. Cara hoffte, einen Pfad, ein Zeichen, irgendetwas zu entdecken, das ihr zeigen könnte, wohin sie gehen sollte. Nichts.

Ihre Angst begann sich wieder zu regen. Sie fürchtete sich jedoch nicht nur davor, sich zu verirren, sondern auch vor allem, was in dieser Nacht geschehen war. Oder war es an diesem Tag? Denn als sie vom Kirchturm sprang, war es dunkel gewesen, jetzt war es taghell. Ein Teil von Cara wollte glauben, dass alles nur ein Traum war. Dass sie gleich aufwachen würde, eingekuschelt in ihrem Bett, in ihrer vertrauten, wenn auch unliebsamen Welt. Doch ein anderer Teil von ihr bebte vor Freude, weil sie tief in ihrem Herzen wusste, dass sie nicht träumte.

Voller Staunen betrachtete sie diese neue Welt, in der sie gelandet war. Direkt vor ihren Füßen wuchs etwas, das wie eine Blume aussah. Als sie sich hinunterbeugte, um sie näher zu betrachten, bekam sie eine Gänsehaut. Denn die große violette Blüte war mit einem feinen silbernen Flaum bedeckt. So etwas hatte sie noch nie gesehen.

Sie griff sich Mantel und Pulli und erkundete die Lichtung. Sie lief von einem Ende zum anderen und suchte nach einem Weg. Die silbernen Stämme der Bäume um sie herum schimmerten bläulich und ließen sie wie die violette Blume erschaudern. Die dunkelgrünen Blätter an den Ästen der Bäume waren rund, makellos und etwa so groß wie ihre Hand – nicht allzu sonderbar, aber doch so verschieden von allem, was sie kannte, dass es ihr fremd vorkam. Cara strich vorsichtig über die weiche glatte Rinde eines Baumes. Überrascht stellte sie fest, dass die Luft plötzlich nach Zimt duftete.

Sie begann ein zweites Mal, die Lichtung zu umrunden. Langsam geriet sie in Panik. Wenn sie nicht bald einen Weg fand, dann würde sie quer durch den Wald gehen müssen, ohne die leiseste Ahnung, wohin.

»Oder sollte ich doch lieber hierbleiben«, fragte sie sich, »und abwarten, ob mich irgendjemand findet?« Sie schüttelte den Kopf. Cara wusste, wenn man verloren ging, sollte man normalerweise einfach da bleiben, wo man war. Aber das machte nur Sinn, wenn jemand nach einem suchte. Darauf konnte sie in ihrem Fall jedoch nicht zählen … Wahrscheinlicher war, dass niemand hier überhaupt von ihrer Anwesenheit wusste. Am gleichen Ort zu bleiben, um gefunden zu werden, hieße unter diesen Umständen, aufs Glück zu vertrauen. Und wenn sie eines von Oma Morris gelernt hatte, dann, dass man sein Glück selbst schmieden musste, wenn man überleben wollte.

Plötzlich hörte Cara in der Ferne ein leises Rauschen. Sie blieb stehen und hielt den Atem an, um besser lauschen zu können. Ja, es bestand kein Zweifel: fließendes Wasser.

Sie lächelte. Das war auf jeden Fall etwas, woran sie sich orientieren konnte. Wenn sie einen Weg durch den Wald finden wollte, dann am ehesten entlang eines Baches. Denn wo Wasser war, gab es sicher auch Menschen.

Mit diesem Gedanken lief sie los.

Der weiche Waldboden roch nach welkem Laub. Ein riesiger Baum reihte sich an den nächsten. Außerhalb der Lichtung gab es viele unterschiedlich aussehende Bäume, manche, mit knorrigen Stämmen, beinahe so breit wie Caras Bett zu Hause. Glücklicherweise war der Waldboden nicht sehr stark mit Pflanzen bewachsen, sodass sie gut vorankam. Auf den meisten Baumstämmen wuchs eine moosartige, meist grüne Flechte mit braunen, orangefarbenen und roten Tupfern darauf. Andere moosige Dinge hingen in langen Fäden von den untersten Ästen der Bäume. Weiter oben wuchsen Zweige und Blätter so dicht, dass nur wenig Licht von oben durchkam. Irgendetwas mit leuchtenden Flügeln flog über Cara hinweg.

Cara war schon oft mit ihrer Großmutter im Wald spazieren gewesen. Aber keiner war je wie dieser hier gewesen. An keinem Ort, den Cara kannte, waren die Bäume so uralt und so – würdevoll.

Kurze Zeit später erreichte sie einen fröhlich vor sich hin plätschernden Bach. Augenblicklich fühlte sie sich besser. Caras Großmutter hatte ihr immer gesagt, wenn sie Sorgen hätte, solle sie sich einen Platz am Wasser suchen und sich eine Weile hinsetzen. Und einen perfekteren »Platz am Wasser« als diesen hatte sie noch nie gesehen. Der Bach, etwa vier Fuß breit, war so klar, dass Cara jedes Blatt und jeden Kiesel sehen konnte, der auf dem Grund lag. Gurgelnd und plätschernd floss der zwischen bemoosten Ufern eingebettete Bach dahin und suchte sich glucksend seinen Weg um die glatt polierten, braunen Steine, die aus dem Wasser ragten.

Cara setzte sich ans Ufer. Kurz darauf zog sie ihre Stiefel und Socken aus und ließ ihre Füße im angenehm kühlen Wasser baumeln.

Ich wünschte, Oma Morris wäre hier, dachte sie wehmütig.

Plötzlich erinnerte sie sich wieder an die letzten aufwühlenden Momente in der St.-Christoph-Kirche. Was war passiert, nachdem sie gesprungen war? War ihrer Großmutter jemand zu Hilfe gekommen? Ging es ihr gut? Hatte sie der Verfolger vielleicht verletzt, oder sogar …

Cara wollte den Gedanken nicht zu Ende denken und verscheuchte ihn aus ihrem Kopf. Ihrer Großmutter musste es einfach gut gehen.

Sie nahm das Amulett, zog die Kette über ihren Kopf und betrachtete es eingehend. Stammte das weiße Haar, das darin verschlossen war, wirklich von einem Einhorn? Ihre Gedanken rasten und ihr wurde wieder bewusst, wie seltsam das alles war. Sie fühlte sich, als würde sie ziellos auf einem unbekannten See umhertreiben, ohne ein Ufer in Sicht.

Cara wischte sich die Träne weg, die ihre Wange hinunterlief, und blickte auf das Amulett.

»Was passiert hier?«, fragte sie, als...



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