E-Book, Deutsch, Band 7, 336 Seiten
Reihe: Die Agent J.C.-Reihe
Craig J.C. - Agent gegen den Rest der Welt
Deutsche Erstausgabe
ISBN: 978-3-641-23259-7
Verlag: cbj
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 7, 336 Seiten
Reihe: Die Agent J.C.-Reihe
ISBN: 978-3-641-23259-7
Verlag: cbj
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jimmy Coates wirkt auf den ersten Blick wie ein ganz gewöhnlicher 13-Jähriger. Doch genau das ist er nicht! Er ist ein jugendlicher Superagent mit speziellen Kräften und tödlichem Auftrag. Doch Jimmy folgt seinem Gewissen und entscheidet sich für den Widerstand gegen die korrupte, neoliberale Regierung seines Landes. Dort sollen nun endlich Wahlen stattfinden, doch sie werden durch einen Hackerangriff manipuliert. Jimmy und seine Freunde versuchen das mit allen Mitteln zu verhindern, und wieder einmal findet er sich in einem tödlichen Kampf gegen den Rest der Welt.
Die Abenteuer von Agent J.C. sind atemberaubende actionreich und bieten Spannung der Extraklasse - Lesevergnügen pur für alle Fans von rasanten Szenen und überraschenden Wendungen!
Joe Craig, geboren 1981 in London, arbeitete als erfolgreicher Songwriter, bevor er seine Leidenschaft für das Schreiben von Jugendbüchern entdeckte. Mit seinen J. C.-Agententhrillern schaffte er den internationalen Durchbruch. Wenn er nicht schreibt, liest er an Schulen, spielt Klavier, erfindet Snacks, spielt Snooker, trainiert Kampfsport oder seine Haustiere. Er lebt mit seiner Frau, Hund und Zwergkrokodil in London.
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KAPITEL 1
Die beiden Wachmänner schlenderten zurück zu ihrem Pförtnerhäuschen und erzählten sich dabei einen Witz.
»Alles klar«, sagte einer immer noch kichernd in sein Walkie-Talkie.
»Danke, Betastation«, kam es knisternd zurück. »Nächster Patrouillengang um 0400.«
»Gerade genug Zeit für ein Bierchen«, murmelte die andere Wache mit leicht irischem Akzent.
Sie schalteten ihre Taschenlampen aus und schlüpften rasch in ihr Häuschen, um Zuflucht vor dem scharfen Wind zu suchen. Beide Männer hätten aus dem gleichen Lego-Set gebaut sein können: ein quadratischer Block von den Schultern bis zum Boden. Sie trugen blaue Uniformen mit Schirmmützen, unter denen ihre grauen Haare hervorlugten.
Das Pförtnerhäuschen war gerade so groß, dass sie nebeneinander sitzen konnten. Nachdem sie sich niedergelassen hatten, inspizierten sie die Reihe der CCTV-Monitore. Mit deren Hilfe konnten sie das gesamte Gebäude überwachen, das sie gerade bei ihrem Patrouillengang umrundet hatten: ein kleiner gläserner Bürokomplex in der Londoner South Bank, von hohen Mauern umgeben. Von hier aus hatte ein Mann namens Christopher Viggo seinen Wahlkampf geführt – die einzige legitime Opposition gegen die britische Regierung –, und niemand konnte sich dem Haupttor nähern, ohne vom Pförtnerhäuschen aus gesehen zu werden.
»Was ist das?«, murmelte die irische Wache. Er klopfte mit dem Finger gegen einen der Bildschirme. »Welche Kamera ist das?« Das Bild war wegen des Infrarotmodus der Kamera ziemlich grobkörnig, aber innerhalb eines hellen Flecks waren zwei menschliche Silhouetten in einer Hütte zu erkennen.
»Das sind wir«, antwortete die andere Wache.
»Das weiß ich, du Idiot, aber was ist das?« Er tippte erneut mit dem Finger auf die Stelle. »Dieses Pförtnerhäuschen hat normalerweise keine Kuppel.«
Beide lehnten sich vor, um den Bildschirm genauer zu betrachten.
»Hockt da oben jemand?«
Seine Frage wurde mit einem ohrenbetäubenden Krachen beantwortet. Splitter regneten auf sie herab und eine schwarze Gestalt brach durch das Dach. Sie landete auf der älteren Wache, wirbelte herum, fegte die Mütze des Mannes quer durch den Raum. Die harte Kante des Mützenschirms traf die andere Wache genau zwischen den Augen. Sein Körper erschlaffte, sackte zurück in den Stuhl.
Der Angreifer riss den ersten Wachmann zu Boden, nagelte seine Brust mit dem Knie dort fest. Erst jetzt erkannte der Wächter das Gesicht.
»Jimmy!« keuchte er. »Du bist –«
»Ich bin nicht da«, flüsterte Jimmy. Er presste seine Hand auf den Mund der Wache, fixierte ihn mit ruhigem Blick. Seine grünen Augen glitzerten wie in einem Sumpf lauernde Alligatoren. »Ich bin drinnen und schlafe.« Er nickte in Richtung Gebäude. Das oberste Stockwerk war zu einem einfachen Apartment umgebaut worden, in dem er mit seiner Mutter, seiner Schwester Georgie und seinem besten Freund Felix wohnte. Auch Viggo selbst lebte dort, aber die Lichter in den unteren Büros zeigten an, dass er und einige seiner Mitarbeiter noch beschäftigt waren.
»Niemand weiß, dass ich mich rausgeschlichen habe«, flüsterte Jimmy, »und das soll so bleiben. Verstanden?«
Der Wächter nickte, unter Jimmys hartem Griff wurden seine Wangen ganz weiß.
»Ich werde Sie jetzt loslassen«, erklärte Jimmy leise. »Wenn ich das tue, geben Sie keinen Mucks von sich, sofern ich es nicht sage, okay?« Die Wache nickte erneut hektisch. »Sie reparieren das Dach mit dem Brett, das ich hinter dem Häuschen abgestellt habe. In vier Minuten wecken Sie Ihren Kumpel, erklären ihm alles, und wenn es so weit ist, gehen Sie beide wie üblich auf Patrouille.« Jimmy sprach ruhig, aber mit großer Dringlichkeit. »Und ich muss mich darauf verlassen können, dass Sie beide mich heute Abend wieder reinlassen. Verstanden?«
Jimmy lockerte langsam seinen Griff und gab den Mund des Mannes frei.
»Ja, Jimmy«, keuchte die Wache. Jimmys Knie presste seine Lungen zusammen. »Aber sollte ich nicht Mr Viggo informieren?«
Jimmys Augen wurden zu Schlitzen, sein Knie bohrte sich fester in die Brust des Mannes.
»Wenn ich Chris hätte informieren wollen«, zischte er, »hätte ich es ihm in seine Buchstabensuppe geschrieben.«
»Ich habe Anweisungen, die ich befolgen muss. Sonst wird Mr Viggo –«
»Die Anweisungen sind außer Kraft gesetzt«, fauchte Jimmy zwischen zusammengepressten Zähnen. »Sie gelten in dem Falle nicht. Verstanden?«
Jimmy hörte die Härte in seiner eigenen Stimme und lockerte widerstrebend etwas von dem Druck seines Knies. Diese Männer waren schließlich auf seiner Seite. Sie waren da, um ihn zu beschützen. Sie hatten keine Schmerzen verdient.
»Und bitte erzählen Sie Chris nichts davon«, fügte er hinzu.
»Bitte?«, stotterte die Wache. »Bittest du mich, oder befiehlst du es mir?«
»Wie auch immer«, sagte Jimmy mit einem kleinen Lächeln. »Behalten Sie es für sich, sonst erfährt jeder, wie nachlässig Sie beide waren. Was, wenn das ein echter Angriff gewesen wäre? Was, wenn jemand einen neuerlichen Mordanschlag auf Chris unternommen hätte?«
Jimmys Ausdruck wurde finster. Seine Worte riefen lebhafte Erinnerungen in ihm wach. Als die Regierung zum ersten Mal einen Anschlag auf Christopher Viggo verüben wollte, hatte sie Jimmy geschickt. Das schien so lange her zu sein – Jimmy hatte damals gerade erst die Wahrheit über sich selbst herausgefunden: dass er von der Regierung als genetisch konstruierter Agent eingesetzt werden sollte.
Damals wurde durch die Regierung überhaupt keine Opposition zugelassen und Viggos Proteste hatten den Mann zur Zielscheibe gemacht. Seit Jimmy die Seiten gewechselt hatte, hatten er und Viggo einiges erreicht: Die Regierung war durch sie gezwungen worden, ihre Haltung zu ändern.
»Wer sollte Viggo denn angreifen?«, protestierte die Wache. »Er arbeitet jetzt ganz legal. In ein paar Stunden findet eine Wahl statt. Eine richtige Wahl, Jimmy! Die erste seit Jahren. Wenn es eine echte Bedrohung gäbe, hätte Viggo in den letzten sechs Monaten niemals so frei in der Öffentlichkeit sprechen können. Oder an so einem großartigen Ort leben und arbeiten können, ohne sich in der Kanalisation verstecken zu müssen.«
Jimmy schenkte dem Mann kaum Beachtung. Er erhob sich, klopfte die Holzsplitter von seiner Trainingshose und seinem Kapuzenpulli. Er hatte den schlanken, drahtigen Körper eines dreizehnjährigen Jungen, kaum jemand hätte in ihm besondere Fähigkeiten vermutet.
»Wenn Chris’ Aktivitäten jetzt ganz legal sind«, murmelte Jimmy, »warum hat er dann Ex-Militärs als Wachleute? Wovor hat er Angst?« Sein Blick streifte über die blau schimmernden CCTV-Monitore, als könnten sie die Antwort liefern. »Was ist da draußen?«
»Es sind nur Schatten, Jimmy«, erwiderte der Wachmann. »Es ist gefährlicher für dich als für Mr Viggo. Du stehst immer noch ganz oben auf der NJ7-Fahndungsliste. Du hast Glück, dass sie keine Ahnung von deinem Aufenthalt hier haben.«
Bei der Erwähnung des NJ7 stieß Jimmy ein leises, angewidertes Knurren aus. Es war Großbritanniens topmoderner Geheimdienst. Der beste der Welt: der effizienteste und skrupelloseste. Auch Viggo hatte einmal für sie gearbeitet, bevor ihm ihre Maßnahmen zu extrem wurden. Jimmy musterte die beiden Wachen. Auch sie waren Ex-NJ7-Agenten, aber jetzt auf Viggos Seite.
»Sie sind nicht gerade sehr aufmerksam, oder?«, sagte Jimmy mit Blick auf die drei leeren Chips-Tüten am Boden. Der Wachmann öffnete seinen Mund, hatte aber nicht wirklich etwas zu sagen. Er wirkte so verlegen, dass Jimmy den Kopf schüttelte und wegschaute.
»Lassen Sie mich einfach später wieder rein«, seufzte Jimmy. »Und sorgen Sie dafür, dass meine Abwesenheit nicht bemerkt wird, okay?«
»In Ordnung, Jimmy«, sagte der Wächter kleinlaut. »Aber wo willst du hin?«
Er bekam keine Antwort. Jimmy war bereits aus der Tür geschlüpft und in der Dunkelheit verschwunden.
Eva Doren tippte eilig auf der Tastatur. Alle paar Sekunden schaute sie ängstlich über die Schulter. Die Computer des NJ7 waren raffiniert abgesichert, das Eindringen hatte unerwartet lange gedauert. Sie war kein Hacker, aber sie hatte in den Monaten, seit sie hier arbeitete, viel über die Sicherheitsmaßnahmen des NJ7 gelernt, außerdem besaß sie die Freigabe für die meisten der generischen Zugangscodes.
Sie wischte sich den Schweiß von der Stirn und hämmerte weitere Zahlen in die Tastatur. Wieder vergeblich, und die Fehlermeldung schien diesmal noch wütender zu blinken, ebenso wie der vertikale grüne Streifen – das Emblem des NJ7.
Jedes Mal, wenn sie diesen grünen Streifen sah, kroch Panik in ihr hoch. Er stand für die Lügen, die Einschüchterungsmaßnahmen, diese überall lauernde Gewalt. Unter deren Folgen hatte das ganze Land gelitten, auch wenn die meisten nichts davon geahnt hatten. Und noch immer konnte man jederzeit vom NJ7 verhaftet und eingesperrt werden, wenn man irgendetwas tat oder sagte, das nach Kritik an der Regierung roch. Niemand spürte diese Gefahr im Augenblick intensiver als Eva selbst.
Beim NJ7 war man der Überzeugung, Eva hätte Jimmy Coates verraten und ihre Familie verlassen, um als Assistentin für Miss Bennett zu arbeiten, die skrupellose Direktorin des NJ7. Eva lebte in ständiger Angst, jemand könnte die Wahrheit herausfinden: dass sie immer noch loyal zu Jimmy stand. Jimmys Schwester,...




