E-Book, Deutsch, Band 4, 320 Seiten
Reihe: Die Agent J.C.-Reihe
Craig J.C. - Agent in geheimer Mission
Deutsche Erstausgabe
ISBN: 978-3-641-22023-5
Verlag: cbj
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 4, 320 Seiten
Reihe: Die Agent J.C.-Reihe
ISBN: 978-3-641-22023-5
Verlag: cbj
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jimmy Coates, der geflohene 12-jährige Superagent des Britischen Geheimdienstes, hat es geschafft: Seine Feinde halten ihn für tot, seine Freunde sind in Sicherheit und die eigene Freiheit scheint in greifbarer Nähe. Doch als seine Verbündeten beim CIA ihn um Hilfe bei einem letzten brandgefährlichen Auftrag bitten, willigt er aus Dankbarkeit ein. Denn ein Agent, der offiziell gar nicht existiert, ist natürlich die Idealbesetzung für einen Agenten in geheimer Mission!
Die Abenteuer von Agent J.C. sind atemberaubende actionreich und bieten Spannung der Extraklasse - Lesevergnügen pur für alle Fans von rasanten Szenen und überraschenden Wendungen!
Joe Craig, geboren 1981 in London, arbeitete als erfolgreicher Songwriter, bevor er seine Leidenschaft für das Schreiben von Jugendbüchern entdeckte. Mit seinen J. C.-Agententhrillern schaffte er den internationalen Durchbruch. Wenn er nicht schreibt, liest er an Schulen, spielt Klavier, erfindet Snacks, spielt Snooker, trainiert Kampfsport oder seine Haustiere. Er lebt mit seiner Frau, Hund und Zwergkrokodil in London.
Weitere Infos & Material
KAPITEL 1
Es ist ziemlich schwer, zur Ruhe zu kommen, wenn es der britische Geheimdienst auf einen abgesehen hat. Trotzdem tat Jimmy Coates sein Bestes. Und mit jedem Kilometer, den er sich von New York entfernte, fiel es ihm ein bisschen leichter. Keine Faust krachte durch ein Wagenfenster, um ihn herauszuzerren. Keine kreischenden Sirenen übertönten das leise Motorengeräusch. Er hatte es geschafft. Er hatte den NJ7, den mächtigen britischen Militärgeheimdienst, an der Nase herumgeführt. Sie hielten ihn tatsächlich für tot.
Laut NJ7-Berichten war Jimmy Coates – der Junge, der ursprünglich als genetisch veränderter Agent in den Dienst des Geheimdiensts hätte treten sollen – von Maschinengewehrkugeln durchsiebt im New Yorker East River verschwunden. Die Fahndung nach ihm war abgeblasen worden. Aber noch gestattete sich Jimmy kein entspanntes Lächeln. Noch war es zu früh. Das alles lag bei Weitem nicht lang genug hinter ihm.
»Willkommen auf der Blackfoot-Airbase«, verkündete Agent Froy, der CIA-Mann, der Jimmy ein paar Stunden zuvor mit festem Griff aus dem East River gezogen hatte.
Die schwarze Limousine verlangsamte ihr Tempo und Froy bog in eine Einfahrt. Wie von Geisterhand öffnete sich das stählerne Tor vor ihnen.
Jimmy richtete sich in seinem Sitz auf, neugierig, welche Art von Sensoren den Wagen identifiziert hatten. Er studierte den Bewuchs am Straßenrand. Und sofort sprang es ihm ins Auge: Diese Hecke war gar nicht echt. Es war eine stählerne Wand, sechs Meter hoch und mindestens einen Meter dick. Aber sie war kunstvoll dunkelgrün bemalt und so gestaltet, dass sie einer Reihe von Zypressen ähnelte.
Dann bemerkte Jimmy in der falschen Hecke vier Sicherheitskameras und einen Laserscanner. Nicht einmal eine Küchenschabe hätte hier eindringen können, ohne erfasst zu werden.
Er drehte sich um, als sie durch das Tor fuhren. Es glitt wieder zu und die normale Welt blieb hinter ihnen zurück. Sie waren nun im Inneren von Blackfoot, einer hermetisch abgeriegelten, streng geheimen Militärbasis am Rande eines Städtchens in New Jersey.
Jimmy fühlte sich schlagartig unendlich allein. Er hatte seine Schwester Georgie und seinen besten Freund Felix Muzbeke bei Felix’ Eltern in New York zurückgelassen. Auch sie standen unter dem Schutz der CIA. Jimmy malte sich aus, wie sie in ihrem Versteck über einem koreanischen Restaurant in Chinatown hockten. Er hatte keine Ahnung, wann die CIA sie in einen neuen sicheren Unterschlupf bringen würde, aber hoffentlich würde es bald geschehen.
In der Zwischenzeit war seine Mutter unterwegs, um ihren Verbündeten Christopher Viggo zu finden, den ehemaligen NJ7-Agenten, der Jimmy zur Flucht nach Amerika verholfen hatte. Viggo war voller Wut und Rachegelüste in ihre Heimat England zurückgekehrt. Jimmy malte sich aus, wie der Oppositionelle dort im Alleingang die britische Regierung zu stürzen versuchte.
Jimmy konnte nur hoffen, dass er all seine Freunde und Verbündeten gesund und wohlbehalten wiedersehen würde. Vielleicht würde es Jahre dauern, trotzdem würden sie in Gedanken immer bei ihm sein.
Jimmy hatte keine Ahnung, wie er sich in der kommenden Zeit verändern würde. In seinem Inneren war eine mächtige genetische Veränderung am Werk. Sie verlieh ihm erstaunliche Fähigkeiten, aber zugleich wurden die Killerinstinkte in ihm mit jedem Tag stärker und verdrängten seine menschlichen Empfindungen. Wären diese eines Tages bloß noch ein fernes Echo in seiner Erinnerung? Würden sie vielleicht sogar vollständig seinem neuen Agenten-Bewusstsein weichen?
Eine schreckliche Minute lang malte Jimmy sich aus, wer er an seinem achtzehnten Geburtstag in ein paar Jahren wohl sein würde. Zu dem Zeitpunkt wäre seine genetische Veränderung vollständig abgeschlossen. Was würde er dann fühlen, wenn er ein Bild seiner Mutter betrachtete? Oder eines seiner Schwester Georgie? Wären die beiden für ihn nur noch vergessene Dateien in den Tiefen seiner emotionalen Festplatte? Jimmy versuchte sich vorzustellen, wie es wäre, ihre Gesichter ohne jede Gefühlsregung, wie die zweier Unbekannter zu betrachten. Dabei wurde ihm ganz übel. Rasch schloss er die Augen und ließ seinen Kopf zurück gegen die Kopfstütze sinken.
Wenige Sekunden später blieb der Wagen abrupt stehen. Jimmy richtete sich auf. Die lange Einfahrt mündete in einer riesigen betonierten Fläche, die sich mehr als zwei Kilometer vor ihnen ausdehnte. In der Mitte des Areals stand ein flaches Bunkergebäude, auf dessen Dach ein Wirrwarr aus Antennen und Satellitenschüsseln seine Fühler in den Himmel reckte.
Der Wind fegte über den Asphalt und ließ den Wagen schaukeln. Hier war nichts von dem üblichen Lärm und der Hektik eines kommerziellen Flughafens zu spüren. Der Ort wirkte verlassen.
»Wo sind die Flugzeuge?«, fragte Jimmy.
Froy war damit beschäftig, Zahlen in sein Handy zu tippen. »Das würde ich auch gerne wissen«, brummte er. Dann raunzte er in sein Handy: »Wo ist unsere Maschine?!«
Jimmy beugte sich vor, konnte aber nicht hören, was die Person am anderen Ende sagte.
»Schicken Sie sofort eine Maschine! Mir egal, welche!«, fuhr Froy fort. »Die Wetterbedingungen interessieren mich einen feuchten Dreck. Oberst Keays persönlich leitet diese Operation. Und es gibt nur zwei Personen über Oberst Keays: den Präsidenten und Gott persönlich. Hat einer von beiden Sie angerufen? Nein? Gut, dann beordern Sie gefälligst die nächste Militärmaschine hier runter auf diese Landebahn.«
Froy klappte sein Handy zu und schob es zurück in die Tasche. »Tut mir leid, Jimmy. Üblicherweise wird so eine Operation von langer Hand geplant. Wie du dir vorstellen kannst, läuft das Ganze hier auf den letzten Drücker ab.«
Jimmy fühlte, wie Panik in ihm aufstieg. Er musste so weit und so rasch wie möglich aus der Reichweite des NJ7 gelangen. Jede Sekunde, die er auf dem Rücksitz dieses Wagens hockte, war eine Sekunde zu lang.
»Keine Sorge«, beruhigte ihn Froy. »Unser Flugzeug wurde wegen Turbulenzen nach McGuire umgeleitet. Aber so eine kleine Brise macht uns keinen Strich durch die Rechnung. Ich habe sie angewiesen, das Wetter zu igno-rieren. Sie werden eine Maschine für uns finden.«
Jimmy suchte den leeren Himmel ab. Aber wie lange wird das dauern?, fragte er sich, ohne es laut auszusprechen. Und jetzt, wo ihn nichts mehr ablenkte, richteten sich seine Gedanken wieder auf dieses eine Thema, dass er für den Augenblick so dringend zu vergessen wünschte: auf jenen Mann, den er jahrelang für seinen Vater gehalten hatte. Jimmy konnte es immer noch nicht richtig fassen, dass Ian Coates seit Neustem der Premierminister von Großbritannien war.
Gleich von Anfang an hatte der Mann deutlich gemacht, dass auch er keine öffentlichen Wahlen zulassen würde. Er nannte es Neodemokratie. Und je mehr Jimmy über diese Art seine Politik herausfand, desto schlimmer fand er sie. Die Regierung beanspruchte die absolute Kontrolle, ließ keine Opposition zu und alle Fäden wurden im Hintergrund vom Geheimdienst gezogen.
Aber was noch schlimmer war: Ian Coates drohte mit einem Krieg gegen Frankreich und das wegen eines kleinen Missverständnisses. Einzig der amerikanische Präsident bremste ihn noch. Dieser knüpfte seine militärische Unterstützung an die Bedingung, dass England für mehrere Milliarden Dollar amerikanische Rüstungssysteme kaufte.
Was Jimmy im Augenblick allerdings vordringlich beschäftigte, war Ian Coates Offenbarung, er sei gar nicht Jimmys biologischer Vater. Jimmy atmete tief durch. Im Grunde kann mir das jetzt alles egal sein, wiederholte er stumm. Ich habe nichts mehr mit diesem Mann zu tun. Vergiss seine Lügen.
Zu gerne hätte Jimmy seinen eigenen Worten Glauben geschenkt. Doch tief in seinem Innersten fühlte er sich zerrissen. Er würde England nie mehr als sein Zuhause betrachten können, solange dort die neodemokratische Regierung und sein vermeintlicher Vater an der Macht waren.
Plötzlich fühlte Jimmy, wie sich alle seine Muskeln anspannten. Er konnte etwas hören. Ein tiefes Dröhnen.
»Sie sind da«, verkündete Froy.
Der Lärm war jetzt gewaltig und wurde mit jeder Sekunde ohrenbetäubender. Ein Schatten senkte sich drohend über sie herab. Und dann entdeckte Jimmy die Maschine – wie ein Projektil bohrte sich der EA-22G Growler durch den Wind. Der schlanke graue Rumpf bot vor dem Himmel eine perfekte Tarnung, nur die Flügelspitzen waren rot und leuchteten wie Flammen. Und als die Maschine donnernd landete, fiel ein Strahl Sonnenlicht auf das Abzeichen an der Seite des Cockpits – ein Seeadler in einem Kreis. Das Emblem der US-Navy.
Jimmy staunte nicht schlecht. Zum ersten Mal war er wirklich beeindruckt von der Macht der Organisation, unter deren Schutz er jetzt stand. Oberst Keays gebot offenbar nicht nur über sämtliche CIA-Ressourcen – jetzt hatte er sogar noch die US-Streitkräfte mobilisiert. Ein Lächeln schlich sich auf Jimmys Gesicht. Nun war er zuversichtlich, dass sie ihn sicher an jeden beliebigen Ort der Welt eskortieren würden.
Aber wohin eigentlich? Jimmy musste über seine eigene Dummheit lachen. Während der aufregenden Flucht vor dem NJ7 und dem ganzen Schmerz, seine Familie zurücklassen zu müssen, war er...




