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Cramer | Rote Rosen Staffel 18 - Zwei sind keine zu viel | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 282 Seiten

Cramer Rote Rosen Staffel 18 - Zwei sind keine zu viel


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7568-9395-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 282 Seiten

ISBN: 978-3-7568-9395-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Monas Glück scheint vollkommen, als sie in ihre zauberhafte Heimatstadt Lüneburg zurückkehrt, um mit ihrem langjährigen Lebensgefährten Andreas in ein neues Abenteuer zu starten. Im Rosenhaus mit mehreren Generationen unter einem Dach finden sie eine wunderschöne Bleibe. Und aus einer Zufallsbegegnung mit der temperamentvollen Tatjana entwickelt sich schnell eine innige Freundschaft. Mona fühlt sich Tatjana stark verbunden, ahnt jedoch nicht, dass sie beide mehr gemeinsam haben, als ihnen lieb ist: ihre große Liebe Andreas! Wie lange kann er sein perfides Doppelleben noch geheim halten?

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2.


Nach nur einem aufregenden Tag und einer noch aufregenderen Nacht in meiner alten Heimat fühlt es sich so an, als sei ich nie wirklich weg gewesen. Jedenfalls nicht für eine so lange Zeit. Das liegt womöglich daran, dass alles in mir endlich nach diesem mutigen Schritt schreit, mich meiner Vergangenheit zu stellen. Welcher Zeitpunkt könnte wohl besser sein als dieser – zwei Jahre vor meinem 50. Lebensjahr – um das Ruder herumzureißen, mit Altem abzuschließen und etwas ganz Neues zu wagen?

Ich sitze draußen in der Sonne vor einem Café direkt an der Ilmenau und beobachte all die zufriedenen Menschen, die entspannt durch die hübschen, engen Gassen mit ihren Inhaber geführten Läden schlendern, die oftmals mit so viel Liebe zum Detail und dieser ganz besonderen Aufbruchsstimmung eine magische Anziehungskraft ausüben. Ich schüttele amüsiert den Kopf, wenn ich an meine Jugend zurückdenke, als es absolut uncool war, vor der eigenen Haustür shoppen zu gehen. Wer zu den angesagten Schülerinnen am Johanneum-Gymnasium gehören wollte, musste schon ins 50 Kilometer entfernte Hamburg fahren, um dort die Einkaufspassagen zu erobern. Und nun ist es beinahe umgekehrt. Heute kommen Tagestouristen in Scharen, um zwischen Grapengießer- und Großer Bäckerstraße die zauberhafte Atmosphäre dieser pulsierenden Metropole zu genießen.

Nachdem ich meinen Milchkaffee bezahlt habe, schließe ich für einen Moment die Augen, um Mut zu tanken. Mut, den ich brauchen werde, um das Versprechen einzulösen, das ich mir vor diesem Wochenende gegeben habe, um nicht ständig das ungute Gefühl zu haben, meine Vergangenheit säße mir im Nacken und es sei nur eine Frage der Zeit oder auch des Zufalls, wann sie mich einholt.

Auch wenn mein Weg ein paar Schleifen macht, weil ich kein Schaufenster der vielen hübsch eingerichteten Läden auslassen will, zieht es mich schließlich auf den Salzmarkt. Als ich schon von Weitem das kleine Schild mit der Aufschrift entdecke, wird mir flau im Magen. Mit weichen Knien gehe ich auf den breiten Eingang zu, ohne eine Ahnung zu haben, wie ich meinem Vater gegenübertreten soll nach all dem, was damals war. Der Tag, an dem ich ihn das letzte Mal sah, war die Beerdigung meiner Mutter. Er kommt mir vor wie aus einem anderen Leben. Ein Leben mit bitterem Nachgeschmack. Doch das ist nun hoffentlich vorbei! Heute bin ich eine andere. Und fast so, als würde ich mir genau das beweisen wollen, mache ich mich gerade und atme einmal tief durch, um das vertraute Gebäude mit neugieriger Anspannung zu betreten.

»Kann ich Ihnen helfen?«, fragt eine leicht verwunderte weibliche Stimme.

Ich wende mich nach rechts und blicke durch die offenstehende Tür des Ladens, der vor einem Nebeneingang zur Werkstatt meines Vaters liegt.

»Entschuldigen Sie, dass ich hier so reinplatze!«

Unsicher blicke ich zwischen zahlreichen Kartons hindurch und entdecke ein paar schöne Vasen, Lampen, Stoffmuster und dergleichen.

»Alles gut!«, entgegnet die schlanke Frau mit brünetter Löwenmähne, die ich etwas jünger schätze als mich. »Ich eröffne zwar erst in einer Woche, aber wenn ich jetzt schon irgendetwas für Sie tun kann?«

»Ich bin Mona Herzberg und eigentlich auf der Suche nach meinem Vater?!«

»Gerhard Herzberg?! Das ist Ihr Vater?!«, fragt sie mit einem sympathischen, herzlichen Lächeln zurück. »Es tut mir leid, der arbeitet zurzeit in Tschechien. Wussten Sie gar nichts davon?«

»Nein«, sage ich leise und spüre, wie die Anspannung allmählich weicht. Ich erkläre, ich wisse zwar, dass mein Vater oft in der Weltgeschichte unterwegs sei und wochen-, manchmal auch monatelang das Gebälk in Kirchen restauriere. Aber dass er aktuell nicht in Lüneburg ist, wusste ich nicht. Innerlich bin ich dann doch erleichtert.

»Die Werkstatt … haben Sie einen Schlüssel?«, höre ich mich fragen und winke gleich wieder ab. »Oder nein … Ich werde gelegentlich mal wieder vorbeikommen.«

»Machen Sie das gerne. Auf Wiedersehen!«

Wir nicken einander freundlich zu und wünschen uns noch einen schönen Tag. Mein Blick auf die Uhr verrät mir, dass mir eine gute Stunde Zeit bleibt, bis ich Thomas, einen alten Bekannten, im Kurpark auf einen kleinen Spaziergang treffe. Also nutze ich die Gelegenheit, um weiter gemütlich durch die Altstadt zu flanieren. Es tut so gut, hier zu sein, denke ich und frage mich, ob der Groll auf meinen Vater es wert war, mir die Stadt, in der ich geboren und durchaus unbeschwert aufgewachsen bin, zu versagen. Vielleicht wäre es mir wie Verrat an unserer Tochter vorgekommen, hätte ich schon früher mehr Milde walten lassen. Doch nun ist Sara zu einer wundervollen, selbstbewussten und glücklichen jungen Frau herangewachsen. Unser Verhältnis könnte nicht besser sein, obwohl oder gerade weil es unter sehr besonderen Umständen gereift ist. Dafür bin ich unendlich dankbar und ich bereue keinen einzigen Tag, an dem ich ihr Wohl über meines gestellt habe. Umso mehr aber möchte ich jetzt, da sie in Baden-Württemberg ihren Weg als ausgebildete Krankenschwester geht, für mich selbst einen neuen, vollkommen selbstbestimmten einschlagen.

Und genau das ist auch der Grund, warum ich beim Spaziergang mit Thomas zügig zum Punkt komme.

»Wenn sich einer in der Stadt gut auskennt, dann du«, schmiere ich ihm Honig um den Bart, den er inzwischen trägt, als wir durch den Kurpark, einer ansprechend angelegten Grünfläche in unmittelbarer Nachbarschaft zur Salztherme, schlendern. Jeder kennt Thomas Jansen, den früheren Oberbürgermeister und vor allem kennt er jeden. Schon Thomas’ Vater Paul Jansen war im Stadtrat, ist aber bereits verstorben, nicht aber seine Mutter Johanna, die ebenfalls mit Gott und der Welt bekannt ist und sich sogar als Buchautorin einen Namen gemacht hat. Selbst wenn Thomas keine Ahnung hat, ob es irgendwo eine berufliche Perspektive für mich gäbe, ist er so gut vernetzt, dass er es bestimmt gerne für mich herausfinden würde.

»Ist deine aktuelle Stelle nicht so etwas wie die Assistenz der Geschäftsführung?«, fragt er nachdenklich und stoppt, um mich mit seinen fröhlichen Augen direkt anzusehen. Er ist ein kleiner, aber durchaus attraktiver Mann, der immer für einen Spaß zu haben ist.

Ich nicke. »Nur ist ein Sanitärgroßhandel auf den ersten Blick vielleicht nicht die beste Referenz. Aber mein Chef, Herr Katzinger, ist mehr als zufrieden mit mir und würde mir sicher keine Steine in den Weg legen, wenn ich ihn als Referenz angebe.«

Thomas lacht und ergänzt: »So gesehen kann ich dich genauso gut empfehlen. Schließlich war ich auch mal so etwas wie dein Chef!«

Zwar habe ich als Babysitterin seiner Kinder Tanja und Jule damals bestimmt ebenfalls einen guten Job gemacht. Andernfalls hätten wir über all die Jahre nicht diesen lockeren, aber wertschätzenden Kontakt gehalten. Aber ob mir das hilft, wage ich zu bezweifeln, gebe ich lachend zurück. Wir gehen wieder ein paar Schritte, ehe Thomas erneut anhält. »Ich werde mich mal umhören. Wenn ich richtig informiert bin, ist im gerade eine Stelle als Assistenz zu besetzen. Allerdings hat die Chefin Haare auf den Zähnen.«

Mein Herz schlägt sofort schneller. »Du meinst Frau Fährmann?!«

Thomas wundert sich kurz, dass ich sie kenne und relativiert schließlich. »Amelie Fährmann hat viele Feinde in der Stadt. Man nennt sie auch ›Die Eiskönigin‹!«

Ich höre dennoch aufmerksam zu, als Thomas irgendwelche alten Geschichten über seinen langjährigen Freund Gunter Flickenschild hervorholt, dem Mitbesitzer des Hotels, und dass mit der Direktorin angeblich nicht gut Kirschen essen sei. Ich winke ab. Es muss ja keine Lebensentscheidung werden, wenn ich mich bewerbe. »Denn die ist längst getroffen!«, verkünde ich feierlich und überrasche mich selbst damit. Auch Thomas fällt kein vernünftiger Grund ein, warum ich nicht zurück nach Lüneburg kommen sollte, jetzt, wo Andreas hier sein Büro oder zumindest einen festen Ausgangspunkt für seinen Vertriebsjob hat.

»Ich war zwischenzeitlich auch im Ausland auf Forschungsreise und in Wilhelmshaven. Aber irgendwie hat es mich doch immer wieder hierher gezogen.«

»Das kann ich sehr gut nachvollziehen!«, sage ich zum Abschied.

Ich schließe für einen Moment die Augen und dann Thomas zum Dank in die Arme, der einmal mehr wie ein väterlicher Freund verspricht, mir zu helfen und mich zu empfehlen.

*

Es ist lange her, dass ich meinen Liebsten nach Feierabend mit einer gut gekühlten Flasche Prosecco und frischen Erdbeeren in einem nigelnagelneuen Negligé begrüßt habe. Und es ist schon verrückt, auch nach all der langen Zeit, die wir zusammen sind, gab es nicht ein Wiedersehen, auf das ich mich nicht vorher gefreut hätte. Jetzt kommt sogar noch Aufregung hinzu,...



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