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E-Book, Deutsch, 0 Seiten
Crandall Star Trek - Classic: Die Geisterstation
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11725-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11725-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Enterprise soll am Rande der Neutralen Zone eine Forschungsdrohne einfangen. Dabei finden Captain Kirk und seine Crew eine unbekannte Raumstation, scheinbar romulanischen Ursprungs. Da die Sensoren keine Lebensformen an Bord feststellen können, beamt ein Team unter der Leitung von Mr. Spock und Dr. McCoy hinüber. Sie entdecken, dass sämtliche Besatzungsmitglieder der Raumstation tot sind. Plötzlich bricht der Kontakt zur Enterprise zusammen, und auch das Raumschiff selbst verliert auf unerklärliche Weise Energie.
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Prolog
Als Rinagh im Transporterraum der Elizsen wartete, bis er an die Reihe kam, spürte er plötzlich, dass seine Knie anfingen zu zittern. Er spannte die Beine an und versuchte das Beben zu vertreiben. Dass er wie eine in Ohnmacht fallende Figur aus einem Drama zusammenbrach, war das letzte, was ihm jetzt passieren durfte. Er ließ seinen Blick lässig durch den Raum schweifen und bemühte sich zu erkennen, ob irgendeinem der anderen dichtgedrängt stehenden Romulaner etwas aufgefallen war.
Es sah nicht so aus. Es war auch sehr unwahrscheinlich, dass jemand etwas bemerkt hatte. Sie dachten – ebenso wie er – in diesem Moment an andere, wichtigere Dinge. Für Rinagh war ihre Körpersprache so leicht lesbar wie ein medizinisches Handbuch. Er sah, dass sie ihr Gewicht von einem Bein aufs andere verlagerten, und er sah ihre zu Fäusten geballten Hände. Er hörte auch die kurzen, nervösen Ausbrüche ihres Gelächters. All dies war Begleitmusik zu seinem persönlichen Gefühlschaos. Das, was sie hier und heute in Angriff nahmen, würde in die Annalen der romulanischen Geschichte eingehen. Eines Tages würde der Rest der Galaxis aufhorchen und es zur Kenntnis nehmen.
Es war kaum zu glauben, dass der lange gehegte und genährte Traum erst vor wenigen Tagen Früchte getragen hatte …
Er hatte sich in der Klinik befunden, als die Nachricht eingetroffen war. Obwohl er sich mehr oder weniger aus der aktiven medizinischen Praxis zurückgezogen hatte, machte es ihm durchaus noch Spaß, sich um einen kleinen Patientenkreis zu kümmern – in der Hauptsache Familien, die er schon seit Jahren behandelte. Er war zu sehr Arzt, um sich ganz aus dem Beruf zurückzuziehen. Sein Verlangen, aktiv zu bleiben, war so durchdringend wie ein unheilbarer Hautjuckreiz.
Und genau das hatte er getan. Er hatte sich gerade um den Enkel eines alten Patienten gekümmert, als seine Gattin Elani den Kopf durch den Türrahmen steckte.
»Rinagh? Entschuldige die Störung, aber da ist ein Gespräch für dich.«
Rinagh hatte nicht aufgeschaut. Er hatte lediglich den Verband um Aifors Unterarm geschlungen und sich leise mit dem Jungen unterhalten. »Es wird immer wieder passieren, wenn du nicht aufhörst, in den Messerdisteln zu spielen.« Als er seiner Gattin antwortete, verlor seine Stimme nicht ihren sanften Tonfall. »Sag bitte Bescheid, dass ich gleich komme, Elani. Ich bin in einer Minute fertig.«
»Ich glaube nicht, dass die Sache warten kann.«
Er hatte aufgeschaut und sie angesehen. Sie hatte seine Aufmerksamkeit geweckt. Vor ihrer Heirat war Elani für ihn als Krankenschwester tätig gewesen. Er kannte und respektierte ihr Urteilsvermögen mehr als das jedes anderen. Sie hätte den Satz nie ausgesprochen, hätte sie nicht genau gewusst, dass es dringend war. Rinagh musterte ihren Gesichtsausdruck und hielt in der Behandlung inne. Elanis Augen zeigten einen bestimmten Ausdruck, den er zu schätzen gelernt hatte.
»Ach so.« Er nickte. »Na schön.« Plötzlich flatterte Nervosität in seinem Magen. Ihm war beinahe so, als breite ein Insekt seine Schwingen zwischen seinen Händen aus. Rinagh überspielte das Gefühl, indem er die Schulter des Jungen ergriff. »Ich muss ein wichtiges Gespräch annehmen, Aifor. Elani wird dich verbinden.«
»Ja, Doktor.«
»Braver Junge.« Rinagh drohte ihm mit dem Finger. »Und halte dich von Messerdisteln fern.« Er lächelte beruhigend und bemühte sich, das Behandlungszimmer nicht allzu eilig zu verlassen. Er ging durch den Korridor zu seinem Büro, schloss hinter sich die Tür und nahm hinter dem Schreibtisch an der Kommunikationskonsole Platz.
Als Kashis stattliches Antlitz auf dem Bildschirm erschien, erwachte seine Nervosität zu voller Blüte. Das erste, was Rinagh auffiel, war die Aufregung in den dunklen Augen des jungen romulanischen Offiziers. Das zweite war das nagelneue Rangabzeichen auf der linken Brustseite seiner schwarzen Uniform. Es leuchtete wie eine frisch geprägte Münze, so dass Rinagh den Blick kaum abwenden konnte. »Kashi! Bei allen Höllen …! Du hast es geschafft, nicht wahr? Du hast das Patent bekommen!«
Kashis Hand fuhr sanft über die goldenen Polyederstangen, und sein Kopf neigte sich zu einem kurzen Nicken. »Ich komme gerade aus dem Büro der Prokonsulin.« Die reine Emotion ließ den ansonsten ruhigen Romulaner nervös lachen. »Rinagh, du siehst den Kommandanten der neuen romulanischen Raumstation Reltah vor dir!«
Der Arzt lehnte sich in seinen Sessel zurück und setzte einen erstaunten Blick auf. »Ausgezeichnet, Kashi! Meinen Glückwunsch!«
»Danke.« Es gelang Kashi nicht, sein erwartungsvolles Lächeln zurückzuhalten, selbst wenn er geneigt gewesen wäre, es zu versuchen – was Rinagh bezweifelte. »Und ich bin auf der Suche nach einem neuen Chefarzt.«
Es war einer jener Augenblicke, in der die Welt zum Stillstand kommt. Es dauerte einen Moment, bevor Rinagh einfiel, dass es wohl angebracht wäre, wieder Luft zu holen. »Du … machst Scherze.« Er schüttelte den Kopf. »Du machst wirklich Scherze. Es gibt doch andere Männer, jüngere …«
»Aber keinen mit deiner Erfahrung und deinen Fähigkeiten«, gestand Kashi ein. »Die Prokonsulin und der Senat haben es mir nach der Ernennung bestätigt. Sie sähe es sehr gern, wenn du ein Teil des Unternehmens werden würdest. Die Prokonsulin hat größtes Vertrauen in dich und deinen Beitrag zum Erfolg des Projekts. Sie hat mir klargemacht, dass sie von diesem Projekt eine Menge erwartet.« Er zwinkerte düster, denn seine Worte waren nur halb scherzhaft gemeint: Die Wünsche und Erwartungen der Prokonsulin nahm man nicht auf die leichte Schulter. »Lass uns dafür sorgen, dass wir sie nicht enttäuschen.«
»Ich werde mein Bestes geben«, versprach Rinagh außer Atem.
»Daran zweifle ich keine Sekunde, mein Freund.« Kashi schaute zur Seite und musterte jemanden, den die Kamera nicht erfasste, dann richtete er den Blick wieder auf Rinagh. »Ich habe eine Menge zu tun, und meine Zeit ist knapp, also machen wir es kurz und unterhalten uns später über die Einzelheiten. Nun, da die Prokonsulin eine Mannschaft zur Station schickt, möchte sie, dass wir die Reltah so schnell wie möglich bemannen. Man wird dich heute Abend abholen …«
»Heute Abend?«
Kashi tat so, als fiele ihm das Unbehagen des Arztes nicht auf. »… und in die Hauptstadt bringen. Von dort aus bringt uns ein Shuttle zur Elizsen, zu dem Schiff, das uns auf die Station bringt.« Er hob entschuldigend eine Hand, um jeder Beschwerde zuvorzukommen. »Ich weiß, dass alles recht plötzlich kommt, Rinagh, aber wir müssen schnell handeln, wenn wir die Oberhand über Starfleet und ihren Einfluss auf die Galaxis gewinnen wollen.« Kashis Blick wirkte nun ernsthaft und ließ keinen Widerspruch zu. Man hatte ihn zum Kommandanten der Raumstation und einer Mission ernannt; von nun an würde ihn niemand mehr an der Ausführung seiner Aufgabe hindern. »Der Hauptteil deiner Ausrüstung wird später abgeholt, wenn Elani sich zu dir gesellt. Bring nur die Dinge mit, die du unbedingt brauchst. – Bis in ein paar Stunden.« Er unterbrach die Verbindung, ohne Auf Wiedersehen zu sagen.
Und das war es gewesen. Rinagh hatte den leeren Bildschirm gemustert. Er stemmte die zitternden Hände in die Seiten, und sein Geist kämpfte gegen das Verlangen an, gleichzeitig in sechs verschiedene Richtungen zu laufen. Einerseits hätte er in seiner Erregung gern gelacht, doch andererseits hätte er sich auch ebenso gern wie eins von Elanis Haustieren unter dem Sofa verkrochen und vergessen, dass er je den Schneid gehabt hatte, sich in seinem fortgeschrittenen Alter um eine begehrenswerte Position zu bewerben. Er war in wenigen Sekunden von einem zufriedenen, halb im Ruhestand befindlichen Arzt mit einer winzigen Praxis, die seine restlichen Jahre ausfüllen sollte, zum Chefarzt eines Projekts avanciert, das das Romulanische Imperium noch nie zuvor in Angriff genommen hatte.
Und jetzt stand er hier, zusammen mit den anderen, die die Träume der Prokonsulin und des Senats wahr werden lassen wollten. Was, im Namen aller Blauen Höllen, hatte ihn dazu veranlasst, sich um diese Stellung zu bewerben? Nun war es viel zu spät, einen Rückzieher zu machen, egal wie schlimm seine privaten Ängste auch waren. Er wusste, dass er diese Position ausfüllen konnte. Er hatte das nötige Wissen und die Erfahrung und konnte sich glücklich schätzen, eine erfolgreiche medizinische Laufbahn auf Romulus hinter sich zu haben.
Aber ich bin ein alter Mann, dachte er flüchtig. Ich bin bestimmt zu alt, um mein ganzes Leben umzukrempeln und zu den Sternen zu fliegen.
Die Sterne. Vor Kashis Anruf waren sie für ihn nur in den Schlafliedern seiner Enkel vorgekommen. Seit er sich an Bord der Elizsen befand, waren sie zu einem wundersamen täglichen Anblick geworden. Nein, er würde seinen Platz mit niemandem tauschen – mit keinem Romulaner oder Fremdling – ob er sich nun fürchtete oder nicht.
Sein Fuß stieß gegen die kleine Tasche, die vor ihm auf dem Boden stand. Kashi hatte gesagt, er solle nur das mitbringen, was er unbedingt brauchte. Die Tasche enthielt nur ein paar persönliche sentimentale Erinnerungsstücke, die zu gönnen er sich erlaubte: ein handgroßes Gemälde seiner Familie, zwei medizinische Auszeichnungen, die ihm mehrere Jahre zuvor seine Kollegen verliehen hatten, und ein sorgfältig gehütetes Buch aus echtem Papier, dessen Seiten ausnahmslos von seiner winzigen, krakeligen Handschrift gefüllt waren.
Das Tagebuch war eine Laune, die er sich zugestand. Niemand wusste etwas davon. Nicht einmal...




