E-Book, Deutsch, Band 1742, 160 Seiten
Reihe: Julia
Craven Erobert von einem italienischen Grafen
1. Auflage 2006
ISBN: 978-3-86295-760-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1742, 160 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-86295-760-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Braut eines italienischen Adligen? Warum nicht? In einer Weinlaune erklärt Laura sich bereit, ihrem neuen Londoner Bekannten Paolo zu helfen und sich als seine Verlobte auszugeben. Ein spontaner Entschluss, den sie schon bald bereut. Kaum in Italien angekommen, wird sie nicht nur von seiner Familie geächtet, sie verliebt sich auch noch unsterblich. Und zwar ausgerechnet in Paolos Cousin: den ebenso arroganten wie attraktiven Conte Alessio Ramontella, für den sie nur eine weitere Perle in der Kette seiner Eroberungen zu sein scheint ...
Sara Craven war bis zu ihrem Tod im November 2017 als Autorin für Harlequin / Mills & Boon tätig. In über 40 Jahren hat sie knapp hundert Romane verfasst. Mit mehr als 30 Millionen verkauften Büchern rund um den Globus hinterlässt sie ein fantastisches Vermächtnis. In ihren Romanen entführt sie ihre Leserinnen in eine sommerliche mediterrane Welt und sorgt für Stunden voller Unterhaltung und Herzklopfen. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin fand sie auch noch die Zeit, sich von 2011 bis 2013 als Vorsitzende der Romance Novelists' Association zu engagieren.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Wieso, in drei Teufels Namen, wurde Rom an einem so schönen Morgen von einem Erdbeben erschüttert?
Conte Alessio Ramontella hob stöhnend den schmerzenden Kopf vom Kissen und blickte sich um. Das Bett ähnelte schon am ehesten einem Katastrophengebiet, aber die Wände schwankten nicht – und das Getöse, das der conte für den Donner einstürzender Häuser gehalten hatte, kam von der Zimmertür.
Auch stammten die aufgeregten Rufe nicht von einem verschütteten Opfer, sondern von seinem Diener Giorgio.
Vorsichtig – um weder die nackte, schlafende Blondine an seiner Seite zu stören, noch seinen Kater zu verschlimmern – stand Alessio auf. Er suchte seinen Bademantel aus dem Haufen Kleidungsstücke vor dem Bett und zog ihn an, während er zur Tür ging, die er einen Spaltbreit öffnete.
„Heute arbeite ich nicht“, informierte er den besorgt wirkenden Giorgio. „Kann ich denn nicht einmal Frieden haben?“
„Ich bitte vielmals um Entschuldigung.“ Giorgio rang die Hände. „Um nichts in der Welt hätte ich Sie gestört … aber es geht um Ihre Tante.“
„Sie ist hier?“
„Noch nicht, aber unterwegs“, berichtete Giorgio. „Signora Vicente hat eben angerufen, um ihren Besuch anzukündigen.“
„Waren Sie denn nicht so schlau, zu behaupten, ich wäre nicht da?“
„Doch, natürlich! Leider hat sie mir nicht geglaubt.“
Alessio fluchte. „Wie viel Zeit bleibt mir?“, fragte er dann.
„Das hängt vom Verkehr ab, doch es geht um Minuten. Ich habe geklopft und geklopft …“, fügte der Diener vorwurfsvoll hinzu.
Seufzend zwang Alessio sich, aktiv zu werden. „Bestellen Sie rasch ein Taxi, und weisen Sie den Fahrer an, zum Hintereingang zu kommen. Dann machen Sie Kaffee für meine Tante und stellen die Mandelkekse bereit, die sie so gern mag.“
Er schloss die Tür und ging zurück zum Bett. Die Lippen zusammengepresst, betrachtete er die schlafende Blondine und schimpfte sich einen Narren, weil er seine Grundregel missachtet und dieser Frau erlaubt hatte, die ganze Nacht bei ihm zu bleiben.
Ich muss betrunkener gewesen sein, als ich dachte, sagte Alessio sich zynisch und schüttelte die Schlafende an der Schulter.
Sie hob die Lider, zwinkerte mit langen, dichten Wimpern und lächelte träge. „Warum, mein Schatz, bist du nicht mehr im Bett?“ Verführerisch legte sie ihm die Hände um den Nacken und versuchte, ihn zu sich herunterzuziehen.
Rasch löste er sich aus ihrem Griff und trat einen Schritt zurück. „Vittoria, du musst jetzt gehen, und das schnell!“
„Wie ungalant! Ich habe dir doch gesagt, dass Fabrizio seine Mutter besucht und frühestens heute Abend nach Hause kommt. Du und ich haben also alle Zeit der Welt.“
„Ein bezaubernder Gedanke“, erwiderte Alessio gleichmütig. „Aber leider nicht praktikabel.“
„Wie kann ich denn gehen, wenn ich nichts zum Anziehen habe?“ Lächelnd dehnte sie sich genüsslich. „Du hast gestern beim Pokern meine Kleidung gewonnen – und Spielschulden sind immerhin Ehrenschulden.“
„Wir können sie streichen. Ich habe gemogelt.“ Alessio versuchte, die wachsende Ungeduld zu zügeln.
Vittoria zog eine Schulter hoch. „Dann musst du meine Sachen aus dem Salon holen. Außer du willst, dass ich sie bei einer Revanche zurückgewinne?“
„Ja, wenn du deine Anwesenheit – im Evaskostüm – meiner Tante Lucrezia erklären willst, die deine Schwiegermutter zu ihren engsten Freundinnen zählt.“ Er lächelte missgelaunt.
Mit einem leisen Schrei setzte Vittoria sich auf. „Das meinst du nicht ernst, oder? Sag, dass sie nicht hier ist!“
„Noch nicht, aber sie wird jeden Moment eintreffen.“
„Oh nein“, jammerte sie. „Tu doch was, Alessio! Ich muss hier weg.“
Es klopfte, und die Tür wurde einen Spaltbreit geöffnet. Diskret hielt Giorgio am ausgestreckten Arm ein Bündel Kleidung ins Zimmer und sagte drängend: „Das Taxi ist bereits da.“
„Wir sind gleich fertig“, versicherte Alessio. Er nahm seinem Diener die Sachen ab und warf sie Vittoria zu, die sie auffing und im angrenzenden Bad verschwand.
Während Alessio ihr nachsah, zuckte er kurz die Schultern. In der vergangenen Nacht war sie eine amüsante und einfallsreiche Gefährtin gewesen. Tageslicht und die drohende Gefahr, mit ihr ertappt zu werden, minderten den Reiz jedoch erheblich. In Zukunft würde Alessio weder Poker noch anderes mit der schönen Vittoria Montecorvo spielen. Es war klüger, unzufriedene Ehefrauen überhaupt zu meiden! Der einzige Vorteil lag darin, dass Frauen wie Vittoria nicht erwarteten, dass man sie heiratete.
Alessio ging ins angrenzende Ankleidezimmer und zog sich an. Als er ins Schlafzimmer zurückkam, wartete Vittoria schon auf ihn.
„Alessio!“ Sie umarmte ihn leidenschaftlich. „Wann sehe ich dich wieder?“
Die ehrliche Antwort hätte gelautet „am liebsten nie“, aber das wäre dann doch zu unfreundlich gewesen!
„Vielleicht sollte es uns eine Warnung sein, dass wir nur um Haaresbreite einem öffentlichen Skandal entgehen“, antwortete er zurückhaltend. „Wir müssen sehr vorsichtig sein.“
„Ich weiß nicht, ob ich das ertrage. Wo wir uns endlich gefunden haben, Liebster.“
Er unterdrückte ein höhnisches Lächeln. Seinen Vorgänger bei Vittoria kannte er, und Alessio zweifelte nicht daran, dass ein Nachfolger schon bereit stand. Sie war die schöne Tochter eines reichen Manns und verheiratet mit einem – natürlich ebenfalls reichen – Mann, der sich allzu leicht täuschen ließ.
Verwöhnt, gierig und gelangweilt.
Genau wie ich, dachte Alessio und fragte sich, ob ihn das zu ihr hingezogen hatte. Gleich und Gleich gesellt sich gern?
Plötzlich fühlte er sich erschöpft und rastlos. Die Hitze in Rom nahm ihm beinah den Atem. Unwillkürlich fiel ihm der kühle Wind ein, der um Felswände wehte, und Berge, über die Wolken zogen. Alessio sehnte sich danach, den erdigen Geruch des Walds auf den Hängen einzuatmen, nachts aufzuwachen und nichts als Stille zu hören.
Ich brauche Abstand zu allem, sagte er sich.
Kein Problem. Sein Urlaub war längst überfällig. Einige kleine Terminänderungen in der Bank, und ich kann mich auf den Weg machen, dachte Alessio, während Vittoria sich verführerisch an ihn presste.
Sanft, aber unerbittlich schob er sie aus dem Schlafzimmer in den geräumigen Flur, in dem Giorgio mit ausdrucksloser Miene wartete. In diesem Moment klingelte es an der Eingangstür zur Wohnung.
„Ich mache auf, Giorgio“, sagte Alessio. „Begleiten Sie die Signora über die Hintertreppe zum Taxi.“ Er löste sich aus Vittorias Griff und versicherte ihr leise, dass er sie anrufen würde – allerdings erst, wenn er es für sicher hielt.
Im Weggehen warf sie ihm einen betrübten und zugleich misstrauischen Blick zu, dann war sie verschwunden.
Aufatmend fuhr er sich durchs Haar.
Wieder klingelte es. Seufzend ging Alessio zur Tür und öffnete.
„Tante Lucrezia!“, begrüßte er die große, grauhaarige Frau, die ungeduldig mit dem Fuß gegen die Schwelle klopfte – ohne Rücksicht auf ihre eleganten Schuhe. „Was für eine nette Überraschung!“
Während sie an ihm vorbei in die Wohnung ging, warf sie ihrem Neffen einen drohenden Blick zu. „Sei kein Heuchler, Alessio! Dass ich dir willkommen bin, erwarte ich nicht.“ Einen Augenblick lang verstummte sie und lauschte dem Klang eines startenden Autos und dem Zufallen der Hintertür. „Deine andere Besucherin ist also entwischt“, meinte sie und lächelte säuerlich. „Tut mir leid, deine Pläne verdorben zu haben.“
„Ich mache nur selten Pläne“, erwiderte er sanft. „Lieber lasse ich mich überraschen.“
Er führte sie in den Salon, der – wie ein kurzer Blick Alessio überzeugte – in der üblichen tadellosen Ordnung erstrahlte. Die verräterischen Gläser waren weggeräumt, zusammen mit den Weinflaschen, der Karaffe Grappa sowie den Karten, mit denen er und Vittoria Strip-Poker gespielt hatten.
Die Türen zum Balkon standen offen und ließen die Morgensonne herein, zugleich wichen die letzten Spuren des Dufts nach Wein und dem süßlichen Parfüm, das Vittoria benutzte.
Alessio nahm sich vor, Giorgios Lohn umgehend zu erhöhen, während er seine Tante zum Sofa führte und sich ihr gegenüber hinsetzte.
„Was verschafft mir das Vergnügen deines Besuchs?“, erkundigte er sich übertrieben höflich.
Sie schwieg einen Moment und erwiderte dann kurz angebunden: „Ich möchte mit dir über Paolo reden.“
Erstaunt sah er sie an. Giorgios Erscheinen mit silberner Kaffeekanne, Tassen und Keksen verschaffte Alessio die Chance, seine Gedanken zu sammeln.
Als sie wieder allein waren, sagte Alessio: „Du erstaunst mich, Tante Lucrezia. Ich bin nicht der Richtige, um dir einen Rat zu geben. Schließlich hast du mir immer zu verstehen gegeben, dass ich deinem Sohn ein schlechtes Beispiel liefere.“
„Stell dich nicht dumm!“, erwiderte sie brüsk. „Natürlich will ich keinen Rat von dir … sondern praktische Hilfe in einer unbedeutenden Angelegenheit.“
Alessio trank einen Schluck Kaffee. „Du bittest mich doch hoffentlich nicht, Paolo nach Rom zurückzuholen? Wie ich höre, macht er in London Fortschritte.“
„Das ist Ansichtssache“, meinte sie eisig. „Außerdem kommt er ohnehin demnächst her, um die Ferien mit mir zu verbringen.“
„Das gefällt dir nicht?“ Er kniff die Augen...




