E-Book, Deutsch, Band 2033, 144 Seiten
Reihe: Julia
Craven Stürmisches Wiedersehen auf Maynard Manor
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-86494-250-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2033, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-86494-250-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Aufgeregt rafft Chloe ihr grünes Ballkleid und betritt das Herrenhaus Maynard Manor. Vor sieben Jahren hat das Schicksal sie und Darius hier zusammengeführt. Dem verwegenen Erben der Maynards gehörten ihr erster Kuss, ihre Liebe ... und ihr gebrochenes Herz, als er mit einer anderen davonlief. Nun ist Darius zurück, und Chloe errötet allein bei seinem Anblick. Sie kann sein Liebesflüstern nicht vergessen, und ihr Körper verlangt schmerzlich nach seinen Liebkosungen. Der Ball heute Abend muss ihr dabei helfen, Darius endlich zu vergessen - oder ihn für immer zu lieben ...
Sara Craven war bis zu ihrem Tod im November 2017 als Autorin für Harlequin / Mills & Boon tätig. In über 40 Jahren hat sie knapp hundert Romane verfasst. Mit mehr als 30 Millionen verkauften Büchern rund um den Globus hinterlässt sie ein fantastisches Vermächtnis. In ihren Romanen entführt sie ihre Leserinnen in eine sommerliche mediterrane Welt und sorgt für Stunden voller Unterhaltung und Herzklopfen. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin fand sie auch noch die Zeit, sich von 2011 bis 2013 als Vorsitzende der Romance Novelists' Association zu engagieren.
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1. KAPITEL
„Aber Chloé, ich brauche Sie doch hier.“ Mrs Armstrong sah sie vorwurfsvoll an. „Wissen Sie das denn nicht?“
Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort: „Und denken Sie nur daran: ein ganzer Sommer in Südfrankreich! Wir werden ja viel unterwegs sein, dann hätten Sie die Villa ganz für sich. Klingt das nicht sehr verlockend?“
„Doch“, erwiderte Chloé Benson gelassen. „Aber wie ich bereits sagte, als ich meine Kündigung eingereicht habe: Ich habe eigene Pläne.“ Und darin ist das Schuften als Hausangestellte nicht vorgesehen, fügte sie in Gedanken hinzu. Auch wenn es sich um eine noch so lukrative Stelle handelt. Netter Versuch, liebe Dilys, aber ich verzichte dankend.
„Ich muss sagen, ich bin sehr enttäuscht“, sagte Mrs Armstrong in jenem leicht gereizten Ton, der bei ihr das Maximum an Lebhaftigkeit war. „Und ich weiß nicht, was mein Mann dazu sagen wird.“
Er wird sagen: „Tja, schade, Liebes“, und dann wird er sich wieder in die Financial Times vertiefen, wie immer, dachte Chloé und musste ein Lächeln unterdrücken.
„Wenn es Ihnen um die Bezahlung geht …“ Mrs Armstrong zog fast unmerklich die perfekt in Form gezupften Brauen zusammen. „Wenn Sie ein besseres Angebot bekommen haben, dann können wir uns sicher einigen.“
Im Gegenteil hätte Chloé am liebsten geantwortet. Nicht Geld lockte sie fort, sondern die Liebe.
Einen kurzen glücklichen Moment lang dachte sie an Ian und sah den großen Mann mit den breiten Schultern, den braunen Locken und den freundlichen blauen Augen vor sich. Chloé stellte sich vor, wie sie einander umarmten und sie zu ihm sagen würde: „Darling, ich bin endlich zurückgekommen, und diesmal werde ich bleiben.“
Sie schüttelte den Kopf. „Nein, darum geht es nicht. Ich habe mich einfach entschieden, beruflich eine andere Richtung einzuschlagen.“
„Das ist aber schade. Sie sind doch wie geschaffen für Ihre derzeitige Tätigkeit!“
Musste man wirklich „wie geschaffen“ sein, um „Ja, Madam“ und „Natürlich, sofort, Madam“ zu sagen? Und wo lag die Kunst, dafür zu sorgen, dass ein mit sämtlichen technischen Errungenschaften ausgestatteter Haushalt reibungslos lief und dass die anderen Angestellten ihre Arbeit möglichst effizient erledigten?
Was auch immer bei seinen Geschäften in London passierte, in seinem Landhaus wollte der Milliardär Hugo Armstrong ein friedliches, ungestörtes Leben genießen. Ihm war deshalb wichtig, dass alle anfallenden Arbeiten schnell und ohne großes Aufhebens erledigt und die Rechnungen bezahlt wurden – und dass seine Gäste es bei ihm so komfortabel hatten wie in einem Luxushotel.
Er verlangte also nichts weniger als Perfektion, und während ihrer Zeit als Haushälterin hatte Chloé dafür gesorgt, dass er diese auch bekam. Sie hatte eine ganze Reihe Aufgaben zu bewältigen gehabt und sehr viel gearbeitet, doch das mehr als großzügige Gehalt hatte sie für diese und andere Unannehmlichkeiten mehr als entschädigt.
Ein nennenswertes Privatleben gestand man ihr dabei allerdings nicht zu, denn gerade zu Ostern und zu Weihnachten herrschte auf dem Anwesen viel Trubel. Chloé hatte nicht einmal zur Feier des dreißigsten Hochzeitstages von Onkel Hal und Tante Libby fahren können, weil die Armstrongs genau an jenem Wochenende eine große Feier veranstaltet und sie gebraucht hatten. In jenem Monat hatte sie eine großzügige Extraprämie erhalten. Doch das war nur ein schwacher Trost angesichts der Tatsache, dass Chloé jenen besonderen Tag nicht mit Menschen verbringen konnte, die sie sehr liebte und die für sie die einzigen echten Familienangehörigen waren. Andererseits hatte sie von Anfang an gewusst, dass sie bei dieser Arbeitsstelle praktisch rund um die Uhr zur Verfügung stehen musste.
Und in einer Woche würde ihre Zeit hier auch schon vorbei sein. Chloé hatte alles so vorbereitet, dass ihre Nachfolgerin ihre Arbeit nahtlos weiterführen könnte.
Als sie die Tür hinter sich schloss, musste sie sich eingestehen, dass ihre Wohnung ihr fehlen würde. Sie war zwar klein, doch es gab dort alles, was man brauchte, auch ein eigenes Badezimmer, eine teure Einbauküche und im Schlafzimmer ein riesiges Doppelbett.
Es würde bestimmt merkwürdig sein, künftig wieder in ihrem kleinen ehemaligen Kinderzimmer zu schlafen und von Tante Libby beim Gute-Nacht-Sagen eine Wärmflasche zu bekommen – ob sie diese nun brauchte oder nicht. Aber es wäre ja auch nicht für lange.
Vielleicht möchte Ian ja auch, dass ich noch vor der Hochzeit bei ihm einziehe, dachte Chloé glücklich. Sie würde dann ohne Zögern zustimmen. Es war an der Zeit, dass sein geduldiges Werben endlich belohnt wurde. Sie wusste gar nicht, warum sie so lange gezögert hatte. Chloé war mit ihren fünfundzwanzig Jahren noch Jungfrau und kam sich manchmal vor, als würde sie einer bedrohten Art angehören.
Und doch hatte das allein mit ihrem eigenen Wunsch zu tun. Aufmerksamkeit vom anderen Geschlecht hatte sie dank ihres zarten Teints, ihrer mandelförmigen braunen Augen mit den langen Wimpern und ihres sinnlichen Mundes schon als Teenager bekommen.
Chloé war sechzehn gewesen, als Ian während seines Studiums der Tiermedizin ein Praktikum in Willowford gemacht hatte. Und praktisch sofort hatte sie gewusst, dass er und sie füreinander bestimmt waren. Nach Abschluss seines Studiums kam er dann sofort zurück und fing in der Praxis ihres Onkels an.
Als auch Chloé mit dem Studium fertig war, machte er ihr einen Heiratsantrag. Doch sie gab sich zurückhaltend, weil sie erst ihre neu gewonnene Freiheit genießen wollte. Eigentlich hatte sie als Journalistin arbeiten wollen, doch in diesem Bereich war Arbeit nur sehr schwer zu bekommen. Also stellte sie sich stattdessen bei einer Agentur für die Vermittlung von Hausangestellten vor. Während die meisten ihrer Freundinnen ihre Finanzen durch Kellnern aufbesserten, entschied sich Chloé aufgrund der Schulung durch Tante Libby für Reinigungsjobs, fing frühmorgens an zu arbeiten und hatte schnell einen guten Ruf, weil sie zuverlässig, schnell und sorgfältig war. Einige spotteten über Chloés Weg, doch sie fand nichts dabei, denn sie verdiente sich ehrliches Geld durch ehrliche Arbeit.
Ian war jedoch nicht gerade begeistert, als sie ihm von der Stelle auf Colestone Manor erzählte, die sie in Aussicht hatte. „Das ist verdammt weit weg von hier!“, protestierte er. „Ich dachte, du würdest dir etwas in der Nähe suchen, sodass wir endlich mehr Zeit zusammen verbringen können!“
„Das werden wir ja auch“, erwiderte Chloé versöhnlich. „Aber die Stelle ist eine tolle Gelegenheit, richtig gut zu verdienen.“
„Ich verdiene ja auch nicht gerade schlecht“, stellte Ian ein wenig gereizt fest. „Du müsstest kein Leben in Armut führen.“
„Das weiß ich doch.“ Sie hatte ihn geküsst. „Aber hast du eine Vorstellung, wie teuer Hochzeiten heutzutage sind, selbst im kleinsten Rahmen? Onkel Hal und Tante Libby haben so viel für mich getan, und ich möchte ihnen diese Kosten ersparen. Außerdem wird die Zeit bestimmt ganz schnell herumgehen.“
Doch es war anders gekommen. Chloé wusste nicht, ob sie die Stelle angenommen hätte, wenn ihr klar gewesen wäre, wie anstrengend die Arbeit war. Die Armstrongs erwarteten, dass sie ihnen rund um die Uhr zur Verfügung stand. Der Kontakt mit Ian und ihrer Familie hatte sich deshalb im vergangenen Jahr größtenteils auf kurze Anrufe und hastig geschriebene Nachrichten beschränkt.
Aber das ist ja nun zum Glück vorbei, dachte Chloé. Jetzt konnte sie sich endlich auf ihre Zukunft konzentrieren und darauf, die ideale Nichte und die perfekte Verlobte zu sein. Dank ihrer Ersparnisse musste sie sich auch nicht sofort eine neue Stelle suchen. Sie konnte sich in Ruhe umsehen, die richtige Arbeit finden und ein paar Jahre dabei bleiben, bis sie und Ian sich entscheiden würden, eine Familie zu gründen. Alles wird sich fügen, dachte sie und seufzte glücklich.
Sie machte sich gerade einen Espresso, als es an der Tür klopfte und Tanya, das Kindermädchen der Armstrong-Zwillinge, den Kopf zur Tür hereinsteckte.
„In der Gerüchteküche brodelt es wie wild“, sagte sie. „Sag mir bitte, dass du nicht weggehst.“
„Doch, ich gehe weg“, erwiderte Chloé lächelnd.
„Was für eine Katastrophe!“ Tanya sank auf einen Stuhl und wirkte sehr niedergeschlagen. „Und bei wem soll ich dann künftig Zuflucht suchen, wenn mich die Gören wieder halb verrückt machen?“
„Wo sind sie jetzt denn? Hast du sie im Kinderzimmer an ihren Stühlen festgebunden?“, fragte Chloé.
„Nein, Dilys hat sie mit zu einer Teegesellschaft genommen. Da kann man ihr nur viel Glück wünschen.“
„Die Gastgeberin hat mein volles Mitgefühl.“ Chloé schenkte Espresso ein.
„Lass noch etwas für mich übrig. Ich muss mich schließlich in Südfrankreich um die Kleinen kümmern, wenn Dilys und Hugo von einer Villa und einer Jacht zur anderen düsen“, gab Tanya düster zu bedenken. „Mein einziger Trost war die Aussicht, dass du ebenfalls dabei sein würdest. Ich war mir sicher, dass Dilys dich dazu bringen würde, deine Kündigung zurückzunehmen.“
„Sie hat sich auch redlich bemüht“, erwiderte Chloé fröhlich und reichte Tanya eine Tasse Espresso. „Aber ich werde jetzt endlich mein eigenes Leben leben.“
„Hast du schon einen neuen Job in Aussicht?“
„Nein.“ Chloé zögerte einen Moment...




