E-Book, Deutsch, Band 1589, 160 Seiten
Reihe: Julia
Craven Traummann auf Raten
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-86494-259-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1589, 160 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-86494-259-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Seit zwei Jahren hat Joanna ihren Mann Gabriel nicht mehr gesehen. Mit achtzehn - himmelhochjauchzend verliebt - hatte sie den Multimillionär geheiratet - mit zwanzig blieb sie allein auf dem Familiensitz Westroe Manor zurück! Gabriel konnte keine Gefühle zeigen - jede zärtliche Berührung ließ ihn erstarren. Und heute? Joanna bekommt eine unerwartete Chance, herauszufinden, ob ihre heimliche Sehnsucht doch noch Erfüllung finden kann. Ihr Schwiegervater hinterlässt ein überraschendes Testament! Sie und Gabriel müssen zusammen ein Jahr lang auf Westroe Manor leben - erst dann können sie das Erbe antreten. Sollte der alte Herr geahnt haben, dass Joanna ihren Mann noch immer liebt?
Sara Craven war bis zu ihrem Tod im November 2017 als Autorin für Harlequin / Mills & Boon tätig. In über 40 Jahren hat sie knapp hundert Romane verfasst. Mit mehr als 30 Millionen verkauften Büchern rund um den Globus hinterlässt sie ein fantastisches Vermächtnis. In ihren Romanen entführt sie ihre Leserinnen in eine sommerliche mediterrane Welt und sorgt für Stunden voller Unterhaltung und Herzklopfen. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin fand sie auch noch die Zeit, sich von 2011 bis 2013 als Vorsitzende der Romance Novelists' Association zu engagieren.
Weitere Infos & Material
2. KAPITEL
Joanna fröstelte. Das behagliche Feuer war heruntergebrannt, und sie schürte es mit ein paar schnell brennenden Birkenscheiten.
Die eigentliche Kälte steckte jedoch in ihr, in ihren Knochen. In ihrem Herzen.
Gereizt schüttelte sie den Kopf. Warum dachte sie überhaupt an die Vergangenheit und riss alte Wunden wieder auf? Vielleicht, weil sie nie richtig verheilt sind, überlegte sie. Ein gefährliches Eingeständnis.
Die Arme um den Körper geschlungen, begann sie, mit gesenktem Kopf im Zimmer auf und ab zu gehen. Das Haar fiel ihr ins Gesicht, sie strich es ungeduldig hinters Ohr zurück. Sie trug noch immer den gleichen halblangen Bob. Eine neue Frisur ist längst überfällig, entschied sie unvermittelt. Ein kürzerer, geschäftsmäßiger Schnitt, der ihr bei der Jobsuche die nötige Professionalität verlieh.
Da Joanna häufiger für die Sekretärin in der Gutsverwaltung eingesprungen war, beherrschte sie die Grundlagen der Textverarbeitung und Buchführung. Sie wünschte sich eine Stellung, die ihrer jetzigen Position auf Westroe Manor ähnelte, natürlich ohne die persönliche Bindung. Haushälterinnen mit Führerschein und Sekretariatskenntnissen wurden bestimmt gesucht. Außerdem hatte sie gehört, dass die Nationale Denkmalbehörde Leute einstellte, die auf staatlichen Anwesen lebten und für die Instandhaltung sorgten.
So etwas würde ich gern machen, dachte Joanna. Ich würde mich mit der gleichen Sorgfalt um ein altes Haus wie dieses kümmern. Gabriel übernimmt es in einem erstklassigen Zustand.
Sie hatte die letzten zwei Jahre auf der Stelle getreten, aber wenn ihr die gesammelten Erfahrungen zu einer Karriere verhalfen, war die Zeit nicht vergeudet gewesen. Es war nur schade, dass sie vor Gabriels Rückkehr keine geeignete Stelle finden würde.
Gabriel … Jeder Gedanke schien sie unweigerlich zu ihm zu führen. In gewisser Hinsicht war das verständlich. Schließlich würde er in spätestens achtundvierzig Stunden hier auftauchen und alles in Besitz nehmen.
Ein Schauer durchrann sie. Einen Moment lang hätte sie schwören können, seine Anwesenheit zu spüren. Sie meinte, seine Hände auf ihrer Haut zu fühlen, als wäre sie ein besonders seltener und kostbarer Gegenstand, der zwar flüchtig sein Interesse geweckt hatte, den er am Ende aber trotzdem nicht kaufen würde. Sie glaubte, Gabriel zu riechen, zu schmecken.
Joanna erinnerte sich an sein Gesicht – angespannt, fast wild im golden schimmernden tropischen Mondlicht –, als er sich über sie geschoben hatte. Und dann hatte er sich plötzlich in einen enthemmten, dominierenden Fremden verwandelt, der von Emotionen getrieben wurde, die sie weder teilte noch begriff.
Allerdings hatte er sie nie wieder so behandelt.
Sie hatten später genauso wenig über den Vorfall gesprochen wie über die unschönen Worte, die danach gefallen waren. Stattdessen hatten sie ihre Flitterwochen in stummer Übereinkunft so verbracht wie jeden anderen Urlaub. Sie waren geschwommen, hatten Ausflüge gemacht, waren über die bunten Märkte gebummelt und hatten wie alle anderen Touristen die einheimischen Spezialitäten im Restaurant probiert.
Tagsüber schien er der Gabriel zu sein, den sie immer gekannt hatte, und sie konnte sich entspannen. Aber sie wusste, dass sie nachts allein in dem riesigen Bett liegen, dem leisen Surren des Deckenventilators lauschen und sich fragen würde, ob Gabriel schlief.
Erst in der letzten Nacht auf der Insel kam er wieder zu ihr.
Diesmal waren seine Berührungen sanft, beinahe unpersönlich. Obwohl sie keinen Schmerz empfand, als er in sie eindrang, war sie wie versteinert. Sie sehnte sich danach, das größte aller Geheimnisse mit ihm zu teilen, aber sie wagte es nicht. Seinen eigenen Worten zufolge war nämlich alles ein Fehler gewesen, und er begehrte sie eigentlich gar nicht. Er brauchte sexuelle Befriedigung, und sie war nichts weiter als ein weiblicher Körper. Dieses Wissen zwang ihr Fesseln auf, die Gabriels beherrschtes, „pflichtgemäßes“ Liebesspiel nicht zu sprengen vermochte.
Irgendwann hörte sie ihn leise fragen: „Soll ich aufhören?“
„Nein“, entgegnete sie wispernd. „Es ist alles in Ordnung –wirklich.“
Einen Moment lang sah er sie reglos an, dann schloss er die Augen und steigerte den Rhythmus seiner Bewegungen, bis er den Höhepunkt erreichte.
Nach der Rückkehr wurde die Situation in mancher Hinsicht leichter. So mussten sie beispielsweise ihre Zeit nicht mehr ausschließlich in der Gesellschaft des anderen verbringen. Dafür tauchten andere Probleme auf – erstens Cynthias geradezu obszönes Interesse an ihrer Beziehung und zweitens Lionels gutmütige Anspielungen auf Enkel.
Wären sie in Liebe und Leidenschaft verbunden gewesen, hätten sie gemeinsam lachen können. So jedoch schämte Joanna sich in Grund und Boden; was Gabriel darüber dachte, behielt er für sich.
Er hatte sich inzwischen angewöhnt, in London zu übernachten, statt nach Hause zu fahren, und sie musste ständig neue Ausreden erfinden, warum sie nicht bei ihm war.
Wenn er dann einmal auf Westroe Manor weilte und der Form halber das Bett mit ihr teilte, lag sie stundenlang wach, aus Furcht, er könnte sie berühren. Gleichzeitig ärgerte es sie maßlos, dass er ihr lediglich eine gute Nacht wünschte, sich auf die Seite drehte und sofort einschlief.
War er nicht da, blickte sie starr in die Dunkelheit, während ihre Fantasie ihr Bilder vorgaukelte, wie er sich nackt über eine andere Frau beugte.
Es musste eine andere geben, das sagte ihr der gesunde Menschenverstand. Gabriel war kein Mönch, und die Zeiträume zwischen ihren Liebesakten – sofern man es überhaupt so bezeichnen konnte – wurden länger.
An das letzte Mal erinnerte Joanna sich besonders deutlich. Sie waren auf einer Party gewesen – der einundzwanzigste Geburtstag von irgendjemandem –, und sie hatte zu viel Champagner getrunken. Und plötzlich spürte sie, wie die Hemmungen von ihr wichen. Sie lachte, flirtete und tanzte mit allen, bis sie merkte, dass Gabriel sie beobachtete. Er lehnte an der Wand und hielt einen Drink in der Hand. Zuerst war sie verunsichert und fürchtete seine Missbilligung, doch dann sah sie sein leichtes Lächeln. Sie lachte ihn an. Einem Impuls folgend, drehte sie sich im Kreis, so dass sich der weite Rock ihres dunkelblauen Seidenkleids um ihre Beine bauschte, und warf ihm eine Kusshand zu. Und Gabriel antwortete, indem er das Glas zu einem stummen Toast hob.
Als sie später heimfuhren, streifte sie die hochhackigen Pumps ab und lehnte den Kopf an seine Schulter. Insgeheim hatte sie damit gerechnet, dass er von ihr abrücken würde, doch er rührte sich nicht von der Stelle. Unter halb gesenkten Lidern hervor blickte sie auf die vorbeiziehenden Baumreihen, während sie die Wange sacht am weichen Stoff seines Jacketts rieb und einen der Songs summte, zu denen sie getanzt hatte.
Ohne dass sie miteinander sprachen, baute sich zwischen ihnen eine Intimität auf, die keiner Worte bedurfte. Sie waren wie in einem Traum gefangen.
Als sie das Anwesen erreichten, parkte Gabriel vor dem Haupteingang und stieg aus, um die Beifahrertür für Joanna zu öffnen.
Sie tastete über den Wagenboden. „Ich habe meinen Schuh verloren.“
„Du kannst morgen danach suchen.“
„Aber der Kies …“ Sie verstummte, als er sie kurzerhand auf die Arme hob und die Stufen hinauf ins Haus trug. Statt sie jedoch in der Halle wieder abzusetzen, stieg er mit ihr die Treppe hinauf und ging den Flur entlang zu ihrem Schlafzimmer.
Ihr Herz klopfte, als wollte es zerspringen. Die beschwingende Wirkung des Champagners war verflogen, und Joanna war wieder nüchtern – halb ängstlich, halb aufgeregt.
Nachdem Gabriel das Zimmer durchquert hatte, legte er sie aufs Bett und ließ sich neben ihr nieder. Er umfasste ihr Gesicht und zwang sie sanft, ihn anzuschauen. Sein Blick war so eindringlich, dass sie meinte, er wolle bis auf den Grund ihrer Seele sehen. Die Atmosphäre im Raum schien vor Spannung zu knistern. Das matte Licht der Nachttischlampe warf tanzende Schatten an die Wand.
Joanna zitterte innerlich vor Vorfreude. Sie hob die Hand und strich mit den Fingerspitzen sacht über Gabriels Wange. Als sie jedoch sein leichtes Zusammenzucken und seine undurchdringliche Miene bemerkte, fiel ihr ein, dass er sich offenbar ebenfalls der bittersüßen Wahrheit über ihre Ehe erinnerte. Es würde also mit Sicherheit unerträgliche Komplikationen heraufbeschwören, so folgerte sie, wenn sie dem Verlangen nachgeben und sich an Gabriel klammern würde.
Denn eigentlich hat sich gar nichts geändert, überlegte sie bekümmert. Er hatte sich auf der Party amüsiert und wollte nun den Abend ähnlich unbeschwert beenden. Sie durfte ihn nicht begehren. Es wäre zu demütigend, den Rest ihres Lebens damit zu verbringen, auf ihn zu warten, sich nach ihm zu verzehren und enttäuscht zu werden. Betrogen zu werden.
Es war besser so, wie es war. Dann blieb ihr wenigstens ihr Stolz.
Unvermittelt schob sie ihn von sich.
Er wollte sie festhalten. „Joanna …“ Seine Stimme klang sanft, fast reumütig.
„Entschuldige“, wisperte sie. „Ich fühle mich nicht wohl.“ Eine Hand auf den Mund gepresst, glitt sie aus dem Bett, lief ins Bad und verriegelte die Tür hinter sich.
Ihre Behauptung war nicht einmal gelogen. Ihr war übel vor Entsetzen über die eigene Schwäche.
Sie ließ kaltes Wasser über die Handgelenke strömen und benetzte sich das Gesicht. Nach einer angemessenen Weile betätigte sie die Toilettenspülung, verließ das Bad und tupfte sich den Mund ab.
Gabriel stand am Fenster und schaute hinaus in die Dunkelheit. Mit hochgezogenen Brauen drehte er sich zu...




