E-Book, Deutsch, 380 Seiten
Crawford Ambrosia
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7363-2505-0
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 380 Seiten
ISBN: 978-3-7363-2505-0
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Für dich würde ich mein Königreich in Schutt und Asche legen.'
Nachdem der Seelie König Torin sie versehentlich beinahe umgebracht hätte, findet sich Ava überraschend am Hof des Kummers wieder - ihrer wahren Heimat und Reich von Königin Mab. Denn wie sich nun herausstellt ist Ava eine Unseelie und damit eine Feindin von Torin und seinem Reich. Aber auch hier wird Ava nicht mit offenen Armen empfangen und als auch noch Torin am Hof des Kummers eintrifft, um die Frau, die er liebt, zurückzuholen, werden beide von Königin Mab gefangengenommen. Während Ava und Torin um ihr Überleben kämpfen, verstricken sie sich immer tiefer in Mabs Lügennetz und müssen alles riskieren, um die Wahrheit aufzudecken und Torins Königreich zu retten.
'Wenn du nach einer großartigen Fantasy-Romance suchst, dann wirst du die Welt von Frost und Ambrosia lieben!' @hikami.d.reads
C.N. Crawford ist ein eingespieltes Autor:innen-Duo, das gemeinsam Romantic Fantasy Geschichten schreibt - mit viel Magie, Spannung und Herz. Wenn sie nicht gerade an neuen Geschichten feilen, kümmern sie sich liebevoll um ihre zwei energiegeladenen Söhne oder träumen bei einer Tasse Kaffee von neuen Welten.
Christine kommt aus Lexington, Massachusetts, und liebt alles rund um die geheimnisvolle Folklore Neuenglands - vor allem alte, leicht gruselige Friedhöfe haben es ihr angetan.
Nick wuchs in Vermont auf und verbrachte seine Winter lesend - mit einem Stapel Fantasy- und Sci-Fi-Bücher, der nie kleiner wurde. Heute ist er nahezu immun gegen Kälte.
Weiter Informationen:
Internetseite: cncrawford.com
Instagram: cn_crawford
TikTok: cn_crawford_author
Weitere Infos & Material
1
Ava
Ich blickte in die Pfütze auf dem Waldboden, starrte die bronzefarbenen Hörner an, die aus meinem Kopf herausragten: klein und teuflisch, zur Seite und himmelwärts geschwungen. Meine Augen sahen dunkel und unergründlich aus, schiefergrün wie die stürmische See. Dreck klebte an meiner Wange und ich wischte ihn mit einer zitternden Hand weg.
Als ich durch das eisige Portal an diesen Ort gelangt war, hatten sich die lavendelfarbenen Spitzen meiner Haare in ein helles Grün verwandelt. Auch meine Kleidung hatte sich verändert. Ich trug nun ein meergrünes Kleid, das sich durchtränkt vom Wasser des Portals an meinen Körper schmiegte. Die feuchte Erde des Waldes hatte meine kleinen weißen Schuhe verschmutzt, genau wie den Saum des hauchzarten Kleides.
Mit einem entsetzen Schaudern ging mein Blick wieder zurück zu den Hörnern. Mein Puls beschleunigte sich.
Dämon.
Das war der Begriff, den die Seelie für die Unseelie verwendeten.
Torin hatte einmal gesagt: »Ein König muss unter Beweis stellen, dass er die Macht hat, Dämonen und Monster zu besiegen.« In der Festhalle seines Schlosses hing ein Wandteppich, auf dem dargestellt wurde, wie ein Seelie-König den Kopf eines Dämons mit goldenen Hörnern abtrennte.
Hörner, die wie meine aussahen …
Grauen trieb seine Klauen in mein Herz. Würde Torin mir eine Klinge durch die Kehle stoßen, wenn er mich sah?
Ava Jones hatte solche Hörner nicht. Sie gehörten zu meinem neuen Ich, zu einer Dämonin, deren Name in Vergessenheit geraten war.
Ich hob eine Hand, um eines der gebogenen Hörner anzufassen, fuhr mit dem Finger über die Spitze. Es war beunruhigend empfindlich, weshalb die Berührung mir einen Schauer durch den Körper jagte. Scharf wie die Spitze eines Fae-Schwertes. Für einen kurzen Moment flackerte ein Bild davon, wie diese Hörner jemandem den Bauch aufrissen, in meinen Gedanken auf …
Erneut erschauderte ich. Unter dem Zauberglanz der gewöhnlichen Ava Jones erwachte ein Monster zum Leben.
Als ich den Finger von der Spitze meines Horns nahm, glitzerte ein kleiner scharlachroter Tropfen darauf. Ich steckte den Finger in den Mund und schmeckte Kupfer.
Mit einem tiefen Atemzug versuchte ich, mich zu beruhigen. Der Duft des Waldes erfüllte meine Nase, satt und urtümlich: Moos, Erde und ein Hauch süßer Mandeln. Der Duft kitzelte etwas in den dunkelsten Tiefen meiner Erinnerungen wach. Nebel zog um mich herum auf und verschleierte mein Spiegelbild in der Pfütze.
Hinter mir raschelten Blätter und ich sprang auf die Füße, als mir eine furchtbare Tatsache wieder einfiel, die ich vor Schreck vergessen hatte: Hinter mir befand sich ein wahnsinnig großes Insekt.
Ich wirbelte herum. Eine Spinne in der Größe eines Hundes kroch auf mich zu, ihre sechs schillernden Augen waren direkt auf mich gerichtet.
Langsam und vorsichtig ging ich rückwärts, meine kleinen Schuhe wurden von der Pfütze durchtränkt. Die Spinne trippelte näher heran, lange, spitze Fangzähne glitzerten in ihrem offenen Maul.
Während ich zurückwich, verfluchte ich die Magie dieses Reiches stillschweigend dafür, dass sie mir ein hübsches Kleid, jedoch kein Schwert zur Selbstverteidigung zur Verfügung gestellt hatte. Natürlich hatte ich jetzt Hörner – allerdings war ich nicht bereit, dem Vieh so nahe zu kommen, um sie als Waffe einzusetzen.
Die Spinne kam weiter auf mich zu und ich drehte mich um und rannte in die entgegengesetzte Richtung.
Ich raffte mein Kleid und eilte durch den Nebel. Knorrige Baumwurzeln ragten aus der feuchten Erde unter meinen Füßen empor und ich musste vorsichtig sein, um nicht zu stolpern.
In dem Dunst konnte ich kaum erkennen, wohin ich lief, und das dichte Gestrüpp zerkratzte mir Arme und Beine. Ich platschte durch schlammige Pfützen und schlug Äste vor meinem Gesicht beiseite.
Panische Gedanken huschten mir durch den Kopf, während ich versuchte, die momentane Situation zu verstehen. Was genau war in der letzten Stunde passiert?
Eigentlich sollte ich jetzt die Königen der Seelie sein.
Ich sollte auf dem Thron sitzen und das Reich mit meiner Magie regenerieren, um es vor Frost und Hunger zu bewahren. Ich sollte Torins Ehefrau sein – zumindest zum Schein. Ich sollte fünfzig Millionen Dollar auf meinem Bankkonto haben. Aber Moria war mit einer Geschichte über ihre getötete Schwester und einer Vorhersehung meines Todes in meinem Zimmer aufgetaucht. Sie war sich sicher gewesen, dass Torin auch mich umbringen würde, und hatte bei dieser Aussicht sogar schadenfroh gewirkt.
Mein Brustkorb zog sich schmerzhaft zusammen, während mir bei meinem nächsten Gedanken das Herz brach.
Vielleicht hatte sie recht. Denn soviel ich wusste, Gebot die Ehre eines Seelie-Königs ihm, eine Unseelie wie mich zu töten.
Ich floh durch den Wald, wobei Torins Worte in meinen Ohren widerhallten: Monster … Dämonen … Allein von ihnen zu sprechen könnte ihre verderbte Aufmerksamkeit erregen.
Ein grollendes Zischen jagte mir Furcht über den Rücken. Ich blickte zurück. Die monströse Spinne holte auf. Ich lief schneller durch den Nebel, meine Lunge brannte. Dornen hinterließen leuchtend rote Striemen auf meinen bloßen Armen. In der Ferne hörte ich das Rauschen eines Flusses, also rannte ich auf das Geräusch zu. Wenn ich dem Fluss folgte, könnte er mich zu einem Dorf oder einer Siedlung führen.
Jeden Moment rechnete ich damit, dass die Spinne angreifen würde, dass ich ihre haarigen Beine auf meinem Rücken spüren würde, gefolgt vom brennenden Schmerz ihrer Fangzähne in meinem Nacken.
Als ich über eine Wurzel stolperte, ruderte ich mit den Armen, um das Gleichgewicht zu halten. Ich griff nach einem faustgroßen Stein auf dem Boden, wirbelte herum und schleuderte ihn auf die Augen der Spinne. Mit einem Kreischen wich die Kreatur zurück und ich sprintete davon.
Als ich den reißenden Fluss erreichte, tauchte die untergehende Sonne den Nebel in rotgoldenes Licht. Weißes Wasser rauschte über Treibholz hinweg und stürzte einen sanften Abhang hinunter in eine Lichtung. Ein kühler Sprühnebel legte sich auf mich. Ich suchte den Dunst ab, nahm aber keine Bewegung wahr.
Ich folgte dem schmalen Pfad neben dem Fluss. Tiefer im Wald verwandelten sich seine Farbtöne in kräftige, verwunschen wirkende Schattierungen. Grüne Blätter gingen in Kastanienbraun über, dann in helles Rot, und die Nuancen der Baumstümpfe reichten von Indigo bis Mitternachtsblau. Als die Nacht hereinbrach, verdunkelte sich das Licht zu dämmrigen Tönen aus Violett und Dunkelgrün.
Über rutschige Felsen und knorrige Wurzeln eilte ich entlang des Flussufers. Die Nacht senkte sich unaufhaltsam herab, die Schatten um mich herum wurden dichter und länger. Ich nahm einen tiefen Atemzug und versuchte, mir vorzustellen, wie ich mich hier in vollkommener Dunkelheit orientieren sollte.
Als ich den Weg hinunterlief, erreichte ich einen riesigen Baum mit tiefblauer Rinde, der aus der Dunkelheit ragte. Seine Äste erstreckten sich über den Fluss, das Mondlicht hoch über mir fiel durch die purpurroten Blätter. Der immense Stamm versperrte mir den Weg, die dicken Wurzeln schlängelten sich den Hang hinab zum Fluss.
Also schlich mich um ihn herum. Die dicken Äste schirmten das Mondlicht ab, Schatten hüllten mich ein.
Ich zitterte. Plötzlich packte mich jemand von hinten und zerrte mich in die Dunkelheit, einen Arm schraubstockartig um meine Taille geschlungen und eine Hand auf meinen Mund gelegt. Angst schoss durch meine Adern.
Ich wehrte mich, schlug meinen Angreifer mit den Ellbogen und versuchte, meine Hörner in seinen Kiefer zu rammen. Der Geruch von nassem Gestein und Erde stieg mir in die Nase und als sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnten, wurde mir klar, dass ich in eine Höhle geschleppt wurde.
Der Angreifer beugte sich herunter und flüsterte mir ins Ohr: »Bitte sei leise, Ava.«
Sofort erkannte ich den tiefen, geschmeidigen Bariton seiner Stimme wieder, gefährlich und verlockend zugleich. Der an den schweren Geruch von Eichen erinnernde Duft des Seelie-Königs hüllte mich ein, strich über die rauen Ränder meiner Angst. Ich befand mich im stählernen Griff des Mannes, der mich möglicherweise tot sehen wollte.
Die Frage zerrte immer noch an meinem Verstand: Würde er mich umbringen? Schließlich gehörte das zum Job eines Seelie-Königs.
»Ava.« Sein kräftiger Arm hielt mich an Ort und Stelle fest. »Du musst leise sein. Jemand ist dir gefolgt.«
Ich wurde reglos, kämpfte nicht länger gegen ihn an und meine Muskeln gaben nach. Langsam kam ich wieder zu Atem und er nahm die Hand von meinem Mund. Mein Herz trommelte nach wie vor so wild wie das eines Kolibris. Furcht? Oder lag es einfach an dem Effekt, den Torin immer auf mich hatte? Ich war nicht sicher.
Was es auch sein mochte, er ließ mich nicht los.
»Was machst du hier?«, flüsterte ich. »Wie bist du hergekommen?«
»Ich bin dir durch das Portal gefolgt«, murmelte er. »Und jetzt gerade versuche ich, dich vor einem Dämonen zu retten.« Torins Atem wärmte mein Ohr, sein muskulöser Arm blieb fest um meine Mitte geschlungen. »Er ist dir gefolgt.«
War ihm nicht aufgefallen, dass ich eine Dämonin war?
Mein Herz schlug schneller. In meiner Panik hatte ich den anderen Unseelie nicht entdeckt. »Und warum lässt du mich nicht los?«
»Weil ich sehe, dass du...




