E-Book, Deutsch, 288 Seiten
CreepyPastaPunch / Schmuck Abgründe des Schreckens
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-96096-571-8
Verlag: Community Editions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Horrorkurzgeschichten von CreepyPastaPunch
E-Book, Deutsch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-96096-571-8
Verlag: Community Editions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Düster, spannend, unheimlich! Christoph Schmuck aka CreepyPastaPunch schockt dich mit 15 neuen Horrorgeschichten, die unter die Haut gehen. Nach den SPIEGEL-Bestsellern »Gesichter der Furcht« und »Momente des Grauens« legt der Meister der CreepyPastas nach. Die gruseligen Illustrationen im Horror-Manga-Stil liefert wieder Dominik Jell. Bist du mutig genug? Dann tauche ein und entdecke den Horror, der überall lauern kann - auch in dir!
Christoph Schmuck vom YouTube-Kanal CreepyPastaPunch erzählt leidenschaftlich gerne Gruselgeschichten und fasziniert damit mehr als 1,34 Millionen Follower*innen. Fu?r seine Community recherchiert und inszeniert er nicht nur urbane Legenden aus dem Internet - sogenannte CreepyPastas -, er ist auch erfolgreicher Podcaster und Bestsellerautor.
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Hochzeitstag
Ich blicke zum strahlend blauen Himmel hinauf und die Zeit scheint langsamer zu vergehen. Die Sonne wärmt und weiße Tauben fliegen aufgeschreckt, aber nicht hastig, mit eleganten Flügelschlägen in den Himmel hinauf. Für einen Moment ist alles still. Kein Windzug, niemand spricht ein Wort und nicht einmal die Vögel singen, bevor sich plötzlich alles in einem markerschütternden Schrei entlädt. Die Tauben zerplatzen in der Luft und heißer, blutroter Regen prasselt auf mich herab.
Seit Monaten habe ich nun schon diesen immer wiederkehrenden Albtraum, der einfach nicht verschwinden mag.
Es sollte der schönste Tag meines Lebens werden, ein Tag, an den man sich sein Leben lang erinnert und stets Schmetterlinge im Bauch spürt und unweigerlich lächeln muss, wenn die Bilder dieses Festes die Erinnerungen kreuzen.
Seit meiner Kindheit träumte ich von einer wunderschönen Hochzeit. Im weißen Kleid mit langer Schleppe, draußen in der Natur an einem warmen Sommerabend am See. Jeder feste Freund, den ich hatte, von der Mittelstufe an, wusste sofort über diesen Traum Bescheid. Und doch wurde dieser Tag anders, als ich es je erwartet hätte.
Am Tag vor meiner Hochzeit war ich sehr aufgeregt. Mein zukünftiger Ehemann, Viktor, schlief die Nacht bei seinen Eltern, denn wir wollten den alten Brauch beachten, dass der Bräutigam seine Braut kurz vor der Trauung nicht sehen darf.
Es war seltsam, abends allein in unserer gemeinsamen Wohnung zu sein. Seit wir vor vier Jahren zusammengekommen und nur wenige Monate später zusammengezogen waren, waren wir eigentlich stets beieinander. Jeden Abend verbrachten wir Seite an Seite, und auch wenn ich meine Freunde traf, war Viktor immer dabei. Ehrlich gesagt war ich es überhaupt nicht mehr gewohnt, die einzige Person in der Wohnung zu sein. Allein mit mir selbst und allein mit meinen Gedanken.
Während ich auf unserer Ledercouch saß und halbherzig eine Quizshow im Fernsehen schaute, dachte ich über den nächsten Tag nach. Ich war nervös, aber ich glaube, das ist vor einem so großen Schritt normal. Ab morgen würde alles anders sein, oder vielleicht auch nicht, denn außer meinem Nachnamen und einem Ring an meinem Finger würde sich ja nicht viel ändern.
Obwohl es in unserer Wohnung an diesem Juni-Abend relativ warm war, zog ich meine Pulloverärmel über meine Hände. Ich mochte es nicht mehr, kurzärmlige Oberteile zu tragen, deswegen hatte auch mein Hochzeitskleid lange Ärmel und es bedeckte meine Schultern. Und Viktor hatte auch darauf bestanden, als er mit mir das Kleid kaufen gegangen war. Er meinte, es sähe so viel besser aus, und ich diskutierte nicht mit ihm.
Bei dem Gedanken an die Feier, den Moment, in dem meine Eltern und Freunde mich mit Tränen in den Augen ansehen würden, wenn ich dem Standesbeamten sagte, dass ich mich für immer binden möchte, begann mein Herz zu rasen und meine Hände wurden feucht. Ich spürte, wie die Nervosität langsam die Oberhand gewann, und mir war klar, dass ich eine Panikattacke durchleben würde, wenn ich nicht dagegen ansteuern würde.
Seit zwei Jahren hatte ich immer mal wieder Panikattacken, die ich allerdings erfolgreich verbergen konnte. Letztendlich hatte ich gelernt, mit ihnen zu leben und umzugehen. Auch wenn es ungesund klingt, war Alkohol zumindest für mich der beste Weg. Wenn mir alles zu viel wurde, konnte nur der benommene Zustand der Betrunkenheit meinen Herzschlag beruhigen. Es war ein Problem, das ich schon seit einiger Zeit angehen wollte, doch ich sträubte mich davor, zu einem Arzt oder in eine Klinik zu gehen. Viktor meinte ebenfalls, dass ich das nicht solle, da es dafür keinen Grund gebe.
Ich stand vom Sofa auf und öffnete mit zitternden Händen die Vitrine, nahm mir ein Weinglas sowie einen recht günstigen Rotwein, den ich am Vortag noch gekauft hatte. Danach ließ ich mich erneut in die Couchkissen fallen, füllte mein Glas beinahe bis zum Rand und trank mehrere große Schlucke, als wäre der Wein nur ein Fruchtsaft.
Mit jedem Schluck beruhigte sich mein Herz und mein Verstand vernebelte langsam. Während ich ein Glas nach dem anderen leerte, dachte ich über Viktor und unsere gemeinsame Zeit nach.
Die Erinnerungen an diesen Abend sind lückenhaft, aber irgendwann, als die Weinflasche leer war, musste ich auf dem Sofa eingeschlafen sein, denn ich wachte mit dröhnenden Kopfschmerzen und einem bösen Kater auf.
Glücklicherweise hatte ich mir scheinbar im betrunkenen Zustand noch einen Wecker am Handy gestellt, sonst hätte ich vermutlich meine eigene Trauung verschlafen. Mir war klar, dass ich die letzte Nacht übertrieben hatte, doch die Zeit rannte. Ich musste mich beeilen, damit ich es in knapp einer Stunde zu unserer Hochzeitslocation schaffte, einem alten Landhaus an einem malerischen See. Ich nahm zwei Schmerztabletten ein, sprang unter die Dusche, machte mich fertig und begab mich auf den Weg.
Glücklicherweise managte meine Mutter alles. Sie liebte Viktor, der sich bei meinen Eltern stets von seiner besten Seite zeigte, so wie er es bei allen Außenstehenden tat. Egal, ob Freunde oder Verwandte, Viktor war ein Mensch, den ich überall mit hinnehmen konnte, und ich wusste, sein Charme würde die Leute auf seine Seite ziehen. Dies war eine Fähigkeit, die ich an ihm bewunderte.
Als meine Eltern hörten, dass er mir einen Antrag gemacht hatte, boten sie umgehend an, die Hochzeit zu bezahlen und auszurichten. Auch sie kannten meine Wünsche und Vorstellungen für diesen besonderen Tag. Sie nahmen mir viel Arbeit ab, trotzdem hatte ich ab und zu das Gefühl, dass meine Eltern sich mehr auf diesen Tag freuten als ich. Wie viel Glück ich doch hatte. Eine Hochzeit, wie ich sie mir immer gewünscht habe, mit einem Mann an meiner Seite, der mit einem Lächeln die drei wichtigsten Worte »Ja, ich will« sagen würde.
Mein Blick wanderte immer wieder zur Uhr auf der Mittelkonsole. Ich war bereits zu spät dran. 14 Minuten nach Plan parkte ich den Wagen auf einem grauen Schotterparkplatz direkt zwischen der Hütte und dem Garten am See, wo bereits Stuhlreihen, Tische sowie ein mit Blumen geschmückter Bogen zur Trauung bereitstanden. Als ich aus dem Wagen stieg, kam umgehend meine Mutter vom Garten auf mich zugeeilt und umarmte mich.
»Kind, wir haben uns schon Sorgen gemacht!«, murmelte sie und betrachtete mich eingehend. Gerade als ich sie beruhigen wollte, blickte sie plötzlich panisch hinter mich. Ihre Augen wurden größer und ihre Kinnlade fiel hinab.
»Geh rein, du darfst nicht hier sein!«, rief sie jemandem hinter mir zu.
Neugierig blickte ich hinter mich und schreckte zusammen, so stark, dass ich mich in den Arm meiner Mutter regelrecht reinwarf, die mich leicht verwundert auffing. Ein seltsamer Mann stand auf der Terrasse der Landhütte. Er trug einen mitternachtsblauen Smoking, ein weißes Hemd und eine kleine dunkelrote Fliege. Seine Hände waren in den Taschen seiner ebenfalls blauen Hose verschwunden. Doch sein Gesicht erinnerte kaum an das eines Menschen. Er hatte keine Haare auf dem Kopf und die Haut seines Gesichts schien völlig verätzt, so als wäre er mit Säure übergossen worden, an einigen Stellen trat pinkes Fleisch hervor, das feucht schimmerte. Hautfetzen fielen in Falten über Augen und Nase, sodass sie kaum zu sehen waren. Anstelle der Ohren waren lediglich zwei Wülste. Wie diese Person überhaupt sehen oder hören konnte, war mir ein Rätsel. Der Mund sah zerrissen aus und dieser Mensch, wenn er denn ein Mensch war, schien keine Lippen mehr zu haben. Man sah sein überdimensioniertes Gebiss aus schiefen Zähnen und das blutig angelaufene Zahnfleisch oben und unten. Es war grotesk, wie dieser Mensch uns scheinbar seelenruhig beobachtete. Noch nie zuvor hatte ich diese Person gesehen, ein Gesicht wie dieses würde ich nie vergessen können. Warum also war dieses Ding auf meiner Hochzeit?
Nach einem Moment brachte die Gestalt einige seltsame Töne heraus und verschwand dann durch die weiße Tür in die Landhütte. Mit großen Augen starrte ich auf meine Mutter, wartete auf eine Erklärung, wer oder was dieses Wesen war. Doch sie schüttelte nur den Kopf und grinste.
»Da guckt er sich seine Braut schon vor der Trauung an. Typisch Mann.«
Unsere Gesichtsausdrücke konnten in diesem Moment nicht unterschiedlicher sein. Seine Braut?
»Wer war das, Mama?«, fragte ich sie verwirrt, ohne den Augenkontakt mit ihr zu unterbrechen. Sie schien meine Sorge entweder nicht zu bemerken oder für einen Scherz zu halten, denn sie lachte nur.
»Erkennst du deinen eigenen Mann nicht mehr wieder, Schatz?« Sanft streichelte sie über meine Schultern. Mein Herz setzte für einen Moment aus. Das musste ein dämlicher Scherz oder ein Hochzeitsbrauch sein, den ich noch nicht kannte. Ich wusste nicht, was das eben auf der Terrasse gewesen war, aber Viktor war das definitiv nicht.
Mühsam stammelte ich ein paar Worte, unfähig, einen klaren Satz zu bilden, als meine Mutter mich wieder unterbrach.
»Jetzt geh erst einmal rein, wir müssen noch deine Haare machen und dir das Kleid anziehen.« Sanft nahm sie meine Hand und zog mich hinter ihr her zur Tür am anderen Ende des Hauses. Ich folgte ihr wie auf Autopilot, während meine Mutter einigen Männern, die scheinbar als Kellner engagiert wurden, zurief, dass sie noch die Tischdecken auf die Tische legen müssten.
In einem kleinen Raum warteten bereits meine Freundinnen. Nini umarmte mich sofort als Erste und wippte überschwänglich von links nach rechts. Immer wieder sagte sie, wie...




