E-Book, Deutsch, Band 2144, 144 Seiten
Reihe: Julia
Crews Brandung der Begierde
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7337-0096-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2144, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-0096-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Um eine alte Familienfehde zu beenden, tritt Alessandro Corretti mit der Tochter seiner Erzfeinde vor den Altar. Doch die Braut läuft davon! Aufgewühlt zieht der Unternehmer sich auf seine Jacht zurück - und entdeckt weit draußen auf dem Meer eine blinde Passagierin: Elena. Die Blondine, mit der er einst allzu innig tanzte, ist auf der Flucht. Kaum dass sie vor Alessandros Privatinsel anlegen, bricht das Verlangen sich wieder Bahn. Hemmungslos geben sie sich einander hin und vergessen alles um sich herum. Doch bald zeigt ihre Liebe Folgen, denen sie nicht entfliehen können...
Caitlin Crews wuchs in der Nähe von New York auf. Seit sie mit 12 Jahren ihren ersten Liebesroman las, ist sie dem Genre mit Haut und Haaren verfallen und von den Helden absolut hingerissen. Ihren Lieblingsfilm 'Stolz und Vorurteil' mit Keira Knightly hat sie sich mindestens achtmal im Kino angeschaut. Genau wie die Liebesromane an den unterschiedlichsten Orten in der Welt spielen, hat auch Caitlin Crews die exotischsten Schauplätze bereist. Sie unternahm eine Rucksacktour durch Zimbabwe, war auf Safari in Botswana und besuchte weit abgelegene Dörfer in Nambibia. Gerne würde sie einmal in Prag, Dublin, Paris, Rom, Griechenland oder auf Hawaii leben. In dem Schreiben über all diese fremden Städte und Länder erfüllt sich für sie der Traum einer Auswanderung. Momentan lebt Caitlin zusammen mit ihrem Ehemann, der als Comic-Zeichner arbeitet, und einem ganzen Zoo von Tieren in Kalifornien.
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1. KAPITEL
„Was, zum Teufel, haben Sie auf meinem Boot verloren?“
Elena Calderon krampfte die Finger um das weiche Tuch, mit dem sie den Bartresen im oberen Salon polierte. Die autoritäre Männerstimme klirrte vor Kälte und forderte augenblicklichen Gehorsam. Ohne aufzuschauen, wusste Elena, wem sie gehörte. Es gab keinen Irrtum, und es traf sie wie ein Schlag in die Magengrube.
Alessandro Corretti.
Er dürfte nicht hier sein! dachte sie wild. Seit über einem Jahr hatte er die Luxusjacht nicht mehr selbst genutzt, sondern an gut betuchte Fremde vermietet.
„Ich mache hier sauber“, erklärte sie in dem höflich beflissenen Ton, der gut geschultes Bordpersonal auszeichnete. Ihn dabei anzusehen, brachte sie nicht fertig.
„Das soll wohl ein Scherz sein, oder?“
„Absolut nicht“, versicherte Elena und tippte mit dem Finger auf das glänzende Holz. „Laut dem Chefsteward handelt es sich bei dem Tresen um kostbares Teakholz, das regelmäßig poliert werden muss.“
Ich darf mir nichts anmerken lassen! beschwor sie sich.
Was vor sechs Monaten während eines verrückten Tanzes zwischen ihnen gewesen war, hatte absolut nichts zu bedeuten. Es war reiner Zufall gewesen und eher dem Wein, der Musik und dem romantischen Ambiente zuzuschreiben als dem Mann selbst. Zumindest versuchte Elena, sich das einzureden. Genützt hatte es allerdings wenig.
Zögernd drehte sie sich um. Da stand er … halb im Schatten, am Niedergang zum Salon. Doch selbst im Gegenlicht erkannte Elena ihn sofort, und ihr Herz klopfte auf einmal oben im Hals.
Alessandro Corretti: der Mann, der ihr Leben mit einem einzigen Tanz auf den Kopf gestellt hatte und zu dem sie sich unwiderstehlich hingezogen fühlte. Umwerfend attraktiv, aber noch gefährlicher als ihr verlogener, gewalttätiger Exverlobter, der zu allem anderen auch noch in kriminelle Machenschaften verstrickt war, wie sie inzwischen wusste.
Als sie Niccolo verließ, hatte sie es aus Angst vor seiner einflussreichen Familie nicht gewagt, sich an die Polizei zu wenden. Im Vergleich dazu ließ Alessandros familiärer Hintergrund eine derartige Befürchtung geradezu lachhaft erscheinen. Er gehörte zu den Correttis, und die standen über dem Gesetz.
Als er aus dem Schatten trat und näher kam, stockte Elenas Atem, und ihr Puls hämmerte wie verrückt. Es war die gleiche Sehnsucht, die sie schon damals, vor sechs Monaten, in seine Arme getrieben hatte und heimlich hoffen ließ, dass sich alle in ihm täuschten und er ein guter, integrer Mann war, bei dem man sich sicher fühlen konnte.
„Rasend komisch die Scharade, an mich allerdings völlig verschwendet“, knurrte Alessandro gereizt. „Außerdem hast du meine Frage noch nicht beantwortet, Elena.“
Er hat mich also erkannt.
Aber das war es nicht allein, was Elena irritierte. Etwas stimmte mit dem gegenwärtigen Geschäftsführer von Corretti Media nicht. Er wirkte seltsam erschüttert und irgendwie derangiert: angefangen vom wirren Haar bis zu den schmutzigen Schuhen. Dazu trug er einen Abendanzug mit zerknittertem Jackett. Das elegante Smokinghemd war zerrissen und stand über der gebräunten Brust offen. Dazu kamen ein blaues Auge, eine Schwellung am Kinn, eine aufgeplatzte Lippe und andere Blessuren, die seiner aristokratischen Schönheit seltsamerweise keinen Abbruch taten. Der Blick aus eigentümlich dunkelgrünen Augen war hart und durchdringend.
Dass er sie nach so langer Zeit und an diesem ungewöhnlichen Ort überhaupt erkannte, ohne dass er von ihrer Anwesenheit auf der Jacht wusste, wunderte Elena. Erwartet hätte sie, dass ein Mann wie er, dem die Frauen scharenweise nachliefen, ihre kurze Begegnung längst vergessen hatte. Was sie immer noch erfolglos versuchte …
„Ich bin nicht als Schauspielerin engagiert worden, sondern arbeite hier an Bord“, erklärte sie ruhig.
„Den Teufel tust du!“
„Nach was sieht das denn aus?“, fragte Elena jetzt schon eine Spur schärfer. Sie wedelte mit dem Putztuch und wies auf ihre Uniform, bestehend aus schickem Faltenrock und schwarzem Poloshirt, das mit dem Namen der Jacht bedruckt war. Dazu trug sie praktische Bordschuhe.
Alessandro verschränkte die Arme vor der Brust und musterte sie grimmig von Kopf bis Fuß. Nichts war zu sehen von dem Feuer und Verlangen, das sie vor sechs Monaten am ganzen Leib hatte zittern lassen. „Und als was arbeitest du hier? Als Putzfrau?“ Er schaffte es, die Frage gleichzeitig ungläubig und beleidigend klingen zu lassen.
Als er langsam auf sie zukam, biss Elena die Zähne zusammen und unterdrückte nur mit Mühe einen unbändigen Fluchtreflex. Verdammt! Warum sieht dieser Kerl trotz derangierter Kleidung und Blessuren nur so unverschämt gut aus? Und warum hat er immer noch diese verheerende Wirkung auf mich?
„Ich bin Schiffsstewardess, und die Jacht zu säubern, ist nur eine meiner Aufgaben.“
„Aber sicher. Und wann genau hat dich der Drang, Designerklamotten und heiße Schlitten gegen niedere Arbeiten einzutauschen, überfallen?“, erwiderte er zynisch. „Wahrscheinlich ist es auch purer Zufall, dass du ausgerechnet auf dieser Jacht gelandet bist.“
„Ich wusste tatsächlich nicht, dass sie dir gehört.“ Jedenfalls nicht zu dem Zeitpunkt, als sie auf die Stellenanzeige geantwortet hatte. Und zwar nachdem sie eingesehen hatte, dass es viel zu gefährlich war, als Kellnerin in Restaurants entlang der sizilianischen Küste zu arbeiten, wenn sie nicht riskieren wollte, gefunden zu werden. Als sie den Job auf der Jacht bekam, hatte sie sich zu ihrem klugen Schachzug gratuliert. Doch jetzt wünschte Elena, sie wäre ihrem ersten Impuls gefolgt und geflohen, als sie den Namen des Eigners gehört hatte. „Als ich es herausfand, war ich bereits eine Woche an Bord und auf hoher See. Man hat mir gesagt, du würdest die Jacht nur sehr selten, wenn überhaupt, selbst nutzen.“
Außerdem hatte sie sich eingeredet, Alessandro schulde ihr etwas, nachdem er ihr Leben mit einem einzigen Tanz komplett aus den Angeln gehoben und auf den Kopf gestellt hatte – ob er es nun wusste oder nicht. Und das Gefühl, er müsste sie nun dafür entlohnen – wenn auch nur indirekt –, verschaffte ihr Befriedigung und verlieh ihr ein gewisses Empfinden von Macht.
„Was für eine absurde Idee, seine Langeweile ausgerechnet mit derart niedrigen Tätigkeiten vertreiben zu wollen!“
Alessandro stand jetzt dicht vor ihr, zum Glück auf der anderen Seite der Bar, beide Hände auf den glänzenden Tresen gestützt. Würde sie auf der gleichen Seite stehen, wäre sie jetzt zwischen seinen starken Armen gefangen.
„Es ist eine ernsthafte, ehrbare Arbeit“, protestierte Elena, was ihr ein zynisches Auflachen seinerseits einbrachte.
„Für eine ernsthafte und ehrbare Frau willst du sagen?“
Sie wusste nicht, worüber sie sich mehr ärgerte: dass sie sich von seiner Fehleinschätzung und Ironie verletzt fühlte oder dass Alessandro das an ihrem Zusammenzucken und den geröteten Wangen ablesen konnte.
Im Grunde kannte er sie gar nicht. Denn abgesehen von der geradezu schockierenden gegenseitigen Anziehung während der Wohltätigkeitsveranstaltung vor etlichen Monaten bestand keine Verbindung zwischen ihnen. Er wusste weder etwas über die schmähliche Rolle, die sie in jener Nacht auf Geheiß ihres damaligen Verlobten hatte spielen sollen, noch von dem perfiden Plan, den Niccolo ausgeheckt hatte.
Und sie war nah daran gewesen, als seine Komplizin bei dem niederträchtigen Betrug mitzumachen! Dafür schämte sie sich heute noch. Genauso wie für ihre alberne Reaktion auf Alessandro, der allerdings keinen Deut besser war als ihr Exverlobter.
Beide Männer waren vom gleichen, harten Schlag, stammten aus ähnlichen Familienstrukturen und verfolgten ihre Ziele mit denselben Waffen: Brutalität und Ausbeutung. In den sechs Monaten, die sie inzwischen auf der Flucht war, hatte Elena in der Presse und im Internet mehr als genug über Alessandro und die Correttis gelesen, um vor ihm auf der Hut zu sein. Besonders da sie nicht die leiseste Ahnung hatte, was er über die geplatzte Verlobung seines erbitterten Rivalen Niccolo Falco und dessen vermisster Verlobten wusste.
„Dass du keine hohe Meinung von mir hast, weiß ich ja bereits“, bemerkte Elena kühl, nachdem sie entschieden hatte, dass Angriff immer noch die beste Verteidigung war. „Aber Menschen können sich ändern.“
Alessandro schüttelte den Kopf. „Nicht Menschen ändern sich, sondern allein die Umstände.“
Am liebsten hätte sie widersprochen, doch innerlich musste sie ihm recht geben. „Wenn du mich nicht an Bord der Jacht …“
„Ich will dich nicht hier haben.“
Elena schluckte und senkte den Blick. Sie musste ihr Temperament unbedingt im Zaum halten. Ein Anruf in Niccolos Villa und sie wäre geliefert. Schlimm genug, dass der Prunkbau außerhalb von Neapel beinahe ihr neues Zuhause geworden wäre!
Wahrscheinlich würde es Alessandro enorme Genugtuung bereiten, sie als Spielball in der Auseinandersetzung mit ihrem Exverlobten zu missbrauchen. Zwischen seiner und Niccolos Familie herrschte seit Generationen eine gnadenlose Rivalität.
Denk nach! befahl sie sich selbst. Hör endlich auf, ihn anzuschmachten, und lass dir lieber einen neuen Plan einfallen.
„Wenn du mich los sein willst, werde ich natürlich von Bord gehen“, gab sie anscheinend nach. „Allerdings sind wir hier auf dem offenen Meer...




