Crusie | Ein Mann für alle Fälle | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 560 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Crusie Ein Mann für alle Fälle


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95576-343-5
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 560 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-95576-343-5
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



4 Romane in einem Band!
Ein Mann für alle Fälle:
Privatdetektiv Mitch findet seine Klientin Mae überaus aufregend! Dass er sich in sie verliebt und sie in Verdacht gerät, einen Mord begangen zu haben, wirft allerdings ein paar Probleme auf ...
Jede Nacht mit Charlie:
Produzentin Allie und der neue Radiomoderator Charlie sind ein Dreamteam - auf Sendung und privat. Doch sooft der Traummann Allie küsst, sooft betont er, dass er bald das Land verlassen muss ...
Wie Feuer im Blut:
Guter Sex ist nicht alles! Und so trennt sich Tess von dem ehrgeizigen Anwalt Nick. Doch für seinen Job braucht Nick ganz plötzlich eine Verlobte! Tess willigt in das Spiel ein - und gefährdet mit ihrem Temperament Nicks ausgeklügelte Karrierepläne ...
Beim zweiten Mann ist alles anders:
Der Cop Tom Warren hat seine liebe Not, Lucy davon zu überzeugen, ihn bei sich wohnen zu lassen. Nur so kann er für ihren Schutz garantieren! Doch dann wartet eine süße Überraschung auf ihn ...

Crusie Ein Mann für alle Fälle jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


1. KAPITEL


Mae Sullivan ließ stirnrunzelnd den Blick an dem alten rußgeschwärzten Bürogebäude hochwandern und verlagerte ihr Gewicht. Ihre Füße schmerzten höllisch, und sie hatte den Verdacht, dass sie sich in diesen verflixten hochhackigen Pumps mindestens an einem Fuß bereits eine Blase eingehandelt hatte. Sie blickte sich um und schätzte ihre Chance, überfallen zu werden, nur geringfügig höher ein als die, dass das Gebäude im nächsten Moment zusammenstürzen könnte. Wer in einer solchen Gegend in einem solchen Haus arbeitete, konnte nur ein Versager sein.

Das traf sich gut.

Sie schien genau den Trottel gefunden zu haben, nach dem sie gesucht hatte: Mitchell Peatwick, Privatdetektiv.

Zuerst war ihr nicht so recht klar gewesen, wie sie es am besten anstellen könnte. Wie findet man einen möglichst unfähigen Schnüffler? Gar nicht so einfach. Also hatte sie sich die Gelben Seiten des Telefonbuchs von Riverbend geschnappt, war die Spalte “Detekteien” von A bis Z durchgegangen und hatte sie erst einmal nach Anzeigengröße und Wohngegend durchgesiebt. Daraus ließ sich schon einiges schließen. Alle teuren, auffälligen Anzeigen beschloss sie von vornherein ad acta zu legen, um anschließend die kleinen abzuklappern, bis ihr die Füße wehtaten.

Und hier war sie nun. Mitchell Peatwick – sie sah ihn bereits vor sich, wie er in seinem Bürosessel hing, fett, kahlköpfig und mit hängender Kinnlade.

Er würde sie gönnerhaft und von oben herab behandeln, weil sie eine Frau war. Und sie würde auf ihm spielen wie auf einem Piano. Alles, was sie zu tun hatte, war, ihn davon zu überzeugen, dass es sich bei dem Fall, auf den sie ihn ansetzen wollte, wirklich um Mord handelte.

Sie holte tief Luft und zuckte zusammen, weil ihr der Bund des um mindestens zwei Nummern zu engen pinkfarbenen Rocks, den sie sich von June ausgeborgt hatte, in die Taille schnitt. Dann zog sie den Schleier ihres Huts über die Augen, schritt mit aller Grazie, die sie trotz ihrer schmerzenden Füße noch aufbringen konnte, auf die Eingangstür zu, in deren zerbrochenen Scheiben ihr ihr Spiegelbild entgegenkam.

Wirklich amüsant, was Kleider bewirken konnten.

Der lächerliche pinkfarbene Schleier verwandelte sie in die reinste Sexbombe.

Nun, vorausgesetzt, sie schaffte es tatsächlich, dieses verdammte Gespräch hinter sich zu bringen, ohne dass sie der Bund von Junes Rock in zwei Teile zerschnitt und Junes Stilettos sie für den Rest ihres Lebens hinken ließen, dann war das ein erster Schritt in die richtige Richtung hin zur Lösung all ihrer Probleme.

Bitte, lieber Gott, lass Mitchell Peatwick beschränkt wie ein Ackergaul sein, und mach, dass er eine Schwäche für Frauen in hautengen Kostümen hat, betete sie, während sie mit vor Schmerz zusammengebissenen Zähnen die Treppen emporstieg.

Das Fenster hinter Mitch stand sperrangelweit offen, und der Deckenventilator summte leise, doch der Abkühlungseffekt war gleich null. Mitch, der die Beine bequem auf seinen ramponierten Schreibtisch gelegt hatte, war überzeugt davon, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein konnte, bis er einem Hitzschlag erliegen würde. Am besten nicht mal den kleinen Finger rühren, dachte er, während er sich, die Ärmel hochgekrempelt und die Hände hinter dem Kopf verschränkt, vorsichtig zurücklehnte, die Augen schloss und sich seelisch darauf vorbereitete, gleich dahinzuschmelzen wie Butter in der Sonne.

Um sich zu bewegen, war er ohnehin viel zu deprimiert. Er sann darüber nach, was er sich vorgenommen hatte und was schließlich daraus geworden war. Zwischen beidem bestand ein himmelweiter Unterschied. Wunschvorstellungen waren eine lausige Vorbereitung auf die Wirklichkeit, deshalb hatte er beschlossen, sie nun ein für alle Mal zu begraben. Träume in die Realität umsetzen zu wollen, zahlte sich nicht aus, es war kindisch und unproduktiv. Und wenn man merkte, dass es nicht klappte, zog es einen nur runter. Die Wirklichkeit holte einen meist schneller ein, als einem lieb war.

Aufgrund einer Wette, die er während eines feuchtfröhlichen Abends mit einem Freund abgeschlossen hatte, hatte er sich schon als Privatdetektiv gesehen, als einsamen Wolf – der Sam Spade der Neunzigerjahre –, das Böse in der Welt bekämpfend und der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfend. Dafür war er bereit gewesen, seinen einträglichen Job als Börsenmakler ein Jahr lang an den Nagel zu hängen.

Und was war dabei herausgekommen? Jämmerlich wenig. Er hatte lernen müssen, dass die Arbeit eines Privatdetektivs in der Hauptsache darin bestand, untreuen Ehegatten auf die Schliche zu kommen. Was eine ausgesprochen deprimierende Angelegenheit war. Am Ende stellte sich immer heraus, dass alle Beteiligten sich ziemlich mies verhielten. Mitch hatte sich schon vorher eine recht nüchterne Vorstellung von der Ehe gemacht, jetzt aber hatte er auch die letzten Illusionen über diese Institution verloren.

Eine unumstößliche Wahrheit hatte er in diesem Jahr gelernt: Jeder Mensch lügt.

Sam Spade hätte diese Erkenntnis mit Sicherheit nicht vom Hocker gerissen, und bestimmt hätte er auf derartige Aufträge, wie er, Mitch, sie notgedrungen immer wieder übernommen hatte, dankend verzichtet. Mitch wurde das unangenehme Gefühl nicht mehr los, dass er ebenfalls hätte dankend verzichten sollen.

Eine Woche hatte er noch durchzustehen, und einen Klienten brauchte er noch, der ihm 2.694 Dollar über den Tisch schob. Dann hätte er die Wette gewonnen, die darauf hinauslief, dass er ein Jahr lang als Detektiv arbeiten sollte und dabei ein Mindesthonorar von 20.000 Dollar erzielen musste.

Am nächsten Freitag war Stichtag, dann würde er in sein früheres Leben zurückkehren, egal, ob er diese idiotische Wette nun gewonnen oder verloren hatte. Natürlich würde er keinen Klienten mehr auftreiben – vor allem keinen, der so betucht war, dass man ihm für eine Woche ein derart hohes Honorar abknöpfen könnte.

Das war denn auch der eigentliche Grund dafür, weshalb er vor Enthusiasmus nicht gerade einen Satz machte, als er draußen im Flur den Aufzug rumpeln hörte, und nicht etwa deshalb, weil er befürchtete, die Hitze würde ihn auf der Stelle umbringen, wenn er sich auch nur einen Millimeter von der Stelle rührte. Nein, es war nur einfach so, dass ihm wirkliche Begeisterung schon vor längerer Zeit abhanden gekommen war.

Wäre ich Sam Spade, dann käme jetzt Brigid O’Shaugnessy zur Tür herein, überlegte er flüchtig, während er ein Auge halb öffnete und entnervt zu dem altersschwachen Ventilator an der Decke emporblickte, dessen Summen in ein leises Quietschen übergegangen war. Aus heiterem Himmel verspürte er plötzlich wider Erwarten ein winziges Fünkchen Optimismus in sich aufkeimen. Vielleicht war ja noch nicht alles verloren. Wer konnte schon wissen, ob es nicht doch Brigid O’Shaugnessy war, die da gerade aus dem Aufzug stieg? Brigid, die einzig und allein in der Absicht hierher gekommen war, ihn zu verführen. Um das zu erreichen, was sie sich in den Kopf gesetzt hatte.

Und er wollte verdammt sein, wenn er keine Lust hatte, sich verführen zu lassen.

Gleich würde sich die Tür öffnen, und sie würde hereingeschwebt kommen. Kühl, schön wie eine Göttin und tödlich gefährlich – in einem dieser weißen Kostüme mit breiten Jackenaufschlägen und einem engen, an der Seite bis fast zur Hüfte geschlitzten Rock, der ihre langen, atemberaubenden Beine aufs Vorteilhafteste zur Geltung bringen würde. Auf den roten Locken trüge sie vielleicht einen kleinen Hut, dessen schwarzer Schleier zwar ihre veilchenblauen Augen verdeckte, dafür aber die klassisch geformte Nase, die porzellanweiße Haut und die sinnlichen, vollen dunkelroten Lippen betonte. Und dann würde sein Blick von ihren Lippen abwärts gleiten hin zum herrlichsten Teil ihres Körpers, den ihre Kostümjacke nicht verbergen, sondern vielmehr aufreizend modellieren würde: zu ihren herrlichen üppigen Brüsten.

Erst nach einiger Zeit und mit größter Anstrengung gelang es Mitch, seine Gedanken von den Brüsten seiner Traumfrau loszureißen.

Sie würde leise die Tür hinter sich schließen, auf ihn zuschweben und mit weicher, kehliger Stimme sagen: “Ich muss den Malteser Falken finden.” Dann würde sie ihren Hut abnehmen, ihn mit ihren veilchenblauen Augen ansehen, dass ihm der Atem stockte, und ehe er sich’s versah, würden sie sich in einer leidenschaftlichen Umarmung auf dem Fußboden wiederfinden und heißen, animalischen, schweißtreibenden Sex miteinander haben …

Seine Gedanken verweilten genüsslich bei dieser Vorstellung.

Und irgendwann würde er herausfinden, dass sie von Anfang an ein teuflisches Spiel mit gezinkten Karten gespielt hatte. “Ich werde nicht den Trottel für dich spielen, Baby”, würde er sagen und sie wegen des Mordes an seinem Partner der Polizei übergeben. Okay, er hatte zwar keinen Partner, es sei denn, man zählte Newton mit, aber das wäre lächerlich gewesen. Kein Wunder, dass das Buch zum Klassiker geworden war. Sam Spade hatte Brigid auch ohne Partner zur Strecke gebracht und sich erst wieder richtig gut gefühlt, nachdem ihm der große Befreiungsschlag gelungen war. Erst Sex vom Feinsten, und dann hatte er sie fallen lassen, war wieder frei gewesen wie ein Vogel – ein Held anstatt ein begossener Pudel.

Das alles war nur Fantasie.

Als sich die Tür öffnete und sie hereinkam, schaute er auf.

Ihr Haar war dunkelbraun, und ihr Kostüm war pink statt weiß, doch alles andere stimmte mit seinen Fantasien recht gut überein. Die Nase, die Lippen, die …

“Ich will verdammt sein …” Mit enormer Anstrengung...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.