E-Book, Deutsch, Band 03, 360 Seiten
Reihe: Love-Lessons-Reihe
Cullinan Love Lessons - Nie mehr einsam mit dir
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7363-0387-4
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 03, 360 Seiten
Reihe: Love-Lessons-Reihe
ISBN: 978-3-7363-0387-4
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Sebastian Acker spricht nicht über seine Vergangenheit, niemals. Doch als Elijah Prince, der Mann, dem er das Leben gerettet hat, immer mehr Raum in seinem Herzen einnimmt, beginnt seine Schutzmauer zu bröckeln. Wo Baz reich ist, ist Elijah arm, Baz' Familie hat kein Problem mit seinem Schwulsein, Elijahs Vater wollte ihn deswegen töten. Gerade weil sie so verschieden sind, tun sie einander gut. Doch dann droht Baz' Vergangenheit ihn einzuholen und die zarten Gefühle, die sich zwischen ihm und Elijah entwickelt haben, zu zerstören ...
Heidi Cullinan liebt eine gute Liebesgeschichte mit Happy End. Sie schreibt romantische Male/Male-Geschichten, in denen die Helden für ihr "Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende" kämpfen müssen.
Weitere Infos & Material
1
Wäre es nach Elijah Prince gegangen, hätten Schwulenhochzeiten an ihrem eigenen Kitsch, Flitter und Bombast ersticken können.
Er saß allein ganz hinten in dem Festsaal, der von kunstvoll arrangierten Blumengirlanden, Schleifchen und Luftballons förmlich überquoll. Die Deko war das Werk einer überteuerten Hochzeitsplanerin, die Walter, einer der beiden Bräutigame aus seiner Heimatstadt Chicago angeschleppt hatte, denn natürlich war nur das Beste gut genug für seinen geliebten Kelly. Die Stühle und die Tische waren mit italienischer Seide bespannt und zeigten Motive aus Disneyfilmen, denn dabei ging Kelly einer ab.
Die Bräutigame waren mit einer verdammten Pferdekutsche zu dem Empfang gekommen. Die Tafel für das Hochzeitspaar war in den Farben und Motiven aus Rapunzel – Neu verföhnt gehalten: purpurne und goldgelbe Bänder, Farben von Rapunzels Kleid und Haar, waren zwischen den Spielzeugfigürchen und Szenenarrangements arrangiert. Am Tisch für Eltern und nahe Verwandte herrschten die Farben und Figuren aus Die Schöne und das Biest und verwandelten ihn in ein Meer aus leuchtendem Blau und Gold. Das hätte sich eigentlich mit Rapunzels Goldgelb beißen müssen, aber irgendwie tat es das nicht.
Elijahs Tisch gehörte zu den für Mitglieder von Chören und Orchestern reservierten und war in Hellblau und Weiß gehalten, für Frozen – Eiskalter Abgrund. Er hätte kotzen können. Er war an diesem Tisch und wahrscheinlich bei der ganzen Hochzeit völlig fehl am Platz. Giles Mulder, Aaron Seavers und Mina Stevenson saßen zu Recht hier. Giles und Mina spielten im Saint-Timothy-Orchester, Aaron war im Chor, und alle drei sangen sie in den beiden A-capella-Gruppen des Colleges, die es jeweils für Männer oder Frauen gab. Aaron hatte sich allerdings eigenmächtig vom Tisch des Hochzeitspaars hierher gesetzt, um mit Giles zu turteln.
Elijah besuchte ebenfalls das Saint Timothy College, war aber weder in einem Chor noch in einem Orchester. Zweifellos hatte irgendjemand Kelly oder Walter angefleht, für ihn eine Ausnahme zu machen und ihn trotzdem zu den Musikern zu setzen.
Wie verbittert und garstig Elijah war, spielte dabei offenbar keine Rolle. Giles und Aaron hatten beschlossen ihn zu adoptieren, und anscheinend beabsichtigten sie, ihn auf keinen Fall allein zu lassen. Elijah fand das ziemlich aufdringlich, wenn er auch zugeben musste, dass es manchmal das Einzige war, das ihn aufrecht hielt.
»Wie sehen deine Pläne für diesen Sommer aus, Elijah?«, fragte Mina, während Aaron seine Anna-Figur mit Giles’ Kristoff flirten ließ. Giles legte Kristoff als Antwort unverhohlene Anzüglichkeiten in den Mund, Mina lachte und warf eine Handvoll Tischkonfetti nach ihnen. Es sah so aus, als kämen sie von ihrem Elsa-Figürchen.
Elijah drückte sich tiefer in seinen Stuhl und stieß dabei mit seinem Teller die Sven-Figur um. »Pastor Schulz hat mir einen Job in der Mensa verschafft. Geschirrspülen und Müll rausbringen.« Er fühlte sich mies wegen seines greinenden Untertons und räusperte sich. »Ich bin ihm wirklich dankbar dafür.«
»Du ziehst doch trotzdem im Herbst mit uns in das White House, oder?«
Elijah nickte ohne Begeisterung. Das White House war das alte Herrenhaus nördlich des Musikgebäudes, es lag etwas abseits des Campusgeschehens und traditionsgemäß wurden dort vor allem Musikstudenten untergebracht. Aaron und Giles würden dort wohnen, ebenso wie Mina und ihre Freundin Jilly. Elijah sollte mit Brian zusammenziehen, Giles’ altem Zimmergenossen, der neben Elijah der zweite Nicht-Musiker dort sein würde. Es war alles arrangiert.
Nur dass alle anderen Miete zahlen würden, während Elijahs Teil aus dem Mitleidfonds kommen würde, den Walter Davidson, geborener Lucas, für Elijah eingerichtet hatte. Weil er jetzt offiziell ohne elterliche Unterstützung dastand. Der Treuhandfonds würde seine Studiengebühren, sämtliche Kosten für Bücher und sonstige Ausgaben abdecken, die er mit seinem Sommerjob nicht bestreiten konnte.
Ein vertrautes Lachen drang an seine Ohren, und Elijah lief ein kurzer Schauer über den Rücken. Er ließ den Blick zu dem hochgewachsenen, lächelnden jungen Mann wandern, der mit einer Sonnenbrille im Gesicht am anderen Ende des Tisches saß. Baz Acker würde ebenfalls im White House wohnen.
Mina drückte Elijah unter dem Tisch diskret die Hand. »Lass die Leute für dich sorgen, okay? Dir steht im Spiel des Lebens ein wenig Rückvergütung zu.«
»Es fühlt sich verdammt komisch an.« Elijah schob seine Sven-Figur tiefer unter den Tellerrand und warf Aaron einen scharfen Blick zu. Der würde sicher gleich darauf hinweisen, dass Elijah sich früher über einen Mangel an Hilfe beklagt hatte.
Doch Aaron starrte nur auf seinen Teller, und seine hübschen Gesichtszüge verfinsterten sich. »Ich weiß. Aber es wird leichter, bestimmt.«
Es hätte ihn trösten sollen, dieser Hinweis darauf, dass Aaron ihn verstand. Er war Elijahs unerschütterlicher Beschützer, seit er herausgefunden hatte, dass sie beide aus richtig schlimmen Elternhäusern kamen. Aber wie gewöhnlich reagierte Elijah allergisch auf Freundlichkeit. »Vielleicht sollte ich nach einer noch traurigeren Gestalt als mir Ausschau halten, damit du wieder jemanden durch die Hölle begleiten kannst. Das hat schließlich so gut funktioniert.«
Giles sah Elijah wütend an und boxte ihm auf den Arm.
»Du wirst schon zurechtkommen. Es ist noch nicht lange her seit … allem.« Mina legte Elijah eine Hand auf den Rücken. »Gib dir Zeit, Tritt zu fassen. Lass dich von Menschen trösten, die dir ein paar Sorgen abnehmen.«
»Ich habe mir seit der Mittelschule selbst geholfen. Ich mag diese ganze Aufmerksamkeit nicht, ich möchte niemandem etwas schuldig sein.«
Diese Bemerkung verwandelte die sanfte Massage in seinem Rücken in einen vielsagenden Schubs. »Als du dir in der Mittelschule und der Highschool selbst geholfen hast, hatten deine Eltern noch nicht versucht, dich mitten auf einem Collegecampus niederzuschießen.«
»Na ja, sie haben früher allen möglichen Scheiß gemacht, der fast genauso schlimm war, nur dass es niemand gesehen hat.«
»Siehst du, das ist der Grund, warum wir dir helfen wollen. Wir wissen, dass du schon Schlimmeres durchgemacht hast, und das bringt uns in Rage.«
»Mag sein, aber die Leute, die Geld für den verdammten Treuhandfonds spenden, kennen mich gar nicht. Ich tue ihnen nur leid.« Angesichts des wachsenden Zustroms von Spendengeldern für den armen Elijah tat er offensichtlich vielen Leuten leid. Das war ihm total unheimlich.
»Das gibt sich, wenn sie mal länger als fünf Minuten mit dir reden«, meinte Giles gedehnt. Diesmal boxte Aaron ihm auf den Arm.
Mina ignorierte sie beide und bemühte sich weiter, Elijah zu besänftigen. »Vielleicht haben einige von ihnen Mitleid mit dir. Aber jeder, der an diesem Tag dabei war – unsere Eltern und Verwandten –, sie alle verstehen genau, in was für einer Hölle du gelebt hast. Wir wollen dir das Leben nur ein wenig erleichtern.«
Man kann die Hölle nicht mit einem Scheck auslöschen. Bevor Elijah eine weniger sarkastische Art einfiel, seine Gefühle in Worte zu fassen, stand Walters Freundin Cara auf, um einen Trinkspruch auszubringen, und das Gespräch fand gnädigerweise ein Ende.
Die Ansprache der Trauzeugin war lieb gemeint, aber ein wenig zu süßlich. Als anschließend jemand mit einem Löffel gegen ein Weinglas schlug und die Bräutigame aufforderte, sich zu küssen, holte Elijah einen Flachmann mit billigem Whiskey aus seiner Anzugtasche und nahm einen tiefen Schluck. Während alle johlten und pfiffen, weil Walter Kelly auf seinen Schoß zog und ihn leidenschaftlich küsste, setzte Elijah den Flachmann erneut an.
»Bis zu den Mandeln, Lucas«, rief Baz Acker.
Elijah legte den Kopf in den Nacken, um sich in seliges Vergessen zu trinken, aber bevor er dazu kam, beugte Giles sich über den Tisch und riss ihm den Flachmann aus der Hand.
»He!« Elijah sah ihn erbost an und versuchte, sich seinen Whiskey zurückzuholen.
Giles hielt die Flasche so, dass Elijah nicht herankam. »Du schläfst im selben Zimmer wie ich, und ich will mir nicht die ganze Nacht anhören, wie du über der Kloschüssel hängst.« Er steckte den Flachmann in seine Jackentasche und reichte Elijah eine Wasserflasche. »Salvo wird jetzt vorne singen. Mina möchte bestimmt, dass du zuschaust.«
Elijah setzte eine höfliche Miene auf, während der Chor sich auf der Bühne gruppierte. Obwohl er nach wie vor nicht hier sein wollte, hatte Giles recht, was Mina betraf, und Elijah verkniff sich eine griesgrämige Antwort.
Sie führten eine A-capella-Version von Something That I Want auf. Elijah wusste von den Proben der Mädchen, dass es der Song zum Abspann von Rapunzel – Neu verföhnt war, Kelly Davidsons absolutem Lieblingsfilm. Der Song war kitschig, und dieser Disney-Film-Scheiß total übertrieben, aber Mina sang wunderbar, und Elijahs Fußspitze klopfte den Takt mit, obwohl er es eigentlich gar nicht wollte. Kelly stand auf, tanzte und sang irgendwie mit, errötete immer wieder und flirtete am heftigsten mit seinem Bräutigam, der auf einem Stuhl vor der Bühne saß und mit einem Löffel den Takt schlug.
Als der Song verklang und das Publikum applaudierte, zog Salvo sich in die Kulissen zurück, und die Ambassadors erhoben sich, um ihren Platz einzunehmen.
Die jungen Sänger waren absolut heiß. Manche sahen...




