Curran | Nightcrawlers - Kreaturen der Finsternis | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

Curran Nightcrawlers - Kreaturen der Finsternis


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86552-442-3
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

ISBN: 978-3-86552-442-3
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz



Vor 200 Jahren brannte die Siedlung Clavitt Fields bis auf die Grundmauern nieder. Die Hoffnung der Einheimischen, dass mit dem Feuer auch das unaussprechlich Böse von diesem Ort vertrieben wurde, erwies sich als frommer Wunsch. Denn das Grauen verkroch sich unter die Erde – und lauert dort in der Dunkelheit bis zum heutigen Tag.

Nach der Entdeckung verwitterter Skelette auf einer verlassenen Farm stößt der Ermittler Kenney auf die unterirdischen Tunnelsysteme und entfesselt ein blutiges Inferno …

I Heart Reading: »Die Finsternis kriecht dem Leser schleichend ins Gehirn und versetzt ihn mitten hinein in den Wahnsinn.«

DarknessDwells.com: »Eine Monstergeschichte und eine Verbeugung vor H. P. Lovecraft.«

Char’s Horror Corner: »Ich ›sah‹ in diesem Buch Dinge, die ich noch nie gesehen hatte ... mir nicht mal vorstellten konnte!«

Curran Nightcrawlers - Kreaturen der Finsternis jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


3
Der Nebel hielt sich. Vom Regen aufgewühlt driftete er in gasförmigen Schwaden vorbei, die phosphoreszierenden weißen Tüchern ähnelten, zog über Äcker und Wälder, breitete sich aus und hüllte alles ein. Eine Stunde später hing er fast schon erstickend dicht über der Landschaft. Die Sichtweite betrug weniger als drei Meter. »Man muss diese Suppe einfach lieben«, witzelte Deputy Riegan. Er steuerte den Streifenwagen über einen gewundenen, von Bäumen umstandenen Weg. Die Frontscheinwerfer stachen wie schimmernde, weiße Schwerter in den Nebel. »Ich kann rein gar nichts erkennen.« Auf dem Beifahrersitz lachte Deputy Snow. »Ja, und wir sollen die Presseleute und Gaffer fernhalten. Großartig.« Riegan fuhr langsam, die Vorderreifen gerieten in Pfützen und Schlaglöcher, die nicht bloß die Stoßdämpfer, sondern den ganzen Wagen zum Schaukeln brachten. Der Feldweg machte nicht viel her, bestand nur aus zwei verdreckten Spurrillen, mit einem Damm dazwischen, auf dem ungemähtes Gras wucherte. Bis jetzt hatten sie noch keinen einzigen Schmierfink oder Neugierigen entdeckt. Stattdessen drei Rehe, einige Kaninchen und ein großes, herumstreifendes Stachelschwein. Mehr nicht. Während Riegan fuhr, starrte Snow durch die Seitenscheibe und den abperlenden Regen in den Nebel. Um sie herum befand sich Weideland, größtenteils verwachsen, das der Wald von allen Seiten unkontrolliert zurückeroberte. Ab und zu lichtete sich der Dunst und er konnte den grasbewachsenen Hügel am Straßenrand hinunterblicken, auf überschwemmte Felder, Felsformationen und ein oder zwei umgeknickte Zaunabschnitte. Sonst gab es dort draußen kaum etwas zu sehen. »Als ich noch ein Kind war«, erinnerte sich Snow, »haben wir uns diesem Ort höchstens auf eine Meile genähert.« Riegan, der nicht aus der Gegend stammte, fragte: »Wieso?« »Weiß nicht. Gespenster, schätze ich.« »Gespenster?« »Kindergeschichten, Dave. So ist das in der Provinz. Wenn eine Farm verlassen wird, erzählen die Kids schon bald, dass es dort spukt. So läuft das meistens.« »Klar.« Snow wollte eigentlich noch ein paar Einzelheiten ausschmücken, doch dann traute er sich nicht. Er kannte Riegan inzwischen ziemlich gut, aber es gab Sachen, über die man mit Außenstehenden nicht redete. Nicht, ohne sich zum Idioten zu machen oder rückständig zu wirken. Riegan kam nicht aus Haymarket und würde nie wie einer von ihnen ticken. »In Cleveland, wo ich aufgewachsen bin, war es so ähnlich«, beteuerte Riegan, als legte er keinen allzu großen Wert auf Stille im Wagen. »In jeder Nachbarschaft gab es ein leer stehendes Haus und sämtliche Jugendlichen in der Nähe schworen Stein und Bein, dass es dort spukt.« Er lachte. »Kids. So sind sie halt.« »Ja«, erwiderte Snow, kaufte seinem Kollegen die Gelassenheit jedoch nicht ab. Als Einheimischer hatte er den hiesigen Klatsch quasi mit der Muttermilch aufgesaugt. Das meiste davon fand in seinem heutigen Leben keinen Platz mehr und sein kaltschnäuziger Cop-Pragmatismus amüsierte sich insgeheim darüber, aber es war immer noch da und krallte sich an der Unterseite seines Verstandes fest. Vor allem, wenn er nachts um drei aus einem Albtraum hochschreckte. Untersteh dich, ihm gegenüber was davon zu erwähnen!, ermahnte er sich selbst. »Pinkelpause«, verkündete Riegan und zog den Streifenwagen zur Seite. »Von mir aus. Der verdammte Kaffee muss unten wieder raus, kaum, dass er oben drin ist.« Sie traten hinaus in die frostige Luft. Dort fand jeder von ihnen ein Gebüsch nach seinem Geschmack und bewässerte es. Snow hatte ziemliche Probleme, es zum Laufen zu kriegen, weil er innerlich verkrampfte wie eine geballte Faust. Trotz der Kälte und Feuchtigkeit war ihm warm. Er verspürte ein Kribbeln am Haaransatz und sein Herz pochte. Die ganzen Geschichten aus seiner Kindheit kamen hoch und verfolgten ihn. Er wusste, dass es sich dabei um Bullshit handelte, da es nichts anderes als Bullshit sein konnte, dennoch bekam er es nicht aus dem Kopf. Im Leben hätte er nicht daran gedacht, jemals hier draußen zu sein ... schon gar nicht nach Einbruch der Dunkelheit. »Verfluchter Nebel«, beschwerte er sich. »Ich kann kaum meinen Schwanz sehen.« »Das kannst du sonst auch nicht«, versicherte Riegan. Beide lachten, nervös zwar, aber sie lachten. Es tat gut. Für Snow fühlte es sich an wie Finger, die eine Verspannung aus seinem Nacken massierten. Riegan steckte sich eine Zigarette an. »Herrgott noch mal, ich kann mir nicht vorstellen, noch die ganze Nacht im Dienst zu sein.« »Mmh ...« »Beschäftigt dich was, Rich?« »Nein, alles okay. Bin nur müde.« »Verstehe.« Snow bemerkte den Bodennebel, der sich um sie zusammenzog. Weiß und fließend glich er Dampf, der aus einem Kochtopf quoll. Er verschluckte seine Beine knieabwärts vollständig und schlängelte sich wie Girlanden um die Bäume. Dadurch wirkte der finstere Wald gleich noch eine Stufe finsterer und bedrohlicher. Riegan plapperte belangloses Zeug, während er zu Ende rauchte – was ewig zu dauern schien. In Snow keimte langsam das Gefühl, dass seinem Kollegen die Umgebung ebenfalls zu schaffen machte. »Zur Hölle, was war das?«, stieß Riegan aus. »Was?« »Dort unten. Es hat sich was bewegt da unten.« Snow holte eine Taschenlampe aus dem Streifenwagen und gesellte sich zu ihm an den Wegrand. In ängstlicher Erwartung dessen, was er zu sehen bekam, schaltete er das Licht ein – es reflektierte auf ihn zurück. Er ließ es umherschweifen: ein weißer Strahl im noch weißeren Nebel. Es gab jedoch nichts zu sehen. Die Böschung samt Gräsern und Wildwuchs versank im dichten Dunst. Da unten schien ein Meer aus Nebel zu wabern. Hier und da konnten sie schattenhafte Schemen von Bäumen ausmachen, sonst nichts. »Wahrscheinlich ein Reh oder so«, meinte Snow. »Nein. Etwas, das aufrecht lief.« Ein Frösteln kroch in Snows Unterleib. Der Nebel ließ ein wenig nach, sodass er das nach wie vor dunstige und düstere Feld weiter unten zumindest teilweise überblicken konnte. Riegan holte sich nun ebenfalls eine Taschenlampe aus dem Wagen und lief den Hügel hinab. »Hey!« rief Snow. »Verdammt, wenn sich die Nebeldecke wieder schließt, finden wir den Weg zurück zur Straße nicht.« »Deshalb bleibst du hier und gibst mir Rufzeichen.« Scheiße und nochmals Scheiße. Snow gefiel das ganz und gar nicht. Die Gefahr schien offensichtlich und er hatte kein gutes Gefühl dabei. Sein Magen schlug nervöse Purzelbäume. Riegan wäre auf dem Weg die Böschung hinab mehr als einmal beinahe im nassen Gras ausgerutscht und fluchte vor sich hin. Nachdem er es in die Talsohle geschafft hatte, watete er hinaus in den Nebel. Seine Konturen verschwammen, bis sie schließlich vollständig verschwanden. Snow atmete ein und aus, um sich zu beruhigen. Nach einigen Minuten Stille rief er: »Bist du in Ordnung?« »Ja, Mami«, bekam er zurück. Klugscheißer. Gelegentlich sah er im Tal flüchtig den Kegel der Taschenlampe herumirren oder erhaschte einen Blick auf die Gestalt dahinter. Sonst jedoch nicht viel. Verflucht! Er zog das Funkgerät vom Gürtelclip ab, informierte die Einsatzzentrale über ihren aktuellen Aufenthaltsort und den Umstand, dass sie den Streifenwagen verlassen hatten. Falls sie sich auf die Suche nach uns machen müssen. Er wartete angespannt, seine Hand um den Griff der Taschenlampe wurde feucht. Komm schon, komm schon. Sonst schlag ich hier noch Wurzeln. Das Warten brachte ihn um. Dann ... »Hey!« Riegans Stimme driftete aus dem Nebel zu ihm. »Komm hier runter!« »Was?« »Komm hier runter!« Scheiße, Scheiße, Scheiße. Bei seinem Abstieg achtete Snow penibel darauf, wo er hintrat. Der Lichtstrahl seiner Taschenlampe hüpfte auf und ab. Wenigstens teilte sich der Nebel langsam, weshalb er keine Schwierigkeiten hatte, Riegan aufzuspüren. Sein Kollege thronte auf einem kleinen, grasbewachsenen Hügel zwischen zwei uralten schwarzen Baumstümpfen. »Und?« Riegan schwenkte den Strahl. »Dort draußen ist jemand, Rich. Wer immer es ist, er gibt keinen Mucks von sich.« Snow zielte mit der Lampe in die Ferne. Zuerst erfasste er lediglich Nebel, merkwürdige, dunkle Konturen aus dichtem Gestrüpp und die Stämme Dutzender Bäume, die anscheinend in der Vergangenheit bei einem heftigen Sturm gegeneinandergestürzt waren. Für eine Sekunde glaubte er, vage eine Gestalt zu erkennen, die sich hinter einem der Bäume wegduckte. »Da ist nichts. Lass uns abhauen. Wir sollten ...« »Halt den Mund«, wies ihn Riegan zurecht. Er drehte sich auf den Sohlen um die eigene Achse, um mit einem perfekten Kreis die gesamte Umgebung zu erhellen. Es war offensichtlich, dass er lauschte. Snow lauschte ebenfalls. Was er zu hören hoffte, wusste er selbst nicht so genau. Am liebsten hätte er den Einsatz abgebrochen und wäre zum Wagen zurückgekehrt. Für diesen Drei-Fragezeichen-Bullshit fühlte er sich eindeutig zu alt. Falls sich dort draußen jemand aufhielt – und bei Gott, er hoffte, dass dem nicht so war – gab es sowieso nicht die geringste Chance, ihn aufzuspüren. Er konnte sich im Prinzip überall verstecken. Und verdammt, wahrscheinlich handelte es sich eh bloß um ein paar Kids. Du solltest es besser wissen. Die Kids aus der Gegend kommen nach Einbruch der Dunkelheit nicht...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.