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E-Book, Deutsch, Band 229, 115 Seiten
Curtis Seewölfe - Piraten der Weltmeere 229
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95439-565-1
Verlag: Pabel eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Überfall auf die Schlangeninsel
E-Book, Deutsch, Band 229, 115 Seiten
Reihe: Seewölfe - Piraten der Weltmeere
ISBN: 978-3-95439-565-1
Verlag: Pabel eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Es sah böse aus für die Seewölfe. Angekettet an die Ruderbänke der Galeere 'Conchita' waren sie der Willkür und den Grausamkeiten Don Boscos nahezu wehrlos ausgeliefert. Schlimmer noch: Dieser Kerl wollte die Schätze, die auf der Schlangeninsel, dem geheimen Stützpunkt der Seewölfe, lagerten. Und daß Don Bosco, der Herrscher von Tortuga, kein Mittel scheute, um diese Schätze zu kriegen, das erfuhren die Seewölfe schon bald. 'Du wirst reden', sagte er zu Hasard Killigrew, dem Anführer der Seewölfe, 'verlaß' dich drauf. Morgen, bei Sonnenaufgang erfahre ich von dir alles, was ich wissen will, oder es stirbt von da an jede Stunde einer deiner Männer, vor deinen Augen und auch auf die Art, wie bei Don Bosco gestorben wird. Mit den beiden da', er deutete auf die beiden Söhne des Seewolfs, 'fange ich an. Also überleg es dir, ich meine es ernst.' Diesmal wußte auch Hasard keinen Rat, keinen Ausweg. Redete er, beging er Verrat an seinen Freunden auf der Schlangeninsel, schwieg er aber, dann lieferte er seine beiden Söhne und seine Männer einem grausamen Tod aus...
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2.
Die Nacht wich dem Morgengrauen. Durch das Gebälk, das den Laufgang in der Mitte des Hauptdecks stützte, über den Dollbord, in dem die langen Ruder verankert waren, kroch das erste Grau des heraufdämmernden Tages ins Innere der Galeere.
Die Seewölfe sahen es mit gemischten Gefühlen. Es hatte noch so manche Diskussion im Laufe der Nacht darüber gegeben, wie man der in jeder Hinsicht äußerst bedrohlichen Lage begegnen, wie man diesem Tortuga-Piraten doch die Luvposition absegeln könne. Aber es hatte sich nichts ergeben, dieser Don Bosco war zu gerissen, zu vorsichtig und zu brutal. Nur in einem hatten alle Seewölfe gleich reagiert: Niemand ließ im Laufe dieser schlimmen Nacht auch nur andeutungsweise etwas darüber verlauten, daß es sich bei den beiden angeblichen Schiffsjungen der „Isabella“ um die beiden Söhne des Seewolfs handelte. Denn jeder der Seewölfe wußte nur zu gut: Erfuhr Don Bosco auch nur ein Sterbenswörtchen davon, würde er nicht zögern, diese beiden Jungen als Druckmittel gegen den Seewolf auszuspielen. Und beinahe unbewußt vertraute jeder von ihnen auf Carberry, der sich irgend etwas überlegt haben mußte, wie er Don Bosco davon abhalten konnte, die Zwillinge als erste zu töten. Der Profos war nicht der Mann, der große Sprüche klopfte, schon gar nicht in einer solchen Situation.
Hinzu kam noch, daß man die anderen, Barba eingeschlossen, die das Schicksal der Seewölfe teilten, nicht kannte, ihnen also eher mit Vorsicht und Mißtrauen begegnete, anstatt zu vertrauensselig zu sein. Es handelte sich alles in allem gesehen um eine so teuflische Situation, wie sie die Seewölfe noch nie in all den langen Jahren ihrer gemeinsamen Unternehmungen erlebt hatten.
Der Seewolf grübelte vor sich hin. Das Morgengrauen war auch nicht dazu angetan, seinen Optimismus, über den er normalerweise verfügte, wiederzubeleben. Die Entscheidung stand unmittelbar bevor, jeden Moment konnte Don Bosco erscheinen.
Der Seewolf warf einen besorgten Blick zu seinen Söhnen hinüber. Der Gedanke allein, daß dieser Tortuga-Pirat es wagen würde, Hand an die beiden zu legen, brachte ihn fast um den Verstand.
Die beiden saßen zwischen dem riesigen Carberry und Big Old Shane auf der Ruderbank an Steuerbord. Sie hatten die ganze Nacht über kaum ein Wort verlauten lassen, aber sie hielten sich tapfer. Der Seewolf knirschte abermals mit den Zähnen. Er sollte zusehen müssen, wie man diese beiden qualvoll zu Tode folterte, wie eine solche Bestie in Menschengestalt sie vor seinen Augen den Folterknechten übergab? Nein, das würde niemals geschehen, das schwor sich der Seewolf in diesem Moment. Schlangeninsel hin, Schlangeninsel her. Es mußte sich für ihn doch ein Weg finden lassen, seine Kinder, das teuerste Vermächtnis, das seine verstorbene Frau ihm hinterlassen hatte, zu schützen, ohne seine Freunde auf der Schlangeninsel zu verraten, ohne sie diesem Don Bosco und seinen Spießgesellen auszuliefern. Die Worte Ferris Tukkers gingen ihm durch den Kopf. Nein, es konnte noch nicht alles zu Ende sein, dieser Don Bosco würde nicht der Mann sein, der den Seewölfen ein so schmähliches Ende bereitete. Und dem Wikinger und der Roten Korsarin und Jean Ribault. Ganz abgesehen von Männern wie von Hutten, dem Boston-Mann und all den anderen.
Einen Moment lang wurde im Seewolf das Gefühl ganz stark, daß es einen Ausweg geben würde, wie schon so oft, aber er sah ihn noch nicht.
Stimmen wurden am Ufer laut. Der Seewolf erkannte das verhaßte Organ Don Boscos. Dann die röhrende Stimme von diesem Nuno, seinem Henkersknecht, der jeden seiner Befehle blind und ohne zu überlegen ausführen würde.
Der Seewolf straffte sich unmerklich, und auch durch die Seewölfe ging es wie ein Ruck, als Schritte den Niedergang herabpolterten. Sekunden später stand Don Bosco im Ruderdeck. Er trug hohe Lederstiefel, deren Schäfte er umgekippt hatte. Eine Hose aus blauem Stoff, einen schweren, breiten Gürtel, in dem zwei Pistolen und ein Entermesser steckten. Der Oberkörper, über und über mit Tätowierungen bedeckt, war nackt. Man sah, wie die Muskeln unter seiner kupferbraunen Haut spielten.
In diesem Moment, als der Herrscher von Tortuga vor ihnen stand und sie musterte, während ein höhnisches Lächeln seine Lippen umspielte, erinnerten sich die Seewölfe daran, daß sie schon einmal auf einer Galeere Dienst getan. Daß sie schon einmal viele Monate als Galeerensklaven an die Ruderbänke gekettet, nur noch von ihrer Wut und von der nie erlahmenden Hoffnung auf Befreiung gelebt hatten. Und daß der Tag gekommen war, an dem der Seewolf und Ben Brighton sie von den Ketten ihrer Peiniger befreiten. Das war in Spanien gewesen, in der Mündung des Guadalquivir. 2)
Don Boscos Stimme unterbrach ihre Gedanken und Erinnerungen.
„Also, Seewolf, wie hast du dich entschieden? Willst du reden, oder müssen die beiden da sterben?“ Er deutete auf die Zwillinge, die unwillkürlich näher an Carberry herangerückt waren.
Nuno betrat das Ruderdeck, hinter ihm Pablo. Der mieseste Kerl, den die Seewölfe jemals kennengelernt hatten. Als Pablo sich neben Don Bosco und Nuno aufbaute, lief der alte O’Flynn vor Wut rot an.
„Dir drehe ich eines Tages eigenhändig den Hals um!“ schrie er den Unterführer Don Boscos an. „So was wie dich haben wir früher auf der ‚Empress of Sea‘ mit einem nassen Tampen erschlagen und den Haien zum Faß vorgeworfen. Und bei allen Meermännern und Seejungfrauen, ich schlage dir eines Tages den Schädel mit meinem Holzbein ein, und dann wird mir unser Schiffszimmermann ein neues anfertigen müssen, weil mir das alte danach viel zu drekkig und zu stinkig ist, als daß ich es dann noch tragen würde!“
Der Alte hatte sich in Wut geredet. Und auch Batuti, der Pablo von Anfang an nicht gemocht hatte, starrte ihn finster an.
Pablo zuckte zusammen, als Batuti sich so weit aufrichtete, wie seine Ketten es ihm erlaubten. Die Eisen klirrten dabei an seinen Hand- und Fußgelenken.
„Batuti dich erwürgen, komm her, dann tot! Nix brauchen dazu, nur Fäuste! Und du, Don Bosco, gut aufpassen auf dich. Lügner, Feiglinge, Stinktiere wie Pablo fallen eigenen Herrn an, stechen ab eines Tages, von hinten. Vergiften vielleicht deinen Wein oder dein Wasser, dann tot, Don Bosco!“
Batuti spuckte aus, danach setzte er sich schweigend auf seine Ruderbank, aber er ließ Pablo keine Sekunde aus den Augen, und seine Augen glühten dabei durch das Ruderdeck wie die eines schwarzen Panthers.
Don Bosco besaß genügend Gespür, um zu begreifen, was sich in den Seewölfen im Laufe dieser Nacht alles aufgestaut hatte und wie leicht das zur gewaltsamen Entladung kommen konnte. Verdammt, dachte er, ich muß endlich Schluß machen mit diesem ganzen Unsinn. Ich will endlich diesen Seewolf zum Sprechen bringen.
Er trat ganz nahe an Hasard heran.
„Deine Antwort, Seewolf. Ich will sie jetzt. Sagst du nein, dann lasse ich dich und die beiden dort auf die ‚Isabella‘ bringen. Du wirst reden, auf jeden Fall. Und wenn die beiden dort tot sind, dann lasse ich den nächsten holen, dann wieder einen und so weiter. Bis nur noch du allein lebst. Aber gewonnen hast du erst, wenn auch du gestorben bist, ohne mir gesagt zu haben, was ich wissen will.“
Don Bosco starrte den Seewolf abermals an, und als dieser beharrlich weiterhin schwieg, als einer der Zwillinge mit flackernden Augen von der Ruderbank emporfuhr, schneller, als Carberry ihn packen konnte, da war Don Bosco mit ein paar gedankenschnellen Bewegungen heran. Er sah die Todesangst in den Augen des Jungen, er sah die Not, die dieser Junge in diesem Moment erlitt, und er wollte seine Chance nutzen. Brutal griff er nach dem Jungen.
„Nuno, schließ die Eisen der beiden auf! Der Seewolf hat’s so gewollt!“
Er packte den Jungen, es war Philip Killigrew, und riß ihn von der Ruderbank zu sich herüber, während Nuno bereits mit den Schlüsseln für die Eisen herbeieilte, um den Befehl Don Boscos auf der Stelle zu befolgen.
Genau auf diesen Moment hatte Carberry gewartet. Er ließ den Schlagmann der Galeere herankommen, bis der Muskelmann unmittelbar neben ihm stand. Gleichzeitig behielt Carberry Don Bosco im Auge, der den Jungen immer noch gepackt hielt und auch in Reichweite Carberrys stand.
Nuno verpaßte Carberry einen derben Faustschlag in den Rücken, der den Profos für einen Moment nach vorne warf.
„Mach Platz, du Mistbock, oder ich gerbe dir das Fell, bis du die Rahnock nicht mehr vom Kielschwein unterscheiden kannst!“
Carberry spürte die Welle des Jähzorns, die alles in ihm überschwemmte. Diese ständigen Demütigungen verkraftete er einfach nicht mehr. Blitzschnell krümmte er sich zusammen, dann fuhr sein kantiger Schädel mit ungeheurer Wucht empor. Die ganze Kraft seiner Rükkenmuskeln...




