E-Book, Deutsch, Band 9, 576 Seiten
Reihe: Die Kurt-Austin-Abenteuer
Cussler / Brown Teufelstor
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-641-15201-7
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Ein Kurt-Austin-Roman
E-Book, Deutsch, Band 9, 576 Seiten
Reihe: Die Kurt-Austin-Abenteuer
ISBN: 978-3-641-15201-7
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Seit er 1973 seinen ersten Helden Dirk Pitt erfand, ist jeder Roman von Clive Cussler ein »New York Times«-Bestseller. Auch auf der deutschen SPIEGEL-Bestsellerliste ist jeder seiner Romane vertreten. 1979 gründete er die reale NUMA, um das maritime Erbe durch die Entdeckung, Erforschung und Konservierung von Schiffswracks zu bewahren. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2020 in der Wüste von Arizona und in den Bergen Colorados.
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Prolog
Santa Maria Airport, Azoren, 1951
Es war eine kalte, feuchte Nacht. Hudson Wallace stand auf der Rampe vor dem Flughafengebäude. Seine Lederjacke bot ihm nur unzureichenden Schutz vor der Kälte, während eine Kombination aus Nieselregen und Nebel den Flughafen und die gesamte umliegende Insel einhüllte.
Ihm gegenüber funkelten einige blaue Lampen der Rollbahnbefeuerung in der nächtlichen Stille und trugen wenig dazu bei, der Szenerie einen Hauch von Wärme zu spenden, während über ihm ein weißer Lichtstrahl durch den Nebel wanderte, dem nur wenige Sekunden später ein grünes Aufblitzen des sich langsam und stetig drehenden Flughafenleuchtfeuers folgte.
Wallace bezweifelte, dass da oben jemand war, der es hätte sehen können, jedenfalls nicht bei dieser dichten und niedrigen Wolkendecke. Aber Gott möge ihm helfen, wenn tatsächlich einer da oben herumirrte. Berge säumten den Flughafen auf drei Seiten, und dabei war die Insel selbst doch nur ein winziger Fleck mitten im dunklen Atlantik. Sogar im Jahr 1951 war es nicht leicht, einen solchen Punkt zu orten. Und falls es dennoch jemanden gab, der Santa Maria in dieser Milchsuppe finden konnte, dann, so vermutete Wallace, hätte er längst die Bergspitzen gerammt, ehe er im Regen die Rollbahnbeleuchtung erkennen konnte.
Die Insel zu erreichen war allerdings nur die eine Sache. Sie wieder zu verlassen war noch einmal etwas ganz anderes. Ungeachtet des Wetters wollte Wallace aufbrechen und konnte es tatsächlich kaum erwarten, endlich zu starten. Aus Gründen, die er nur zu gut kannte, war ein weiterer Aufenthalt höchst unsicher. Trotz dieser Tatsache und obgleich er Pilot und Eigner der Lockheed Constellation war, die auf dem Vorfeld parkte, hatte er nicht das letzte Wort.
Da er kaum etwas anderes zu tun hatte, als Ausschau zu halten und zu warten, angelte sich Wallace ein silbernes Etui aus seiner Manteltasche. Er nahm eine Dunhill-Zigarette heraus und klemmte sie sich zwischen die Lippen. Indem er die »No Smoking«-Schilder ignorierte, die alle fünf Meter an den Wänden angebracht waren, hielt er sich mit gewölbter Hand ein Zippo-Feuerzeug dicht vors Gesicht und zündete die Dunhill an.
Er befand sich einhundert Meter vom nächsten Flugzeug oder Tankanschluss entfernt, und der gesamte Flughafen war triefnass. Er schätzte also, dass die Chancen, hier ein Problem zu verursachen, ungefähr bei null lagen. Und die Chancen, dass sich jemand die Mühe machte und das warme, trockene Flughafengebäude verließ und herauskam, um sich zu beschweren? Er vermutete, dass sie sogar noch um einiges geringer waren.
Nach einem tiefen, genussvollen Zug atmete Wallace aus.
Die grau-violette Rauchwolke zerfaserte, als hinter ihm die Tür zum Terminal geöffnet wurde.
Ein Mann in schlecht sitzender Kleidung kam heraus. Sein rundes Gesicht wurde von einem braunen Hut halb versteckt. Seine Jacke und Hose waren aus einem rauen Wollstoff geschneidert und erinnerten an ausrangierte Ausrüstungsteile aus dem Winterkatalog der Roten Armee. Dünne, fingerlose Handschuhe vervollständigten die Erscheinung eines bäuerlichen Fluggastes, aber Wallace wusste, dass es sich anders verhielt. Dieser Mann, sein Passagier, würde schon sehr bald reich sein. Das hieß, wenn er lebend in Amerika ankäme.
»Wird das Wetter aufklaren?«, fragte der Mann.
Ein weiterer Zug an der Dunhill. Noch eine Rauchwolke aus Wallace’ Mund, ehe er antwortete.
»Nein«, sagte er deprimiert. »Heute nicht. Vielleicht nicht mal in der kommenden Woche.«
Hudson Wallace’ Passagier war ein Russe namens Tarasow. Er war aus der Sowjetunion geflüchtet. Sein Gepäck bestand aus zwei Stahlkoffern, die so schwer waren, als seien sie mit Steinen gefüllt. Beide waren abgeschlossen und standen angekettet in Wallace’ Flugzeug.
Wallace war nicht darüber aufgeklärt worden, was sich in diesen Koffern befand, doch die neu gegründete Central Intelligence Agency zahlte ihm ein kleines Vermögen, um sie und Tarasow in die Vereinigten Staaten zu schaffen. Er vermutete, dass sie dem Russen noch viel mehr zahlten, damit er die Seiten wechselte und die Koffer mitbrachte.
So weit, so gut. Ein amerikanischer Agent hatte es geschafft, Tarasow nach Jugoslawien zu schleusen, in ein anderes kommunistisches Land. Aber unter Tito hatte man dort für Stalin nur wenig übrig. Dank eines beträchtlichen Schmiergelds hatte Hudson Wallace’ Maschine in Sarajewo landen und kurz darauf wieder starten können, bevor jemand neugierige Fragen stellte.
Seitdem reisten sie nach Westen, aber die Nachricht hatte sich trotzdem verbreitet, und ein Anschlag auf das Leben des Mannes hatte dafür gesorgt, dass Tarasow jetzt humpelte und in seinem Bein eine Kugel steckte.
Hudson Wallace’ Befehle lauteten, ihn so schnell wie möglich in die USA zu bringen und unterwegs nicht aufzufallen, aber sie hatten ihm keine spezielle Route vorgeschrieben. Das war auch gut so, denn Wallace wäre ihr sowieso nicht gefolgt.
Bisher hatte er alle größeren europäischen Städte gemieden, war stattdessen zu den Azoren geflogen, wo er auftanken und zu einem Nonstop-Flug in die Vereinigten Staaten starten konnte. Es war ein guter Plan, aber er hatte nicht mit dem Wetter oder mit Tarasows Flugangst gerechnet.
»Früher oder später werden sie uns finden«, sagte Wallace zu seinem Passagier. »Sie haben überall Agenten, zumindest in jedem Hafen und auf jedem größeren Airport.«
»Aber Sie meinten doch, dieser Ort hier sei abgelegen und sicher.«
»Ja«, sagte Wallace. »Aber wenn sie uns an keinem der Orte aufstöbern, die auf dem Weg liegen, dann werden sie woanders nachschauen. Wahrscheinlich haben sie das längst getan.«
Hudson Wallace zog wieder an seiner Zigarette. Er war sich nicht sicher, ob die Russen die Azoren überprüfen würden. Aber zwei Amerikaner und ein Ausländer, die mit einem internationalen Linienflugzeug landeten – und dann drei Tage auf dem Flugfeld warteten, ohne mit jemandem ein Wort zu wechseln –, waren durchaus etwas, das Misstrauen erwecken konnte.
»Irgendwann müssen Sie sich entscheiden, wovor Sie mehr Angst haben«, sagte er und deutete mit einem Kopfnicken auf das Flugzeug, das ein wenig abseits im Nieselregen stand. »Vor einer kleinen Turbulenz oder vor einem Messer im Bauch.«
Tarasow blickte zu dem aufgewühlten Himmel hinauf. Er zuckte die Achseln und hielt die Hände mit den Handflächen nach oben hoch wie jemand, der der Welt demonstrieren will, dass er kein Geld hat. »Aber so können wir nicht fliegen«, sagte er.
»Landen«, stellte Wallace klar. »So können wir nicht landen.« Er machte eine Handbewegung wie ein Flugzeug, das im Sinkflug ist und seine Nase zur Landung hochzieht.
»Aber wir können verdammt noch mal starten«, fuhr er fort und hob wieder die Hand. »Und dann können wir Kurs nach Westen nehmen. Dort gibt es keine Berge. Sondern nichts als den Ozean … und die Freiheit.«
Tarasow schüttelte den Kopf, aber Wallace konnte erkennen, wie seine Entschlossenheit allmählich ins Wanken geriet.
»Ich habe mir das Wetter in New York angesehen«, sagte er und log abermals. Natürlich hatte er das nicht getan, da er nicht wollte, dass irgendjemand von seinem Flugziel erfuhr. »Für die nächsten achtundvierzig Stunden ist klarer Himmel angesagt, aber danach …«
Offenbar verstand Tarasow.
»Entweder starten wir jetzt, oder wir hängen hier für eine Woche fest.«
Seinem Passagier schien keine der beiden Möglichkeiten zu gefallen. Er sah zu Boden und dann zu der großen silbernen Constellation mit ihren vier wuchtigen Kolbenmotoren und ihren schlanken dreifachen Seitenleitwerken hinüber. Er starrte in den Regen und in die nächtliche Dunkelheit dahinter.
»Können Sie uns hinbringen?«
Hudson Wallace schnippte die Zigarette auf den Boden und zertrat sie mit seinem Stiefel. Jetzt hatte er den Russen genau da, wo er ihn haben wollte. »Ich kann uns hinbringen«, sagte er.
Tarasow nickte zögernd.
Wallace blickte zum Flugzeug und machte eine kreisende Bewegung mit der Hand. Das scharfe Rattern des Anlassers erklang, während schwarzer Qualm aus dem Auspuff von Motor Nummer drei wallte. Die Kerzen zündeten, und der große Sternmotor kam in Schwung. Schon nach einem kurzen Moment rotierte der große Propeller mit fünfzehnhundert Umdrehungen pro Minute und schleuderte regengeschwängerte Luft hinter die Maschine. Sekunden später sprang Motor Nummer eins an.
Wallace hatte gehofft, ihren Passagier zu dem Flug überreden zu können. Er hatte Charlie Simpkins, seinen Kopiloten, im Flugzeug zurückgelassen, damit er es startbereit hielt.
»Kommen Sie«, sagte Wallace.
Tarasow atmete tief durch und löste sich von der Tür. Er ging auf das wartende Flugzeug zu. Nachdem er die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte, erklang ein Schuss. Er hallte über die nasse Rollbahn, und Tarasow stolperte vorwärts, krümmte den Rücken und drehte sich nach rechts.
»Nein!«, brüllte Wallace.
Er legte einen Schritt zu, packte Tarasow, hielt den Mann auf den Füßen und schob ihn weiter in Richtung Flugzeug. Ein weiterer Schuss erklang. Diesmal ging die Kugel daneben und prallte rechts von ihnen singend vom Zement der Piste ab.
Tarasow taumelte.
»Kommen Sie schon!«, rief Wallace und versuchte ihn hochzuziehen.
Die nächste Kugel traf Wallace selbst, erwischte ihn in der Schulter und warf ihn herum. Er stürzte und rollte über den Erdboden. Die Kugel hatte ihn nach vorn gestoßen, als hätte jemand von oben auf ihn gezielt. Er...




