Cussler / DuBrul | Killerwelle | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 8, 528 Seiten

Reihe: Die Juan-Cabrillo-Abenteuer

Cussler / DuBrul Killerwelle

Ein Juan-Cabrillo-Roman
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-641-15193-5
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Ein Juan-Cabrillo-Roman

E-Book, Deutsch, Band 8, 528 Seiten

Reihe: Die Juan-Cabrillo-Abenteuer

ISBN: 978-3-641-15193-5
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Juan Cabrillo und die Crew des Sondereinsatzschiffs „Oregon” sind die Einzigen, die die größte Bedrohung aller Zeiten gegen die Vereinigten Staaten noch abwehren können. Doch zunächst müssen sie erkennen, wie ihre letzten Einsätze in aller Welt zusammenhängen. Und was hat es mit der alten chinesischen Waffe auf sich, die die einfachen Soldaten nur »Den Blick des Drachen« nannten – der kommandierende General jedoch den Weg zum sicheren Sieg über alle Feinde Chinas?

Seit er 1973 seinen ersten Helden Dirk Pitt erfand, ist jeder Roman von Clive Cussler ein »New York Times«-Bestseller. Auch auf der deutschen SPIEGEL-Bestsellerliste ist jeder seiner Romane vertreten. 1979 gründete er die reale NUMA, um das maritime Erbe durch die Entdeckung, Erforschung und Konservierung von Schiffswracks zu bewahren. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2020 in der Wüste von Arizona und in den Bergen Colorados.
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1

BIRMINGHAM, ENGLAND

VOR VIER MONATEN

William Cantor hatte bereits in das Mikrofon geniest, ehe sich der Juckreiz in seiner Nase richtig bemerkbar gemacht hatte. Das Bedürfnis überfiel ihn regelrecht, und ihm blieb keine Zeit mehr, den Kopf abzuwenden. Der Schleim, der durch das Niesen in seine Nasenhöhle gedrückt worden war, musste zurückgezogen werden, und dieses Schnauben hallte nun elektrisch verstärkt durch den nahezu leeren Versammlungsraum.

»Verzeihung«, sagte er und hüstelte. Dabei hielt er sich die Hand vor den Mund und wandte sich ab, um den etwa zehn Personen, die sich zu seinem Vortrag eingefunden hatten, zu demonstrieren, dass er kein kompletter Banause war. »Wie ein Amerikaner, den ich auf dem Christ Church College kannte, einmal sagte« – ihr habt richtig gehört, ihr Bauerntrampel, ich war in Oxford –, »alles andere lässt sich immer im Griff behalten, doch ein Schnupfen macht mit einem einfach, was er will.«

Die Reaktion des Publikums mochte ein höfliches Lachen gewesen sein, sie klang jedoch eher nach einem gedämpften Husten.

Herrgott im Himmel, wie er diese Vorträge hasste, die stets in Erweiterungsbauten oder in Dorfbibliotheken stattfanden, wo die einzigen Zuhörer Pensionäre waren, die sich nicht im Mindesten für das Vortragsthema interessierten, sondern lediglich nichts Besseres mit dem Nachmittag anzufangen wussten. Schlimmer waren jedoch solche Städte wie Birmingham, derart heruntergekommen, dass dort so gut wie nie die Sonne schien. Und die Leute im Saal waren nur gekommen, um sich aufzuwärmen, ehe sie wieder hinausgingen, um Passanten um ein paar Cent anzuschnorren oder sich vor einer Suppenküche anzustellen. Er hatte zehn Teilnehmer gezählt, als er das Podium betrat, und nicht weniger als vierzehn Mäntel. Dazu stellte er sich eine ganze Reihe verrosteter Supermarkt-Einkaufswagen vor, die von allem möglichen Krempel überquellend auf dem Bibliotheksparkplatz standen.

»›Ich habe nicht einmal die Hälfte dessen erzählt, was ich gesehen habe.‹« Eine viel bessere Einleitung, als das Mikrofon mit Rotz zu bespucken, dachte Cantor reumütig. Trotzdem, er hatte seine Ziele, und man konnte nie wissen, vielleicht war die vermummte Frau im hinteren Teil des von Neonröhren erhellten Raums J. K. Rowling in Tarnkleidung. »Das waren die letzten Worte, die der berühmte venezianische Entdecker und Forscher Marco Polo auf seinem Totenbett von sich gab.

Wir wissen aus seinem berühmten Buch, Die Wunder der Welt, das er Rustichello da Pisa diktierte, während beide in einem Gefängnis in Genua saßen, dass Polo zusammen mit seinem Vater Niccolò und seinem Onkel Maffeo« – die Namen kamen Cantor trotz seiner Kopfgrippe flüssig über die Lippen, da es bei weitem nicht das erste Mal war, dass er diesen Vortrag hielt – »viele unglaubliche Entdeckungen machte und die erstaunlichsten Dinge zu sehen bekam.«

Im hinteren Teil des Raums entstand eine kurze Unruhe, als ein Neuankömmling aus dem wenig einladenden Lesesaal der Bibliothek hereinkam. Metallene Klappstühle knarrten und quietschten, während sich ein paar Zuhörer umdrehten, um zu sehen, wer da noch erschienen war, um sich den Vortrag anzuhören. Wahrscheinlich nahmen sie an, dass es ein obdachloser Kumpel vom Chamberlain Square war.

Der Mann trug einen Kaschmirmantel, der fast bis auf den Fußboden reichte, und zwar über einem dunklen Anzug und einem dunklen Hemd mit ebenfalls dunkler Krawatte. Er war hochgewachsen und von massiger Statur. Mit einer Handbewegung entschuldigte er sich für sein verspätetes Erscheinen und suchte sich einen Sitzplatz in der hintersten Reihe, ehe Cantor etwas von seinem Gesicht erkennen konnte. Das sah ja vielversprechend aus, dachte der ständig am Rand einer Pleite entlangbalancierende Gelehrte. Wenigstens trug dieser Kerl Kleider, die nicht schon mehrmals ausrangiert worden waren.

Cantor wartete lange genug, damit der Mann es sich auf seinem Stuhl bequem machen konnte. Wenn dies ein potentieller finanzieller Gönner war, dann könnte er auch gleich noch damit anfangen, ihm die Füße zu küssen.

»Schon zu seiner Zeit entfachte Polos Reisebericht heftige Diskussionen. Die Menschen glaubten ganz einfach nicht, dass er all das gesehen und getan hatte, was er in seinem Buch schilderte. Sie konnten sich über ihr eigenes Vorurteil nicht hinwegsetzen, dass irgendwo noch eine andere Zivilisation existieren könnte, die den europäischen Staaten ebenbürtig war oder sie sogar noch übertraf. Später stieß man auf eine unübersehbare Auslassung. Einfach ausgedrückt hat er trotz seiner vielen Jahre in China und all dessen, was er über dieses ferne Land geschrieben hatte, nicht ein einziges Mal seine größte baumeisterliche Leistung, seine geradezu ikonenhafte Sehenswürdigkeit erwähnt.

Sehen Sie, während er Rustichello da Pisa seinen ausführlichen Reisebericht diktierte, kam er zu keinem Zeitpunkt auf die Große Chinesische Mauer zu sprechen. Das war in etwa das Gleiche, als würde ein moderner Tourist berichten, er sei in London gewesen, ohne das Auge gesehen zu haben. Aber Moment – ich könnte mir schon vorstellen, dass dieses hässliche Riesenrad etwas ist, das ein kundiger Reisender lieber vergäße.« Cantor machte eine kurze Pause für amüsierte Lacher. Allerdings hörte er auch jetzt nicht mehr als ein müdes Husten. »Na ja, die Tatsache, dass er sich nicht über die Große Mauer äußerte, die ja nicht weit von Peking entfernt steht, wo Marco Polo sehr viel Zeit verbrachte, hatte zur Folge, dass seine Kritiker den Wahrheitsgehalt seines gesamten Berichts anzweifelten.

Aber wenn die Schuld nun nicht beim Diktierenden, sondern bei dem zu suchen ist, dem diktiert wurde?« An dieser Stelle wollte er eigentlich ein Wortspiel einfügen und von dem despotischen Dogen von Genua berichten, der Polo und den Schriftsteller, Rustichello, ins Gefängnis hatte einsperren lassen. Doch er entschied sich dagegen. »Man weiß nur wenig über den Mann, dem Marco Polo seine Geschichte diktierte, während sie ihre Strafe in einem Genueser Gefängnis absaßen, nachdem Polo nach der Schlacht von Curzola gefangen genommen worden war. Rustichello selbst war bereits vierzehn Jahre zuvor nach der entscheidenden Schlacht von Meloria inhaftiert worden, die den Beginn des Untergangs des Stadtstaates Pisa eingeleitet hatte.

Rustichello war, wie man es heute beschreiben würde, ein Schmonzettenschreiber, der schon vor seiner Verhaftung einige Erfolge vorzuweisen hatte. Betrachten Sie ihn als eine Art männliche Jackie Collins seiner Epoche. Er wusste ganz genau, was die Fantasie seiner Leser anregte und was sie als zu fantastisch und unglaubwürdig ablehnten.

Unter diesem Aspekt ist er für mich nicht nur derjenige, der Polos Geschichte zu Papier brachte, sondern gleichzeitig auch sein Lektor oder Redakteur, also jemand, der einige von Marco Polos kontroverseren Entdeckungen und Erkenntnissen auslassen konnte, damit das Manuskript dem Massengeschmack entgegenkam. Der mittelalterliche Adel – und das waren im Wesentlichen die Kreise, für die Schriftsteller in der damaligen Zeit ihre Werke verfassten – wollte nichts davon wissen, dass China ihm ebenbürtig war und ihn in vielen Fällen mit seinen Erfolgen auf den Gebieten der Medizin, der Ingenieurskunst, der Verwaltung und vor allem des Kriegswesens sogar noch bei weitem übertraf.«

Cantor legte eine kurze Pause ein. Der Ausdruck auf den Mienen seiner Zuhörer reichte von Schläfrigkeit bis hin zu vollständigem Desinteresse. Solange sie Schutz vor dem eisigen Regen fanden, der sich auf die mittelenglische Stadt ergoss, war ihnen im Grunde völlig egal, was er erzählte. Er wünschte sich nur, er könnte den Mann im dunklen Anzug ein wenig besser sehen, doch der versteckte sich hinter einem ungewöhnlich großen Obdachlosen, der in ganz gerader Sitzhaltung eingeschlafen war.

»Mit diesem Gedanken im Kopf – dass Rustichello sich während ihres langen Gefängnisaufenthalts Notizen machte, die später aus der Endfassung der Wunder der Welt herausgestrichen wurden, und dass diese Notizen einige der Auslassungen enthalten könnten, auf Grund derer spätere Gelehrte den Wert und die Bedeutung des gesamten Buches in Frage stellten – bin ich heute zu Ihnen gekommen.« Dieser Satz kam Cantor zwar selbst ziemlich umständlich und mühsam vor, aber er versuchte das Bild eines Gelehrten von sich zu vermitteln, und all seine Professoren in Oxford pflegten sich in solchen Bandwurmsätzen auszudrücken, die über ganze Buch- oder Manuskriptseiten reichten.

»Ich denke«, fuhr er fort, »dass diese Notizen noch irgendwo auf der Welt existieren. Ich meine vor allem die Teile der Geschichte Marco Polos, die von der mittelalterlichen Zensur – und das war der Vatikan – nicht freigegeben wurden, weil sie bei der Leserschaft jener Zeit zu viele Zweifel geweckt hätten. Seit ich Christ Church verließ« – es hätte keinen Sinn zu erwähnen, dass er keine Abschlussprüfung abgelegt hatte –, »habe ich überall in Italien und in Frankreich nach Hinweisen auf ein solches Buch gesucht. Und endlich, vor einem halben Jahr, habe ich es dann, wie ich glaube, auch gefunden.«

Hatte der Mann im dunklen Anzug bei dieser Nachricht in irgendeiner Weise auffällig reagiert? Cantor schien es so, als hätte der Schatten im hinteren Teil des Raums seine Position ein wenig verändert. Er kam sich wie ein Angler vor, der das erste Knabbern am Köder spürt. Nun musste er nur noch den Haken ins Ziel bringen, um seinen Fang zu sichern.

»Ich erhielt Zugang zu den Verkaufslisten eines kleinen Buchantiquariats, das sich in einer winzigen...


Cussler, Clive
Seit er 1973 seinen ersten Helden Dirk Pitt erfand, ist jeder Roman von Clive Cussler ein »New York Times«-Bestseller. Auch auf der deutschen SPIEGEL-Bestsellerliste ist jeder seiner Romane vertreten. 1979 gründete er die reale NUMA, um das maritime Erbe durch die Entdeckung, Erforschung und Konservierung von Schiffswracks zu bewahren. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2020 in der Wüste von Arizona und in den Bergen Colorados.

DuBrul, Jack
Jack DuBrul studierte an der George-Washington-Universität, Washington D.C. Kaum hatte er seinen Abschluss in der Tasche, veröffentlichte er seinen ersten Roman. Er lebt mit seiner Frau Debbie in Burlington, Vermont.



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