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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 640 Seiten

Reihe: Die Juan-Cabrillo-Abenteuer (Oregon Files)

Cussler / DuBrul Seuchenschiff

Ein Juan-Cabrillo-Roman
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-641-15199-7
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Ein Juan-Cabrillo-Roman

E-Book, Deutsch, Band 5, 640 Seiten

Reihe: Die Juan-Cabrillo-Abenteuer (Oregon Files)

ISBN: 978-3-641-15199-7
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Juan Cabrillo und die Crew der Oregon entdecken ein führerlos treibendes Kreuzfahrtschiff. Hunderte Leichen liegen an Deck. Sofort setzt Cabrillo alles daran, die skrupellosen Hintermänner des Massenmords ausfindig zu machen, doch ihre finsteren Pläne scheinen bereits unaufhaltbar zu sein – wenn die Oregon-Crew nicht schnell genug ist …

Seit er 1973 seinen ersten Helden Dirk Pitt erfand, ist jeder Roman von Clive Cussler ein »New York Times«-Bestseller. Auch auf der deutschen SPIEGEL-Bestsellerliste ist jeder seiner Romane vertreten. 1979 gründete er die reale NUMA, um das maritime Erbe durch die Entdeckung, Erforschung und Konservierung von Schiffswracks zu bewahren. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2020 in der Wüste von Arizona und in den Bergen Colorados.
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2

Bandar Abbas, Iran
Gegenwart

Der marode aussehende Frachter hatte lange genug vor dem geschäftigen Hafen von Bandar Abbas vor Anker gelegen, um beim iranischen Militär Misstrauen zu wecken. Ein bewaffnetes Patrouillenboot wurde von der nahe gelegenen Marinebasis in Marsch gesetzt und flitzte durch die seichten azurblauen Gewässer auf das etwa hundertachtzig Meter lange Schiff zu.

Das Schiff hatte den Namen Norego und war in Panama registriert, wenn man sich auf die Flagge am Flaggenmast verließ. Dem Aussehen nach war die Norego für den Containerdienst umgebaut worden, nachdem sie in ihren früheren Zeiten als reguläres Frachtschiff gedient hatte. Auf ihrem Deck ragten fünf Frachtkräne wie astlose Bäume in die Luft, drei auf dem vorderen Teil und zwei weiter hinten. Um sie herum waren hellfarbene Container bis dicht unter die Fenster der Kommandobrücke gestapelt. Trotz der großen Zahl von Containern lag das Schiff so hoch im Wasser, dass mindestens fünf Meter roter Schutzfarbe unterhalb der Ladelinie zu sehen waren. Der Rumpf war einheitlich blau gestrichen, machte jedoch den Eindruck, als hätte er schon lange keine frische Farbe mehr gesehen, während die Aufbauten in einem tristen Grünton gehalten waren. Die beiden Schornsteine wirkten derart von Ruß geschwärzt, dass von ihrer ursprünglichen Farbe so gut wie nichts mehr zu erkennen war. Dünne Rauchfäden kräuselten sich aus den Kaminen und hingen als dunkle Wolke über dem Schiff.

Ein Gerüst aus Stahlverstrebungen war vom überhängenden Teil des Schiffshecks herabgelassen worden, und Männer in ölverschmierten Overalls waren am Steuerruder mit Reparaturarbeiten beschäftigt.

Als das Patrouillenboot in Rufweite kam, hielt der NCO, der als Kapitän des kleinen Gefährts fungierte, ein Megaphon an seinen Mund. »Ahoi, Norego«, rief er auf Farsi. »Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass wir an Bord kommen.« Muhammad Ghami wiederholte seine Worte auf Englisch, der internationalen Verkehrssprache der Handelsschifffahrt.

Wenige Sekunden später erschien ein stark übergewichtiger Mann in einem verschwitzten Offiziershemd am oberen Ende der Gangway. Mit dem Kopf gab er einem Untergebenen ein Zeichen, und die Jakobsleiter wurde herabgelassen.

Während sie sich näherten, erkannte Ghami auf den Schultern des Mannes Kapitänsepauletten und fragte sich, wie sich ein Mann mit einem solchen Rang derart gehen lassen konnte. Der Chef der Norego schleppte einen Wanst vor sich her, der gut zwanzig Zentimeter über seinen Gürtel hing. Unter seiner weißen Mütze glänzte das Haar ölig schwarz mit grauen Strähnen, und sein Gesicht war voller Bartstoppeln. Ghami konnte nur vermuten, wo die Eigentümer eines derart heruntergekommenen Schiffes einen solchen Kerl aufgetrieben hatten, der es führen sollte.

Während einer seiner Männer hinter dem Kaliber .50-Maschinengewehr des Patrouillenbootes Posten bezog, bedeutete Ghami einem anderen Matrosen, das halbstarre Schlauchboot an der Gangway zu vertäuen. Ein weiterer Matrose hielt sich mit einem AK-47 über der Schulter in seiner Nähe. Ghami vergewisserte sich, dass die Klappe über seinem Holster geschlossen war, und sprang auf die unterste Stufe der Leiter. Sein erster Offizier folgte ihm. Während er nach oben stieg, beobachtete er, wie der Kapitän versuchte, sein Haar zu ordnen und sein schmuddeliges Hemd glattzustreichen. Er erzielte mit beiden Gesten jedoch kaum eine Wirkung.

Ghami erreichte das Deck und stellte fest, dass die Platten an einigen Stellen gerissen waren und seit Jahrzehnten keine Farbe mehr gesehen hatten. Rost bedeckte in einer dicken Schicht jede Oberfläche – bis auf die der Container, die wahrscheinlich noch nicht lange genug an Bord standen, um in ähnlicher Weise unter der Nachlässigkeit der Mannschaft zu leiden. In der Reling klafften Lücken, die mit Kettenabschnitten geflickt worden waren, und die Korrosion hatte sich derart tief in die Aufbauten gefressen, dass sie aussahen, als würden sie jeden Augenblick zusammenbrechen.

Indem er seine Abscheu kaschierte, begrüßte Muhammad Ghami den Kapitän mit einem zackigen militärischen Salut. Der Mann kratzte sich seinen ausladenden Bauch und erwiderte den Gruß, indem er mit einem Finger lässig gegen den Schirm seiner Mütze tippte.

»Käpt’n, ich bin Leutnant Muhammad Ghami von der Iranischen Marine. Der Mann in meiner Begleitung ist Seaman Khatahani.«

»Willkommen an Bord der Norego, Leutnant«, erwiderte der Chef des Frachters. »Ich bin Kapitän Ernesto Esteban.«

Sein spanischer Akzent war so stark, dass Ghami jedes seiner Worte in Gedanken wiederholen musste, um sicherzugehen, dass er ihn verstanden hatte. Esteban war einige Zentimeter größer als der iranische Seemann, aber sein überschüssiges Gewicht, das er mit sich herumschleppte, zog seine Schultern nach unten und krümmte seinen Rücken so, dass er und Ghami fast gleich groß erschienen. Seine Augen waren dunkel und feucht, und als er lächelte, während er Ghami die Hand schüttelte, entblößte er gelbe und schiefe Zähne. Sein Atem roch wie vergorene Milch.

»Was ist mit Ihrer Ruderanlage nicht in Ordnung?«

Esteban stieß einen spanischen Fluch aus. »Das Lager hat sich festgefressen. Schon das vierte Mal in diesem Monat. Die knauserigen Eigner«, schimpfte er, »wollen nicht, dass ich den Schaden in einer Werft beheben lasse, deshalb müssen sich meine Männer damit herumschlagen. Eigentlich sollten wir schon heute Abend wieder unterwegs sein, vielleicht aber auch erst morgen früh.«

»Und worin besteht Ihre Ladung, und welchen Hafen laufen Sie an?«

Der Kapitän schlug mit der flachen Hand gegen einen der Frachtcontainer. »Leere Kisten. Sie sind alles, wofür die Norego noch gut ist.«

»Was soll das heißen?«, fragte Ghami.

»Wir transportieren leere Container von Dubai nach Hongkong. Volle Container werden angeliefert, ausgeladen und stapeln sich dann auf dem Pier. Wir bringen sie zurück nach Hongkong, wo sie wieder beladen werden.«

Das erklärte auch, weshalb das Schiff so hoch im Wasser lag, dachte Ghami. Leere Container wogen pro Stück nur wenige Tonnen. »Und was haben Sie auf der Rückfahrt hierher geladen?«

»Kaum genug, um unsere Kosten zu decken«, erwiderte Esteban trübsinnig. »Niemand will uns mit etwas anderem als leeren Kisten versichern.«

»Ich muss mir Ihre Mannschaftsliste, Ihre Frachtpapiere und die Schiffsregistrierung ansehen.«

»Gibt es irgendein Problem?«, fragte Esteban schnell.

»Das entscheide ich, nachdem ich Ihre Papiere kontrolliert habe«, sagte Ghami mit einem ausreichend drohenden Unterton, um sicherzugehen, dass der Mann widerspruchslos gehorchte. »Ihr Schiff befindet sich in iranischen Gewässern, und ich habe das Recht, jeden Winkel dieses Kahns zu inspizieren, sofern ich es für nötig halte.«

»No problema, señor«, sagte Esteban mit öliger Freundlichkeit. Sein Grinsen glich eher einer Grimasse. »Sollen wir nicht zusehen, dass wir aus dieser Hitze rauskommen, und mein Büro aufsuchen?«

Bandar Abbas lag in der engsten Biegung der Straße von Hormus, der schmalen Einfahrt in den Persischen Golf. Im Sommer waren die Temperaturen tagsüber meist unerträglich, außerdem herrschte kaum ein nennenswerter Wind. Das stählerne Deck unter den Füßen der Männer war im wahrsten Sinne des Wortes heiß genug, um Eier darauf zu braten.

»Gehen Sie voraus«, sagte Ghami und deutete auf die Decksaufbauten.

Die Innenräume an Bord der Norego wirkten genauso heruntergekommen wie ihr Äußeres. Die Fußböden bestanden aus zerschlissenem Linoleum, die Wände waren kahl und mit Flecken übersät, wo die Farbe abgeblättert war. Die Leuchtstoffröhren an den Decken gaben ein lautes Summen von sich. Mehrere von ihnen flackerten heftig und erzeugten in dem engen Korridor Schattenspiele.

Esteban führte Ghami und Khatahani über einen engen Laufgang mit losem Geländer in einen weiteren kurzen Korridor. Er öffnete die Tür zu seinem Büro und bedeutete den Männern mit einer Geste einzutreten. Durch eine Tür auf der anderen Seite des Büros konnte man in die Kabine des Kapitäns schauen. Das Bett war ungemacht, und die Laken, die auf dem Fußboden lagen, waren voller Schmutzflecken. Eine einzelne Kommode war an die Wand geschraubt, und der Spiegel darüber hatte einen gezackten Sprung, der von einer Ecke zur anderen verlief.

Das Büro war ein Raum mit rechteckigem Grundriss. Er verfügte über ein einziges Bullauge, das derart mit Salz verkrustet war, dass nur wenig Licht hereindrang. Die Wände waren mit Gemälden von Clowns mit traurigen Augen in grellen Farben auf schwarzem Samt bedeckt. Eine andere Tür führte in ein kleines Badezimmer, das dreckiger schien als eine öffentliche Toilette in einem Slum in Teheran. In dem Büro waren so viele Zigaretten geraucht worden, dass der schale Geruch an allem zu kleben schien, Ghamis Gaumen inklusive. Obwohl er selbst Raucher war, empfand sogar der iranische Marineoffizier einen heftigen Ekel.

Esteban stopfte die nackten Drähte einer Schreibtischlampe in eine Steckdose neben dem Tisch und fluchte, als ein paar Funken sprühten, schien dann aber froh zu sein, dass die Lampe aufflackerte. Er ließ sich stöhnend in seinen Schreibtischsessel sinken und lud die beiden Inspektoren ein, ihm gegenüber Platz zu nehmen. Ghami benutzte einen Kugelschreiber aus seiner Hemdtasche, um den vertrockneten Kadaver einer Kakerlake von seinem Stuhl zu schnippen, ehe er sich hinsetzte.

Der Kapitän...


Cussler, Clive
Seit er 1973 seinen ersten Helden Dirk Pitt erfand, ist jeder Roman von Clive Cussler ein »New York Times«-Bestseller. Auch auf der deutschen SPIEGEL-Bestsellerliste ist jeder seiner Romane vertreten. 1979 gründete er die reale NUMA, um das maritime Erbe durch die Entdeckung, Erforschung und Konservierung von Schiffswracks zu bewahren. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2020 in der Wüste von Arizona und in den Bergen Colorados.

DuBrul, Jack
Jack DuBrul studierte an der George-Washington-Universität, Washington D.C. Kaum hatte er seinen Abschluss in der Tasche, veröffentlichte er seinen ersten Roman. Er lebt mit seiner Frau Debbie in Burlington, Vermont.



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