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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5

Reihe: Die Kurt-Austin-Abenteuer

Cussler / Kemprecos Killeralgen

Ein Kurt-Austin-Roman
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-641-15215-4
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Ein Kurt-Austin-Roman

E-Book, Deutsch, Band 5

Reihe: Die Kurt-Austin-Abenteuer

ISBN: 978-3-641-15215-4
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Als Kurt Austin von der NUMA und die Archäologin Skye Labelle in einem Gletschergebiet auf eine Leiche in Fliegermontur und einen Helm mit rätselhaften Schriftzeichen stoßen, entkommen sie kurz darauf nur knapp einem Mordanschlag. Der Fund führt sie auf die Spur der Familie Fauchard, die geheime Laboratorien betreibt und dort mit einem Wunderenzym experimentiert. Und das wird ausgerechnet dort geerntet, wo kürzlich ein U-Boot der NUMA verschollen ist. Das Forschungsteam war tief unten auf dem Grund des Atlantiks damit beschäftigt, Informationen über mysteriöse Killeralgen zu sammeln …


Seit er 1973 seinen ersten Helden Dirk Pitt erfand, ist jeder Roman von Clive Cussler ein »New York Times«-Bestseller. Auch auf der deutschen SPIEGEL-Bestsellerliste ist jeder seiner Romane vertreten. 1979 gründete er die reale NUMA, um das maritime Erbe durch die Entdeckung, Erforschung und Konservierung von Schiffswracks zu bewahren. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2020 in der Wüste von Arizona und in den Bergen Colorados.
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Prolog

Französische Alpen, August 1914

Hoch über den majestätischen schneebedeckten Gipfeln kämpfte Jules Fauchard um sein Leben. Minuten zuvor war sein Flugzeug mit einer Wucht, die seine Zähne bis in die Wurzeln erzittern ließ, gegen eine unsichtbare Wand aus Luft gekracht. Jetzt warfen Auf- und Abwinde das leichte Flugzeug hin und her wie einen Drachen an einer Schnur. Fauchard kämpfte gegen die heftigen Turbulenzen, die seinen Magen Purzelbäume schlagen ließen, mit der Geschicklichkeit, die ihm seine strengen französischen Fluglehrer eingebläut hatten. Dann hatte er diesen stürmischen Abschnitt hinter sich, genoss die seidenweiche, ruhige Luft, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass diese beinahe seinen Untergang besiegelte.

Nach dem Stabilisieren seiner Maschine hatte Fauchard einem nur zu menschlichen Impuls nachgegeben. Er schloss die müden Augen. Seine Augenlider flatterten und sackten herab und schlossen sich endgültig, als wären sie mit Bleigewichten beschwert. Sein Geist driftete ab in schattige, von unendlicher Sorglosigkeit erfüllte Gefilde. Sein Kinn sackte auf die Brust. Seine schlaffen Finger lockerten ihren Griff um den Steuerknüppel. Das kleine rote Flugzeug schlingerte wie betrunken durch eine Phase, die von französischen Piloten perte de vitesse genannt wird, Steuerlosigkeit, während es über eine Tragfläche abrutschte, um jeden Moment ins Trudeln zu geraten.

Glücklicherweise nahm Fauchards Innenohr eine Störung des Gleichgewichts wahr, und Alarmsignale ertönten in seinem schlummernden Gehirn. Sein Kopf ruckte hoch, und er erwachte halb benommen und hatte Mühe, seine wirren Gedanken zu ordnen. Sein Nickerchen hatte nur einige Sekunden gedauert, aber in dieser Zeitspanne hatte das Flugzeug einige hundert Fuß an Flughöhe verloren und war im Begriff, in einen Sturzflug überzugehen. Blut pulsierte in Fauchards Schädel. Sein wie wild hämmerndes Herz fühlte sich an, als würde es jeden Moment seine Brust sprengen.

In den französischen Flugschulen wurde den Flugschülern beigebracht, ein Flugzeug mit der gleichen Behutsamkeit zu lenken, wie ein Pianist die Tasten seines Instruments streichelt, und Fauchards endlose Trainingsstunden erwiesen sich jetzt als in jeder Hinsicht wertvoll. Indem er geradezu zärtlich die Kontrollen bediente, achtete er darauf, nicht zu übersteuern, und holte das Flugzeug nahezu unmerklich in eine horizontale Fluglage zurück. Zufrieden, dass die Maschine stabilisiert war, stieß er zischend die angehaltene Luft aus und schickte gleich einen tiefen Atemzug hinterher. Dabei schnitt die eisig kalte Luft wie Glasscherben in seine Lunge.

Der stechende Schmerz riss ihn aus seiner Lethargie. Endlich wieder hellwach, rief Fauchard sich das Mantra ins Gedächtnis zurück, das seine Entschlossenheit während seiner verzweifelten Mission aufrechterhalten hatte. Seine gefrorenen Lippen weigerten sich, die Silben zu bilden, aber die Worte hallten durch sein Gehirn.

Wenn du versagst, müssen Millionen sterben.

Fauchard biss die Zähne erneut zusammen. Er rieb den Raureif von den Gläsern seiner Pilotenbrille und warf einen Blick über die Motorhaube. Die Hochgebirgsluft war so klar wie feiner Kristall, und sogar die entferntesten Details waren in fotografischer Deutlichkeit zu erkennen. Dicht gestaffelte Reihen gezackter Berggipfel reichten bis zum Horizont, und winzige Dörfer klammerten sich an die Abhänge saftig grüner Alpentäler. Aufgeplusterte weiße Wolken erinnerten an Haufen frisch gepflückter Baumwolle. Der Himmel erstrahlte in einem grenzenlosen satten Blau. Der Sommerschnee, der die Bergspitzen bedeckte, schimmerte im violetten Licht der untergehenden Sonne.

Fauchards vom fehlenden Schlaf gerötete Augen fingen all diese erhabene Schönheit ein, während er die Ohren spitzte und dem Auspufflärm lauschte, der vom 80 PS starken Gnome-Sternmotor erzeugt wurde, der die Morane-Saulnier N antrieb. Alles lief gut. Der Motor brummte gleichmäßig wie vor seinem fast tödlich verlaufenen Nickerchen. Fauchard war beruhigt, doch der Beinaheabsturz hatte sein Selbstvertrauen erschüttert. Er begriff zu seiner Verblüffung, dass er soeben eine völlig fremde Gefühlsregung erlebt hatte. Angst. Nicht vor dem Tod, sondern vor dem Versagen. Trotz seiner eisernen Entschlossenheit erinnerten seine schmerzenden Muskeln ihn weiterhin daran, dass er wie jeder andere ein Mensch aus Fleisch und Blut war.

Das offene Cockpit gewährte ihm nur eng begrenzte Bewegungsfreiheit, und sein Körper steckte in einem pelzgefütterten Ledermantel über einem dicken Pullover aus Shetlandwolle, einem Rollkragenpullover und warmer Unterwäsche. Ein Wollschal schützte seinen Hals. Ein Lederhelm bedeckte seinen Kopf und seine Ohren, und seine Hände waren in Lederhandschuhe gehüllt. An seinen Füßen befanden sich pelzgefütterte Bergsteigerstiefel aus allerbestem Leder. Obgleich er für arktische Wetterbedingungen gekleidet war, hatte sich die eisige Kälte bis zu seinen Knochen durchgefressen und seine Wachsamkeit beeinträchtigt. Das war eine gefährliche Entwicklung. Die Morane-Saulnier war schwierig zu lenken und erforderte vom Piloten uneingeschränkte Aufmerksamkeit.

Angesichts der quälenden Erschöpfung klammerte Fauchard sich mit jener zielstrebigen Sturheit an die Durchführung seiner Mission, die aus ihm einen der reichsten Industriellen der Welt gemacht hatte. Unbeugsame Entschlossenheit funkelte noch immer in seinen granitgrauen Augen und drückte sich in der trotzigen Haltung seines markanten Kinns aus. Mit seiner langen Raubvogelnase erinnerte Fauchards Profil an das der Adler, deren Köpfe das Familienwappen auf dem Heck des Flugzeugs zierten.

Er zwang seine Lippen, den Befehlen seines Gehirns zu gehorchen.

Wenn du versagst, müssen Millionen sterben.

Die Stentorstimme, deren Klang in den europäischen Zentren der Macht oft genug nackte Furcht ausgelöst hatte, drang als mühevolles Krächzen aus seinem Mund. Es war ein bemitleidenswerter Laut, überdeckt vom Motorenlärm und vom ohrenbetäubenden Rauschen, mit dem die Luft am Rumpf des Flugzeugs entlangglitt, aber Fauchard entschied, dass er sich eine Belohnung verdient hatte. Er griff in den Schaft eines seiner Stiefel und holte eine schlanke silberne Flasche heraus. Seine dicken Handschuhe erschwerten ihm das Aufschrauben der Flasche, und er trank einen tiefen Schluck. Der hochprozentige Schnaps war aus Trauben gebrannt, die auf seinem Gut wuchsen. Wärme breitete sich in seinem Körper aus.

So gestärkt, schob er sich in seinem Sitz zurecht, bewegte Zehen und Finger und rollte mit den Schultern. Während das Blut in seine Gliedmaßen zurückkehrte, dachte er an die heiße Schweizer Schokolade und das frisch gebackene Brot mit geschmolzenem Käse, das ihn auf der anderen Seite der Berge erwartete. Die kräftigen Lippen unter dem buschigen Schnurrbart verzogen sich zu einem spöttischen Grinsen. Er war einer der reichsten Männer der Welt und konnte sich nichts Köstlicheres vorstellen als eine deftige Bauernmahlzeit. Aber das war ganz recht so.

Fauchard gestattete sich den Luxus, sich selbst zu beglückwünschen. Er war ein akribischer Mensch, und sein Fluchtplan hatte funktioniert wie das Werk einer Schweizer Uhr. Die Familie hatte ihn unter strenge Bewachung gestellt, nachdem er seine unwillkommenen Ansichten vor dem Aufsichtsrat deutlich gemacht hatte. Doch während der Aufsichtsrat noch über sein Schicksal nachdachte und beriet, war er seinen Bewachern mit einer Kombination aus Ablenkungstaktik und Glück entkommen.

Er hatte so getan, als hätte er zu viel getrunken, und seinem Butler, der im Lohn seiner Familie stand, erklärt, er gehe sofort zu Bett. Als im Haus alles still geworden war, hatte er sich aus seinem Schlafzimmer geschlichen, hatte danach das Chateau verlassen und war in den Wald geeilt, wo er ein Fahrrad versteckt hatte. Mit seiner wertvollen Fracht im Rucksack war er durch den Wald zum Flugplatz geradelt. Sein Flugzeug war aufgetankt und startbereit. Im Morgengrauen war er dann gestartet und hatte zweimal an abgelegenen Orten, wo seine loyalsten Gefolgsleute Treibstoffvorräte bereitgestellt hatten, Zwischenlandungen eingelegt.

Er leerte die Flasche und warf einen Blick auf den Kompass und die Uhr. Er befand sich genau auf Kurs und hatte nur wenige Minuten Verspätung gegenüber seinem Zeitplan. Die niedrigeren Gipfel unter ihm zeigten ihm an, dass er sich dem Ende seiner langen Reise näherte. Nicht lange, und er könnte den Landeanflug auf Zürich einleiten.

Er überlegte gerade, was er dem Gesandten des Papstes mitteilen würde, als ein Schwarm aufgeschreckter Vögel von der Steuerbordtragfläche zu starten schien. Er blickte nach rechts und erkannte zu seinem Entsetzen, dass die Vögel in Wirklichkeit Stofffetzen waren, die sich von der Tragfläche abschälten und ein mehrere Zentimeter großes Loch hinterließen. Dafür konnte es nur eine einzige Erklärung geben. Die Tragfläche war von Geschossen getroffen worden, und der Motorenlärm hatte dieses Geräusch überlagert.

Fauchard reagierte instinktiv, legte das Flugzeug in eine Links- und sofort danach in eine Rechtskurve. Während seine Augen den Himmel absuchten, entdeckte er sechs Doppeldecker, die in V-Formation unter ihm flogen. Mit geradezu unheimlicher Gelassenheit schaltete Fauchard den Motor aus, als ob er die Absicht hätte, die Maschine in einem Gleitflug zum Erdboden herunterzubringen.

Die Morane-Saulnier sackte ab wie ein Stein.

Unter normalen Umständen wäre dieses Manöver einem Selbstmord gleichgekommen, da er damit ins Visier seiner Gegner geriet. Aber Fauchard hatte die...


Cussler, Clive
Seit er 1973 seinen ersten Helden Dirk Pitt erfand, ist jeder Roman von Clive Cussler ein »New York Times«-Bestseller. Auch auf der deutschen SPIEGEL-Bestsellerliste ist jeder seiner Romane vertreten. 1979 gründete er die reale NUMA, um das maritime Erbe durch die Entdeckung, Erforschung und Konservierung von Schiffswracks zu bewahren. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2020 in der Wüste von Arizona und in den Bergen Colorados.

Kemprecos, Paul
Paul Kemprecos, Co-Autor von Clive Cussler, war früher als Journalist, Kolumnist und Herausgeber tätig. Er schrieb zahlreiche Unterwasser-Thriller und lebt in seinem Haus auf Cape Cod.



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