Dalton / Leiber / Henry | Bianca Exklusiv Band 0137 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 137, 384 Seiten

Reihe: Bianca Exklusiv

Dalton / Leiber / Henry Bianca Exklusiv Band 0137


1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-86494-442-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 137, 384 Seiten

Reihe: Bianca Exklusiv

ISBN: 978-3-86494-442-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



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1. Kapitel


Als Julian mit dem gemieteten Pontiac langsam die Steigung des Signal Hill hinauffuhr, wappnete er sich für die Aussicht, die ihn oben erwartete, und er verspürte den übermächtigen Wunsch in sich aufsteigen, umzudrehen und wegzufahren, weit weg von dem Städtchen Murray, weit weg von seiner Vergangenheit.

Als er Murray im Staate Oklahoma vor über zwanzig Jahren verließ, hatte er sich geschworen, nie wieder hierher zurückzukommen. Er hatte die tyrannische Tante, die ihn aufgezogen hatte, verabscheut, und ebenso die nichts sagende Kleinstadt und die Leute, die hier lebten.

Als er dem Gipfel näher kam, verstärkte sich vor Anspannung sein Griff um das Lenkrad.

Und dann lag sie vor ihm, die Stadt seiner Kindheit. Die Stadt, in der er aufgewachsen war.

Die "Skyline" von Murray war immer noch von dem Wasserturm, dem Kornspeicher und dem weißen Turm der Baptistenkirche geprägt. Die ganze Stadt, ihr Geschäftszentrum und die umgebenden Wohnhäuser waren nichts weiter als ein kleiner Fleck in der weiten Landschaft.

Es gab mehr Bäume, als er in Erinnerung hatte. Aus dieser Sicht wirkte die Stadt harmlos, ja sogar ein wenig malerisch und anheimelnd. Wie ein Bild von Grandma Moses.

Ein Supermarkt und einige andere moderne Geschäfte waren am Rand der Stadt neu erbaut worden, und Julian fragte sich erstaunt, welche Geschäftsleute bereit waren, ihr Geld in einem so abgelegenen Provinznest wie Murray zu verschwenden.

Er bog links in die Hauptstraße ab und hatte plötzlich das Gefühl, in die Vergangenheit zurückgekehrt zu sein. Das staubige, langweilige Murray hatte sich in zwei Jahrzehnten nicht sehr verändert. Die Autos und Lieferwagen parkten immer noch auf dem Mittelstreifen der breiten Straße. Der Bauund Handwerkerladen war jetzt ein Spirituosengeschäft. Aber der Friseur und der altmodische Drugstore waren noch neben Marvellas Kosmetikladen. Und das B & J Café lag immer noch der Bank gegenüber, die Julian längst nicht mehr so beeindruckend wie in seiner Kindheit fand.

Julian parkte seinen Wagen und ging auf das B & J Café zu. Als er durch die Tür trat, drehten sich die Gäste in dem Café – ausschließlich Männer – nach ihm um und betrachteten ihn für einen Moment schweigend.

Julian war heute Morgen gleich nach einem Meeting mit dem Team des Militärkrankenhauses, das er leitete, zum Flugplatz gefahren und trug noch seine Uniform. Ihm wurde auf einmal klar, dass er in dieser Kleinstadt, die selten einen Fremden und noch seltener Militäruniformen sah, Aufsehen erregen musste.

Einige Männer nickten in seine Richtung, aber ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hatte keiner ihn erkannt.

Julian war nicht erstaunt darüber. Er hatte Murray als schüchterner magerer Siebzehnjähriger verlassen, mit einem abgebrochenen Vorderzahn und sonnengebleichten Haaren, die seine Tante ihm stets selbst geschnitten hatte, um das Geld nicht für so etwas Frivoles wie einen Friseurbesuch auszugeben. Jetzt war Julian ein Meter neunzig groß und durchtrainiert. Sein zerbrochener Vorderzahn war längst von einem Zahnarzt mit einer Jacketkrone versehen worden, und sein dunkles Haar hatte einen perfekten Militärschnitt.

Julian setzte sich in eine Ecke und betrachtete, während er auf die Kellnerin wartete, die anderen Männer. Er erkannte Mr. Shoemaker, den Bankier, und den alten Dr. Victor. Der uniformierte Hilfssheriff und – wie er aus dem Gespräch erkennen konnte – der hiesige Friseur waren ihm beide unbekannt.

Das Menü, das mit Kreide auf die schwarze Tafel geschrieben war, sah aus wie eh und je: Hamburger, Cheeseburger, Chili, gebratene Hähnchen, Steaks oder Fisch. Es gab Pommes frites, Bratkartoffeln oder Kartoffelpüree mit viel Butter. Der nationale Kampf gegen das Cholesterin schien Murray noch nicht erreicht zu haben.

Die Kellnerin war hübsch, und die anderen Männer im Café schienen das genauso zu bemerken wie Julian. Sie spaßten mit ihr, wenn sie ihnen Kaffee nachgoss. "Sara, erzähl uns doch mal, wer von uns gut aussehenden Männern der Unwiderstehlichste ist", sagte der Hilfssheriff und wies mit einer übertriebenen Geste zu den anderen Männern hinüber.

"Nun, Loonie, ihr verwirrt mich alle so sehr, dass ich kaum in der Lage bin, den Kaffee einzugießen. Sehen Sie sich doch nur einmal an, wie meine Hand zittert", erwiderte sie, während sie mit einer Hand, die so ruhig wie die eines Chirurgen war, die Kaffeetassen nachfüllte.

Sara. Der Name gefiel Julian. Und auch ihre Art.

Sara stellte die Kaffeekanne zurück auf die Wärmeplatte der Kaffeemaschine. Die junge Frau lächelte, als sie an Julians Tisch trat und den Bestellblock aus ihrer Tasche zog.

"Was kann ich für Sie tun?"

Sie hatte ein bezauberndes Lächeln und glänzendes braunes Haar. Sie war nicht so jung wie Julian sie zuerst eingeschätzt hatte, wahrscheinlich war sie schon um die dreißig. Er versuchte sich daran zu erinnern, ob er früher irgendein Mädchen namens Sara gekannt hatte.

"Gehört das Café immer noch Bea und Jim Cate?" fragte er.

"Sicher gehört es ihnen noch, und das jetzt seit zweiunddreißig Jahren. Kennen Sie sie?"

"Ja. Einige Jahre lang war ich der Fensterputzer der Stadt", erwiderte Julian und machte eine Kopfbewegung zu den großen Glasscheiben des Cafés. "Ich wurde für meine Dienste mit einem ganzen Dollar bezahlt, aber wenn ich meine Arbeit besonders gut gemacht hatte, gab mir Bea immer ein Stück von ihrem berühmten Apfelstrudel."

Sara lächelte wieder. Sie hatte wundervolle Zähne. Eine wundervolle Haut. Selbst in ihrer schlichten Kellnerinnenkleidung sah sie so hübsch aus, dass er sie am liebsten die ganze Zeit angestarrt hätte.

"Sie sind nach Oklahoma City zum Einkaufen gegangen, aber wenn Sie mir Ihren Namen nennen, werde ich ihnen sagen, dass Sie hier gewesen sind."

"Ja. Sagen Sie ihnen, dass Julian Campbell sie grüßen lässt. Ich werde versuchen, noch einmal hier vorbeizukommen, bevor ich die Stadt wieder verlasse."

"Nun, Julian Campbell, möchten Sie ein Stück von Beas berühmten Apfelstrudel, warm mit Eiscreme oder mit Cheddar Käse?"

"Mit Käse bitte und eine Tasse Kaffee."

Als Sara mit dem Strudel und dem Kaffee zurückkam, fragte sie: "So, Sie sind also in Murray aufgewachsen?"

Julian nickte. In seinen Gedanken formte sich das Wort unglücklicherweise, aber er sprach es nicht aus. "Und was ist mit Ihnen? Sind Sie von hier?"

"Nein. Ich bin aus Oklahoma City. Aber ich habe einen Jungen aus Murray geheiratet. Jim und Beas Sohn."

"Big Ben Cate?"

Ihr Gesicht hellte sich auf. "Ja! Haben Sie ihn auch gekannt?"

"Jeder in der Stadt kannte Ben. Er war der hiesige Fußballheld."

"Und wer waren Sie?" fragte Sara lächelnd.

Julian nickte. "Nur das Kind, das die Fenster putzte. Einmal spielte ich ein Jahr lang auf einer geliehenen Klarinette in der Marschkapelle der Stadt – und zwar schlecht."

"Ich spielte Klarinette in der Highschool. Seitdem habe ich keine mehr angerührt", rief sie ihm über die Schulter zu, während sie zur Kasse lief, damit Mr. Shoemaker seine Rechnung bezahlen konnte. Auch die anderen Männer bezahlten, und Julian sah zu, wie Sara die Tische abräumte, nachdem die Gäste gegangen waren, und ein leichtes Bedauern stieg in ihm hoch, als er den Goldring an ihrer schmalen Hand sah.

Aber trotz des Eheringes wartete er darauf, dass sie ihm ein letztes Mal die Kaffeetasse nachfüllte. Eigentlich mochte er keinen Kaffee mehr trinken, aber er wollte noch einmal ihr bezauberndes Lächeln sehen.

Das war bemerkenswert, denn in der letzten Zeit hatte er nie mehr als flüchtiges Interesse für das Lächeln einer Frau gezeigt. Er hatte sich bereits gefragt, ob dieser Zustand sich je wieder ändern würde.

Danke, Sara Cate. Zumindest wusste er jetzt, dass er noch lebendig war.

"Ah, Major Campbell, herzlich willkommen in Murray", sagte Percy Mason. Der einzige Notar der kleinen Stadt erhob sich halb vom Stuhl und reichte Julian die Hand. "Hatten sie eine gute Reise?"

"Ja. Aber es war nicht einfach, so plötzlich einige Tage frei zu bekommen. Ich hoffe, dass ich mich nicht zu lange hier aufhalten muss."

"Ich hätte mich bereits früher bei Ihnen gemeldet, wenn ich gewusst hätte, wo Sie sich aufhalten. Ich habe Sie durch das Pentagon ausfindig machen lassen. Die Beerdigung ihrer Tante findet morgen früh auf dem Methodisten-Friedhof statt. Ich nahm mir die Freiheit, einige Blumen in Ihrem Namen zu bestellen. Wir werden am Montagmorgen einen Grabstein aussuchen müssen."

"Die Methodistenkirche? Tante Rachel war eine Baptistin."

"Nun, sie und der Baptistenprediger haben sich vor einigen Jahren zerstritten. Wie Sie wissen, war Rachel Warren etwas nachtragend."

"Ja, das weiß ich. Was mich zu meiner wichtigsten Frage führt: Warum um alles in der Welt vererbte sie mir diese Farm? Meine Tante und ich sind nicht gerade im Guten auseinander gegangen."

"Ja, ich erinnere mich. Nun, eigentlich hat sie Ihnen die Farm auch gar nicht vererbt. Ihre Tante verstarb unerwartet, ohne ein Testament zu hinterlassen. Da Sie der nächste Verwandte sind – sogar der einzige Verwandte, soweit ich unterrichtet bin – steht Ihnen die Farm zu. Allerdings ist die Abwicklung des Erbes ohne Testament ein wenig komplizierter. Das Nachlassgericht muss Sie als rechtsmäßigen Erben anerkennen, bevor Ihnen die Farm offiziell überschrieben werden kann. Wir werden einige Dokumente vorlegen müssen, und das wird seine Zeit brauchen."

"Sie hat kein...



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