Dalton | Tom Prox 127 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 127, 64 Seiten

Reihe: Tom Prox

Dalton Tom Prox 127

Auf glühend heißer Fährte
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7517-5364-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Auf glühend heißer Fährte

E-Book, Deutsch, Band 127, 64 Seiten

Reihe: Tom Prox

ISBN: 978-3-7517-5364-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Was haben einige Lederbeutel voller Roh-Opale mit fünf Fässern Wein zu tun sowie einem Verbrechen, das schon fünf Jahre zurückliegt?
Diese verblüffende Frage treibt Tom Prox und seine Mitarbeiter Snuffy und Ben diesmal um, während sie in der Stadt Elko auf neue Order ihrer Vorgesetzten warten.

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2. Kapitel


Collins und Roger, die Sheriffsgehilfen von Elko, ritten mit wenig Interesse ihre Runde außerhalb des Towns. Elko war ein stiller Ort. Gewalttaten und Kapitalverbrechen kamen selten vor, und kleinere Streitigkeiten schlichteten die Towneinwohner am liebsten selbst, ohne den Sheriff in Anspruch zu nehmen.

Plötzlich stieß einer der beiden Reiter einen überraschten Pfiff aus. »Sieh dir die beiden dort vom an, Collins – sie reiten in Richtung Elko-Mountains! Fällt dir nichts an ihnen auf?«

Collins überlegte, ehe er erwiderte: »Nicht, dass ich wüsste! Sehen aus wie andere Weidereiter auch. Sind wahrscheinlich nicht aus dem Distrikt, sonst müssten wir sie kennen. Kommen sicher von Wells her und suchen nach einem neuen Job. Völlig uninteressante Vögel, falls du mich fragst.«

»Meinst du nicht, dass die Beschreibung, die uns Spencer von den beiden Galgenbrüdern Ballister und Fairbanks gab, haargenau auf sie zutrifft?«

Roger stieß nun ebenfalls einen Pfiff aus. Die Fremden ritten in einem Abstand von ungefähr hundertfünfzig Yards vor ihnen her, ohne besondere Eile zu entwickeln. »Kannst recht haben, Collins! Sehen wir sie uns einmal etwas genauer an!«

Sie ließen ihre Pferde ausgreifen.

Eine Zeit lang kümmerten sich die Reiter vor ihnen nicht um den rascher werdenden Hufschlag in ihrem Rücken. Dann jedoch, als die Sheriffsgehilfen bereits nahe heran waren, wandten sie sich um.

»Polizeireiter!«, stellte Dixon überrascht fest. »Nach den Anstrengungen zu urteilen, die sie machen, um uns einzuholen, haben sie etwas gegen uns.«

»Meinst du, dass wir ihnen entkommen? Sind bereits verdammt nahe heran.«

»Natürlich schaffen wir's! Unsere Gäule sind gut ausgeruht.«

»Well, Bruder!«, rief Mac und spornte sein Tier brutal an.

Dixon folgte seinem Beispiel.

Die Sheriffsgehilfen preschten in wildem Galopp hinter ihnen her.

»Damn – hattest recht, Collins!«, rief Roger seinem Kameraden zu. »Sie türmen, als hätten sie Dreck am Stecken!«

Es wurde eine wilde Jagd. Am Anfang versuchten die Sheriffsgehilfen, die Verfolgten durch Coltschüsse zum Halten zu veranlassen, gaben aber das Schießen bald wieder auf, da ihre Waffen nicht weit genug trugen. Sie beugten sich weit über die Hälse ihrer Pferde, um ihnen die Last zu erleichtern.

Die Pferde der Flüchtenden waren jedoch besser. Die Entfernung zwischen Jägern und Gehetzten vergrößerte sich von Minute zu Minute.

Schließlich gaben es die Verfolger auf. »Zwecklos, weiter hinter ihnen herzujagen«, stellte Collins fest. »Wir schaffen's nicht. Schließlich haben wir unsere Absicht ja auch erreicht. Sie reiten nach Wells und werden Elko so bald nicht wieder mit ihrer Anwesenheit beehren – jetzt, da sie wissen, dass wir ein wachsames Auge auf sie haben!«

Sie ließen ihre Gäule verschnaufen und kehrten zur Town zurück.

Ein wenig später sagte Dixon zufrieden: »Das hätten wir geschafft! Und ich verspreche dir eins: Unserm guten Freund Maccock wird es verdammt leidtun, den Sheriff hinter uns her gehetzt zu haben!«

»Du meinst ...«

»Na, was denn sonst«, erwiderte Dixon überzeugt.

Rancher Whiler und sein Vormann schritten mit Tom und Snuffy an der Längsmauer des langgestreckten Wohnhauses entlang. Plötzlich stieß Jack Single einen erstaunten Ruf aus und sprang zurück, als wäre er auf eine Cobra getreten.

Im nächsten Augenblick sahen sie, was los war: Ungefähr zwei Meter vom Haus entfernt führte eine Falltür in den Erdboden hinein. Beide Klappen derselben waren geöffnet. Wer nicht achtgab, konnte eine böse Überraschung erleben.

»Was hat denn das wieder zu bedeuten?«, fragte Whiler verblüfft. »Diese Tür ist vor zwei Jahren das letzte Mal geöffnet worden, soweit ich mich erinnere.«

»Vielleicht verschafften sich die Einbrecher auf diese Weise Zutritt zum Haus«, mutmaßte Snuffy. »Ich nehme an, dass es von hier aus in die Ranchkeller hinuntergeht.«

»Das ist der äußere Zugang zur Cold-Water-Hole«, erläuterte Whiler.

Fragend blickten ihn die Ghosts an.

Lächelnd erklärte er: »Wahrscheinlich wunderten Sie sich bereits über den seltsamen Namen meiner Ranch, Gents. Ich will Ihnen zeigen, welche Bewandtnis es damit hat. Folgen Sie mir!«

Ehe sie jedoch in die Tiefe stiegen, besah sich Tom die beiden Klapptüren eingehend. »Von innen her durch ein Vorhängeschloss gesichert, wie?«, fragte er. »Sehen Sie her: Die Falltür wurde mit einer Brechstange von außen aufgestemmt. Es muss viel Kraft erfordert haben, auf diese Weise den innen sitzenden Riegel abzureißen. Ein Mann allein hat das unter keinen Umständen geschafft.«

Sie stiegen in die Tiefe hinab und gelangten in einen niedrigen, kellerartigen Raum, in dem im Verhältnis zur Erdoberfläche eine erstaunlich niedrige Temperatur herrschte. Leises Rauschen erfüllte den Keller.

Als Tom einige Schritte hineintrat, sah er, woher es kam: Mitten durch das Kellergewölbe floss ein unterirdischer Bach. Er kam durch einen schmalen Einlass auf der einen Schmalseite und verließ es an der anderen.

»Seltsam«, murmelte Snuffy. »So etwas ist mir bisher noch nicht begegnet.«

Whiler lächelte. »Es stellt wohl auch eine Einmaligkeit dar. Als mein Großvater diese Ranch baute, stieß er auf den unterirdischen Bach. Damals waren die Zeiten noch sehr unruhig. Man musste immer wieder mit Überfällen rechnen, und da war mein Großvater der Meinung, es sei gut, auch im Falle einer Belagerung keinen Wassermangel zu leiden. Also richtete er diesen Keller ein. Wir lagerten Gegenstände darin, die kühl gehalten werden müssen, gebrauchen ihn aber nur selten, wie Sie sich denken können.«

Plötzlich machte er erstaunte Augen. »Was, zum Teufel ...?«, entfuhr es ihm. Verblüfft schwieg er wieder und blickte seinen Vormann fragend an.

»Was ist?«, knurrte Single verständnislos.

»Der Wein!«, stieß Whiler aufgeregt hervor. »Fällt's Ihnen denn nicht auf? Der Wein ist weg!«

Single machte ein dummes Gesicht und kratzte sich hinter den Ohren. »Das verstehe, wer will, Boss! Wer sollte ein Interesse daran haben, diese blöden fünf Fässer Wein zu stehlen?«

»Wäre es nicht ratsam, so zu reden, dass wir auch wissen, was los ist?«, fragte Tom ungeduldig.

»Ach so – yeah – Entschuldigung, Sir!« Whiler wandte sich an Tom. »An sich ist die Sache ganz einfach, Mr. Prox. Vor zwei Jahren brachte Mr. Maccock fünf Fässer kalifornischen Wein auf die Ranch und bat mich, sie in meiner Kaltwasserhöhle zu lagern.«

»Mr. Maccock – ist das dieser Makler aus Elko?«, wollte Tom wissen. »Welchen Zweck sollte es denn haben, den Wein hier einzulagern, Rancher?«

Whiler hob die Schultern. »Ihre erste Frage ist leicht beantwortet, Captain. Es handelt sich tatsächlich um den Makler aus Elko. Ein tüchtiger Mann, in allen Sätteln zu Hause. Ob es sich um Grundstücke, Beteiligungen oder Geld handelt – er erledigt alles, und ich muss sagen, mit sehr geschickter Hand. Ich selbst nehme seine Dienste oft in Anspruch. Was nun den Wein anbelangt: Jemand erzählte ihm, kalifornischer Wein gewinne ungeheuer an Qualität, wenn man ihn mehrere Jahre lang so kalt wie möglich lagert. Das will er ausprobieren. Die Fässer liegen seit zwei Jahren hier unten – lagen, muss ich ja jetzt wohl sagen. Seit ihrer Einlagerung kümmerten wir uns nicht mehr darum, weder Maccock noch ich.«

Tom stieg wieder zur Erdoberfläche empor. Snuffy folgte. Kopfschüttelnd schritt Whiler hinter den Ghosts her.

»Dass dieser Wein gestohlen wurde, werde ich nie begreifen, Chef«, erklärte Snuffy, während er sich an Toms Seite setzte. »Es ist nicht einfach, fünf volle Fässer zu transportieren. Und kalifornischer Wein ist gar nicht so wertvoll, dass sich die Mühe lohnte.«

»Es muss Spuren hier herum geben«, erwiderte Tom, ohne auf Snuffys Überlegungen einzugehen. Er wandte sich an Whiler. »Gibt es außer dem Haupttor noch einen andern Zugang zu Ihrer Besitzung?«

Der Rancher wies geradeaus. »Dort drüben. Sie können das Tor von hier aus nicht sehen, da es von Gesträuch verborgen wird.«

»Fünf Fässer Wein kann man nicht wegtragen. Sie müssen mit einem Fuhrwerk abtransportiert worden sein.«

Als sie das rückwärtige Tor erreichten, stieß Whiler einen überraschten Pfiff aus. »Es ist nur angelehnt; Gents! Dabei wird es ständig verschlossen gehalten. Wir benutzen es so gut wie nie.«

Tom stieß die breiten Torflügel auf und blickte ins Freie hinaus. Ein Weg, eigentlich nur aus einer Fahrrinne bestehend, führte am Tor vorbei. Er blickte über ein weites Stück Grasland hinweg, das nach ungefähr zwei Meilen Entfernung anstieg und in eine von Bäumen durchsetzte...



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