E-Book, Deutsch, Band 70, 64 Seiten
Reihe: Tom Prox
Dalton Tom Prox 70
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-1379-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Alarm am Indian Day
E-Book, Deutsch, Band 70, 64 Seiten
Reihe: Tom Prox
ISBN: 978-3-7517-1379-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Festtagsstimmung in Banff! Die 'Indian Days', die dreitägigen Feierlichkeiten der indianischen Völker sind angebrochen, und in dem sonst so beschaulichen Städtchen geht es zu wie in einem Bienenstock. Auf Wunsch der kanadischen Regierung auch vor Ort: Tom Prox und seine Ghosts, die angesichts des wilden Treibens nach dem Rechten sehen sollen. Dann aber kommt alles ganz anders. Statt mit harmlosen Trickdieben bekommt es die Mannschaft um Tom Prox mit einem gewissenlosen Verbrecher der übelsten Sorte zu tun. Einer, der weder Entführung und Mord scheut noch die eigenen Männer verschont, wenn sie versagt haben. Öl! Es geht um Öl! Und damit um ungeheuer viel Geld!
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Alarm am
Indian Day
Von Frank Dalton
Festtagsstimmung in Banff! Die »Indian Days«, die dreitätigen Feierlichkeiten der indianischen Völker sind angebrochen, und in dem sonst so beschaulichen Städtchen geht es zu wie in einem Bienenstock. Auf Wunsch der kanadischen Regierung auch vor Ort: Tom Prox und seine Ghosts, die angesichts des wilden Treibens nach dem Rechten sehen sollen.
Dann aber kommt alles ganz anders. Statt mit harmlosen Trickdieben bekommt es die Mannschaft um Tom Prox mit einem gewissenlosen Verbrecher der übelsten Sorte zu tun. Einer, der weder Entführung und Mord scheut noch die eigenen Männer verschont, wenn sie versagt haben. Öl! Es geht um Öl! Und damit um ungeheuer viel Geld!
Der junge Indianer setzte die Büchse ab. Er hatte einige der hier zahlreich vorhandenen Wildhühner schießen wollen und fühlte nun Misstrauen. Obwohl das Geräusch kaum zu hören gewesen war, hatte er es wahrgenommen. Nun wurde es lauter. Pferdehufe dröhnten auf, jemand schrie.
Die Rothaut glitt hinter den nächsten Felsblock.
Ein Reiter preschte heran, abgehetzt, mit allen Anzeichen äußerster Erschöpfung. Seine Kleider waren zerrissen, und aus den Fetzen seines Hemdes sah eine blutende Schulter hervor. Er lag über den Hals seines Pferdes gebeugt und sprach unablässig auf das Tier ein. Es nützte nicht viel, der Gaul war am Ende seiner Kraft.
Nun tauchten drei andere Reiter auf. Wüste Gesellen. Sie brüllten hinter dem Flüchtenden her. Dieser kümmerte sich nicht um ihre Aufforderung, stehenzubleiben. Die Rothaut hinter dem Felsen wusste, dass es um Leben und Tod ging.
Plötzlich stolperte das Pferd des Flüchtlings. Der Mann versuchte noch den drohenden Sturz aufzuhalten, aber es gelang ihm nicht. Ehe sich sein Gaul überschlug, sprang er aus dem Sattel, stürzte, raffte sich jedoch sofort wieder auf und lief zu Fuß weiter.
Wenige Schritte später hatten ihn die Verfolger. Sie warfen sich auf ihn, aber er wich geschickt aus. Dicht vor ihm fiel die Felswand in unbekannte Tiefen ab. Ohne zu überlegen schwang er sich über den gefährlichen Rand und versuchte hinunterzuklettern. Dem jungen Indianer schauderte, denn er kannte die Gegend nur zu gut.
Die Verfolger blickten dem anderen nach. Ihr Anführer, ein großer Kerl mit pockennarbigem Gesicht, zog den Colt, kam jedoch nicht mehr zum Schießen. Ein furchtbarer Schrei erscholl. Der Flüchtende hatte sich nicht halten können und war abgestürzt.
Der Pockennarbige steckte den Colt ins Holster zurück.
»Womit sich die Sache von selbst erledigt hat«, stellte er sachlich fest. »Wir können umkehren!«
»Jerry wird wütend sein, wenn er hört, dass der Mann zunächst entkommen ist«, erwiderte der eine seiner Begleiter.
Der Pockennarbige hob die Schultern. »Dafür können wir nichts – Brendon ist schuld. Er war es, der vergessen hat den Riegel vorzulegen.«
»Dann möchte ich jetzt nicht in Brendons Haut stecken«, überlegte der Zweite. »Wenn mich jemand auffordern würde zu wetten, wie lange er noch zu leben hat – ich würde nicht einen einzigen Cent riskieren!«
Der Dritte, klein, mickrig, mit brutalem Gesicht, fragte verschlagen: »Ist's denn nötig, dass wir uns das immer wieder gefallen lassen? Heute Brendon, morgen vielleicht ich und übermorgen einer von euch ... wenn ich's recht überlege, lohnt die Sache nicht mehr. Wir sollten alle miteinander ...«
»Ich glaube nicht, dass wir etwas tun können!«, erklärte der Pockennarbige streng. »Vor allen Dingen sollten wir unsere geheimsten Gedanken für uns behalten. Kehren wir zurück, berichten wir Jerry! Er wird Gift und Galle spucken. Aber schließlich waren wir ja nicht diejenigen, die den Fehler begangen haben.«
Die Männer kehrten um.
Die junge Rothaut wartete, bis nichts mehr von ihnen zu sehen war. Die Lust, nach Wildhühnern zu jagen, war ihm vergangen. Rasch strebte er seinem Zelt zu.
Dort warteten ein junges, hübsches Indianermädchen und eine alte Frau auf ihn. Das Mädchen wollte ihn mit einem Freudenruf begrüßen, aber er wehrte durch ein Zeichen ab. Ihr Gesicht wurde sorgenvoll.
»Ist etwas geschehen?«, flüsterte sie, als er sie in die Arme nahm.
Er erzählte, und ihr Gesicht wurde ebenfalls ernst.
»Wollen wir nicht lieber von hier fortgehen? Das Gebirge ist groß, und versteckt liegende Plätze gibt es genug.«
Die junge Rothaut überlegte.
Währenddessen blieb einer der Männer, die den Flüchtenden verfolgt hatten, unvermittelt stehen.
»Was ist denn das hier?« Er wies auf den sandigen Boden. Ein Fußabdruck war deutlich zu erkennen.
Die vier starrten auf die Spur.
»Mokassins«, stellte der Pockennarbige fest. »Irgendeine dreckige Rothaut muss sich hier herumtreiben.«
»Zu nahe an Holgin!«, erklärte der kleine Mickrige. »Das ist auch eine Sache, die wir Jerry melden müssen!«
»Hier in der Gegend zeigte sich bisher noch nie 'n Indio. Was mag das bedeuten?«
»Vielleicht verfolgen wir sie mal! Jerry wird zufriedener mit uns sein, wenn wir ihm gleich auch mitteilen können, von wem der Abdruck stammt.«
»Dass wir immer in ständiger Furcht vor Jerry leben müssen!«, begehrte der Mickrige auf. »Das passt mir nicht. Schon lange nicht mehr! Wenn's nach mir ginge ...«
»Willst du dich mit Macht umbringen?«, warnte der Pockennarbige. »Kümmern wir uns lieber um die Spur! Unsere Gäule können wir hier zurücklassen.«
Es war nicht einfach, den Fußspuren des Indianers zu folgen. Aber sie hatten Erfahrung im Spurenlesen, und so kamen sie auch dort voran, wo der Boden zum größten Teil aus gewachsenem Fels bestand. Schließlich hatten sie einen größeren Felsblock erreicht und gewahrten ganz in der Nähe ein indianisches Zelt, dessen Eingangsdecke zurückgeschlagen war. Menschen sahen sie jedoch nicht.
»Ausgerechnet in diese Gegend muss der Kerl kommen! Wartet. Ich werfe schnell einen Blick in seine Behausung!«
Damit war er davon. Er schaute nur flüchtig ins Zelt und gewahrte darin drei Gestalten: einen jungen Indianer, ein ebenso junges Mädchen und eine uralte indianische Squaw.
Sofort glitt er zurück. Die drei Rothäute sprachen miteinander.
»Ich halte es für das Beste, wenn Sumla nach Banff zurückkehrt«, sprach der junge Mann nachdenklich. »Die Dinge hier gehen uns zwar nichts an, aber ...« Er schwieg einen Augenblick. »Sumla könnte in einem Tag dort sein. Wenn sie sich an Captain Prox wendet – ich weiß zufällig, dass er sich der ,Indian Days' wegen dort aufhält. Er mag entscheiden, ob es wichtig ist oder nicht.«
Der Lauscher hatte genug gehört. Hastig entfernte er sich. Als er bei seinen Kameraden anlangte, hatte er es plötzlich sehr eilig.
»Auf dem schnellsten Weg nach Holgin!«, befahl er. »Dies ist eine Sache, die Jerry unbedingt wissen muss!«
»Noch eine Lage, Mixer!«, forderte Sergeant Patterson mit großspuriger Gebärde. »Die roten Gents hier sind heute meine Gäste, und Gästen gegenüber lasse ich mich nicht lumpen.«
Ben Closter schüttelte mahnend den Kopf. »Ich glaube, du hast für den heutigen Abend genug getankt, Langer! Falls der Chef uns unvermutet braucht, bist du nicht einsatzfähig.«
»Neidhammel!« Snuffy warf dem kleineren Kameraden einen verächtlichen Blick zu. »Tut dir nur leid, dass du nicht so viel verträgst wie ich! Leute wie dich trinke ich im Dutzend unter den Tisch, um hinterher bescheiden zu fragen: ,Gibt's hier denn wirklich nichts gegen den Durst?' Wozu sollte uns Tom schon brauchen? Blöde Sache! Geb' zu, dass es während der ,Indian Days' hier von Gaunern wimmelt. Aber sind Uhrabknöpfer, Brieftaschenzieher und Armbanddiebe denn Leute, mit denen wir uns sonst abgeben? Für uns kommen doch nur die allergrößten Hechte infrage! Und solche sind mir in Banff noch nicht begegnet!«
Der Barkeeper brachte die Schnäpse.
»Wer gleich bezahlt, vergisst es nicht!«, lachte Snuffy und zog einen Hundert-Dollar-Schein aus der Tasche.
»Augenblick, muss wechseln!«, entschuldigte sich der schwarze Kellner und wieselte davon, um gleich darauf mit schreckensbleichem Gesicht zurückzukehren. »Diese Hundert-Dollar-Note ...« Er begann zu stammeln. »Ich trage sie die ganze Zeit über in der Hand, und als ich sie an der Kasse zum Wechseln abgeben will ... nix mehr hundert Dollar! Nur noch ein Stück Papier! Ganz weiß!«
Er hielt Snuffy ein Stück Schreibpapier in Form und Größe einer Hundert-Dollar-Note hin.
»Nanu, solltest du zaubern können?«, fragte der Lange vergnügt. »Nicht weiter schlimm. Hab noch mehr von dem Zeug!« Wieder griff er in die Tasche, nahm dem Schwarzen das Blatt Papier aus der Hand und legte ihm einen neuen Hundert-Dollar-Schein hinein.
Die Züge des Kellners verklärten...




