Darius / Philipp | Silvia-Duett - Folge 06 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6, 128 Seiten

Reihe: Silvia-Duett

Darius / Philipp Silvia-Duett - Folge 06

Allein im Paradies/Es war dein Lächeln, Nathalie
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-0952-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Allein im Paradies/Es war dein Lächeln, Nathalie

E-Book, Deutsch, Band 6, 128 Seiten

Reihe: Silvia-Duett

ISBN: 978-3-7325-0952-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Allein im Paradies:

Weil das Schicksal ihr in der Vergangenheit immer wieder Wunden zugefügt hat, die zutiefst schmerzen, hat Sibylle Koch alle Brücken hinter sich abgebrochen und ist nach Hawaii gezogen. In diesem Paradies mit seinen weißen Traumstränden und der einmaligen Vegetation sucht sie Frieden und Glück.

Tatsächlich weichen die düsteren Schatten von ihrer Seele - bis sie ausgerechnet an einem der einsamsten Orte der Welt einem Mann begegnet, der ebenfalls Schweres hinter sich hat. Beide haben sie sich geschworen, ihr Herz nie wieder einem anderen zu öffnen, doch Sehnsucht und Leidenschaft sind stärker ...

Es war dein Lächeln, Nathalie:

Seit Tagen beobachtet Dr. Konrad Stein die geheimnisvolle Frau. Sie scheint nur abends auszugehen. Und sie trägt immer Schwarz, dazu einen Hut mit Schleier. Sie muss noch jung sein, denn ihre Bewegungen sind elastisch und von großer Anmut. Wenn der heiße Wind der Provence den Schleier fortwehen will, hält sie ihn hastig fest, also will sie ihr Gesicht verbergen. Warum?

Konrads Gedanken ranken sich immer öfter um diese Frau. Und dann sieht er sie eines Tages zu dem alten Schloss eilen, dessen Turm hoch über der Landschaft aufragt. Etwas treibt Konrad an, der Fremden zu folgen. Er sieht sie über die Plattform laufen, sich zwischen den Zinnen hindurchzwängen. Ein letztes Mal hebt der Wind den Schleier, und diesmal hält sie ihn nicht zurück ...

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Die junge Frau war schön. Und die junge Frau fiel auf – obwohl in Cannes Schönheit etwas ganz Alltägliches war.

Ihre Bewegungen waren geschmeidig und anmutig wie die einer Gazelle, und ihre großen, dunklen Augen leuchteten geheimnisvoll.

Dickes, blondes Haar fiel ihr weit über den Rücken.

Sie hatte eine Figur, die man sich weder durch Diät noch durch Gymnastik aneignen konnte. So eine Figur war ein Gottesgeschenk.

Nathalie war in vielerlei Hinsicht von den Göttern verwöhnt worden.

Sie war Model und ganz oben an der Spitze. Eine Tagesgage, wie sie sie erhielt, bekamen nur ganz wenige. Und sie war beinahe täglich ausgebucht.

Zumindest bis zu diesem denkwürdigen Tag im Oktober, der ihr Leben in mehr als einer Hinsicht verändern sollte.

Wie jedes Jahr, wenn der Nordwind anfing, an Türen und Fenstern zu zerren, war sie in den milden Herbst der Côte d’Azur geflüchtet.

Bis in den November brütete die Hitze über der Altstadt von Cannes, über dem Hafen mit seinen Luxusjachten und der berühmten Strandpromenade.

Bei einigen Häusern rankten sich Weinreben vor den Fenstern. Andere standen im Schatten der Tamarisken, Platanen und Ahornbäume.

Eindrucksvoll waren die kostbaren Gärten und japanischen Parkanlagen mit ihren kleinen Tempeln angelegt, und nahezu überall gab es Beete voll seltener Blumen und Düfte.

Die Sonne ging hinter dem Turm von Le Suquet unter, und Nathalie schlenderte, wie jeden Abend, über die Flaniermeile Boulevard de la Croisette.

Auf der einen Seite begleitete sie das Meer, und auf der anderen Seite standen das Casino und Geschäfte mit luxuriösen Schaufenstern, in denen Dessous, Schuhe und Juwelen ausgelegt waren.

Dazwischen befanden sich immer wieder Bistros, Bars und Restaurants mit kunstvoll gestalteten Büfetts. Austern und Seeigel thronten auf Gletschern aus Eiswürfeln, verziert mit Zitronenscheiben, Kaviar, Lachs und Hummer.

Nathalie war allein.

Nach dem Trubel im Studio und nach dieser heißen, lauten, konzentrierten Welt des künstlichen Lichts, der künstlichen Gebärden und des künstlichen Lächelns sehnte sie sich nach der Natur.

Nathalie versuchte sie, soweit es inmitten der Autoschlangen von Cannes überhaupt möglich war, zu finden.

Wenig später stand die junge Frau am Hafen.

Der Mond stieg höher und warf sein silbernes Band ins Meer, geradewegs auf eine Luxusjacht, die wie ein Geisterschiff draußen an der Mole lag.

Jetzt wurde das Beiboot ins Wasser gelassen und kam langsam auf Nathalie zu.

Der Mann, der das Boot steuerte, war nicht viel mehr als ein Schatten.

Als er näherkam, sah Nathalie, dass der Schatten schwarzes Haar und ein Lächeln hatte, das ihr Herz von der ersten Sekunde an schneller schlagen ließ.

In jener Oktobernacht begann ihre Liebe zu Mario Kaiser, jenem charmanten, blendend aussehenden Fabrikantensohn. Vom ersten Augenblick an bot er ihr einen Reichtum, den sein Vater und sein Großvater bereits erarbeitet hatten.

Anfangs gab niemand dieser Liebe eine Chance.

Mario war ein Playboy, der schöne Frauen ins Album seines Lebens klebte wie andere Männer Briefmarken.

Allen Gerüchten zum Trotz überlebte diese Liebe das nächste Jahr. Sie war heiß und voller Leidenschaft, und sie war bis zum Rand mit allem gefüllt, was die Welt des Jetsets bot.

Im Sommer hatte Mario Nathalie gebeten, seine Frau zu werden, und jetzt im Oktober waren sie nach Cannes zurückgekehrt, an den Ort, an dem ihre Liebe angefangen hatte.

Nathalie war so glücklich, dass sie nicht einmal mehr die bewundernden Blicke anderer bemerkte. Für sie gab es nur noch Mario.

»Hallo, Liebling!«, grüßte er aus seinem knallroten Sportwagen.

Natürlich zog auch Mario Blicke auf sich. Meist kamen sie von hübschen Mädchen, die scharenweise nach Cannes wanderten, um sich einen Millionär zu angeln oder wenigstens für einen Film entdeckt zu werden.

Oft wurden die jungen Frauen aber selbst zum Köder und waren wenig später von den Haien der Unterwelt verschluckt. Zuhälter und Drogenhändler lauerten an jeder Ecke.

»Ich bin spät dran!«, entschuldigte sich Nathalie ein wenig außer Atem.

Sie war gelaufen, wie immer, wenn Mario nur noch wenige Schritte von ihr entfernt war.

Der Herbstwind hatte ihre Wangen gerötet, und ihr Haar hatte die Farbe der goldenen Ähren eines Weizenfeldes.

»Bob war heute unzufrieden mit mir«, erklärte sie. »Ich sei mit den Gedanken nicht bei der Arbeit, wirft er mir vor.«

Sie lachte, und ihr Lachen war warm und prickelnd. Derjenige, der es hörte, öffnete sich, wie die Blüten sich öffnen, wenn die Frühlingssonne sie berührt.

Auf Mario hatte Nathalies Lachen eine ähnliche Wirkung. Voller Zärtlichkeit sah er sie an.

»Wo warst du denn mit deinen Gedanken?«, fragte er sie neckend.

Statt zu antworten, beugte sich Nathalie über die Tür des Wagens – es war so warm, dass man das Verdeck offen lassen konnte – und gab Mario einen Kuss.

»Dreimal darfst du raten …«, hauchte sie.

Dann ging sie, spitzbübisch lächelnd, um den Wagen herum, öffnete die Tür zum Beifahrersitz und stieg ein.

Mario startete den Motor und bog mit quietschenden Reifen um die nächste Ecke.

Sein Fahrstil entsprach seinem Wesen. Er war temperamentvoll, leichtsinnig und manchmal sogar rücksichtslos.

Aber welche verliebte junge Frau hätte an einem herrlichen Oktoberabend an der Côte d’Azur Vergleiche mit rücksichtsvolleren und ernsthafteren jungen Männern gezogen?

Nathalie band sich ein Kopftuch um und nahm sämtliche Gerüche, die die südfranzösische Küste zu bieten hatte, in sich auf. Sie speicherte sie und ordnete sie ein, als müsse sie noch lange davon zehren.

In den kleinen Restaurants am Kai von Villefranche-sur-Mer stritt der Geruch von Bouillabaisse mit dem Duft des Oleanders um die Vorherrschaft.

Fischerboote schaukelten auf sanften Wellen, und über den Sockeln der kleinen Hafenkapelle St. Pierre hingen Fischernetze zum Trocknen.

Mario stellte den Wagen ab und öffnete Nathalie die Tür.

Arm in Arm stiegen sie die unzähligen Stufen der Altstadt hinauf und hinunter, erfreuten sich an farbenfroh getünchten Häusern mit hölzernen Fensterläden und schmiedeeisernen Balkonen, auf denen sich Katzen müde rekelten.

Tagsüber waren die weiten Plätze von der Sonne beschienen, jetzt lagen sie im Dämmerlicht der Laternen.

In den Restaurants mischten sich die unterschiedlichsten Düfte verschiedener Speisen.

»Mir knurrt der Magen.« Das waren die ersten Worte, die Nathalie an Mario richtete.

Sie mussten nicht reden. Die Stille schloss sie ein wie ein unsichtbarer Kokon und schützte sie vor der Welt draußen.

»Und ich dachte, du kannst von Luft und Liebe leben, Chérie.«

»Normalerweise schon, aber nicht, wenn ich acht Stunden im Studio gestanden habe.«

Sie gingen in ein kleines, gemütliches Lokal am Hafen, in dem der Wirt noch persönlich an den Tisch kam. Vielleicht tat er es aber auch nur, weil er Nathalie erkannte.

Auf allen Titelblättern großer Zeitschriften war sie schon abgebildet gewesen.

»Ich kann Ihnen heute die Bouillabaisse empfehlen und hinterher frischen Lammbraten oder die gefüllten Tauben.« Der Wirt war so kugelrund, als koste er sämtliche Gerichte ausgiebig, ehe er sie auf die Speisekarte setzte. Vor allem die Desserts schienen es ihm angetan zu haben, denn er bekam glänzende Augen, als er sie aufzählte. »Und als Nachtisch haben wir Himbeerschaum mit Aprikosen, Fougasse mit Butter, Pain perdu, Calissons, Oreillettes, Zitronentorte …«

Nathalie entschied sich für die Bouillabaisse, Lammbraten und ein Stück Zitronentorte. Nur den Wein lehnte sie ab. Als Model hielt sie sich an die drei eisernen Regeln ihres Berufes: kein Alkohol, keine Zigaretten, viel Schlaf.

»Du bist schön«, sagte Mario und stieß mit ihrem Mineralwasser an. »Und ich liebe dich.«

Nathalie lächelte. Sie war glücklich.

Obwohl sie erst fünfundzwanzig war, galt sie als überaus erfolgreich. Vermutlich lag das an ihrer Schönheit.

Ihre Mutter wäre sehr zufrieden gewesen, wenn sie das noch erlebt hätte. Sie hatte ihr viel über Schönheit beigebracht, nur eins hatte sie Nathalie nicht mitgegeben – Selbstvertrauen.

»Chérie, wenn wir erst einmal verheiratet sind«, unterbrach Mario ihre Gedanken, nahm ihre linke Hand und spielte mit dem Brillanten ihres Verlobungsrings, »dann darfst du nicht mehr so viel arbeiten. Du hast viel zu wenig Zeit für mich.«

»Weniger arbeiten?« Nathalie erschrak. Sie liebte ihren Beruf, und was sollte sie sonst tun, außer schön zu sein? »Ich werde nicht weniger arbeiten. Mir macht mein Job Spaß. Ich werde ihn so lange ausüben, wie es nur geht. Und damit ich lange gefragt bin, muss ich eben diszipliniert leben.«

Nein, niemand durfte ihr die Stunden im Fotostudio und auf dem Laufsteg nehmen!

Diese Momente waren für Nathalie die Höhepunkte ihres Lebens. Dafür lebte sie, dafür war sie erzogen worden. Sie hatte doch nichts anderes …

»Diese verdammte Disziplin. Jeden Abend musst du vor Mitternacht ins Bett. Kein Glas Wein, keine Zigaretten, kein Laster.« Mario hatte schon etwas getrunken, was ihm nicht gut bekam. »Engelchen, neben dir muss man automatisch...



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