Dark | John Sinclair 1797 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1797, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

Dark John Sinclair 1797

Das zweite Ich der Laura Dern
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8387-2321-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Das zweite Ich der Laura Dern

E-Book, Deutsch, Band 1797, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

ISBN: 978-3-8387-2321-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wer war Laura Dern? Man kannte sie, denn sie war eine berühmte Filmschauspielerin. Aber war sie auch für die Taten verantwortlich, die in ihrem Umfeld geschehen waren?

Die Antwort war nicht einfach, das merkten wir, als wir uns auf Laura Derns Spur setzten -

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Die Frau stöhnte auf. »Was willst du jetzt hören?«

»Die Wahrheit.«

Da musste sie lachen. Allerdings nicht zu scharf. Sie wollte Rudy nicht beleidigen. »Ich habe in der letzten Zeit viel zu tun gehabt. Es muss mich auf deinen neuen Film vorbereiten, und ich hatte deshalb keine Zeit, um mich um mein Privatleben zu kümmern. Das musst du verstehen.«

»Ja, ja. Und jetzt?«

»Ist es schon spät.«

Rudy lachte. »Hör auf, Laura. Es mag zwar spät sein, aber nicht für dich. Ich kenne dich. Noch sind die Dreharbeiten nicht im Gange, da bist du selten müde. Dann bist du immer lange auf, das weiß ich.«

»Und weiter? Was weißt du noch?«

»Dass ich scharf auf dich bin. Richtig geil. Ich will dich, und ich will dich noch in dieser Nacht.«

»Also jetzt?«

»Klar.«

Laura stöhnte auf. »Das hast du dir alles nur eingebildet«, sagte sie und fügte ein Lachen hinzu. »Ich denke …«

Er ließ sie nicht ausreden. »Du willst es doch auch.«

Laura schwieg. Durch ihren Kopf huschten die Überlegungen. Wollte sie das wirklich?

Sie kannte Rudy. Er war ein attraktiver Mann. Sie hatte schon einige Nächte mit ihm verbracht, aber es war nie bis zum Äußersten gekommen. Sie hatte immer dafür gesorgt, dass Rudy eingeschlafen oder wieder gegangen war.

Und jetzt?

Laura Dern wusste, dass Rudy nicht aufgeben würde. Und sie musste genau taktieren, denn sie wollte ihn nicht zu sehr vor den Kopf stoßen. Er war ein Mann mit Einfluss. Er gehörte zu den wichtigsten Produzenten in der Filmbranche. Er konnte Karrieren pushen und sie auch zerstören.

Laura Dern sah sich zwar gut im Geschäft, aber ganz oben stand sie noch nicht, und gewisse Rücksichten musste auch sie nehmen, daran ging kein Weg vorbei. Jedenfalls musste sie geschickt vorgehen und durfte Rudy Sloane auf keinen Fall vor den Kopf stoßen. Er brachte es fertig und suchte sich eine andere für seinen neuen Film.

»Du kannst nerven«, sagte sie.

»Ich weiß. Darauf bin ich stolz. Aber nicht bei jeder, das ist ein Kompliment für dich.« Er räusperte sich. »Und jetzt sag nicht, dass du schon ins Bett willst. Nicht um diese Zeit.«

»Das habe ich auch nicht gesagt.«

»Und ich komme dir immer näher.«

»Wieso?«

»Ha, ich sitze in meinem Wagen und telefoniere. In spätestens zehn Minuten stehe ich vor deiner Tür.«

Sie wollte widersprechen, holte bereits Luft, als sie den Gedanken wieder verwarf. Stattdessen sagte sie etwas, das nach einem Kompromiss klang.

»Du hast es aber eilig.«

»Ja, nur bei dir. Und stell schon mal den Champagner kalt. Ist das ein Wort?«

»Er liegt schon auf Eis.«

»Dann ist es gut.«

Laura gab es auf. »Okay«, sagte sie, »du kannst kommen.«

»Na, das ist ein Wort. Und ich kann dir sagen, dass ich schneller als der Tod bin.«

»Ich habe es gehört. Aber damit sollte man nicht spaßen, Rudy. Der Tod kann oft ungemein flink sein.«

Die Worte hatte er schon nicht mehr gehört, denn er hatte das Gespräch bereits unterbrochen …

***

Einen Schlüssel besaß Rudy Sloane nicht. Er musste klingeln, um in die Wohnung zu gelangen. Das Haus stand an der Themse, mit herrlichem Blick auf den Fluss. Vier Wohnungen gab es in dem kastenförmigen Gebäude. Alle Wohnungen waren gleich groß, nur das Penthouse auf dem Dach hatte mehr Quadratmeter. Die Zimmer dort standen in der Regel leer, denn die Wohnung gehörte einem Scheich aus Dubai, der lieber in einer Wohnung lebte als in einem Hotel, wenn er in London war.

Wer in diesem Haus lebte, hatte die Wohnung kaufen müssen und dafür eine Menge Geld hingelegt. Aber Geld spielte bei Laura Dern keine Rolle. Sie war gut im Geschäft und hoffte, es noch eine Weile zu bleiben. Mit ihren dreißig Jahren fühlte sie sich jung genug.

Sie erwartete Rudy in einem besonderen Outfit. Ihr war bekannt, dass er ein bestimmtes Kleid an ihr liebte. Es bestand aus einem weißen Stoff, der sich eng an ihren Körper schmiegte und jedes Detail praktisch nachzeichnete.

Sie hatte sich ein wenig geschminkt und einen Hauch von Parfüm aufgelegt. Laura genoss es, das Kleid zu tragen. Sie mochte den weichen Stoff, der ihre Haut umschmeichelte. Und sie mochte auch den Ausschnitt, der die Ansätze ihrer Brüste freigab.

Sie stand vor dem Spiegel und war mit sich zufrieden. Das rotbraune Haar trug sie halblang. Ein Ohr lag immer frei, das andere war verdeckt. Ihr Gesicht war nur Durchschnitt, wie sie immer sagte, aber da waren noch die Augen, die das Besondere in diesem Gesicht ausmachten. Grüne Augen. Pupillen, die manchmal wie Edelsteine funkelten. Die eiskalt blicken konnten, aber auch sehr lieb und weich. Sie waren das Außergewöhnliche an ihr, und diese Augen hatten sie praktisch zum Filmstar gemacht.

Auch in ihr gab es etwas Besonderes, mit dem sie sich arrangiert hatte. Das sie auf der einen Seite erschreckte, aber auf der anderen nur zu ihrem Besten sein konnte. Sie sah es als einen Schutz an, der sie schon einige Male in ihrem Leben vor etwas Schlimmem bewahrt hatte.

Das alles ging ihr durch den Kopf, als sie sich betrachtete. Sie wartete auf Rudy, aber sie wusste auch, dass er sich keine zu großen Hoffnungen machen sollte. Bisher hatte sie ihn in die Schranken weisen können, und das wollte sie jetzt auch, ohne dass er beleidigt gewesen wäre. Sie wusste, dass er gern Champagner trank, und hatte zwei Flaschen in einen Eiskübel gestellt. Eine hatte sie bereits geöffnet. Gläser gab es auch, das war alles kein Problem, jetzt musste nur er selbst noch erscheinen.

Und er würde pünktlich sein. Er hatte sich noch nie verspätet, und auch an diesem Abend war er pünktlich. Laura hörte das Summen, ging zur Wohnungstür und schaute auf den kleinen Bildschirm rechts daneben.

Die Kamera war auf ein Gesicht gerichtet. Rudy Sloane war der Mann mit dem Dreitagebart und einem jungenhaften Grinsen um die Lippen. Das hatte er beibehalten, obwohl er schon fünfzig Jahre alt war. Auch seine Kleidung konnte man nicht eben als seriös ansehen. Am liebsten trug er Jeans und Freizeithemden. Lederjacken liebte er auch, und nur bei offiziellen Anlässen trug er einen Anzug.

An diesem Abend natürlich nicht. Da glänzte das Leder der dünnen lässigen Jacke.

Laura öffnete ihm die Haustür. Ihre Wohnung lag in der ersten Etage. Er musste nur kurz die Treppe hoch eilen, dann stand er vor der Wohnungstür. Für besonders lauffaule Menschen gab es einen Lift, aber den würde ein Mann wie Rudy Sloane nie nehmen.

Die Frau stellte sich in die offene Tür. Kaum dass Rudy sie sah, fingen seine Augen an zu glänzen. Er breitete die Arme aus, lachte breit und fächerte mit einem Blumenstrauß, den er in seiner linken Hand hielt. Es waren ein paar wenige Herbstrosen, die Laura so gern mochte. Sie musste auch keine großen Sträuße haben, die kleinen reichten ihr aus.

Beide lagen sich in den Armen, und der Mann stöhnte leise auf, als er die Worte sagte: »Es ist unbeschreiblich, in deinen Armen zu liegen. Ich spüre dich. Ich spüre alles an dir …«

»Ja, ja – komm erst mal rein.«

»Und wie ich reinkomme.«

Beide lachten über die Zweideutigkeit. Laura gab den Weg frei, und Rudy Sloane wusste, wohin er zu gehen hatte. Seine Jacke verschwand in einem Garderobenschrank, dann ging er Laura nach, die den kleinen Strauß in eine Vase stellte.

Das Wohnzimmer war sehr geräumig und mit hellen Möbeln eingerichtet. Die Kissen bildeten Farbkleckse, und auch ein roter Teppich gehörte dazu, der in verschiedenen Farben changierte.

Der Kühler stand auf dem runden Glastisch. Langstielige Gläser standen auf einem Silbertablett bereit, und Rudy Sloane sah, dass eine Flasche bereits entkorkt war.

»He, darf ich einschenken?«

»Ich bitte darum.«

Rudy Sloane freute sich wie ein kleines Kind. Er schaute zu, wie das edle Getränk in die Gläser rieselte, die Perlen an die Oberfläche stiegen, dann war das eine Glas so weit gefüllt, dass er es an Laura weiterreichen konnte.

»Auf was trinken wir?«, fragte sie, während er auch sein Glas füllte.

»Auf dich.«

Laura lachte. »Warum das denn?«

»Weil du eine wunderschöne Frau bist.«

»Hör auf, du Schmeichler. Du übertreibst. Gerade in unserer Branche sollte man vorsichtig sein.«

»Aber ich meine es ehrlich.«

»Das hoffe ich doch.«

Beide lachten, dann stießen die Gläser aneinander, hinterließen einen hellen Klang, und wenig später rann das kalte Getränk in die Kehlen der beiden.

»Das tat gut«, sagte Rudy Sloane stöhnend, nahm einen zweiten langen Schluck und trank das Glas leer. »Sorry, aber ich hatte einen gewaltigen Durst.«

»Kann ich verstehen.«

Der Produzent füllte sein Glas erneut. Dann sah er so aus, als wollte er auf Laura zugehen, blieb jedoch schon nach einem Schritt stehen und schüttelte den Kopf.

»Was hast du?«, fragte Laura.

Er zuckte mit den Schultern. »Das weiß ich auch nicht so genau. Ich höre nur ein seltsames Geräusch.«

»Was denn?«

»Es – es – scheint zu rauschen.«

»Das stimmt.«

»Und was bedeutet das?«

»Ich habe Wasser in den Whirlpool eingelassen. Das ist doch auch in deinem Sinn – oder?«

Rudy Sloane riss den Mund auf und holte tief Luft. »He, das ist ja bärenstark.«

»Dann bist du dabei?«

»Und ob.« Er freute sich, bewegte aber seine Arme dabei so hektisch, dass...



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